Die Meiji Maru (明治丸)

24. February 2017

Eisernes Sinnbild für die Modernisierung Japans

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Aufgrund der großen Anzahl der verfügbaren englischsprachigen Quellen zu diesem Schiff, ist keine englischsprachige Version dieses Artikels vorgesehen.
Due to the numerous resources available in English about this ship, an English version of this posting is not planned (but let me know, should a translation make you happy…).

Die Meiji Maru (明治丸 / めいじまる) war ein in ihrer Zeit ungewöhnlich luxuriöses Schiff für die Versorgung von Leuchttürmen. Es war von der japanischen Regierung in Großbritannien in Auftrag gegeben worden, und im Jahr 1873 wurde ihr Kiel auf der Napier & Sons Werft in Govan (Glasgow) gelegt. Nach seiner Fertigstellung im November 1874 wurde es  1875 auf die Reise von Glasgow nach Yokohama geschickt, wo die Meiji Maru im Februar desselben Jahres ankam. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung war sie ein Zweimast-Toppsegelschoner von mehr als 1.000 Tonnen (brutto), einer Länge von 86,6 Metern und einer Breite von 9,1 Metern. Außerdem war sie ausgerüstet mit Doppelschiffsschrauben und zwei Dampfmaschinen mit 1.100 PS (ich habe auch Quellen gefunden, die von 1.530 PS sprechen), die das Schiff auf eine Geschwindigkeit von 11,5 Knoten brachten. Es war damals „state of the art“ und sollte auch auf den Meeren zeigen, dass Japan sich anschickte, sich zu einer modernen Nation zu entwickeln.

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Der Meiji Tennō (Mutsuhito, 1852-1912) war an Bord des Schiffes, als es zu seiner Einweihungsfahrt von Yokosuka (横須賀 / よこすか) nach Yokohama (横浜 / よこはま) in See stach (die beiden Städte liegen ungefähr 40 km Luftlinie von einander entfernt). Seinen Namen trägt das Schiff aus gutem Grund: Ebenso modern, wie das Schiff, wollte sich auch der Monarch geben, der die Regentschaft der Shōgune beendet und das Heft der Macht wieder in die eigenen Hände genommen hatte.

Der Kaiser, den bisher kaum ein Mensch zu sehen bekommen hatte, tat alles, um seine neu gewonnene Macht zu festigen. Besuchsfahrten in alle Winkel seines Reiches gehörten dazu und steigerten seine Popularität ungemein.
Auf seiner Tour durch den Nordosten der japanischen Hauptinsel und Hokkaidō ging Kaiser Meiji in Aomori (青森 / あおもり), Nordjapan, 1876 an Bord der Meiji Maru und segelte mit ihr nach Hakodate (函館 / はこだて) in Hokkaidō (北海道 / ほっかいどう) – beide Städte werden nur von der hier etwa 120 km breiten die Tsugaru-Straße (津軽海峡 /  つがるかいきょう) getrennt. Seine Reise endete am 20. Juli 1876 mit seiner Ankunft in Yokohama in der Präfektur Kanagawa (神奈川県 / かながわけん). Dieser Tag wird bis auf den heutigen Tag als „Tag des Meeres“ (海の日 / うみのひ) als Nationalfeiertag begangen.

Die Meiji Maru war für ungefähr 20 Jahre im Einsatz als Versorgungsschiff für Leuchttürme, bevor sie 1896 als Trainingsschiff für die Seefahrtsschule (東京商船学校 / とうきょうしょうせんがっこう) in Reiganjima ( 霊岸島 / れいがんじま), heute Shinkawa (新川 / しんかわ) im Tōkyōter Bezirk Chūō (中央区 / ちゅうおうく) vor Anker ging und schließlich bei der Verlegung der Schule nach Etchūjima (越中島 / えっちゅうじま) (1902) im Bezirk Kōtō (江東区 / こうとうく) dorthin umzog. Bereits 1897 war das Schiff ins Eigentum der Schule übergegangen und 1901 zu einem Dreimast-Vollschiff umgebaut worden, um von da an fest vor Anker zu verbleiben.
Die Seefahrtsschule wurde 1925 zur Seefahrts-Hochschule (東京高等商船学校 / とうきょうこうようしょうせんがっこう) und schließlich nach dem zweiten Weltkrieg (in Zwischenschritten) zum Etchūjima-Campus der heutigen Ozeanischen Hochschule Tōkyō (東京海洋大学 / とうきょうかいようだいがく).

Die Meiji Maru blieb „Klassenzimmer“ für die Ausbildung der jungen Seefahrer für ungefähr 50 Jahre bis 1945 und hat dabei über 5.000 junge Seeleute kommen und gehen sehen. Sie kenterte zweimal während verheerender Taifune (1911 und 1917), überstand aber das große Kantō-Erdbeben (1923) und die Luftangriffe der Alliierten im März 1945. Während beider Katastrophen diente das Schiff als Auffanglager für Opfer und hat sich dadurch einen besonderen Platz im Herzen der Einwohner des Kōtō-Bezirks (江東区 / こうとうく) gewonnen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden sowohl das Schiff, als auch die Schulgebäude von den Besatzungsmächten konfisziert. Das führte dazu, dass sich niemand mehr um die Meiji Maru kümmern konnte (andere Quellen sprechen davon, das Schiff sei von den Besatzungskräften als Kantine verwendet worden) und schließlich dazu, dass sie 1951 volllief und im Campus-See sank. Die Meiji Maru konnte aber geborgen werden und aus Anlass ihres 85. Jubiläums im Jahre 1960 wurde damit begonnen, sie zu restaurieren. Bei der Gelegenheit wurde sie auch an ihren heutigen Standort verbracht. Zu ihrem 100. Geburtstag im Jahre 1975 wurde erneut an der Wiederherstellung des Schiffes gearbeitet – unterstützt durch Spenden von Alumni der Hochschule und der Schiffsindustrie.

Die Meiji Maru ist das einzige Schiff Japans, das heute noch erhalten ist, das komplett aus Eisen hergestellt worden war (nicht, wie heute, aus Stahl). Seine Einzigartigkeit und seine historische Bedeutung schlugen sich im Mai 1978 in einer Anerkennung als wichtiges Kulturgut nieder.

Auch wenn das Schiff nach den letzten Renovierungsarbeiten (2015) schon von außen einen wirklich überwältigenden Eindruck macht, so ist doch sein Inneres von besonderem Interesse, denn es ist nicht nur das einzige Schiff, das über eine nur dem Kaiser vorbehaltene Kabine (schmückend „Thron / 御座所 / ごやしょ” genannt) verfügt, sondern auch über einen recht prächtig ausgestatteten Salon, der sicher nicht typisch für ein Versorgungsschiff gewesen sein mag.

Schauen Sie sich aber auch die historischen Gebäude auf dem Etchūjima-Campus der Ozeanischen Hochschule an. Das Hauptgebäude stammt aus dem Jahre 1932, als es ein ursprünglich hölzernes Schulgebäude ersetzte, das während des großen Kantō-Erdbebens niedergebrannt war. An diesem Campus sind die Abteilungen “Maritime Systems Engineering”, “Elektronik und Maschinenlehre” und “Logistics und Informatik” der Fakultät für Marine Ingenieurwissenschaften untergebracht.

Ozeanische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Außerdem befinden sich auf dem Gelände der Universität zwei Sternwarten, die hier im Juni 1903 errichtet wurden. Das erste von beiden soll das fortschrittlichste Teleskop des Orients seiner Zeit sein Eigen genannt haben. Beide wurden im Dezember 1997 als Kulturgüter anerkannt.

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Gleich nebenan befindet sich eine Gedenkstätte für Kapitän Genzaburō Kan (菅源三郎 / かんげんざぶろう) (1883-1942), der sich als Abgänger von dieser Hochschule und Kapitän der “Nagasaki Maru” einen Namen gemacht hat, als das Schiff im Jahre 1942 vor der Einfahrt in den Hafen von Nagasaki von Minen versenkt wurde und er tatsächlich erst als letzter Mann von Bord ging. Auch wenn man ihm seinerzeit keinerlei Schuld am Untergang der “Nagasaki Maru” geben konnte, fühlte er sich für den Tod von 13 getöteten und 26 vermissten Kameraden verantwortlich und brachte sich drei Tage später selbst um.

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学), Genzaburō Kan (菅源三郎)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学), Genzaburō Kan (菅源三郎)

Und wenn mir jetzt noch jemand erklären kann, warum japanische Schiffe immer “Maru” (丸 / まる) heißen, was ja eigentlich “Kreis” oder “Rund” bedeutet… Wikipedia bietet mehrere Erklärungen dafür, aber es wird ja hoffentlich auch eine richtige geben…

Adresse des Schiffes:

Meiji Maru
Etchūjima Campus of
Tōkyō University of Marine Science and Technology
2-1-6, Etchūjima, Koto-ku, Tōkyō

Telefon: 03-5245-7360

〒135-8533 東京都江東区越中島2-1-6
東京海洋大学 越中島キャンパス
明治丸

Öffnungszeiten:

Grundsätzlich dienstags und donnerstags, sowie an jedem ersten und dritten Samstag im Monat:
10 Uhr bis 16 Uhr (April bis September)
10 Uhr bis 15 Uhr (Oktober bis März)
Sonderöffnungen an zwei Sonntagen im November

Geschlossen vom 1. August bis 31. August.
Geschlossen vom 16. Dezember bis 15. Februar (gemäß Internetseite der Universität).

