Die Meiji Maru (明治丸)

24. February 2017

Eisernes Sinnbild für die Modernisierung Japans

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Aufgrund der großen Anzahl der verfügbaren englischsprachigen Quellen zu diesem Schiff, ist keine englischsprachige Version dieses Artikels vorgesehen.
Due to the numerous resources available in English about this ship, an English version of this posting is not planned (but let me know, should a translation make you happy…).

Die Meiji Maru (明治丸 / めいじまる) war ein in ihrer Zeit ungewöhnlich luxuriöses Schiff für die Versorgung von Leuchttürmen. Es war von der japanischen Regierung in Großbritannien in Auftrag gegeben worden, und im Jahr 1873 wurde ihr Kiel auf der Napier & Sons Werft in Govan (Glasgow) gelegt. Nach seiner Fertigstellung im November 1874 wurde es  1875 auf die Reise von Glasgow nach Yokohama geschickt, wo die Meiji Maru im Februar desselben Jahres ankam. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung war sie ein Zweimast-Toppsegelschoner von mehr als 1.000 Tonnen (brutto), einer Länge von 86,6 Metern und einer Breite von 9,1 Metern. Außerdem war sie ausgerüstet mit Doppelschiffsschrauben und zwei Dampfmaschinen mit 1.100 PS (ich habe auch Quellen gefunden, die von 1.530 PS sprechen), die das Schiff auf eine Geschwindigkeit von 11,5 Knoten brachten. Es war damals „state of the art“ und sollte auch auf den Meeren zeigen, dass Japan sich anschickte, sich zu einer modernen Nation zu entwickeln.

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Der Meiji Tennō (Mutsuhito, 1852-1912) war an Bord des Schiffes, als es zu seiner Einweihungsfahrt von Yokosuka (横須賀 / よこすか) nach Yokohama (横浜 / よこはま) in See stach (die beiden Städte liegen ungefähr 40 km Luftlinie von einander entfernt). Seinen Namen trägt das Schiff aus gutem Grund: Ebenso modern, wie das Schiff, wollte sich auch der Monarch geben, der die Regentschaft der Shōgune beendet und das Heft der Macht wieder in die eigenen Hände genommen hatte.

Der Kaiser, den bisher kaum ein Mensch zu sehen bekommen hatte, tat alles, um seine neu gewonnene Macht zu festigen. Besuchsfahrten in alle Winkel seines Reiches gehörten dazu und steigerten seine Popularität ungemein.
Auf seiner Tour durch den Nordosten der japanischen Hauptinsel und Hokkaidō ging Kaiser Meiji in Aomori (青森 / あおもり), Nordjapan, 1876 an Bord der Meiji Maru und segelte mit ihr nach Hakodate (函館 / はこだて) in Hokkaidō (北海道 / ほっかいどう) – beide Städte werden nur von der hier etwa 120 km breiten die Tsugaru-Straße (津軽海峡 /  つがるかいきょう) getrennt. Seine Reise endete am 20. Juli 1876 mit seiner Ankunft in Yokohama in der Präfektur Kanagawa (神奈川県 / かながわけん). Dieser Tag wird bis auf den heutigen Tag als „Tag des Meeres“ (海の日 / うみのひ) als Nationalfeiertag begangen.

Die Meiji Maru war für ungefähr 20 Jahre im Einsatz als Versorgungsschiff für Leuchttürme, bevor sie 1896 als Trainingsschiff für die Seefahrtsschule (東京商船学校 / とうきょうしょうせんがっこう) in Reiganjima ( 霊岸島 / れいがんじま), heute Shinkawa (新川 / しんかわ) im Tōkyōter Bezirk Chūō (中央区 / ちゅうおうく) vor Anker ging und schließlich bei der Verlegung der Schule nach Etchūjima (越中島 / えっちゅうじま) (1902) im Bezirk Kōtō (江東区 / こうとうく) dorthin umzog. Bereits 1897 war das Schiff ins Eigentum der Schule übergegangen und 1901 zu einem Dreimast-Vollschiff umgebaut worden, um von da an fest vor Anker zu verbleiben.
Die Seefahrtsschule wurde 1925 zur Seefahrts-Hochschule (東京高等商船学校 / とうきょうこうようしょうせんがっこう) und schließlich nach dem zweiten Weltkrieg (in Zwischenschritten) zum Etchūjima-Campus der heutigen Ozeanischen Hochschule Tōkyō (東京海洋大学 / とうきょうかいようだいがく).

Die Meiji Maru blieb „Klassenzimmer“ für die Ausbildung der jungen Seefahrer für ungefähr 50 Jahre bis 1945 und hat dabei über 5.000 junge Seeleute kommen und gehen sehen. Sie kenterte zweimal während verheerender Taifune (1911 und 1917), überstand aber das große Kantō-Erdbeben (1923) und die Luftangriffe der Alliierten im März 1945. Während beider Katastrophen diente das Schiff als Auffanglager für Opfer und hat sich dadurch einen besonderen Platz im Herzen der Einwohner des Kōtō-Bezirks (江東区 / こうとうく) gewonnen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden sowohl das Schiff, als auch die Schulgebäude von den Besatzungsmächten konfisziert. Das führte dazu, dass sich niemand mehr um die Meiji Maru kümmern konnte (andere Quellen sprechen davon, das Schiff sei von den Besatzungskräften als Kantine verwendet worden) und schließlich dazu, dass sie 1951 volllief und im Campus-See sank. Die Meiji Maru konnte aber geborgen werden und aus Anlass ihres 85. Jubiläums im Jahre 1960 wurde damit begonnen, sie zu restaurieren. Bei der Gelegenheit wurde sie auch an ihren heutigen Standort verbracht. Zu ihrem 100. Geburtstag im Jahre 1975 wurde erneut an der Wiederherstellung des Schiffes gearbeitet – unterstützt durch Spenden von Alumni der Hochschule und der Schiffsindustrie.

Die Meiji Maru ist das einzige Schiff Japans, das heute noch erhalten ist, das komplett aus Eisen hergestellt worden war (nicht, wie heute, aus Stahl). Seine Einzigartigkeit und seine historische Bedeutung schlugen sich im Mai 1978 in einer Anerkennung als wichtiges Kulturgut nieder.

Auch wenn das Schiff nach den letzten Renovierungsarbeiten (2015) schon von außen einen wirklich überwältigenden Eindruck macht, so ist doch sein Inneres von besonderem Interesse, denn es ist nicht nur das einzige Schiff, das über eine nur dem Kaiser vorbehaltene Kabine (schmückend „Thron / 御座所 / ごやしょ” genannt) verfügt, sondern auch über einen recht prächtig ausgestatteten Salon, der sicher nicht typisch für ein Versorgungsschiff gewesen sein mag.

Schauen Sie sich aber auch die historischen Gebäude auf dem Etchūjima-Campus der Ozeanischen Hochschule an. Das Hauptgebäude stammt aus dem Jahre 1932, als es ein ursprünglich hölzernes Schulgebäude ersetzte, das während des großen Kantō-Erdbebens niedergebrannt war. An diesem Campus sind die Abteilungen “Maritime Systems Engineering”, “Elektronik und Maschinenlehre” und “Logistics und Informatik” der Fakultät für Marine Ingenieurwissenschaften untergebracht.

Ozeanische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Außerdem befinden sich auf dem Gelände der Universität zwei Sternwarten, die hier im Juni 1903 errichtet wurden. Das erste von beiden soll das fortschrittlichste Teleskop des Orients seiner Zeit sein Eigen genannt haben. Beide wurden im Dezember 1997 als Kulturgüter anerkannt.

