Mukōjima – 向島 (3)

Perle am Sumidagawa (Teil 3)

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Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.

teil-3

Während der ersten beiden Teile meiner “Mukōjima-Trilogie” haben wir die ersten Stationen auf unserem Pilgerweg zurück gelegt – heute bringen wir unseren Rundgang zum Abschluss.

Je nachdem, wie viel Zeit man zur Verfügung hat, kann man sich an dieser Stelle entscheiden, ob man seine Pilgerschaft zu den restlichen drei Glücksgöttern fortsetzt oder sich einen Spaziergang durch die malerischen Gassen von Mukōjima gönnen soll. Ich hatte mich bei meinem ersten Besuch für die „Altstadt” entschieden. Ein besonders malerischer Teil lässt sich recht einfach erreichen, indem man in Richtung des Süßigkeitengeschäfts „Kototoi Dango” (言問団子), an dem man zuvor vorbei gekommen ist, zurück läuft und dann die breite Hauptstraße Nr. 461 (Bokutei-Dōri) (墨堤通り) in Richtung Norden einschlägt. Vorbei an der Asahi Bierbrauerei (アサヒビール) (auf der linken Straßenseite) bis zu nächsten Ampel (ca. 400 Meter vom Kototoi Dango entfernt) und dann nach rechts in die Hatonomachi Dōri (鳩の街通り/ はとのまちとおり ) (Taubenstadtstraße) abbiegt.

Hatonomachi Dōri

Ich bin mir ziemlich sicher: Wer vorher schon andere „shitamachi” (下町 / したまち) (Unterstädte) Tōkyōs gesehen hat und diese schon faszinierend fand, wird sich in die Hatonomachi Dōri erst recht verlieben. Hier fühlt man sich wirklich in eine längst vergangene Welt kleinbürgerlicher Beschaulichkeit zurück versetzt. Die unzähligen, kleinen Geschäfte, die malerischen Seitengassen und Wohngebäude sind ganz einfach den Besuch und das Durchschlendern wert. Dabei ist Mukōjima hier – z.B. im Vergleich mit Yanaka (einer anderen, berühmteren „shitamachi”) – in erfrischender Weise untouristisch. Hier scheinen „wirklich” noch Leute zu leben. Wohnhäuser und Geschäfte sind authentischer, weniger marktschreierisch, liebenswerter eben. Ein halbes Stündchen durch die Gassen zu schlendern, ist jedenfalls ein Erlebnis, das (zumindest für mich) die Grandiosität anderer, berühmterer Sehenswürdigkeiten Tōkyōs bei Weitem in den Schatten stellt. Vielleicht wirkt hier alles nicht so supermodern, wie in andern Teilen Tōkyōs, aber Mukōjima „lebt” und ist alles andere als im superschicken Charme des neuen Tōkyō erstarrt. Wer hätte gedacht, dass ich „Landleben” mitten in der Stadt würde finden können?

Hatonomachi Dōri

Hatonomachi Dōri

Am südöstlichen Ende der Hatonomachi Dōri hat man dann die Möglichkeit, entweder über die Mito Kaidō, eine breite, nicht mehr ganz so charmante Einkaufs- und Geschäftsstraße, zurück zum Sumida Kōen zu laufen (ca. 1.500 Meter), oder seinen Pilgerweg zu den anderen drei Glückgöttern Mukōjimas fortsetzen.

Im Norden befindet sich noch der Mukōjima Hyakkaen (向島百花園 / むこうじまひゃっかえん) (Garten der hundert Blumen) den ich bisher noch nicht besucht habe (deswegen gibt es hier auch noch keine Bilder). Dorthin gelangt man über die Mito Kaidō bis zur Kreuzung „Higashi Mukōjima” (東向島), wo man sich nach links (Westen) hält und auf die Meiji Dōri (明治通り / めいじとおり) wechselt. Nach ca. 400 Metern liegt der Garten auf der linken Seite der Meiji Dōri. Und auch wenn sich hier weder ein Schrein noch ein Tempel befinden, ist der Garten Heimstätte für Fukurokuju (福禄寿 / ふくろくじゅ), die Gottheit des Reichtums, der Weisheit und des langen Lebens. Gegen ein geringes Entgelt kann der Park betreten werden.