Für 2017 galten aber auch schon für die Monate Januar und Februar die oben genannte Regel grundsätzlich. Zusätzlich ist im März auch noch am Samstag, den 25.3, Sonntag, den 26.3 und Freitag, den 31.3. geöffnet.
Es wurde darauf hingewiesen, dass das Schiff von 10 Uhr bis 15 Uhr (letzter Einlass um 14.30 Uhr) besichtigt werden kann.

Während der Schließungszeiten im Winter kann das Schiff, solange der Campus geöffnet ist, von außen besichtigt werden. Für Gruppen von 10 und mehr Besuchern können aber auch in dieser Zeit Besichtigungen nach vorheriger Anmeldung durch geführt werden.

Eintritt frei

Ein weiteres historisches Schiff bei der Ozeanographischen Hochschule:

Wer noch mehr über historische Schiffe in Tōkyō erfahren möchte, für den ist der Shinagawa Campus der Ozeanografischen Universität Tōkyōs interessant, auf dessen Gelände sich z.B. auch die Unyō Maru (雲鷹丸 / うんようまる), ein in Japan gebautes Schulschiff aus dem Jahre 1909, befindet. Die Unyō Maru wurde über 20 Jahre auf 33 Fahrten in erster Linie für Seefangstudien eingesetz. Später diente es, wie die Meiji Maru, Trainingszwecken und wurde zuletzt von 2012 bis 2014 aufwändig restauriert.

Leider konnte ich keine Möglichkeit zur Besichtigung ausfindig machen. Hier ein paar optische Eindrück von dem Schiff, so wie es eben von außen gesehen werden kann:

Adresse:

Unyō Maru
Shinagawa-Campus of
Tōkyō University of Marine Science and Technology
4-5-7 Kōnan, Minato-ku
Tōkyō 108-0075

〒108-8477 東京都港区港南4-5-7
東京海洋大学品川キャンパス
雲鷹丸

Sie interessieren sich für Schiffe?

Dannn lohnt es sich natürlich immer, auch hier einmal vorbei zu schauen:

Yokohama: Hikawa Maru (氷川丸)
– Das bewegte Leben der „Königin des Pazifiks“


Minami Ashigara (南足柄) (Engl.)

19. November 2016

And yet another day of adventure and experience in Kanagawa

Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺)

Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺)

Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier.
A German version of this posting you can find here.

If you are one of those attentive readers of this website, words like “Kanagawa”, “Ashigara” and last but not least “Alice Gordenker” may do more than just ring a bell. Excursions off the beaten tracks of average tourists in Tōkyō’s neighbouring prefecture Kanagawa (神奈川 / かながわ) are inevitably turned into highlights, if and when they are being organised by the thoughtful people of Kanagawa’s tourism office and the incomparable Alice Gordenker. And here is yet another example proving this statement!

Previously, in spring this year, a trip had introduced to us the splendour of the more eastern and northern parts of Ashigara (足柄 / あしがら). Perhaps, you would like to refresh your memory? The scales will fall from your eyes, if you click here:

Ashigara (足柄)
– Kanagawa does it again: A day of culture and nature at the foot of Mt. Fuji

This time it’s more about the southern part of Ashigara (hence the title of this posting: “Minami Ashigara”, that is: South Ashigara), which is located in direct vicinity of the northern edge of Hakone (箱根 / はこね) and its giant vulcanic crater in the Fuji-Hakone-Izu National Park (富士箱根伊豆国立公園 / ふじはこねいずこくりつこうえん).

The map above doesn’t quite match the route of the tour in question, but it’ll give you an idea of where it all took place.

Starting point of the excursion was the railway station of Odawara (小田原駅 / おだわらえき)…

Odawara Station (小田原駅)

Odawara Station (小田原駅)

… and from there the following three locations were approached by bus:

  1. Yagurasawa (矢倉沢 / やぐらさわ) in the northern part of the Hakone Geo Park.
  2. Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺 / だいゆうざんさいじょうじ), the mystic temple, right in the centre of Minami Ashigara.
  3. Only Yuu (おんりーゆー) the spa place with hot mineral springs in the mids of a particularly unspoilt forest (this omious “Yuu” is, by the way, a malapropism of the Japanese word for warm water, “yu” (湯 / ゆ).

Each of those destination would have been worth an individual trip – but on that very special day we had the opportunity to enjoy all three of them in just one set.

The main theme or motto of the excursion was – and now, hold your breath: “Me Byo“. Well, I know, you probably don’t have the faintest idea of what this may mean. It is (yet another) strange transcription of a Japanese word: “未病 / みびょう”, which some of you may already know from the area of “kanpō medicine” (the Japanese herb medicine, based on Chinese medicine). Literally speaking, the word “未病” means something like “not/not yet being sick” and describes the condition of the human body and/or psyche between perfect health and sickness. Simply speaking, “Me Byo” aims at the avoidance of sickness, by exercising a “healthy lifestyle”: fresh air, exercise, healthy food, relaxation. Exactly what we were going to practise during the course of this excursion.

And there was a good reason for chosing this motto: The Kanagawa prefecture has committed itself to “Me Byo” and is aiming at more than just prophylaxis.

1. Yagurasawa (矢倉沢 )

The village of Yagurasawa (矢倉沢 / やぐらさわ), calmly nestled in a romantic landscape, may – at a first glance – look like one of those settlements that have been forgotten during the course of our modern times (after all, in Japan “rural depopulation” and “urbanisation” are two words that have found their most impressive manifestation in the ever-growing metropolis of Tōkyō – whilst the number of total population of Japan is on a remarkable decline). In fact the “great times” of Yagurasawa may be over – those times when important roads were named after it: The  Yagurasawa Ōkan (矢倉沢往還 / やぐらさわおうかん) (country roud of Yagurasawa) was one of the important routes between the capital city of Edo and the emperor’s residence city of Kyōto. As the story goes, the country road of Yagurasawa was mainly used by those who wanted to avoid the trouble of permenant ceremonial greeting of travelling dignitaries that used another main route between the two cities, the Tōkaidō (東海道 / とうかいどう).

Yagurasawa (矢倉沢)

Yagurasawa (矢倉沢)

Yagurasawa’s population is less than 300 people in our days – but these people have decided to develop a positive attitude towards rural life and to show that it can be quite an alternative to the temptations of the big cities. In this area, where tangerines are growing in lush plantations, where a particularly aromatic green tea is picked and where quite a variety of agricultural products are being offered, also new ways of making village life popular are being tried.

One of the examples are the chrysanthemum fields that can be seen everywhere. Eight years ago the residents started to plant whole “seas of chrystenthemums” on fields that are – temporarily or indefinitely – not tilled any longer. That does not only look rather pretty, but it also keeps away the wild boars (they obviously don’t really appreciate to smell of chrysenthemums). Wild boars have become quite some problem in these parts, since they are not hunted any longer (there is nobody left hunting them) and enjoy a lively reproduction, causing trouble for the vegetation and agriculture especially.

However, there is good reason for the beauty of the landscape around Yagurasawa, as the village is located in an area of geological peculiarity. It is part of the Hakone Geo Park – and this is where three of the tectonic plates of our planet hit each other (the Eurasian Plate, the North American Plate and the Filipino Plate), ensuring an “eventful life” (if one looks at it from an geological point of few). Mount Fuji is towering in the neighbourhood, and the gigantic crater of the Hakone National Park next door are the witnesses of grand vulcanic activity. And the countless earthquakes that shake this region of Japan impressively document that our maps are still in a state of permanent change.

However, the mountains around Ashigara represent a geological particularity that produces the most surprising discoveries (well, surprising for those who haven’t had a look into those peculiarites).
About one to two million years ago, this was still the ground of an ocean (back then I was too young – and digital cameras were yet to be developed; hence, I don’t have “real” pictures of that…). So, it shouldn’t come as a surprise that one can still find fossilised sea shells in the mountains.

Under the pressure coming from the Filipino Plate, an island (which we know as “Izu Peninsula” in our days) was pushed agains the Japanese mainland. The ocean’s waters disappeared about 700,000 to one million years ago.

During the course of further movements in the tectonic plates a large pocket of magma was encapsulated and during the last 400,000 years moved to upper rock formations. After forceful eruptions 200,000 years, 80,000 years and 60,000 years ago this rather unusual magma formation has been brought to the day’s light.

2. Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺)

The Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺 / だいゆうざんさいじょうじ) has a very special place among the Buddhist temples of Japan, as it is one of the most important of the Sōtō sect (曹洞宗 / そうとうしゅう) of Japanese Zen Buddhism. Already the myth of the temple’s foundation is so adventurous that I don’t want to keep it a secret:

One of the most influencial Zen masters of the Sōtō sect, Emyō Ryōan (了庵慧明 / りょうあんえみょう) (1337 to 1411), who was born in Isehara (just around the corner), was educated in various notable temples and by just as notable masters in various regions of Japan. He was already in his 50s, when he returned to his hometown. As it happened, one day a giant eagle grabbed his “kesa” (the stole of a priest’s robe) which he had put out for drying. The eagle flew into the near mountains of Ashigara – and Emyō Ryōan followed him. Eventually, he found the stole hanging on a branch of a large pine tree. He sat down under his pine tree and started to meditate. Suddenly, the stole was gripped by a gust and blown off the tree, landing directly on his left shoulder (just were the stole belonged). Emyō Ryōan took this occurrence as a sign, as a command to erect a temple for mediation on that very spot.

Also closely connected with this temple and Emyō Ryōan is Dōryō Daisatta (道了大薩埵 / どうりょうだいさった), previously a disciple of Emyō Ryōan, and also the one who played a leading role in the erection of the temple. He was said to possess superhuman powers.