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Gleich nebenan befindet sich eine Gedenkstätte für Kapitän Genzaburō Kan (菅源三郎 / かんげんざぶろう) (1883-1942), der sich als Abgänger von dieser Hochschule und Kapitän der “Nagasaki Maru” einen Namen gemacht hat, als das Schiff im Jahre 1942 vor der Einfahrt in den Hafen von Nagasaki von Minen versenkt wurde und er tatsächlich erst als letzter Mann von Bord ging. Auch wenn man ihm seinerzeit keinerlei Schuld am Untergang der “Nagasaki Maru” geben konnte, fühlte er sich für den Tod von 13 getöteten und 26 vermissten Kameraden verantwortlich und brachte sich drei Tage später selbst um.

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学), Genzaburō Kan (菅源三郎)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学), Genzaburō Kan (菅源三郎)

Und wenn mir jetzt noch jemand erklären kann, warum japanische Schiffe immer “Maru” (丸 / まる) heißen, was ja eigentlich “Kreis” oder “Rund” bedeutet… Wikipedia bietet mehrere Erklärungen dafür, aber es wird ja hoffentlich auch eine richtige geben…

Adresse des Schiffes:

Meiji Maru
Etchūjima Campus of
Tōkyō University of Marine Science and Technology
2-1-6, Etchūjima, Koto-ku, Tōkyō

Telefon: 03-5245-7360

〒135-8533 東京都江東区越中島2-1-6
東京海洋大学 越中島キャンパス
明治丸

Öffnungszeiten:

Grundsätzlich dienstags und donnerstags, sowie an jedem ersten und dritten Samstag im Monat:
10 Uhr bis 16 Uhr (April bis September)
10 Uhr bis 15 Uhr (Oktober bis März)
Sonderöffnungen an zwei Sonntagen im November

Geschlossen vom 1. August bis 31. August.
Geschlossen vom 16. Dezember bis 15. Februar (gemäß Internetseite der Universität).

Für 2017 galten aber auch schon für die Monate Januar und Februar die oben genannte Regel grundsätzlich. Zusätzlich ist im März auch noch am Samstag, den 25.3, Sonntag, den 26.3 und Freitag, den 31.3. geöffnet.
Es wurde darauf hingewiesen, dass das Schiff von 10 Uhr bis 15 Uhr (letzter Einlass um 14.30 Uhr) besichtigt werden kann.

Während der Schließungszeiten im Winter kann das Schiff, solange der Campus geöffnet ist, von außen besichtigt werden. Für Gruppen von 10 und mehr Besuchern können aber auch in dieser Zeit Besichtigungen nach vorheriger Anmeldung durch geführt werden.

Eintritt frei

Ein weiteres historisches Schiff bei der Ozeanographischen Hochschule:

Wer noch mehr über historische Schiffe in Tōkyō erfahren möchte, für den ist der Shinagawa Campus der Ozeanografischen Universität Tōkyōs interessant, auf dessen Gelände sich z.B. auch die Unyō Maru (雲鷹丸 / うんようまる), ein in Japan gebautes Schulschiff aus dem Jahre 1909, befindet. Die Unyō Maru wurde über 20 Jahre auf 33 Fahrten in erster Linie für Seefangstudien eingesetz. Später diente es, wie die Meiji Maru, Trainingszwecken und wurde zuletzt von 2012 bis 2014 aufwändig restauriert.

Leider konnte ich keine Möglichkeit zur Besichtigung ausfindig machen. Hier ein paar optische Eindrück von dem Schiff, so wie es eben von außen gesehen werden kann:

Adresse:

Unyō Maru
Shinagawa-Campus of
Tōkyō University of Marine Science and Technology
4-5-7 Kōnan, Minato-ku
Tōkyō 108-0075

〒108-8477 東京都港区港南4-5-7
東京海洋大学品川キャンパス
雲鷹丸

Sie interessieren sich für Schiffe?

Dannn lohnt es sich natürlich immer, auch hier einmal vorbei zu schauen:

Yokohama: Hikawa Maru (氷川丸)
– Das bewegte Leben der „Königin des Pazifiks“


Childrens’ Day (子どもの日)

26. May 2016

It is time for carp-shaped streamers…
The colourful festival at the old town of Kameido (亀戸下町鯉幟祭り)

Kameido Shitamachi Koinobori Matsuri (亀戸下町鯉幟祭り)

Kameido Shitamachi Koinobori Matsuri (亀戸下町鯉幟祭り)

Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier.
A German version of this posting you can find here.

Very often Japan stands for an “aging society”, the prime example when it comes to demographic change. But there are – of course – “also” children! And if you look around in the city, you  may get the impression that there have never been more children than now. However, here is not the place – and surely not the time – to challene any statistics, especially not the ones one hadn’t had a chance to manipulate…

But one fact stands: Japan has a dedicated national holiday for the children, its “kodomo no hi” (子どもの日 / こどものひ) that is being celebrated every year on the 5th of May (first day of the horse in the month of May). That is also the reason why this holiday was – until shortly after World War II – called “tango no sekku” (端午の節句 / たんごのせっく) and was celebrated as a day solely dedicated to male children. Only since 1948 the holiday has been “expanded” to both sexes.

One of the beautiful traditions on that day (dating back to the time when it was still just a boys’ day) is the decoration that is applied to houses and streets. It is carp-shaped streamers – the “koi nobori” (鯉幟 / こいのぼり) – that used to adorn every house with children. Carps are deemed a symbol for power and endurance.
In the old days the were strikt regulations for the colours of those streamers made of paper or cloth: There used to be a big, black carp-shaped streamer for the father, a red one for the mother and a blue one for every son (sizes corresponding to the age of the child). Originally, there were no flags for girls – and once the national holiday was “expanded” to include them, there was no colour scheme assigned. Hence, in our days you can see carps in all colours flattering in the wind – mimicing real carps in flowing water.

By now lavishly decorated houses and streets are a rather rare sight in the big city. But there is one street that is particularly gorgeous around the 5th of May for the “Kameido-Downtown-Carp-Shaped Streamer Festival” (亀戸下町鯉幟祭りかめいどしたまちこいのぼりまつり). It is located in Tōkyō’s Kōtō ward’s (江東区 / こうとうく) Kameido district (亀戸 / かめいど), not far from the north exit of Kameido station (亀戸駅 / かめいどえき), between Meiji Dōri (明治通り / めいじどおり) and the railroad crossing of the Tōbu Kameido line (東武亀戸線 / とうぶかめいどせん). It stretches over a length of 600 metres of the most colourful streamers.

How to get there:

The easiest and fasted way is by taking one of the trains of the JR Sōbu line (JR総武線 / JRそうぶせん) from the central parts of Tōkyō heading east for Kameido station (亀戸駅 / かめいどえき), and, as mentioned above, taking the station’s north exit, following the Meiji Dōri (明治通り / めいじどおり) for a few steps in northern direction and then turn right (i.e. east)  – for further details please refer to the map below.

