Öffentlicher Nahverkehr – Fahrscheine

Beispiel für den Großraum Tōkyō/Kantō: Suica

(English version here)

Der Großraum Tōkyō/Kanto (wie das ganze Land) verfügt über eine erstklassige Nahverkehrsinfrastruktur und gleichzeitig auch auch über ein System, das ein Fahren mit dem “falschen Fahrschein” nicht gestattet (und praktisch auch unmöglich macht). Befürchtungen, als wenig Orts- und Sprachkundiger vor unüberwindbare Hürden beim Kauf des “richtigen Fahrscheins” gestellt zu werden, sind allerdings unbegründet.

Ich möchte auf die verschiedenen Hinweise, die man bezüglich des Fahrscheinkaufs immer wieder mal liest, hier nicht weiter eingehen, sondern jedem Besucher, der sich für länger als nur zwei, drei Tage in Japan aufhält, empfehlen, sich gleich nach der Ankunft eine „Suica”-Karte (“Super Urban Intelligent Card”) (Bild) zu besorgen. Die ursprünglich in erster Linie im Großraum Tōkyō einsetzbaren Prepaid-Karten (Suica und Pasmo – im Verein mit anderen, regionalen Kartensystemen) wurden inzwischen landesweit ausgerollt und können in vielen Ballungsgebieten und darüber hinaus genutzt werden.

Suica

Suica

Es handelt sich hierbei um kreditkartengroße Chipkarten, die mit Bargeld „aufgeladen” werden können. Beim Passieren der Zugangssperren zu den Bahnanlagen, bzw. beim Betreten der Busse, hält man diese Karten auf eine blau leuchtende Lesefläche, die dann den der Fahrt entsprechenden Preis vom auf der Karte gespeicherten Guthaben abbucht. D.h. bei Bahnfahrten „merkt” sich die Karte die Einstiegsstation und bucht dann beim Verlassen der Zielstation den entsprechenden Fahrpreis automatisch ab. Bei Busfahrten wird i.d.R. ein Universalfahrpreis (er ist im Raum Tōkyō meist unabhängig von der Fahrstrecke) beim Besteigen des Busses abgebucht.

Ein unerhört unkompliziertes Verfahren, da die Karte Nahverkehrsbetriebs-übergreifend eingesetzt werden kann und die Karte auch Umsteigeaktionen zwischen den Betreibern der einzelnen Fuhrunternehmen „beherrscht”. Im Großraum Tōkyō operieren nämlich nicht nur Japan Rail (JR East) und zwei verschiedene U-Bahnbetreiber, sondern auch mehrere Privatbahnen und Busbetriebe, die alle ihr eigenes Fahrpreissystem haben.

Aber wie kommt man an eine solche „Suica”? Bei Japan Rail (JR East) gibt es bereits Automaten, an denen man solche Karten „kaufen” kann (die Karte selbst kostet eine einmalige Gebühr von 500 Yen). Ein Beispiel eines solchen Automaten sieht man auf Bild 1.

Suica/Pasmo-Karten-Automat

Suica/Pasmo-Karten-Automat

Sollten derartige Automaten nicht vorhanden sein, gibt es in fast jedem Bahnhof von Japan Rail (JR East) ein „midori-no-madoguchi” (Bild 2) – dort bekommt man seine „Suica” auf jeden Fall.

Midori-no-madoguchi (みどりの窓口)

Midori-no-madoguchi (みどりの窓口)

Der Aufladevorgang für diese Karten ist denkbar einfach, weil fast alle Automaten der Bahn- und U-Bahnbetreiber auch Englisch „sprechen”. Anhand eines Automaten von Japan Rail (JR East) habe ich den Aufladevorgang bildhaft dokumentiert (die Automaten der anderen Betreiber sehen etwas anders aus, die Bedienmenüs sind auch ein bisschen anders aufgebaut, aber der Aufladevorgang geht überall gleich vonstatten). Die richtigen Automaten erkennt man an der Aufschrift „Suica” und/oder „PASMO”) (Bild 3).

Suica/Pasmo-Auflade-Automat

Suica/Pasmo-Auflade-Automat

  • Zunächst drückt man den Knopf zu Sprachanwahl (Bild 4) (bei vielen Automaten wird die Sprache per Touchscreen ausgewählt).
Sprachauswahl

Sprachauswahl

  • Anschließend führt man seine „Suica” in den entsprechend gekennzeichneten Eingabeschlitz ein (keine Angst davor, den „falschen Schlitz” zu erwischen – die anderen „passen” ganz einfach nicht) (Bild 5).
Suica einführen

Suica einführen

  • Anschließend erscheint ein Bildschirm, auf dem der gewünschte Aufladebetrag angetippt werden kann (Bild 6); viele Automaten zeigen auch das noch vorhandene Guthaben an.
Aufladebetrag wählen

Aufladebetrag wählen

  • Daraufhin wird man aufgefordert, den gewünschten Betrag über den entsprechenden Eingabeschlitz zuzuführen (Bild 7 und Bild 8). Sollte man nicht die passende Stückelung mit sich führen – kein Problem! Die Automaten geben Wechselgeld in Scheinen aus.
  • Bezahl-Aufforderung