The day after Emyō Ryōan’s death (28.3.1411) the Zen monk Dōryō became the protector of the temple – in a transformation that sounds even more fantastic than the founding legend of the temple itself: His body was engulfed in flames, from which he emerged as a winged being, holding a rope in one of his hands and a twisted stick in the other, riding on a white fox.

He promised all those who prayed to him earnestly a life without sickness – promised it and disappeared in Eastern direction and was never seen again (at least not as a monk). Some belive that Dōryō had attained eternal life and that he still has his protective hands over the Saijōji and its worshippers. Furthermore, he is said to be a re-incarnation of the 11-faced cannon (十一面観音 / じゅういちめんかんのん) and is also being honoured as “Tengu” (天狗 / てんぐ) (a mythical creature with a peckered face whose name derives from the Chinese “dog of heaven” and is said to hatch from eggs). Hence, the eager worshipper has a multitude of appearances to direct his or her prayers to.

One of the particular identifying features of the Saijōji, however, is its surrounding nature. The temple is located in the centre of Japan’s largest forest of cedar trees – roughly 20,000 specimen that have been grown here over a period of time of more than 500 years. The extremely humid climate in this area catered for a lush moss vegetation – not only the trees are covered with moss, but also most of the buildings. This unusual “touch of green” lends a mystical atmosphere to the temple’s grounds.

Let’s have a closer look at some of the more than 30 halls and buildings of the temple (most of the buildings we can see today were built during the course of the last 60 years – after the last devastating fire at the Saijōji):

Hondō (本堂 / ほんどう), the main hall

Sōdō (僧堂 / そうどう), the meditation hall

Tahō pagoda (多宝塔 / たほうとう), is a pagoda with a square foundation and a round first story. It is one of the oldest buildings on the temple’s grounds, as it was built in 1863.

Gokū bridge (御供橋 / ごくうばし) belongs to the 100 most remarkable bridges in the Kanagawa prefecture.

Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺), Gokūbashi (御供橋), Kekkaimon (結界門)

Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺), Gokūbashi (御供橋), Kekkaimon (結界門)

Kekkai gate (結界門 / けっかいもん) protects the inner precinct of the temple towards its south side and is being guarded by two particularly impressive Tengu (天狗 / てんぐ).

After passing the Kekkai gate and climing the 77 stairs of a steep staircase, one reaches the Goshinden (御真殿 / ごしんでん), which one could translate with “hall of purity”, which is also called Myōgakuhōden (妙覚宝殿 / みょうがくほうでん).

Tall Geta ( 高下駄 / たかげた), which you will find directly next to the Goshinden/ Myōgakuhōden – offerings that seem to be especially popular with companies in the transport business, but also with couples that seek married life free of stress and quarrel.

And last but not least the Hokuunkaku (白雲閣 / はくうんかく), the “Hall of the White Cloud” on the northern edge of the temple’s grounds, where we had the chance to enjoy typical “temple food”, the so-called “shōjin ryōri” (精進料理 / しょうじんりょうり) – a feast for every vegetarian, as it does without any animal products, not fish, no meat. But it also impressively demonstrated that such food doesn’t have to be bland at all. Additionally, and guided by a monk, we were introduced to the mysteries of meditative ingestion and ritual cleaning of rice bowls.

One of the highlights of the visit to the Saijōji was practicing a Zen-Buddhist meditation exercise (zazen / 座禅 / ざぜん) – again guided by one of the temple’s monks. Even though it wasn’t much more than a taster session, it was able to provide at least a glimpse of what may be accomplished by means of meditation. Those participants whose bones were flexible enough were shown three seating positions on meditation cushions typical for zazen – for those with less resilient joints small stools were provided.

But there are more “active” and definitely more noisy ways of internalisation and meditation: We were able to watch a group of people, completely immersed in the creation of astonishingly accomplished works of woodcraft.

How to get there:

Take the Izu-Hakone Railway Daiyūzan line from Odawara to the Daiyūzan (大雄山 / だいゆうざん) terminal. The train runs five times every hour (21 minutes of travel time) and costs 270 Yen per person.

From the Daiyūzan terminal take the bus of the Izu-Hakone line (nos. 31 or 33) from bus stop no 1. It takes about 10 minutes to the last stop at Dōryōson (道了尊 / どうりょうそん). Fare: 270 Yen.

(all details as per November 2016)

3. Only Yuu (おんりーゆー)

Only Yuu (おんりーゆー)

Only Yuu (おんりーゆー)

The motto of the public spa resort “Only Yuu” (おんりーゆー) is: “Modern “TOJI*” Style Healing Spa – Ashigara Hot Springs: Relax your mind, body and soul in a serene natural setting” – hence it aims at providing the stressed city slicker with everything he or she may need for that long overdue timeout. (*TOJI = 湯治 / とうじ = spa treatment)

It is really located in the middle of a remote forest – there couldn’t be a sharper contrast to the concrete jungle of the megalopolis. And there it was, where our day trip found its truly relaxing completion. As (almost) everywhere in Japan baths were to be taken divided by gender – but all the other activities could be carried out jointly.

„Only Yuu“ is offering to following ot its guests:

Tōji Furo (湯治風呂 / とうじふろ) healing baths in 38°C warm spring water (pH 9.5), that is supposed to be a special treat for a tender skin and natural beauty, but also promotes blood circulation and is said to help with various ailments (skin problems, chronic female disorders, diabetes, high blood pressure, gout, constipation and, and, and…). Baths can be taken in large outside basins made of natural stone or basins provided inside.

Zanmai Koza (三昧講座 / ざんまいこうざ)-relaxation lessons with “zazen” (see above), calligraphy, loosing-up exercises and stretching exercises.

Kakure-za (隠れ座 / かくれざ), relaxation room with tatami mats.

Esute & Massaaji (エステ&マッサージ) Beauty & Massage – an experience of Japanese beauty care and massage before or after your bath.

Furthermore, there is also a restaurant and a coffee shop – we all know the appetite and thirst that come from extended baths.

And if you are in for an even longer bath experience, you might even consider staying overnight (details see below).

How to get there:

Take the Izu-Hakone Railway Daiyūzan line from Odawara to the Daiyūzan (大雄山 / だいゆうざん) terminal. The train runs five times every hour (21 minutes of travel time) and costs 270 Yen per person.

There are complimentary shuttle busses from Daiyūzan to the spa at 10:30 am, 11:30 am, 12:30 pm and 1:30 pm (there are also later shuttles each hour between 4:10 pm and 7:10 pm, which require prior registration). Also for the way back to Daiyūzan station there are complimentary shuttles at 9:50 am, 10:50 am, 11:50 am, 3:30 pm, 4:30 pm, 7:30 pm and 6.30 pm.
Similar services are also available at Kaisei station (開成 / かいせい) of the Odakyū line (小田急線 / おだきゅうせん).

(all details as per November 2016)

Charges:

General entry fee for the spa:

Adults: 1,940 Yen
Children: 972 Yen
A “samue” (作務衣 / さむえ)-set (consisting of casual wear in the style of Buddhist monk’s working garment ), sandals, two towels are included for the use during the say at the “Only Yuu”.

Overnight stay:

12,960 Yen per person
Price includes the use of all spa facilities as well as two meals.

As a special highlight you can also indulge in a special “35.5 hours relaxation”-plan: If you arrive at the “Only Yuu” when it opens in the morning (10 am), combine your stay with an overnight stay and check out upon closure of the spa on the next day (9:30 pm), you’ll have a total of 35.5 hours of utter relaxation (however, the room you stay in overnight is only available from 7 pm on the arrival day to noon on the departure day).

Private Bath:

Private spa suites can be reserved for 3,240 Yen an hour.

(all details as per November 2016)

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Also have a look at another special Kanagawa tour provided by Alice Gordenker:

Manazuru (真鶴)
– A day at the seaside – nature, art, palatal pleasures and more


Minami Ashigara (南足柄) (dt.)

17. November 2016

Und wieder ein Tag voller Abenteuer und Erfahrungen in Kanagawa

Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺)

Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Wenn Sie zu den aufmerksamen Lesern dieser Webseite gehören, werden Wörter wie “Kanagawa”, “Ashigara” und nicht zuletzt “Alice Gordenker” einiges an Glockengeläut bei Ihnen hervorrufen. Exkursionen jenseits der Trampelpfade der Massentouristen in Tōkyōs südlicher Nachbarpräfektur Kanagawa (神奈川 / かながわ) werden unweigerlich zu Highlights, wenn sie von den umsichtigen Mitarbeitern des Tourismusbüros von Kanagawa und Alice Gordenker zusammengestellt werden. Und hier haben wir auch gleich ein weiteres Beispiel dafür!

Eine Rundfahrt im Frühjahr dieses Jahres hatte uns bereits mit dem Reiz der mehr östlichen und nördlichen Teile von Ashigara (足柄 / あしがら) bekannt gemacht. Vielleicht möchten Sie Ihr Erinnerungsvermögen ein bisschen aufmöbeln – mit einem Klick wird es Ihnen wie Schuppen von den Augen (und das ist besser als aus den Haaren) fallen:

Ashigara (足柄)
– Kanagawa macht’s schon wieder: Ein Tag voller Kultur & Natur am Fuße des Fuji-san

Dieses Mal geht es mehr um den südlichen Teil von Ashigara (weswegen der Titel des Artikels ja auch “Minami Ashigara”, sprich: Süd-Ashigara, lautet), der direkt an den Nordrand von Hakone (箱根 / はこね) und seinen gigantischen Vulkankrater im Fuji-Hakone-Izu Nationalpark (富士箱根伊豆国立公園 / ふじはこねいずこくりつこうえん) stößt.