At close quarters:

Kameido Tenjin (亀戸天神) (Engl./dt.)
– Home of the “kami” and the “kame”

Kameido Tenjin (亀戸天神) – Ume Matsuri (梅祭り) (Bilder/Pictures)
– Kameido Shrine’s Plum Blossom Festival

Fuji Matsuri (藤花祭) (Engl./dt.)
Kameido Shrine’s Wisteria Festival


Tag des Kindes (子どもの日)

6. May 2016

Wenn die bunten Karpfen wehen…
Kameido-Altstadt-Karpfenfahnen-Fest (亀戸下町鯉幟祭り)

Kameido Shitamachi Koinobori Matsuri (亀戸下町鯉幟祭り)

Kameido Shitamachi Koinobori Matsuri (亀戸下町鯉幟祭り)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Japan wird ja gern als Synonym für „alternde Gesellschaft“, als Paradebeispiel für den „demographischen Wandel“ hingestellt. Aber es gibt natürlich „auch“ Kinder! Wenn man sich in der Stadt umschaut, könnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass es nie mehr waren. Aber hier und jetzt sollen keine Statistiken, die man nicht selbst gefälscht hätte, angezweifelt werden.

Fakt ist, dass Japan sogar einen Nationalfeiertag des Kindes hat, den „kodomo no hi“ (子どもの日 / こどものひ), der alljährlich am 5. Mai (dem ersten Tag des Pferdes im Mai) begangen wird. Bis nach dem 2. Weltkrieg nannte sich der Feiertag deswegen auch „tango no sekku“ (端午の節句 / たんごのせっく), und wurde als reiner „Knabentag“ begangen. Erst im Jahre 1948 wurde er auf Kinder beiderlei Geschlechts ausgeweitet und hat sein Gesicht seither etwas verwandelt.

Zu den schönen Traditionen an diesem Tag (noch aus der Zeit, als er als „Knabentag“ begangen wurde) gehört das Schmücken des Hauses bzw. der Straße mit karpfenförmigen „Fahnen“ – den „koi nobori“ (鯉幟 / こいのぼり). Karpfen gelten als Symbol für Kraft und Ausdauer.
Früher unterlagen die Karpfenfahnen aus Papier oder Stoff einem recht strikten Farbreglement: ein großer, schwarzer Karpfen für den Vater, ein roter für die Mutter und ein blauer für jeden Sohn (in der Größe dem Alter des Knaben entsprechend). Fahnen für Mädchen gab es ursprünglich nicht – für diese bestand folglich nach der Erweiterung des „Geltungsbereiches“ des Feiertages keine Farbvorgabe. Und das hat inzwischen auch zur Folge, dass die Karpfen in allen nur erdenklichen Farben im Wind flattern.

In der Stadt sind festlich „beflaggte“ Häuser und Straßenzüge am 5. Mai inzwischen eher selten. Aber eine Straße schmückt sich in dieser Zeit ganz besonders festlich zum “Kameido-Altstadt-Karpfenfahnen-Fest” (亀戸下町鯉幟祭りかめいどしたまちこいのぼりまつり). Sie liegt im Tōkyōter Stadtbezirk Kōtō (江東区 / こうとうく) und dort im Stadtteil Kameido (亀戸 / かめいど), unweit des Nordausgangs des Bahnhofs Kameido (亀戸駅 / かめいどえき), zwischen der Meiji Dōri (明治通り / めいじどおり) und dem Bahnübergang der Tōbu Kameido-Linie (東武亀戸線 / とうぶかめいどせん) und ist über ihre gesamte Länge von ca. 600 Metern mit den buntesten Flatterfischen verziert.

Wie man hinkommt:

Am einfachsten mit den Bahnen der JR Sōbu-Linie (JR総武線 / JRそうぶせん) aus der Innenstadt Tōkyōs in östlicher Richtung zum Bahnhof Kameido (亀戸駅 / かめいどえき) und dort am Nordausgang entlang der Meiji Dōri (明治通り / めいじどおり) ein paar Schritte in nördlicher Richtung und dann rechts (in österlicher Richtung) abbiegen (Details können Sie dem untenstehenden Stadtplan entnehmen).

Ganz in der Nähe:

Kameido Tenjin (亀戸天神) (Engl./dt.)
– Heimstätte der „Kami“ und der „Kame“

Kameido Tenjin (亀戸天神) – Ume Matsuri (梅祭り) (Bilder/Pictures)
– Pflaumenblütenfest am Kameido-Schrein

Fuji Matsuri (藤花祭) (Engl./dt.)
– Glyzinienfest am Kameido-Schrein


The Six Jizō Bosatsu of Edo (江戸六地蔵) (Engl.)

7. September 2015

A prilgim’s way to ancient copper Jizō sculptures across Tōkyō

Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier.
A German version of this posting you can find here.

In old Edo (江戸 / えど), in the early 18th century, to be precise, six Jizō statues were erected on the city’s premises – five of which have survived wars and natural disasters. It is a bit weird, but these statues are among the spots in the city most worth seeing, but hardly anybody knows them. Which make them the perfect candidate for this website. If you check English sources on the internet, you’ll find out that they are scarce (not to mention their practical non-existence in German).

Just in case you don’t know much about Buddhism: Jizō Bosatsu (地蔵菩薩 / じぞうぼさつ) are a kind of “Japanese version” of a Bodhisattva, a being on its way to enlightenment, but also supporting and assisting all those who are longing for enlightenment. In Japan Jizō Bosatsu are the ones “in charge” of children – especially children that have died before their parents (i.e.  stillborn children, miscarriages and abortions).

With that in mind, the story of the six Jizō Bosatsu of Edo is easier understood (and – as already indicated above – don’t be confused if you have discovered just five images above – just keep on reading…). This story is being told as follows (based on documentation said to be found inside one of the statues – the one on the grounds of the Taisō temple (太宗寺 / たいそうじ) :

The Jizō monk Shōgen (正元 / しょうげん), who lived in Fukagawa (深川 / ふかがわ), in today’s Kōtō district (江東区 / こうとうく), was plaqued by an incurable decease. But after he had prayed to a Jizō Bosatsu together with his parents in order to beseech healing, he was healed miraculously. Reason enough to see to it, that also Edo got what Kyōto already had: its “Six Jizō Bosatsu”. In 1706 Shōgen started to collect money for this purpose. He seems to have been rather successful with this task, as the statues were built in a very elaborate fashion and using costly material (copper). In their original appearance they were even more gorgeous than today, as they were all gold plated. The caster Ōta Suruganokami Fujiwara Shōgi (太田駿河守藤原正儀 / おおたするがのかみふじわれらしょうぎ) (other sources speak of Ōta Suruganokami Masayoshi / 太田駿河守正義 / おおたするがのかみまさよし) in Kandanabe (神田鍋 / かんだなべ) in today’s Kanda district of Tōkyō (神田区 / かんだく) was commissioned. Within only 12 years six extraordinary copper statues were created. The first of which was already complete two years after Shōgen had started his fundraising. It goes without saying that also in those days people didn’t give money away in utter altruism. “Do good and be sure to make it known” … might have been the motto for some of the donors. In any case, all their names are incised in the statues. So, don’t be surprised if you find the Jizō covered by delicate inscriptions all over their surfaces.

The remaining statues of Jizō Bosatsu are all designated as cultural property of the city of Tōkyō, as they are rather lavish examples of copper statues (銅造地蔵菩薩坐像 / どうぞうじぞうぼさつざぞう) of the middle of the Edo era, and only very few other specimen of that kind exist dating back to those old days.

The temples housing the (originally) six statues were (and are still today) popular stations on a pilgrimage route through Edo, or Tōkyō respectively. So, let’s have a look at those six locations and their statues. And if you don’t visit them all in one long pilgrimage (and even without any religious ambition), take your time and have a look around in their neighbourhoods. I’ve included some hints you may tempt you to go further.