Folgt man vom Mukōjima Hyakken der Meiji-Dōri weiter in nordwestlicher Richtung bis zur Kreuzung Shirahigebashi Higashimusubi (白鬚橋東結 / しらひげばしひがしむすび) und biegt dort nach links auf die Bokutei-Dōri (墨堤通り) in südlicher Richtung ab, findet man nach ca. 300 Metern linker Hand den Shirahige Jinja (白鬚神社 / しらひげじんじゃ), der Schrein des „weißbärtigen Gottes”. Der Schrein war während der Krönungsfeierlichkeiten des jetzigen Kaisers (Heisei / 平成 / へいせい) von Terroristen niedergebrannt worden – davon ist heute nichts mehr zu sehen. Die hübsche kleine Anlage erinnert heute wieder an ihre Ursprünge in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Der Name des Schreins erklärt sich auch aus seiner Beziehung zu Jurōjin (寿老神 / じゅろうじん), der Gottheit des langen Lebens und der Gesundheit, der meist als langbärtiger Alter dargestellt wird.

Shirahige Jinja / 白鬚神社

Shirahige Jinja / 白鬚神社

Shirahige Jinja / 白鬚神社

Shirahige Jinja / 白鬚神社

Ziemlich weitab liegt die „Heimstätte” des siebten Glücksgottes, Bishamonten (毘沙門天 / びしゃもんてん), der Schutzgöttin des Militärs, aber auch der Selbstverteidigungskünste, des Sports (inkl. Golf): Der Tamon-ji (多聞寺 / たもんじ) – ein sehr schmucker, wohl-gepflegter, kleiner Tempel, dem Bishamonten offensichtlich wohlgesonnen ist. Wer den langen Fußweg vom Shirahige-Jinja vermeiden möchte (ca. 3 km), kann ihn entweder mit der Tōbu Isesaki-Linie von Higashi Mukōjima Bahnhof (東向島駅 / ひがしむこうじまえき) nach Kanegafuchi Bahnhof (鐘ヶ淵駅 / かねがふち) (nur eine Station entfernt) erreichen. Von dort zu Fuß zurück zur Bokutei-Dōri (墨堤通り) und dann ab der Kreuzung Kanegafuchi Rikkyō (鐘ヶ淵 陸橋 / かねがふちりっきょう) in nördlicher Richtung. Und dort schaut man dann wahrscheinlich am besten in einen mitgebrachten Stadtplan. Aber bitte nicht erschrecken: Der Tempel selbst liegt zwar in einem ganz schnuckeligen Wohngebiet, ist aber umgeben von einem großen und ziemlich hässlichen Gewerbegebiet und der Hochstraße des “Shuto Expressway Nr. 6”.
Der Tamon-ji gilt als eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Tōkyōs und stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Außerdem befindet sich hinter dem Haupttor des Tempels rechter Hand ein kleines Mahnmal, das an die Zerstörungen, die die Stadt während des 2. Weltkriegs erlitten hat, erinnert.

Tamon-ji / 多聞寺

Tamon-ji / 多聞寺

Tamon-ji / 多聞寺 - 2. Weltkrieg-Mahnmal

Tamon-ji / 多聞寺 – 2. Weltkrieg-Mahnmal

Tamon-ji / 多聞寺

Tamon-ji / 多聞寺

Und wer sich dann schon so weit in den Norden von Sumida-ku vorgewagt hat, wird wohl mit der Bahn zum Anfangspunkt des Spaziergangs zurück kehren wollen. Am besten kehrt man deswegen zur Station Kanegafuchi (鐘ヶ淵駅 / かねがふち) zurück und nimmt die Tōbu Isesaki-Linie nach Asakusa (浅草 / あさくさ) (vier Stationen bis zur Endstation) – der Weg zu den U-Bahnen, die etwas südlich des Bahnhofs von Asakusa liegen, wo unser Rundgang begonnen hatte, ist beschildert.

Mehr zu Mukōjima in:
Mukōjima – Perle am Sumidagawa (1)
Mukōjima – Perle am Sumidagawa (2)

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8 Responses to Mukōjima – 向島 (3)

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  4. […] German version of this posting you can find here. Eine deutsche Version dieses Artikels finden […]

  5. […] wenn noch ein paar Viertel erhalten sind, die sich den Charme der alten Zeiten bewahrt haben (z.B. Mukōjima, Shibamata), kann man doch kaum sonst irgendwo traditionelle Wohn- und Geschäftshäuser so […]

  6. […] Perle am Sumidagawa (3)  (German version) Pearl on the banks of the Sumidagawa (3) (English version) – Hatonomachi Dōri, Shirahige Jinja, Tamon-ji […]

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