Die auf der Landkarte eingezeichnete Route entspricht nicht ganz der Tour, über die wir heute sprechen wollen, aber sie gibt zumindest ansatzweise den Reiseverlauf wieder.

Ausgangspunkt der Exkursion war der Bahnhof von Odawara (小田原駅 / おだわらえき)…

Odawara Station (小田原駅)

Odawara Station (小田原駅)

und von dort aus ging es per Bus zu folgenden drei Orten:

  1. Yagurasawa (矢倉沢 / やぐらさわ) im nördlichen Teil des Hakone Geo-Parks.
  2. Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺 / だいゆうざんさいじょうじ), der mystische Tempel, im Herzen von Minami Ashigara.
  3. Only Yuu (おんりーゆー) die Badeanlage mit heißen Mineralwasserquellen inmitten eines besonders urwüchsigen Waldes (wobei dieses ominöse „Yuu“ für eine Verballhornung des japanischen Wortes für warmes Wasser, „yu“ (湯 / ゆ) steht).

Jedes der Ausflugsziele wäre einen dezidierten Einzelbesuch wert – aber diesmal bestand eben die Möglichkeit, gleich alle drei in einem bequemen Paket an einem einzigen Tag zu erleben.

Das Thema oder Motto der Exkursion war – und nun halten Sie sich fest: “Me Byo“. Ja, ich weiß, Sie haben keine Ahnung, was das sein soll. Es handelt sich um die etwas ungewöhnliche Transkription des Wortes “未病 / みびょう”, das einige vielleicht schon aus dem Bereich der Kanpō-Medizin (auf chinesischer Medizin beruhende japanische Kräutermedizin) kennen. Wörtlich bedeutet “未病” so etwas wie “nicht/noch nicht krank” und beschreibt den Zustand zwischen körperlicher/geistiger Gesundheit und Krankheit. “Me Byo” will – vereinfacht gesprochen – dafür sorgen, dass der Mensch erst gar nicht krank wird, indem er sein Leben “gesund” gestaltet: frische Luft, Bewegung, gesundes Essen, Entspannung. Genau das, was während der Exkursion auf dem Programm stand.

Und das geschah nicht von Ungefähr, denn die Präfektur Kanagawa hat sich “Me Byo” auf die Fahnen geschrieben und will damit mehr als einfach nur “prophylaktisch” wirken.

1. Yagurasawa (矢倉沢 )

Das verträumt in der Landschaft liegende Dorf Yagurasawa (矢倉沢 / やぐらさわ) mag heute auf den ersten Blick wie eine der von den modernen Zeiten vergessenen Siedlungen erscheinen („Landflucht“ ist in Japan schließlich ein Wort, das sich im unaufhaltsamen Wachsen Tōkyōs – bei gleichzeitig dramatisch sinkender Gesamtbevölkerungszahl des Landes – ein nicht mehr zu übersehendes Sinnbild erschaffen hat). Und die „großen Zeiten“ mögen in der Tat vorbei sein, als der kleine Ort Namensstifter für die Yagurasawa Ōkan (矢倉沢往還 / やぐらさわおうかん) (Landstraße von Yagurasawa) war – einem der wichtigen Verkehrswege zwischen dem Sitz der Regierung in Edo und der Residenz des Kaisers in Kyōto. Die Landstraße von Yagurasawa war wohl auch der Weg, der hauptsächlich von denjenigen benutzt wurde, denen das permanente zeremonielle Grüßen der sich auf dem Tōkaidō (東海道 / とうかいどう), der damaligen Hauptverkehrsstraße zwischen Edo und Kyōto, tummelnden Adeligen und sonstigen Würdenträger lästig war.

Yagurasawa (矢倉沢)

Yagurasawa (矢倉沢)

Heute ist die Bevölkerung auf weit weniger als 300 gesunken – aber dabei handelt es sich um Bürger, die sich mit frischen Ideen und großer Offenheit für das Landleben als mögliche Alternative zu den Verlockungen der Großstadt stark machen. Hier, wo die Mandarinen in üppigen Plantagen wachsen, eine ganz besonders aromatische Variante grünen Tee wächst und sich die unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Produkte großer Beliebtheit erfreuen, geht man auch neue Wege. So werden schon seit 8 Jahren die Felder, die temporär oder für längere Zeit nicht mehr bestellt werden, mit ganzen Meeren von Chrysanthemen bepflanzt – das sieht nicht nur hübsch aus, sondern hilft auch mit, die sich in den Wäldern üppig vermehrenden Wildschweine fern zu halten (die mögen offensichtlich den Geruch von Chrysanthemen nicht). Das Waidwerk scheint in Japan in den ländlichen Regionen mit der Alterung der Bevölkerung mehr und mehr auszusterben – zur Freude der wild lebenden Tiere, aber sehr zum Schaden der Vegetation und der Landwirtschaft.

Die Schönheit der Landschaft kommt aber auch nicht von ungefähr: Yagurasawa liegt in einem geologisch besonders interessanten Gebiet. Es ist Teil des Hakone Geo-Parks. Hier, wo gleich drei Kontinentalplatten der Erdkruste (die Eurasische Platte, die Nordamerikanische Platte und die Philippinische Platte) aufeinandertreffen, ist für ein – erdhistorisch betrachtet – „bewegtes Leben” gesorgt. Der Fuji-san, der als Sinnbild Japans seine Nachbarschaft überragt, und der riesige Krater des Nationalparks Hakone sind Zeugen grandioser vulkanischer Tätigkeit – und die zahlreichen Erdbeben, die diese Region Japans erlebt, beweisen, dass sich unsere Landkarten nach wie vor in einem Zustand permanenter Veränderung befinden.

Allerdings stellen die Berge von Ashigara eine geologische Besonderheit dar, die zu den überraschendsten Funden führt (überraschend natürlich nur für denjenigen, der sich vorher nicht mit den geologischen Besonderheiten vertraut gemacht hat).
Vor ein bis zwei Millionen Jahren befand sich hier noch Meeresboden. Dass man in den Bergen rings um Yagurasawa versteinerte Meeresmuscheln finden kann, sollte also gar nicht verwundern. Unter dem Druck der Philippinschen Platte näherte sich das, was wir heute die „Halbinsel Izu“ nennen, dem Festland immer mehr – das Meer verschwand vor etwa 700.000 bis 1 Million Jahren. Eine Magma-Einkapselung wurde im Zuge der weiteren Erdplattenverschiebung innerhalb der letzten 400.000 Jahre nach oben befördert und tritt nun, nach großen Vulkanausbrüchen vor 200.000, 80.000 und 60.000 Jahren als nicht ganz alltägliche Gesteinsschicht zutage.

2. Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺)

Der Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺 / だいゆうざんさいじょうじ) nimmt unter den Tempeln Japans eine ganz besondere Stellung ein, denn er gehört zu den wichtigsten der Sōtō-Sekte (曹洞宗 / そうとうしゅう) des japanischen Zen-Buddhismus. Schon seine Gründungslegende ist so abenteuerlich, dass sie hier nicht verschwiegen werden soll:

Einer der wichtigsten Zen-Meister der Sōtō-Sekte, Emyō Ryōan (了庵慧明 / りょうあんえみょう) (1337 bis 1411), der ursprünglich aus Isehara (ganz in der Nähe gelegen) stammte und der seine Ausbildung in namhaften Tempeln und von ebensolchen Meistern in verschiedenen Regionen Japans erhalten hatte, war bereits in seinen Mittfünfzigern, als er in seine Heimat zurückkehrte. Eines Tages begab es sich, dass ein riesiger Greifvogel seine „kesa“ (die Stola des buddhistischen Priestergewandes), die er zum Trocknen aufgehängt hatte, schnappte und mit ihr in die nahen Berge von Ashigara flog. Emyō Ryōan folgte dem Vogel und fand seine Stola am Ast einer großen Kiefer hängen. Er ließ sich meditierend unter dem Baum nieder. Plötzlich wurde die „kesa“ von einem Windstoß erfasst und auf seine linke Schulter geweht (wohin sie ordnungsgemäß gehört). Emyō Ryōan nahm dieses Vorkommnis als Zeichen dafür, dass hier ein Kloster für Meditionsübungen zu entstehen habe.

Eng verbunden mit dem Tempel und Emyō Ryōan ist Dōryō Daisatta (道了大薩埵 / どうりょうだいさった), ein ehemaliger Schüler des Emyō Ryōan, der maßgeblich am Aufbau des Tempels beteiligt war und dem man fast übermenschliche Kräfte nachsagte. Am Tag nach dem Dahinscheiden Emyō Ryōans (28.3.1411) wurde aus dem Zen-Mönch Dōryō der Beschützer des Tempels – in einer Transformation, die geradezu phantastisch klingt (und es wohl auch ist): Sein Körper wurde von Flammen eingehüllt, aus denen er als geflügeltes Wesen, mit einem Seil in der einen Hand und einem gedrehten Stab in der anderen auf einem weißen Fuchs hervorging.

Er versprach all denjenigen, die ihn inbrünstig anbeteten, ein Leben frei von Krankheit, verschwand in Richtung Osten und ward nie mehr gesehen – jedenfalls nicht als Mönch. Man glaubt, dass Dōryō das ewige Leben erlangt hat und auch heute noch seine Funktion als Beschützer des Saijōji und seiner Pilger wahrnimmt. Außerdem soll er eine Reinkarnation der 11-gesichtigen Kannon (十一面観音 / じゅういちめんかんのん) sein und wird auch als „Tengu“ (天狗 / てんぐ) (ein schnabelgesichtiges, machtvolles Fabelwesen, dessen Name sich vom chinesischen „Himmelshund“ ableitet und angeblich aus Eiern schlüpft) anerkannt. Die Pilger an diesem mystischen Ort haben also die Gelegenheit ihm in mehreren Inkarnationen zu huldigen.