1st Jizō statue

The first of the six Jizō was erected in 1708 at the Honsen temple (品川寺 / ほんせんじ), a temple of the Daigo school of the Shingon Buddhism (真言宗醍醐派 / しんごんしゅうだいごは) in Minami Shinagawa (南品川 / みなみしながわ) in Tōkyō’s Shinagawa ward (品川区 / しながわく), just next to the old Tōkaidō highway(旧東海道 / きゅうとうかいどう).

Size: 2.75 metres. And as such this one is the tallest of the six siblings. Nevertheless, it somehow “looks” smaller than the others, but that might be due to the fact that this is the only one that has to do without headgear.

This is also the first Jizō Bosatsu one visits on the traditional pilgrimage route.

You will be surprised by the impressive neighbourhood of this temple. Here, alongside the old Tōkaidō, quite a number of long-established shops and workshops have been preserved. And if you head north from the Honsen temple, you’ll find a rather large and lavish temple district.

Address:
3-5-17 Minami Shinagawa
Shinagawa-ku
Tōkyō
東京都品川区南品川三丁目5-17

Next railway station:
Keihin Kyūkō (Keikyū) line (京浜急行電鉄 / けいひんきゅうこうでんてつ), Aomonoyokochō (青物横丁 / あおものよこちょう)

2nd Jizō statue

Erected in 1710 at the Tōzen temple (東禅寺 / とうぜんじ), a temple of the Sōtō school of Zen Buddhism (曹洞宗 / そうとうしゅう) in Higashi Asakusa (東浅草 / ひがしあさくさ) in Tōkyō’s Taitō ward (台東区 / たいとうく) close to the Ōshū-Kaidō highway (奥州街道 / おうしゅうかいどう), that was founded in 1624 (the temple – not the highway).

Size: 2.71 metres

This is the fourth Jizō Bosatsu one visits on the traditional pilgrimage route.

The temple’s building itself is a rather new one and may – at least at a first glance – lack the traditional style of other temple buildings.

Should you realise the two smaller bronce statues of an elderly couple on the left hand side of the main gate: These are the commemorative statues of Yasube Kimura (木村安浜衛 / きむらやすべえ) and his wife. Kimura, a former samurai, had found a new meaning of life with baking bread, after the samurai system was abolished by the Meiji emperor. He is the founder of Kimuraya Sōhonten Ltd. (株式会社木村屋總本店 / かぶしきがいしゃきむらそうほんてん), a bakery that was founded in Tōkyō in 1869, using bread baking machines and baking bread in the “western style”.

Tōzen-ji (東禅寺)

Tōzen-ji (東禅寺)

If you walk here from the large temple district of Akasuka, you will most likely also pass the Workshops of Miyamoto Unosuke (宮本卯之助 / みやもとうのすけ). Why don’t you have a look!

Address:
2-12-13 Higashi Asakusa
Taitō-ku
Tōkyō
東京都台東区東浅草二丁目12-13

Next railway station:
Unfortunately, there is no railway or subway station located closely to the temple. However, if you walk from Asakusa’s large temple district in northern direction, it will take you just about 15 minutes.

3rd Jizō statue

Erected in 1712 at the Taisō temple (太宗寺 / たいそうじ), a temple of the Jōdo school (浄土宗 / じょうどしゅう) in Shinjuku (新宿 / しんじゅく) in Tōkyō’s Shinjuku ward (新宿区 / しんじゅくく) next to the Kōshū-Kaidō highway (甲州街道 / こうしゅうかいどう). In this statue “the printed book of the brief history of the erection of the statues of Edo Six Jizōson” was found, based on which the story of these statues is being told today.

Size: 2.67 metres (consequently the smallest of the six Jizō Bosatsu – but not necessarily the smallest-looking one)

This is the second Jizō Bosatsu one visits on the traditional pilgrimage route.

From here it is just a stone’s throw to one of the largest parks of the city, the Shinjuku Gyoen.

Address:
2-9-2 Shinjuku
Shinjuku-ku
Tōkyō
東京都新宿区新宿二丁目9-2

Next railway station:
Tōkyō Metro Marunouchi line (東京メトロ丸ノ内線 / とうきょうめとろまるのうちせん), Shinjuku Gyoenmae (新宿御苑前 / しんしゅくぎょえんまえ).

4th Jizō statue

Erected in 1714 at the Shinshō temple (真性寺 / しんしょうじ), a temple of the Busan school of  Shingon Buddhism (真言宗豊山派 / しんごんしゅうぶざんは) in Sugamo (巣鴨 / すがも) in Tōkyō’s Toshima ward (豊島区 / としまく), right next to the old Nakansendō highway (旧中山道 / きゅうなかせんどう).

Size: 2.68 metres

This statue is in a rather enviable condition as it had been restored rather recently (2008 to 2010). During these restoration efforts four smaller copper statues of seated Jizō Bosatsu and a number of copper and wooden tablets were found inside the statue – and returned to this place after the restoration had been completed. Also this statue somehow looks much more impressive than its “size” would suggest, even though it’s the second smallest of them all.

This is the third Jizō Bosatsu one visits on the traditional pilgrimage route.

In any case, while in Sugamo don’t miss the Jizō-Dōri (地蔵通り / じぞうどおり), the so-called “Granny’s Harajuku“, a hilariously quirky shopping street that begins right here at the Shinshō temple and streches out north.

Address:
3-21-21 Sugamo,
Toshima-ku
Tōkyō
東京都豊島区巣鴨三丁目21-21

Next railway station:
JR Yamanote line (JR山手線 / JRやまのてせん) or Toei Subway Mita line (都営地下鉄三田線 / とえいちかてつみたせん), Sugamo (巣鴨 / すがも).

5th Jizō statue

Erected in 1717 at the Reigan temple (霊巌寺 / れいがんじ), a temple of the Jōdo school (浄土宗 / じょうどしゅう) in Shirakawa (白河 / しらかわ) in Tōkyō’s Kōtō ward (江東区 / こうとうく), at the Mito-Kaidō highway (水戸街道 / みとかいどう). It is said that there are still traces of the original gold layers visible on the surface of this statue (well, they were not to my eye). Should you get the impression that those Jizō Bosatsu are all the same (an impression that the gallery on top of this posting may have distroyed already), have a closer look at this one! It has longer finger nails and holds its hands in a fashion that clearly differs from those of its “siblings”.

Size: 2.73 metres

This is the fifth Jizō Bosatsu one visits on the traditional pilgrimage route.

Right next to the Reigan temple you find the lovely Fukagawa Edo Museum (深川江戸資料館 / ふかがわえどしりょうかん). And just a few steps away you may be enticed to a visit of the Kiyosumi Teien, one of nicest of the remaining feudal gardens in the city, and one that is not that well known.

Address:
1-3-32 Shirakawa
Kōtō-ku
Tōkyō
東京都江東区白河一丁目3-32

Next railway station:
Tōkyō Metro Hanzōmon line (東京メトロ半蔵門線 / とうきょうめとろはんぞうもんせん) or Toei Subway Ōedo line (都営地下鉄大江戸線 / とえいちかてつおおえどせん) to Kiyosumi-Shirakawa (清澄白河 / きよすみしらかわ).

6th Jizō statue

Erected in 1720 at the Eitai temple (永代寺 / えいたいじ), a temple of the Kōya-san Shingon Buddhism (高野山真言宗 / こうやさんしんごんしゅう) in Tomioka (富岡 / とみおか) in Tōkyō’s Kōtō ward (江東区 / こうとうく), at the Chiba-Kaidō highway (千葉街道 / ちばかいどう).