    Bezahl-Aufforderung

    Bezahlvorgang

    Bezahlvorgang

  • Am Ende des Aufladevorgangs fragen fast alle Automaten danach, ob man eine Quittung wünscht oder nicht (Bild 9) – spätestens, wenn man hier entsprechend bestätigt hat, spuckt der Automat die Suica (sowie ggf. Wechselgeld und Quittung) wieder aus. Und schon kann man wieder völlig unbeschwert seine Reise fortsetzen.
Aufladeabschluss

Aufladeabschluss

Übrigens: Sollte die Suica beim Verlassen von Bahn- oder U-Bahnstationen feststellen, dass das vorhandene Guthaben für den Gesamtfahrpreis nicht ausreicht: Kein Problem! Die Ausgangsschranke bleibt dann verschlossen, und man kann an einer „Fare Adjustment Machine”, die sich im Ausgangsbereich jeder Station befindet, das fehlende Restgeld auf die Karte laden.

Das System ist wirklich narrensicher und bequemer als alles, was ich in Deutschland je erlebt habe.

Übrigens sind die Karten, wie oben bereits erwährnt die JR East ausgibt, nicht nur auch weit über das Stadtgebiet von Tōkyōs einsetzbar, sondern werden auch in Supermärkten, Convenience-Stores, Taxis etc. als Zahlungsmittel akzeptiert.

Lesen Sie auch:
U-Bahn-Etikette / Subway-Etiquette

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15 Responses to Öffentlicher Nahverkehr – Fahrscheine

  1. moryce says:

    Wow, absolut genial! Wenn ich da an den Frankfurter Nahverkehr denke, kommen mir echt die Tränen…

    • toomasu says:

      Und wenn Du dann noch siehst, wie reibungslos der Zugverkehr hier läuft, kommst’e aus dem Heulen in good old Frankfurt gar nicht mehr ‘raus.

  2. […] Public Transport – Tickets (Example for the Tōkyō/Kanto Area: Suica) (deutsche Ausgabe hier) […]

  3. […] U-Bahnen in Tōkyō – Teil 1: Fukutoshin-Linie, Kita Sandō Öffentlicher Nahverkehr – Fahrscheine […]

  4. […] macht. Aber der gewiefte Leser dieses Blogs weiß spätestens seit dem Artikel zum Fahrkartenkauf (Öffentlicher Nahverkehr), dass er sich darüber keine Gedanken zu machen […]

  5. […] Weitere Artikel zu diesem Thema: U-Bahnen in Tōkyō – Teil 1: Fukutoshin-Linie, Kita-Sandō U-Bahnen in Tōkyō – Teil 2: Fukutoshin-Linie, Shibuya Öffentlicher Nahverkehr – Fahrscheine […]

  6. […] von Japan Rail für das „fahrscheinlose“ Bezahlen im Nahverkehr in Umlauf gebracht; mein Artikel zu dem Thema gibt weitere Informationen). Und auch wenn es letztendlich eine Geschmacksfrage bleibt, bin ich der […]

  7. […] nach Takao-san guchi Bahnhof (高尾山口駅) und kostet nur ¥370 (Stand: 2008). Und wer eine Suica hat, braucht sich um die Preisgestaltung ohnehin nicht zu kümmern. Außerdem kann man mir der JR […]

  8. […] die nicht mit einer „Suica“- oder „Pasmo“-Karte unterwegs sind (siehe mein Artikel „Öffentlicher Nahverkehr – Fahrscheine (Suica)“ ), kommt dann irgendwann die Frage: Wie kaufe ich ein Ticket für die Fahrt mit der […]

  9. […] / はこねとざんてつどうせん) – wer sie bei sich trägt, kann diese Bergbahn mit seiner Suica- oder Pasmo-Karte benutzen. Ansonsten gibt es natürlich auch hier Fahrkartenautomaten, die den U-Bahn-Automaten […]

  10. […] Öffentlicher Nahverkehr – Fahrscheine April 2009 10 comments 3 […]

  11. […] – die Fahrt dauert nur ein paar Minuten (250 Yen – übrigens ist in Fukuoka auch die „Suica“ als Zahlmittel für die U-Bahnen […]

  12. […] Verkehrsnetz erwähnte Suica-Card kann ich nur jedem empfehlen (»how to buy/use/reload ist hier toll erklärt). Am besten direkt am Flughafen Narita besorgen und gleich mit dem NEX in die Stadt […]

  13. […] Mit der Keiō Inokashira-Linie (京王井の頭線 / けいおういのかしらせん) nach Nishi Eifuku-ji (西永福駅 / にしえいふくじえき) und vom dortigen Nordausgang (北口) ca. 7 Minuten zu Fuß durch das gar nicht mal so unmalerische Nishi Eifuku (西永福 / にしえいふく). Überqueren Sie die Inokashira Dōri (井の頭通り / いのかしらどおり) in nördlicher Richtung zur Hōnan Dōri (方南通り / ほうなんどおり), die direkt zum Schrein führt. Fahrzeit von Shibuya: 18 Minuten. Fahrpreis (derzeit): 160 Yen bzw. 154 Yen bei Benutzung einer Suica. […]

  14. […] / まくはり), z.B. von Shinjuku in 58 Minuten für 640 Yen (bzw. 637 Yen bei Benutzung einer Suica). Dieser Bahnhof liegt allerdings fast 3 km nordöstlich des Messegeländes und ca. 3,5 km vom […]

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