Besonderes Erkennungsmerkmal des Saijōji ist aber seine Umgebung, denn er steht mitten im größten Zedernwald Japans, der heute aus ca. 20.000 Exemplaren besteht und sich über einen Zeitraum von über 500 Jahren entwickelt hat. Die extrem feuchte Witterung der Gegend sorgt dafür, dass nicht nur die Bäumen, sondern auch die Gebäude über und über von Moosgeflechten überzogen sind, was dem ganzen Areal eine besonders mystische Stimmung verleiht.

Schauen wir uns einige der über 30 Hallen und Gebäude des Tempels etwas genauer an (in der ganz überwiegenden Zahl sind die heute vorhandenen Gebäuden erst nach wiederholten Großbränden – zuletzt vor 60 Jahren – entstanden):

Hondō (本堂 / ほんどう), die Haupthalle

Sōdō (僧堂 / そうどう), die Meditationshalle

Tahō-Pagode (多宝塔 / たほうとう), eine Pagode mit viereckigem Erdgeschoss und rundem ersten Stock, eines der ältesten Gebäude auf dem Tempelareal – erbaut im Jahre 1863.

Gokū-Brücke (御供橋 / ごくうばし), sie gehört zu den hundert bemerkenswertesten der Präfektur Kanagawa.

Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺), Gokūbashi (御供橋), Kekkaimon (結界門)

Daiyūzan Saijōji (大雄山最乗寺), Gokūbashi (御供橋), Kekkaimon (結界門)

Kekkai-Tor (結界門 / けっかいもん), das den inneren Bereich des Tempelbezirks im Süden gegen die äußeren Bereiche abriegelt und von zwei besonders ausdrucksstarken Tengu (天狗 / てんぐ) bewacht wird.

Der nach dem Kekkai-Tor über 77 Stufen zu erreichende Goshinden (御真殿 / ごしんでん), den man salopp mit „Halle der Reinheit“ übersetzen könnte, aber auch Myōgakuhōden (妙覚宝殿 / みょうがくほうでん) genannt wird.

Große Geta ( 高下駄 / たかげた) direkt neben dem Goshinden/ Myōgakuhōden – Opfergaben, die einerseits offensichtlich in erster Linie von Unternehmen des Transportgewerbes dargebracht werden, aber auch von Paaren, die hierdurch ein stressfreies Eheleben sicherstellen wollen.

Und schließlich die Hokuunkaku (白雲閣 / はくうんかく), die „Halle der weißen Wolke“ ganz im Norden des Tempelgeländes, wo während der Exkursion ein typisches Tempelessen, sogenanntes „shōjin ryōri“ (精進料理 / しょうじんりょうり) eingenommen wurde – ein Festessen für jeden Vegetarier, denn es verzichtet – wie sich das für ordentliche Buddhisten gehört, gänzlich auf Fisch und Fleisch. Dass es deswegen aber keineswegs geschmacklos sein muss, konnte das Mittagsmahl ebenfalls unter Beweis stellen. Unter Anleitung eines Mönchs wurden wir in die Geheimnisse meditativer Nahrungsaufnahme und ritueller Reinigung der Reisschüsseln eingeführt.

Und im Anschluss wurde die ganze Gruppe unter Anleitung in den Genuss einer Zen-buddhistischer Meditationsübung (zazen / 座禅 / ざぜん) gebracht – sozusagen ein kleiner “Schnupperkurs” in angewandtem Zen-Buddhismus. Die gelenkigen Teilnehmer durften eine der drei möglichen Sitzpositionen auf Meditationskissen einnehmen, für die kniegeschädigten standen kleine Hocker bereit.

Außerdem konnten wir hier eine ganz besondere Form der “Meditation” beobachten: Eine größere Gruppe, die sich in der Anfertigung erstaunlich vollendeter Holzschnitzereien übte.

Wie man hinkommt:

Mit der Izu-Hakone Railway Daiyūzan-Linie von Odawara zur Endstation Daiyūzan (大雄山 / だいゆうざん), die fünfmal stündlich verkehrt, für die Strecke 21 Minuten braucht und Fahrtkosten von 270 Yen mit sich bringt.

Von dort mit den Bussen der Izu-Hakone-Linie (Nr. 31 oder 33) vom Bussteig 1 bis zur Endstation Dōryōson (道了尊 / どうりょうそん), ca.10 Minuten Fahrzeit, 270 Yen.

(Alle Angaben Stand November 2016, ohne Gewähr)

3. Only Yuu (おんりーゆー)

Only Yuu (おんりーゆー)

Only Yuu (おんりーゆー)

Unter dem Motto „moderne Badekur in den warmen Quellen von Ashigara“ bietet die Freizeit-Badeanlage „Only Yuu“ (おんりーゆー) dem gestressten Großstädter alles, was er für eine Auszeit benötigt. Sie liegt abgeschieden mitten im Wald – krasser könnte der Gegensatz zur Betonwüste der Metropolen nicht sein. Hier fand unsere Tagestour ihren wahrlichen entspannenden Abschluss. Wie (fast) überall in Japan wurde streng nach „Männlein“ und „Weiblein“ getrennt gebadet – alle anderen Aktivitäten konnten dann wieder gemeinsam angegangen werden.

„Only Yuu“ bietet seinen Gästen folgende Einrichtungen:

Tōji Furo (湯治風呂 / とうじふろ) Heilbad in 38°C warmem Quellwasser (mit einem pH-Wert von 9,5), das der Haut angeblich Zartheit und Schönheit verleiht und gleichzeitig der Blutzirkulation dient, aber u.a. auch bei Hauterkrankungen, chronischen Frauenkrankheiten, Diabetes, Bluthochdruck, Gicht und Verstopfung hilft. Hierfür stehen große Natursteinbecken im Freien, aber auch in geschlossenen Räumen zur Verfügung.

Zanmai Koza (三昧講座 / ざんまいこうざ)-Entspannungsunterricht mit „zazen“ (siehe oben), Kalligraphie, Entspannungs- und Dehnungsübungen.

Kakure-za (隠れ座 / かくれざ), mit Tatamimatten ausgelegter Ruheraum.

Esute & Massaaji (エステ&マッサージ) Schönheitssalon & Massage – die Erfahrung japanischer Schönheitspflege und Massage vor oder nach dem Bad.

Außerdem gibt es in der Anlage noch ein Restaurant und ein Café, da Baden ja bekanntlich auch hungrig macht.
Wer ganz besonders ausgiebig baden möchte, kann sich vielleicht für eine Übernachtung im “Only Yuu” begeistern (Details siehe unten).

Wie man hinkommt:

Mit der Izu-Hakone Railway Daiyūzan-Linie von Odawara zur Endstation Daiyūzan (大雄山 / だいゆうざん, die fünfmal stündlich verkehrt, für die Strecke 21 Minuten braucht und Fahrtkosten von 270 Yen mit sich bringt.

Von dort mit kostenlosen Shuttle-Bussen um 10.30 Uhr, 11.30 Uhr, 12.30 Uhr und 13.30 Uhr (spätere Shuttles stündlich zwischen 16.10 Uhr und 19.10 Uhr nach vorheriger Anmeldung). Für die Rückfahrten nach Daiyūzan stehen ebenfalls kostenlose Shuttles um 9.50 Uhr, 10.50 Uhr 11.50 Uhr, 15.30 Uhr, 16.30 Uhr, 17.30 Uhr und 18.30 Uhr zur Verfügung.
Ähnliche Arrangements gibt es auch ab dem Bahnhof Kaisei (開成 / かいせい) der Odakyū-Linie (小田急線 / おだきゅうせん).

(Alle Angaben Stand November 2016, ohne Gewähr)

Preise:

Allgemeine Eintrittspreise für die Badeanlage:

Erwachsene: 1.940 Yen
Kinder: 972 Yen
Ein „samue“ (作務衣 / さむえ)-Set (Freizeitbekleidung im Stile der Arbeitsbekleidung eines buddhistischen Priesters), Sandalen und zwei Handtücher sind zur Benutzung während des Aufenthalts in der Anlage inbegriffen.

Übernachtung:

12.960 Yen pro Person
Dieser Preis schließt die Benutzung der Badeanlagen, sowie zwei Mahlzeiten mit ein.

Als besonderes Highlight wird ein „35½-Stunden Entspannung“-Plan angeboten: Wer zur Öffnung der Anlage morgens um 10 Uhr kommt und seinen Aufenthalt mit einer Übernachtung kombiniert, kann die Anlagen bis 21.30 Uhr des darauffolgenden Tages nutzen (die Zimmer sind allerdings nur von 17 Uhr am Ankunftstag bis 12 Uhr am darauffolgenden Tag nutzbar).

Privat-Bad:

Private Bade-Suiten können zum Preis von 3.240 Yen pro Stunde gemietet werden.

(Alle Angaben Stand November 2016, ohne Gewähr)

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Hat der Artikel Ihr Interesse an Kanagawa geweckt? Dann schauen Sie sich doch auch diesen Artikel an:

Manazuru (真鶴)
– Ein Tag am Meer – Natur, Kunst, Gaumengenüsse und mehr


Ashigara (足柄) (dt.)