Size: unknown

This is the temple that housed the sixth and last Jizō Bosatsu enroute the traditional pilgrimage. Unfortunately, this statue was distroyed during the turmoils in the early years of the Meiji restoration and its strong anti-Buddhist movements (last quarter of the 19th century).

Nevertheless, a little detour to this temple is just as worthwhile, because there are two of the most impressive gems of the city’s history just next door::

  • The gorgeous Buddhist temple Fukagawa Fudōdō (深川不動堂 / ふかがわふどうどう) and
  • the no less splendid shrine Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮 / とみおかはちまんぐう) – a must for all those who are also interested in Sumō.

Address:
1-15-1 Tomioka
Kōtō-ku
Tōkyō
東京都江東区富岡一丁目15-1

Next railway station:
Tōkyō Metro Tōzai line (東京メトロ東西線 / とうきょうめとろとうざいせん) or Toei Subway Ōedo line (都営地下鉄大江戸線 / とえいちかてつおおえどせん), Monzen-Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかちょう)


Die sechs Jizō Bosatsu von Edo (江戸六地蔵) (dt.)

4. September 2015

Ein Pilgerweg quer durch Tōkyō zu uralten kupfernen Jizō-Skulpturen

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Im alten Edo (江戸 / えど), genauer, im sehr frühen 18. Jahrhundert, hat man über das Stadtgebiet verteilt mehrere Jizō-Statuen errichtet, von denen fünf Naturkatastrophen und Kriegswirren überstanden haben. Eigenartigerweise gehören auch diese Statuen zu den zwar sehenswertesten in der Stadt, gleichzeitig aber auch zu den eher unbekannten – zumindest wenn man deutschsprachige Quellen zu Rate zieht (bei englischsprachigen sieht es nicht wesentlich besser aus).

Zunächst einmal für den Buddhismus-Unkundigen: Bei Jizō Bosatsu (地蔵菩薩 / じぞうぼさつ) handelt es sich sozusagen um die japanische „Ausgabe“ eines Bodhisattva, eines Wesens, das nach Erleuchtung strebt (übersetzt bedeutet das Wort „Erleuchtungswesen“), allerdings auch alle anderen, nach Erleuchtung Verlangenden in ihrem Bestreben unterstützt. Jizō Bosatsu sind in Japan diejenigen, die Kinder beschützen – und dabei einen Schwerpunkt auf Kinder legen, die vor ihren Eltern sterben (also auch Totgeburten, Fehlgeburten und abgetriebene Föten).

Das vorausgeschickt, ist auch die Geschichte der sechs Jizō Bosatsu von Edo leichter zu verstehen (und wenn Sie hier von immer nur fünf Bildern “verwirrt” werden, lesen Sie einfach wacker weiter…). Sie wird wie folgt erzählt (und diese Erzählungen beruhen auf einer Dokumentation, die in einer der Statuen – der Statue auf dem Gelände des Taisō-Tempels (太宗寺 / たいそうじ) – gefunden worden sein soll):

Der Jizō-Mönch Shōgen (正元 / しょうげん), der in Fukagawa (深川 / ふかがわ), im heutigen Kōtō-Bezirk (江東区 / こうとうく) gelegen, lebte, war von einer unheilbaren Krankheit heimgesucht worden. Nachdem er sich zusammen mit seinen Eltern im Gebet von einem Jizō Bosatsu Heilung erfleht hatte, wurde er tatsächlich auf wundersame Weise geheilt. Dies wurde, in Anlehnung an die „sechs Jizō Bosatsu von Kyōto“, im Jahre 1706 zum Anlass genommen, Geld für die Errichtung von sechs Jizō in Edo zu sammeln. Das Geld muss recht schnell beisammen gewesen sein – und offensichtlich so reichlich, dass die Statuen in sehr aufwändigen Verfahren aus Kupfer hergestellt werden konnten. In ihrem Originalzustand müssen die Statuen noch prächtiger gewesen sein, als sie uns heute entgegentreten, denn sie waren ursprünglich sogar vergoldet. In Auftrag wurden sie beim Gießer Ōta Suruganokami Fujiwara Shōgi (太田駿河守藤原正儀 / おおたするがのかみふじわれらしょうぎ) (andere Quellen nennen Ōta Suruganokami Masayoshi / 太田駿河守正義 / おおたするがのかみまさよし) in Kandanabe (神田鍋 / かんだなべ) im heutigen Kanda-Bezirk Tōkyōs (神田区 / かんだく) gegeben. Und so entstanden innerhalb von nur 12 Jahren sechs erstaunliche Statuen – die erste wurde sogar schon zwei Jahre nach Beginn der Sammlungen fertiggestellt. Natürlich haben auch damals schon die Menschen nicht aus schierer Selbstlosigkeit Geld für die Herstellung solcher Monumentalskulpturen gegeben. Unter dem Motto „Tue Gutes und rede darüber!“ wurden die Skulpturen mit den Namen aller Spender versehen – wundern Sie sich also nicht, wenn sie die Jizō-Statuen über und über von filigranen Schriftzeichen bedeckt vorfinden. Jede der verbliebenen Statuen ist als Kulturgut der Stadt Tōkyō registriert, weil sie als besonders aufwändige Beispiele von Kupferstatuen (銅造地蔵菩薩坐像 / どうぞうじぞうぼさつざぞう) aus der Mitte der Edo-Zeit gelten und es nur wenige Beispiele für diese Kunst aus früheren Jahren gibt.

Die Tempel der ursprünglich sechs Statuen waren (und sind es bis heute) beliebte Stationen auf einem Pilgerweg quer durch Edo bzw. Tōkyō. Werfen wir also einen Blick auf alle sechs Statuen (soweit sie noch vorhanden sind) – und wenn Sie nicht gleich alle sechs Orte auf einmal besuchen möchten (wovon ich, ehrlich gesagt auch abraten würde), dann schauen Sie sich in den Nachbarschaften derselben um. Ich habe jeweils ein paar Hinweise mit aufgenommen.

1. Jizō-Statue

Der erste der sechs Jizō wurde im Jahre 1708 am Honsen-Tempel (品川寺 / ほんせんじ), einem Tempel der Daigo-Schule des Shingon-Buddhismus (真言宗醍醐派 / しんごんしゅうだいごは) in Minami Shinagawa (南品川 / みなみしながわ) in Tōkyōs Shinagawa-Bezirk (品川区 / しながわく), an der alten Fernstraße Tōkaidō (旧東海道 / きゅうとうかいどう) errichtet.

Größe: 2,75 Meter. Und damit der größte der sechs „Geschwister“ – allerdings wirkt er auf den ersten Blick etwas kleiner als die anderen, da er ohne jegliche Kopfbedeckung auskommen muss.

Dieses ist auch der erste Jizō Bosatsu, der bei einer Pilgerreise zu allen sechs Statuen besucht wird.

Sie werden erstaunt sein, wie eindrucksvoll die Nachbarschaft dieses Tempels ist. Hier, entlang des alten Tōkaidō, haben sich noch eine Vielzahl alteingesessener Geschäfte und Handwerksbetriebe erhalten. Und in nördlicher Richtung erstreckt sich ein regelrechter Tempel-Distrikt.