21. February 2016

Kanagawa macht’s schon wieder: Ein Tag voller Kultur & Natur am Fuße des Fuji-san

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Mt. Fuji (富士山)

Mt. Fuji (富士山)

Falls Sie bereits den Artikel über meinen Ausflug nach “Manazuru“ kennen, haben Sie schon eine gewisse Vorstellung von dem, was Sie hier erwartet, weil es sich um eine weitere Exkursion handelt, die von der unvergleichlichen Alice Gordenker organisiert wurde. Und falls Sie zu den aufmerksamen Lesern dieser Webseite gehören, sollte der Name in Ihren Ohren (ähm, Augen) einen gewissen Klang haben. Sie war es nämlich auch, die sozusagen hinter den Kulissen gewirkt hat, als ich meine Artikel über das “Toguri Kunstmuseum“, das Projekt “Amputierte Venus” und das “Teien Kunstmuseum“ schrieb. Und Alice Gordenkers eigenen Blog finden Sie natürlich auch in meiner Blogroll.

Wie auch seinerzeit in Manazuru, kam die Tour nach Ashigara durch eine tatkräftige Unterstützung durch die Präfektur Kanagawa zustande, die damit auch versuchen möchte, mehr ausländische Touristen auf ihr Gebiet zu locken. Und man kann nicht anders, als sich dazu bekennen: “Die machen das wirklich gut!”

Startpunkt für den 1-Tages-Ausflug war:
Shin Matsuda (新松田 / しんまつだ) (1) in der Präfektur Kanagawa

Falls Ihnen dieser Kartenausschnitt nicht genug Einzelheiten über die Tagesroute unserer Exkursion vermitteln sollte, werfen Sie doch mal einen Blick auf das untenstehende Bild einer “etwas angereicherten” Karte aus Googlemaps (klicken Sie das Bild zum Vergrößern an) – die in der Karte eingezeichnet Punkte/Nummern finden Sie im Verlauf des Textes wieder – sie bezeichnen die Stationen, die wir eingelegt haben:

Ashigara Excursion Map

Ashigara Übersichtsplan der Exkursion

Sie haben noch nie von Ashigara gehört? Nun, das sollte Sie nicht gleich in die Verzweiflung stürzen, denn, obwohl diese Gegend in Kanagawa auf eine lange und wichtige Historie zurückblicken kann, gehört sie doch nicht zu den Orten Japans, die auf dem Reiseplan von Otto Normaltourist stehen (von Ottilie Normaltouristin ganz zu schweigen). Aber schon an der Tatsache, dass durch Ashigara uralte Landstraßen verlaufen – älter als die berühmte Tōkaidō (東海道 / とうかいどう) – und dass es so nahe bei der alten Burg-Stadt Odawara (小田原 / おだわら) und der noch älteren ehemaligen Hauptstadt Japans, Kamakura (鎌倉 / かまくら) (12. bis 14. Jahrhundert) liegt, kann man ermessen, dass es hier auch heutzutage noch eine Vielzahl an geschichtsträchtigen Orten und Bräuchen gibt.

Und wenn Sie sich ein bisschen in japanischen Legenden auskennen, wird es Ihnen etwas sagen, wenn hier erwähnt wird, dass Kintaro (金太郎 / きんたろう) hier im Jahre 956 n.Chr. geboren wurde. Aber Sie müssen sich auch nicht in Grund und Boden schämen (will sagen: Sie dürfen trotzdem mit mir auf die Reise gehen), wenn Sie davon keine Ahnung hatten.

Discover Another Kanagawa: Ashigara

Discover Another Kanagawa: Ashigara

(2) Monzō Bauernhaus (古民家文蔵 / こみんかもんぞう)

Monzō Farm House (古民家文蔵), Aizome (藍染) Workshop

Monzō Farm House (古民家文蔵), Aizome (藍染) Workshop

Dieses traditionelle, reetgedeckte Bauernhaus (etwa 100 Jahre alt) war das erste Ziel unseres Ausfluges, wo wir auch gleich mit einem ganz besonderen Aspekt japanischer Kultur in Berührung kamen: Aizome (藍染 / あいぞめ) – Indigo-Färberei. Wer hätte je gedacht, dass man innerhalb kürzester Zeit lernen kann, ein Tuch zu färben und sich sein eigenes tenugui (手拭い / てぬぐい) – ein traditionelles japanisches Hand- oder Taschentuch – herzustellen? Ich jedenfalls nicht! Aber die Ergebnisse des knapp einstündigen Workshops konnten sich wirklich sehen lassen – mehr noch: Sie waren regelrecht erstaunlich. Besonders, wenn man bedenkt, dass das alles nur auf ein paar “grünen Blättern” und viel Wasser beruht (falls Sie mir die groteske Simplifizierung erlauben).

Das Monzō-Haus ist auch Heimat einer NRO, die wunderschönen alten Kimono (着物 / きもの) aus der Taishō-Zeit (大正時代 / たいしょうじだい) und der Shōwa-Zeit (昭和時代 / しょうわじだい) ein Zuhause gibt. Einige der hier zu sehenden Stücke sind bereits über 75 Jahre alt. Außerdem kann man hier alte Kimono erwerben und zu anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs umgearbeitete Stoffe von obi (帯 / おび) (Kimonogürtel) und Kimono.

Und während die von unserer Gruppe gefärbten tenugui in der Sonne trockneten…

Monzō Farm House (古民家文蔵), Aizome (藍染) Workshop

Monzō Farm House (古民家文蔵), Aizome (藍染) Workshop

…ging’s auf zum nächsten Ziel in unserem Progamm – dem nur “um die Ecke” liegenden

(3) Seto Yashiki (瀬戸屋敷 / せとやしき)

Seto Yashiki (瀬戸屋敷)

Seto Yashiki (瀬戸屋敷)

Dieses zweite traditionelle Haus war mit seinen 300 Jahren nicht nur deutlich älter als das Monzō-Haus, sondern auch auffallend prächtiger. Kein Wunder, denn es war früher das Haus des Dorfvorstehers, des nanushi (名主 / なぬし). Schon allein dessen reetgedecktes Dach macht einen Unterschied – und einen recht eindrucksvollen noch dazu. Jeder, der schon einmal traditionelle japanische Bauern- und Dorfhäuser besucht hat, weiß um den stillen Charme dieser Gebäude.

In Vorbereitung auf das “Hina Matsuri” (雛祭り / ひなまつり), das Puppen-Festival (am 3. März, dem “Mädchen-Tag”), hatte man das Erdgeschoss des Hauptgebäudes mit großen, stufigen Regalen, die mit rotem Stoff überzogen waren, geschmückt und darauf die dekorativen Puppen, “hina ningyō” (雛人形 / ひなにんぎょう), aufgebaut. Diese Puppen stellen den Kaiser, die Kaiserin, deren Hofstaat samt Dienern und Musikanten in traditionellen Roben aus der Heian Zeit (794–1185) dar. Das Fest als solches hat ursprünglich mal dem Verjagen missliebiger Geister gedient.

Man erzählt sich, dass japanische Mädchen ganz verrückt nach diesen Püppchen und Figürchen sind, obwohl sie absolut nicht zum Spielen da sind und nur auf ihren Podesten “bewundert” werden dürfen.

Und, wie bei jedem anderen, guten, alten Aberglauben, gilt auch für das Aufstellen der Hina-Puppen ein striktes Reglement: Werden diese Puppen nicht direkt nach dem Puppen-Festival wieder weggepackt, droht der Tochter des Hauses eine erst sehr späte Vermählung.

Wie dem auch sei, wir hatten natürlich Glück mit unserem Besuch, denn schon eine Woche später würden die Besucher, die zum Bewundern der prächtigen Arrangements kommen würden, förmlich gewimmelt haben.

Einer der vielen Höhepunkte dieses Tages war allerdings auch eine außergewöhnliche Teeverkostung im kura (蔵/ くら) (Lagerhaus) des Anwesens, wo auch Kreidezeichnungen von lokalen Künstlern ausgestellt wurden.

Der Anbau von Tee in Ashigara ist eine relativ neue Tradition. Als das Land nach dem großen Erdbeben von 1923 brach lag, hoffte man, es durch Teeanbau zu revitalisieren. Heute gehören die Teesorten, die in Ashigara wachsen, zu den besten des Landes.

Und obwohl ich mir eingebildet hatte, schon ein bisschen was von japanischem grünem Tee zu verstehen, sollte diese Teeverkostung zu einem wahren Augenöffner werden. Ein Tee-Somelier des örtlichen Teeverbandes führte uns durch den Prozess dreier verschiedener Arten der Teezubereitung.

1. Aufguss:
Die trockenen Teeblätter wurden in eine Teeschale mit Deckel gegeben. Ein winziger Schluck heißen Wassers wurde in einen kleinen Krug geschüttet und dort auf etwa Körpertemperatur abgekühlt (will sagen: ca. 40°C – ja, ja, ja, ich weiß, dass die Körpertemperatur der meisten Menschen etwas niedriger ist). Diese kleine Menge lauwarmen Wassers wurde um die Teeblätter gegossen, mit dem Deckel abgedeckt und der Tee dann für etwa zwei Minuten ziehen lassen.

Das Ergebnis war ein umwerfend intensives Getränk, das – während man die Teeblätter mit dem Deckel zurückhielt – direkt aus der Teeschale getrunken werden konnte. Es gebricht mir an dem Wortschatz, der notwendig wäre, den Geschmack und das Aroma dieses ersten Aufgusses zu beschreiben – ein leicht süßlicher Geschmack mit diversen Pflanzenaromen. Das japanische Wort “umami” war dasjenige, das diese geschmackliche Sensation am besten wiedergab – ich erkläre das Wort weiter unten.