Adresse:
3-5-17 Minami Shinagawa
Shinagawa-ku
Tōkyō
東京都品川区南品川三丁目5-17

Nächster Bahnhof:
Keihin Kyūkō (Keikyū) Linie (京浜急行電鉄 / けいひん・きゅうこう・でんてつ), Aomonoyokochō (青物横丁 / あおものよこちょう)

2. Jizō-Statue

Errichtet im Jahre 1710 am Tōzen-Tempel (東禅寺 / とうぜんじ), einem Tempel der Sōtō-Schule des Zen-Buddhismus (曹洞宗 / そうとうしゅう) in Higashi Asakusa (東浅草 / ひがしあさくさ) in Tōkyōs Taitō-Bezirk (台東区 / たいとうく) an der Fernstraße Ōshū-Kaidō (奥州街道 / おうしゅうかいどう) gelegen, der im Jahre 1624 gegründet wurde.

Größe: 2,71 Meter

Dieses ist der vierte Jizō Bosatsu, der bei einer Pilgerreise zu allen sechs Statuen besucht wird.

Das Tempelgebäude selbst ist neueren Datums und mag auf den ersten Blick ein bisschen „stillos“ wirken. Falls Ihnen am Zugang zum Tempel links die kleinen Bronzestatuen eines „älteren Ehepaares“ auffallen sollten: Es handelt sich hierbei um Yasube Kimura (木村安浜衛 / きむらやすべえ) und seine Frau. Der ehemalige Samurai hatte sich in der frühen Meiji-Zeit auf das Brotbacken verlagert. Er ist war der Gründer der Kimuraya Sōhonten Ltd. (株式会社木村屋總本店 / かぶしきがいしゃきむらそうほんてん), einer 1869 in Tōkyō gegründete Bäckerei, die damals schon Brotbackmaschinen zum Einsatz brachte und Brot im „westlichen Stil“ backte.

Tōzen-ji (東禅寺)

Tōzen-ji (東禅寺)

Auf dem Weg von Akasuka zum Tōzen-Tempel kommen Sie auch an den Werkstätten von Miyamoto Unosuke (宮本卯之助 / みやもとうのすけ) vorbei. Schauen Sie doch mal vorbei!

Adresse:
2-12-13 Higashi Asakusa
Taitō-ku
Tōkyō
東京都台東区東浅草二丁目12-13

Nächster Bahnhof:
Leider gibt es keinen Bahnhof, der wirklich in der Nähe läge. Aber von den berühmten Tempelanlagen in Asakusa läuft man nur etwa 15 Minuten in nördlicher Richtung.

3. Jizō-Statue

Errichtet im Jahre 1712 am Taisō-Tempel (太宗寺 / たいそうじ), einem Tempel der Jōdo-Schule (浄土宗 / じょうどしゅう) in Shinjuku (新宿 / しんじゅく) in Tōkyōs Shinjuku-Bezirk (新宿区 / しんじゅくく) an der Fernstraße Kōshū-Kaidō (甲州街道 / こうしゅうかいどう) gelegen. In dieser Statue wurde das „gedruckte Buch der kurzen Geschichte der Errichtung der Statuen der sechs Jizōs von Edo“ gefunden, auf das sich das Wissen um diese Statuen stützt.

Größe: 2,67 Meter (und damit der kleinste der noch erhaltenen Jizō Bosatsu)

Dieses ist der zweite Jizō Bosatsu, der bei einer Pilgerreise zu allen sechs Statuen besucht wird.

Von hier aus ist nur ein Katzensprung zu einem der größten Parks der Stadt, dem Shinjuku Gyoen.

Adresse:
2-9-2 Shinjuku
Shinjuku-ku
Tōkyō
東京都新宿区新宿二丁目9-2

Nächster Bahnhof:
Tōkyō Metro Marunouchi-Linie (東京メトロ丸ノ内線 / とうきょうめとろまるのうちせん), Shinjuku Gyoenmae (新宿御苑前 / しんしゅくぎょえんまえ).

4. Jizō-Statue

Errichtet im Jahre 1714 am Shinshō-Tempel (真性寺 / しんしょうじ), einem Tempel der Busan-Schule des Shingon-Buddhismus (真言宗豊山派 / しんごんしゅうぶざんは) in Sugamo (巣鴨 / すがも) in Tōkyōs Toshima-Bezirk (豊島区 / としまく), an der alten Fernstraße Nakansendō (旧中山道 / きゅうなかせんどう) gelegen.

Größe: 2,68 Meter

Die Statue ist in einem fast schon „beneidenswert“ zu nennenden Zustand, da sie von 2008 bis 2010 restauriert wurde. Bei diesen Arbeiten hat man im Innern der Statue vier kleine Kupferstatuen von Jizō Bosatsu und Kupfer- und Holztafeln gefunden – diese wurden nach der Restaurierung wieder im Innern der Statue gelagert. Außerdem wirkt sie wuchtiger, als die vergleichsweise geringe Größe (sie ist die zweitkleinste nach der Statue am Taisō-ji) vermuten ließe.

Dieses ist der dritte Jizō Bosatsu, der bei einer Pilgerreise zu allen sechs Statuen besucht wird.

Verpassen Sie auf keinen Fall die Jizō-Dōri (地蔵通り / じぞうどおり), im Volksmund auch “Großmütterchens Harajuku” genannt, die herrlich schrullige Einkaufsstraße von Sugama, die hier am Shinshō-Tempel beginnend sich in nördlicher Richtung erstreckt.

Adresse:
3-21-21 Sugamo,
Toshima-ku
Tōkyō
東京都豊島区巣鴨三丁目21-21

Nächster Bahnhof:
JR Yamanote-Linie (JR山手線 / JRやまのてせん) oder Tōkyō Subway Mita-Linie (都営地下鉄三田線 / とえいちかてつみたせん), Sugamo (巣鴨 / すがも).

5. Jizō-Statue

Errichtet im Jahre 1717 am Reigan-Tempel (霊巌寺 / れいがんじ), einem Tempel der Jōdo-Schule (浄土宗 / じょうどしゅう) in Shirakawa (白河 / しらかわ) in Tōkyōs Kōtō-Bezirk (江東区 / こうとうく), an der Mito-Kaidō (水戸街道 / みとかいどう) gelegen. Angeblich soll man an dieser Statue noch Reste der Goldauflage erkennen können (ich konnte das nicht). Falls Ihnen die Jizō Bosatsu alle gleich vorkommen sollten (spätestens bei der eingangs gezeigten Galerie der fünf verbliebenen Statuen wurde ja eigentlich schon klar, dass sie sich doch gravierend unterscheiden), schauen Sie sich besonders diese etwas genauer an! Sie hat etwas längere Fingernägel und hält die Hände anders als ihre „Geschwister“.

Größe: 2,73 Meter

Dieses ist der fünfte Jizō Bosatsu, der bei einer Pilgerreise zu allen sechs Statuen besucht wird.

Direkt nebenan befindet sich das überaus sehenswerte Fukagawa Edo Museum (深川江戸資料館 / ふかがわえどしりょうかん). Und nur ein paar Schritte entfernt lockt der Kiyosumi Teien, der nicht ganz so bekannte der alten Feudalgärten Tōkyō.

Adresse:
1-3-32 Shirakawa
Kōtō-ku
Tōkyō
東京都江東区白河一丁目3-32

Nächster Bahnhof:
Tōkyō Metro Hanzōmon-Linie (東京メトロ半蔵門線 / とうきょうめとろはんぞうもんせん) oder Toei Subway Ōedo-Linie (都営地下鉄大江戸線 / とえいちかてつおおえどせん) nach Kiyosumi-Shirakawa (清澄白河 / きよすみしらかわ).

6. Jizō-Statue

Errichtet im Jahre 1720 am Eitai-Tempel (永代寺 / えいたいじ), einem Tempel des Kōya-san Shingon-Buddhismus (高野山真言宗 / こうやさんしんごんしゅう) in Tomioka (富岡 / とみおか) in Tōkyōs Kōtō-Bezirk (江東区 / こうとうく), an der Chiba-Kaidō (千葉街道 / ちばかいどう) gelegen.

Größe: unbekannt.

Dieses ist der Tempel, der den sechsten der Jizō Bosatsu, der bei einer Pilgerreise zu allen sechs Statuen besucht wurde, beheimatete. Leider hat er die anti-buddhistischen Bestrebungen in den frühen Jahren der Meiji Restauration (letztes Viertel des 19. Jahrhunderts) nicht überstanden.

Der Abstecher hierher lohnt sich deswegen aber nicht weniger, denn zwei der eindrucksvollsten Schmuckstücke der Stadt stehen in nächster Nachbarschaft:

  • Der prächtige buddhistische Tempel Fukagawa Fudōdō (深川不動堂 / ふかがわふどうどう) und
  • der nicht minder prächtige shintoistische Schrein Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮 / とみおかはちまんぐう) – letzterer ein Muss für alle, die sich für Sumō interessieren.

Adresse:
1-15-1 Tomioka
Kōtō-ku
Tōkyō
東京都江東区富岡一丁目15-1

Nächster Bahnhof:
Tōkyō Metro Tōzai-Linie (東京メトロ東西線 / とうきょうめとろとうざいせん) oder Toei Subway Ōedo-Linie (都営地下鉄大江戸線 / とえいちかてつおおえどせん), Monzen-Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかちょう)


Fukagawa Fudōdō (深川不動堂) (Engl.)

18. October 2014

Where Ācala is protecting the wisdom of the Shingon school of Buddhism

Fukagawa Fudōdō (深川不動堂)

Fukagawa Fudōdō (深川不動堂)

Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier.
A German version of this posting you can find here.

No, it is most likely not one of the tourist features every visitor from abroad is going to see, but is is definitely a place one should have seen. It is also neither the oldest temple in town, nor the biggest one, but it is not far-fetched to call it one of the most extraordinary ones. And it is definitely not a poor one: The Fukagawa Fudōdō (深川不動堂 / ふかがわふどうどう). Sometimes it is also called Fukagawa Fudōson (深川不動尊 / ふかがわふどうそん), nevertheless, its complete name is “Narita-san Tōkyō Betsuin Fukagawa Fudōdō” (成田山 東京別院 深川不動堂 / なりたさん とうきょうべついん ふかがわふどうどう) – perhaps it’s understandable, if even those who practice the patience of Buddhism have problems getting used to such a long name.

May I confess right upfront: There will be no pictures of the most gorgeous parts of this temple (at least not on this site), as these are located in the various halls of the temple’s buildings where taking pictures is prohibited (and I usually abide by these limitations). You will have to take my word for it when I say, that I am not exaggerating the splendour of this temple.

The Fukagawa Fudōdō is a “branch” of one of the most important temples of Shingon Buddhism, the Narita-san Shinshō-ji (成田山・新勝寺 / なりたさん・しんしょうじ), located in Narita, a city in the prefecture east of Tōkyō, in Chiba (千葉 / ちば). And it is, just like its main temple, dedicated to Fudō Myōō (不動明王 / ふどうみょうおう) – called “Ācala” in Sanskrit, which is a bit less of a tongue twister. This powerful protective deity can be recognised by its fierce and often snarling look that is supposed to reliably scare off any kind of enemy. A particularly impressive wooden version of this “Ācala” made by the great sculptor Seikō Sawada (澤田・政廣 / さわだ・せいこう) (1895-1988) is greeting visitors right at the entrance to the old main hall of the temple. The wood from which this statue of a height of eight “shaku” (尺 / しゃく) (i.e. 2.5 metres) was made is said to have come from a 500 year old tree.

The temple itself has its origin in the Edo-period (founded in the year 1703). The old main hall which you can see nowadays is regarded as the oldest wooden building in the Kōtō district – which sounds like a little wonder in itself, as the original main hall has not survived the air raids of World War II. But the miracle is easily explaned: Instead of re-building the temple after the war, another temple building from the Chiba prefecture was brought here – and this building dates back to the year 1862.
More unusual and surely also a bit more breathtaking is the new main hall of the Fukagawa Fudōdō, which was erected just next to the old main hall’s west wing in the year 2011 (well ahead of time to celebrate the 310-year-anniversary of the temple’s foundation there). The unusual design of the building is characterised by its cubic shape and the ornamental facade consisting of black and golden Sanskrit letters. This hall houses now the main ceremonial facilities, combining modern architecture with traditional buddhist elements.

Nevertheless, it is the slightly oversized 4-storied building on the back (north)-side of the old main hall, which enwraps to biggest surprises. The facade of the building which was built in the year 2000 may only remotely resemble the traditional style of the old temple buildings, the interior, however, turns out to be a treasure chest. There are various sites of pilgramage. E.g. a gallery on the 2nd floor that represents the 88 temples of the Shikoku pilgrimage (四国八十八箇所 / しこくはちじゅうはっかしょ) – donations and prayers offered here are supposed to have the same effect as those carried out on the actual, about 1,200 km long pilgrimage in the southwest of Japan (the “original” pilgrimage follows the footsteps of the founder of the Shingon-Buddhismus, Kūkai (空海 / くうかい)). Don’t let it confuse you, should you find the installation here a touch too colourful and feeling more like a dedication to LED-lighting.

Among the numerous gorgeous rooms and installations in this huge building, the treasure house of the Dainichi- or Sun-Buddha (大日如来 / だいにちにょらい) on the 4th floor might be the most impressive one. Not only the zillions of golden Buddha statues in all conceivable sizes give his hall an atmosphere of overwhelming splendour, but also the awsome ceiling painting by Chinami Nakajima (中島・千波 / なかじま・ちなみ) (born 1945), who might be more famous for his formidable paintings of cherry blossoms, represents “Buddha & Lotus” in a way that appears to be modern and traditional at the same time.

As mentioned above: I’m not showing pictures of this marvellous installation – but this hall alone makes a visit to the Fukagawa Fudōdō worthwhile!

Fukagawa Eitai Dōri (深川永代通り)

Fukagawa Eitai Dōri (深川永代通り)

How to get there:

  • Take the Tōkyō Metro Tōzai line (東京メトロ東西線 / とうきょうメトロとうざいせん) to Monzen Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかこう), Exit 1 (from there about 2 minutes walk) or
  • take the Toei Subway Ōedo line (都営大江戸線 / とえいおおえどせん) also to Monzen Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかちょう), Exit no. 6 (from there about 5 minutes walk)

Opening Hours:

Daily from 9.00 am to 6.00 pm (on days of the temple’s festivals to 8.00 pm)
The ground floor of the main building can be entered from 9.00 am to 5.45 pm (on days of the temple’s festivals to 7.45 pm). Floors 2 and 4 are open from 9.00 am to 4.00 pm (on days of the temple’s festivals to 6.00 pm).

No admission fee

And since you’re in this corner of Tōkyō , why don’t you have a look here:
Fukagawa Edo Museum (深川江戸資料館)
– A trip back in time to the old Edo

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮)
– Deities’ palanquins and Sumō wrestlers

Kiyosumi Teien (清澄庭園)
– The rather unknown one among the feudal gardens


Fukagawa Fudōdō (深川不動堂) (dt.)