2. Aufguss:
Diesmal wurde wiederum eine kleine Menge heißen Wassers auf ca. 50°C abgekühlt und dann über die gleichen Teeblätter vom ersten Aufguss gegeben. Nach einer Ziehzeit von etwa einer Minute konnte der neue Aufguss verkostet werden. Dieser vereinigte den überwältigenden Gaumengenuss des ersten Aufgusses mit feinen Aromen, die nun auch sehr stark an “Tee” erinnerten..

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Tea Tasting

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Tea Tasting

3. Aufguss:
Diesmal wurde eine etwas großzügiger bemessene Menge heißen Wasser auf die Teeblätter gegeben und direkt getrunken. Nach dem dritten Aufguss bewahrte der Tee sein besonderes und sehr ausgeprägtes Aroma und seinen Duft. Zusammen mit einer japanischen Süßigkeit (gefüllt mit roten, süßen Bohnen, die aber nicht zu süß waren), war das ein purer Genuss (und japanischer grüner Tee ohne japanische Süßigkeit wäre ja auch gar nicht gegangen…).

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Tea Tasting

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Tea Tasting

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Tea Tasting

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Tea Tasting

Aber wir waren damit noch nicht am Ende einer Reihe von Geschmacksexplosionen gekommen! Nachdem der Tee getrunken und die Süßigkeit gegessen waren, wurde uns geheißen, nun auch noch die Teeblätter aus der Teeschale zu essen. Was zunächst wie ein verschrobener Scherz klang, stellte sich als neuerliche Geschmackssensation heraus. Wenn man die Teeblätter mit einigen Tropfen Sojasoße oder Sojasoße mit Essig überträufelte, ergab sich noch einmal eine ganz neue Geschmacksdimension. Langer Rede kurzer Sinn: Wenn Sie einen hochwertigen grünen Tee genießen, werfen Sie die Teeblätter anschließend nicht weg – sie machen sich immer noch hervorragend als Salat!

Bei der Beschreibung der geschmacklichen Wahrnehmung während des Teeverkostens wurde immer wieder (wie oben schon erwähnt) auf das Wort “umami” (旨味 / うまみ) zurückgegriffen. Im Japanisches stellt dieses einen fünften Grundgeschmack – neben süß, sauer, salzig und bitter – dar. Vor ungefähr hundert Jahren wusste auch noch kein Japaner um dieses “umami”. In den letzten Jahren ist es allerdings regelrecht “modern” geworden (besonders seit japanisches Essen auf der Welt so weitreichende Anerkennung gefunden hat). Übersetzen lässt sich das Wort eigentlich nicht – das Wörterbuch nennt “guter Geschmack”, was aber nur eine gar zu wörtliche Übersetzung des so universell eingesetzten Wortes zu sein scheint. Ich habe keine Ahnung, ob es diese “Geschmackskategorie” tatsächlich gibt, aber wenn es sie gibt, war sie dem verkosteten Tee und seinen Varianten zweifellos zuzuordnen.

Bevor wir den nächsten Punkt auf unserem Tagesplan angingen, wurden wir erst mal mit leckeren, handgemachten “sato-ben (郷弁 / さとべん) – Lunch-Boxen mit jeder Menge Gemüse und anderen regionalen Gaumengenüssen – verwöhnt.

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Sato-ben (郷弁)

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Sato-ben (郷弁)

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Sato-ben (郷弁)

Seto Yashiki (瀬戸屋敷), Sato-ben (郷弁)

(4) Soga no Bairin (曽我梅林 / そがのばいりん)

Der Soga no Bairin (曽我梅林 / そがのばいりん) (Pflaumenhain von Soga) in der Nähe von Odawara (小田原 / おだわら) war nicht nur der perfekte Ort, um noch mehr japanische Kultur einzuatmen, sondern auch, um die ersten Anzeichen eines nahenden Frühlings zu genießen.

Ein weiterer Höhepunkt des Tages war natürlich das “Yabusame” (流鏑馬 / やぶさめ) (Reiter-Bogenschießen). Das Yabusame hier in Soga geht auf eine der drei großen Rache-Legenden Japans zurück, auf das “Soga Monogatari” (曽我物語 / そがものがたり), oder “Die Rache der Soga Bürder”. Die Sage stammt aus einem mittelalterlichen Text, der “Azuma Kagami” (吾妻鏡 oder 東鑑 / あずまかがみ), oder “Der Spiegel des Ostens” genannt wird. Er entstand nach 1266 n.Chr. als eine Chronik der Geschichte des Kamakura Shōgunats. In dieser Geschichte spüren die Brüder Soga Gorō und Soga Jūrō den Mörder ihres Vaters auf und nehmen Rache, indem sie ihn umbringen. Die Handlung dieser Geschichte bildet die Grundlage für alle nur denkbare Erzählformen – sie findet ihre Verwendung z.B. auch im kabuki (歌舞伎 / かぶき) und im bunraku (文楽 / ぶんらく) (japanisches Puppenspiel). Allerdings soll die Sage auf ein tatsächliches historisches Vorkommnis zurückgehen.

Das Reiter-Bogenschießen wird auf einer 240 Meter langen Rennbahn mit drei in regelmäßigem Abstand verteilten Zielscheiben veranstaltet und ist heute mehr ein zeremonielles Ereignis als ein sportliches. Auch wenn es seine Urspünge in den Kampfkünsten hat, wurde es nach dem 2. Weltkrieg auf seine Shintō-Ursprünge “reduziert” und besteht heute zunächst einmal aus einer kunstvollen Zeremonie mit Shintō-Priestern und dem anschließenden rituellen Bogenschießen. Jedermann, dem Shintōzeremonien nicht gerade sein “täglich Brot” sind (und wem wären sie das?) wird sich der ganz besonderen Ausstrahlung, der von den historischen Kostümen und Rüstungen ausgeht, kaum entziehen können. Das Yabusame in Soga wird übrigens im “Takeda-Stil” (武田流 / たけだりゅう) ausgeführt – falls dieses Detail für Sie von Interesse sein sollte.

Schauen Sie sich die Bogenschützen in ihren mittelalterlichen Kostümen, die Rüstungen der Soldaten und die Gewänder der Stallburschen an! Ein Fest für das Auge des Betrachters (und wahrscheinlich hochgradig unbequem zu tragen für die Mitwirkenden).

Ich gebe gern zu, dass es mir nicht gelungen ist, das eigentliche Bogenschießen in wirklich eindrucksvoller Weise einzufangen – aber klicken Sie sich in schneller Abfolge durch die untenstehenden Bilder, um zumindest einen Eindruck vom Bewegungsablauf zu bekommen…

Aber der Soga no Bairin ist ohnehin einen kleinen Umweg wert – auch ohne das Bogenschießen, das nur einmal im Jahr am 11. Februar stattfindet, am “Nationalfeiertag der Staatsgründung” (建国記念の日 / けんこくきねんのひ),  der daran erinnert, dass der erste Kaiser Japans, der Jinmu Tennō (神武天皇 / じんむてんのう) im Jahre 660 v.Chr. den Thron bestieg (wir sind ja alle viel zu jung, um uns noch von persönlichem Erleben an diesen glorreichen Tag erinnern zu können…).

Es würde nämlich wirklich eine langwierige Suche erfordern, falls Sie einen zweiten Ort finden wollten, an dem 35.000 Pflaumenbäume blühen. Der frühe Februar war – zumindest in diesem Jahr – vielleicht noch ein bisschen zu früh, um die Bäume in voller Blüte zu sehen – aber eindrucksvoll war sie auch so. Die Pflaumenblüten sind so zart, so zerbrechlich und ihr Kampf gegen die Kräfte der Natur so viel eindrucksvoller als der der Kirschblüten (etwa 1 1/2 Monate später), dass ich eigentlich dazu tendiere, die Pflaumenblüte viel mehr wertzuschätzen. Ihre demütige Bescheidenheit scheint Japan viel besser zu repräsentieren als die überladene Pracht der Kirschblüte.

An Feiertagen, wie dem 11. Februar, findet man überall im Hain Buden, in denen lokale Spezialitäten (namentlich natürlich solche, die aus den hier wachsenden Pflaumen hergestellt werden) und traditionelle Imbisse angeboten werden.

Und sollten Pflaumenblüten nicht ausreichen, Ihren Bedarf an Herrlichkeit zu befriedigen, schauen Sie einfach nach Westen und lassen Sie sich von einem Blick auf die Erhabenheit des Fuji-san (富士山 / ふじさん) – Japans heiligen Bergs – überwältigen. Er bildete übrigens auch den Hintergrund für das Bogenschießen und die Shintō-Zeremonie.

Yabusame (流鏑馬)

Yabusame (流鏑馬)

Soga no Bairin (曽我梅林), Mt. Fuji (富士山)

Soga no Bairin (曽我梅林), Mt. Fuji (富士山)

(5) Ishii Jōzō (石井醸造 / いしいじょうぞう) in Ōimachi (大井町 / おおいまち)

Was wäre ein Ausflug in die Präfektur Kanagawa (神奈川県 / かながわけん) ohne den Besuch einer Sakebrauerei? Hier, wo das Land von den klaren Quellwassern aus der Bergregion um den Fuji-san verwöhnt wird, werden einige der köstlichsten Sakes dieses Landes gebraut. Und eine davon war die Ishii Sakebrauerei (Ishii Jōzō (石井醸造 / いしいじょうぞう) in Ōimachi (大井町 / おおいまち).