18. October 2014

Wo Ācala die Lehre der Shingon-Sekte beschützt

Fukagawa Fudōdō (深川不動堂)

Fukagawa Fudōdō (深川不動堂)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Nein, er gehört wahrscheinlich nicht zu den Sehenswürdigkeiten, die jeder ausländische Tourist in Tōkyō zu sehen bekommt – aber er gehört ganz bestimmt zu den Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben sollte. Er ist nicht der älteste Tempel der Stadt, er ist auch nicht der größte Tempel der Stadt, aber er ist der wahrscheinlich außergewöhnlichste und ganz bestimmt nicht der armseligste: Der Fukagawa Fudōdō (深川不動堂 / ふかがわふどうどう). Er wird bisweilen auch Fukagawa Fudōson (深川不動尊 / ふかがわふどうそん) genannt, heißt aber mit seinem vollständigen Namen „Narita-san Tōkyō Betsuin Fukagawa Fudōdō“ (成田山 東京別院 深川不動堂 / なりたさん とうきょうべついん ふかがわふどうどう) – vielleicht verständlich, dass ein Name dieser Länge selbst beim langmütigsten Buddhisten nach einer “Abkürzung” schreit.

Und ich nehme es gleich vorweg: Die prächtigsten Seiten des Tempels werde ich nicht im Bild zeigen, da diese im Innern der ineinander verschachtelten Tempelräumlichkeiten zu sehen sind, wo Fotografieren verboten ist (und an solche Verbote halte ich mich vorzugsweise). Ich übertreibe aber nicht, wenn ich mich zu der Behauptung hinreißen lasse, dass die Ausstattung des Tempels kaum an Prächtigkeit übertroffen werden kann.

Der Fukagawa Fudōdō ist eine „Filiale“ eines der wichtigsten Tempel des Shingon Buddhismus, des Narita-san Shinshō-ji (成田山・新勝寺 / なりたさん・しんしょうじ) im gleichnamigen Narita, in Tōkyōs östlicher Nachbarpräfektur, Chiba (千葉 / ちば), und, wie auch dieser, dem Fudō Myōō (不動明王 / ふどうみょうおう) geweiht (der in Sanskrit auf den etwas weniger zungenbrecherischen Namen „Ācala“ hört). Dieser unerschütterliche Schutzgott ist an seinem grimmigen, oft auch zähnefletschenden Antlitz zu erkennen, mit dem er verlässlich jeden Feind in die Flucht schlagen soll – für alle Fälle trägt er auch noch ein Schwert bei sich. Und eine besonders hervorragende, hölzerne Version dieses „Ācala“ aus den Händen des großen Bildhauers Seikō Sawada (澤田・政廣 / さわだ・せいこう) (1895-1988) empfängt den Besucher gleich am Eingang zur alten Haupthalle des Tempels. Der Baum, aus dem die acht „shaku“ (尺 / しゃく), sprich: etwa 2 1/2 Meter hohe Statue geschnitzt wurde, soll ein 500 Jahre alter Baum gewesen sein.

Der Tempel selbst stammt aus der Edo-Zeit (gegründet im Jahre 1703). Die heute zu sehende alte Haupthalle gilt als das älteste Holzgebäude im Stadtteil Kōtō – was an ein kleines Wunder grenzt, wenn man weiß, dass auch die ursprüngliche Haupthalle die Bombardements des 2. Weltkriegs nicht überstanden hat. Das Wunder ist aber leicht erklärt: Anstatt den Tempel nach dem Kriege wieder aufzubauen, hat man ein Tempelgebäude aus der Nachbarpräfektur Chiba hierher überführt – und dieses Gebäude stammt aus dem Jahr 1862.
Wesentlich ungewöhnlicher und sicher auch atemberaubender ist jedoch die neue Haupthalle, die sich im Westen an die alte Haupthalle anschließt. Diese im Jahre 2011 (noch rechtzeitig vor dem 310. Jubiläum der Tempelgründung) errichtete Halle zeichnet sich durch eine durchbrochene, kubische Fassade aus, die über und über mit goldenen und schwarzen Sanskrit-Zeichen bedeckt ist. Das innere dieses Gebäudes beherbergt den Haupt-Zeremonienraum, der moderne Architektur mit traditionellen buddhistischen Elementen verbindet.

Allerdings ist das große, sicher etwas überdimensioniert wirkende, vierstöckige Gebäude an der Nordseite der alten Haupthalle der Ort, der wahrscheinlich die größten Überraschungen bereithält. Äußerlich wirkt das im Jahre 2000 errichtete Gebäude zwar nur bedingt zur traditionellen Bauweise des ursprünglichen Tempels passend, entpuppt sich im Innern aber förmlich als Schatzkiste. Hier sind nicht nur mehrere Pilgerstätten für die Gläubigen untergebracht. U.a. eine Galerie im 2. Stock, die alle 88 Heiligtümer des Pilgerweges von Shikoku (四国八十八箇所 / しこくはちじゅうはっかしょ) darstellt – an ihnen zu spenden und zu beten, soll den gleichen Wirkungsgrad haben, wie die ungefähr 1.200 km lange Pilgerschaft vor Ort (sie führt auf den Spuren des Gründers des Shingon-Buddhismus, Kūkai (空海 / くうかい). Lassen Sie sich aber nicht von der auf den ersten Blick eher kitschig-bunten Installation verwirren.

Neben vielen vielen anderen, prächtigen Räumlichkeiten und Installationen ist allerdings wahrscheinlich das Schatzhaus des Dainichi- oder Sonnen-Buddha (大日如来 / だいにちにょらい) im 4. Obergeschoss der eindrucksvollste Ort. Hier sind es nicht nur die Myriaden goldener Buddhastatuen in allen nur denkbaren Größen, die dem Raum eine unermessliche Pracht verleihen, sondern auch das eindrucksvolle Deckengemälde von Chinami Nakajima (中島・千波 / なかじま・ちなみ) (geboren 1945), dessen Oeuvre zwar einen größeren Schwerpunkt auf Kirschblüten legt, der hier aber eine gleichzeitig modern und traditionell anmutende Wiedergabe von „Buddha & Lotos“ geschaffen hat.

Wie eingangs schon erwähnt: Bilder hiervon gibt es (bei mir) nicht – aber dieser Saal allein ist den Besuch des Fukagawa Fudōdō schon wert!

Fukagawa Eitai Dōri (深川永代通り)

Fukagawa Eitai Dōri (深川永代通り)

Wie man hinkommt:

  • Mit der Tōkyō Metro Tōzai-Linie (東京メトロ東西線 / とうきょうメトロとうざいせん) nach Monzen Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかこう), Ausgang 1 (Fußweg: 2 Minuten) oder
  • mit der Toei Subway Ōedo-Linie (都営大江戸線 / とえいおおえどせん) ebenfalls nach Monzen Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかちょう), Ausgang 6 (Fußweg: 5 Minuten)

Öffnungszeiten:

Täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr (an Festtagen bis 20.00 Uhr)
Das Erdgeschoss der Hauptgebäude kann von 9.00 Uhr bis 17.45 Uhr (an Festtagen bis 19.45 Uhr) betreten werden, die Stockwerke 2 und 4 von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr (an Festtagen bis 18.00 Uhr).

Eintritt frei

Und wenn Sie schon mal in dieser Ecke sind, schauen Sie doch auch mal hier vorbei:

Fukagawa Edo Museum (深川江戸資料館)
– Auf Zeitreise zurück ins alte Edo

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮)
– Göttersänften und Sumō-Ringer

Kiyosumi Teien (清澄庭園)
– Der eher unbekanntere unter den ehemaligen Feudalgärten