Deren Sake nennt sich völlig zurecht “Stolz von Soga” (Soga no homare / 曽我の譽 / そがのほまれ) – die lokalen Sake-Kenner sprechen in den höchsten Tönen von ihm (bedauerlicherweise ist der Sake außerhalb der Präfektur nicht zu haben). Die Brauerei wird inzwischen von der sechsten Generation der Ishii-Familie betrieben (seit 1870). Das Sakebrauen hat im Winter Hochsaison, da der Prozess nach niedrigen Umgebungstemperaturen verlangt. In der Zeit ist es schon seit jeher Tradition, dass Sake-Arbeiter aus dem Norden, aus der Präfektur Iwate (岩手県 / いわてけん) hierher kommen, um die Sakeherstellung zu unterstützen – nach wie vor ist das Brauen von Sake eine ziemlich arbeitsintensive Angelegenheit – und wir hatten die Chance uns das alles mit eigenen Augen anzusehen (ich bin leider kein Experte im Sakebrauen – werfen Sie also bitte nicht mit Steinen nach mir, sollte die untenstehende Bilderfolge die Schritte, die bei der Sakerherstellung zu gehen sind, nicht akkurat wiedergeben).

Zusätzlich zu den traditionellen Sake-Produkten, stellt man bei Ishii Jōzō auch einen besonders vorzüglichen Pflaumenwein (梅酒 / うめしゅ) her. Anders als die oft auf Shōchū-(gebrannter Schnaps aus Reis oder Süßkartoffeln)–und-viel-Zucker-Basis hergestellen Pflaumenweine, wird hier Sake verwendet, was den Pflaumenwein besonders fruchtig, aber auch in angenehmer Weise “nicht-so-süß” macht. Und natürlich kommen nur die guten Pflaumen aus Soga zur Verarbeitung.

Auch sehr zu empfehlen: die in Sake eingelegten Pflaumen! Auch wenn man kein Freund der in Japan so beliebten sauer eingelegten Pflaumen (umeboshi / 梅干 / うめごし) ist, wird man sich für diese begeistern können.

Unser Besuch in der Sakebrauerei umfasste auch eine überaus unterhaltsame und lehrreiche Sake-Verkostung – schon nach wenigen Schlucken dieser Gaumenkitzler verwandelte sich die ganze Gruppe in einen ziemlich ausgelassenen Haufen. Wenn es eine deutsche Gruppe gewesen wäre, hätte man die Brauerei sicher mit Gesang “erfreut” – “Warum ist es am Rhein so schön?” passt ja überall…

Schauen Sie sich doch mal an, was man uns zur Verkostung geboten hat:

Ginjō Shu (吟醸酒 / ぎんじょうしゅ) (日本酒度+3~+4), 15 bis 16 Vol.% Alkohol

Ishii Jōzō (石井醸造)

Ishii Jōzō (石井醸造)

Shiboritate (Genshu) (絞り立て / しぼりたて) (原酒 / げんしゅ) (日本酒度+4~+6) ein frisch gebrauter, ungefilterter Sake mit wuchtig-fruchtigen und trotzdem trockenen 19 bis 21 Vol.% Alkohol

Ishii Jōzō (石井醸造)

Ishii Jōzō (石井醸造)

Orizake (おり酒 / おりざけ) ein Sake in einem seiner frühen Fertigungsstadien – mit dem Federweißen beim Wein zu vergleichen – immer noch trüb von der Hefe und leicht moussierend

Ishii Jōzō (石井醸造)

Ishii Jōzō (石井醸造)

Umeshu (梅酒 / うめしゅ) (12 bis 13 Vol.% Alkohol), das ist der Pflaumenwein, den ich oben erwähnte

Ishii Jōzō (石井醸造)

Ishii Jōzō (石井醸造)

(6) Shasui no taki (洒水の滝 / しゃすいのたき) in Yamakita (山北町 / やまきたまち)

Nachdem wir uns mit Sake verwöhnt hatten, war ein kleiner Spaziergang genau die richtige “Medizin”, um den Kopf wieder ein bisschen klarer zu bekommen. Der “Shasui no Taki” (洒水の滝 / しゃすいのたき), Shasui-Wasserfall, war ein mit viel Gespür ausgewähltes Ziel dafür – auch wenn der Ort wahrscheinlich im frühen Sommer mit viel Grün und mehr Wasser noch viel atemberaubender aussieht. Da wir gerade aus der Welt des Sake (酒) kamen, lag es nahe, das erste Schriftzeichen des Wasserfalls (洒) damit zu verwechseln – was ein einziger Strich mehr oder weniger bei japanischen Schriftzeichen alles ausmachen kann… Was aber viel wichtiger ist: Der Shasui no Taki gilt als einer der 100 berühmtesten Wasserfälle Japans und ist als solcher auch 1990 vom Umweltministerium gelistet worden (er ist übrigens die Nummer 31 auf dieser Liste), nachdem eine landesweite Abstimmung durchgeführt worden war. Außerdem zählt er noch zu den 50 schönsten Landschaften der Präfektur Kanagawa (veröffentlicht vom Touristenbüro Kanagawas im Jahre 1979).

Beim Shasui no Taki handelt es sich eigentlich um drei Wasserfälle, die über eine Gesamthöhe von 90 Metern die Felswand heruntergestürzt kommen. Der eindrucksvollste der drei Fälle ist der obere mit einer Fallhöhe von 69 Metern – und das ist auch der Teil des Wasserfalls, der von der kleinen roten Brücke aus, bis zu der der Waldweg führt, am besten bewundert werden kann.

Auf dem Weg zum Shasui no Taki kommt man u.a. auch an dem recht sehenswerten Wald-Tempel Saishō-ji (最勝寺 / さいしょうじ) vorbei. Hier gibt es nicht nur eine Schule für japanische Trommeln (taiko / 太鼓 / たいこ), sondern auch eine beachtliche Anzahl an Jizō (地蔵 / じぞう), kleine Statuen von Jizō-bosatsu oder Kṣitigarbha, die an “mizuko” (水子 / みずこ) (Fehlgeburten und abgetriebene Föten) erinnern, bzw. deren Geister beschwichtigen sollen.

Wie man hinkommt:

Der Ausgangspunkt unserer Tour (Shin Matsuda / 新松田 / しんまつだ) ist am leichtesten von Shinjuku (新宿駅 / しんじゅくえき) aus mit den Nahverkehrs- und Expresszügen der Odakyū-Linie (小田急線 / おだきゅうせん) zu erreichen. Wer sich ein bisschen verwöhnen möchte, nimmt einen der “Romancecars” (ロマンスカー) der  Odakyū-Linie – die kosten zwar ein paar hundert Yen mehr, sind dafür aber auch unvergleichlich bequemer.

Fahrtdauer (in Abhängigkeit vom gewählten Zug): 1 Stunde bis 1 1/2 Stunden.
Fahrtkosten (die natürlich auch von der gewählten Zugklasse abhängen): 780 Yen bis 1.470 Yen (Stand: Februar 2016)

Wenn Sie Ihre Tour vom Bahnhof Tōkyō aus beginnen möchten, können Sie auch den Shinkansen (新幹線 / しんかんせん) nach Odawara ( 小田原 / おだわら) nehmen und dort in die Odakyū-Linie (小田急線 / おだきゅうせん) umsteigen (Fahrtrichtung: Shinjuku).

Fahrtdauer: Shinkansen: 35 Minuten / Odakyū-Linie: 8 Minuten
Fahrtkosten: 3,440 Yen (inkl. Shinkansen und Odakyū-Linie) (Stand: Februar 2016)

Ashigara Tour Group

Ashigara Tour-Gruppe

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Hier ist mehr über Ashigara:

Minami Ashigara (南足柄)
– Und wieder ein Tag voller Abenteuer und Erfahrungen in Kanagawa


Ashigara (足柄) (Engl.)

19. February 2016

Kanagawa does it again: A day of culture and nature at the foot of Mt. Fuji

A German version of this posting you can find here.
Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier.

Mt. Fuji (富士山)

Mt. Fuji (富士山)

If you know my posting regarding my trip to “Manazuru“, you will have a pretty good idea of what you are about to experience here, as this is yet another trip organised by the incomparable Alice Gordenker – and if you have read this blog carefully, the name may sound familiar to you, as she was also “behind the scenes” by organising and leading the excursions, when I wrote my articles on the “Toguri Museum of Art“, on the project of “Amputee Venus” and the “Teien Art Museum“. Also you will find Alice Gordenker’s blog in my blogroll.

As in Manazuru, the Kanagawa prefecture was sponsoring the tour, as they are aiming at attracting more foreign tourists. And, one feels compelled to add: They are doing a very nice job with these tours.

Starting point for the whole one-day-trip was Shin Matsuda (新松田 / しんまつだ) (1) in the Kanagawa prefecture

If you feel that this map doesn’t quite show you enough details of the route we took during this excursion, here is an image of a slightly enhanced version of Google maps (click to enlarge) – the numbers in the map refer to destinations described in this posting:

Ashigara Excursion Map

Ashigara Excursion Map

You have never heard of Ashigara? Well, don’t be surprised – despite the fact that the area as a long and important history, it’s not one of those locations on every tourist’s itinerary. But the fact that important old roads cross the land – older than the Tōkaidō (東海道 / とうかいどう) – and that it is so close to the old castle city Odawara (小田原 / おだわら) and the even older capital of Japan, Kamakura (鎌倉 / かまくら) (12th to 14th century), make it far less surprising that also in our days it has lots of interesting spots to offer. And if you know a bit about Japanese legends, it will tell you something, that Kintaro (金太郎 / きんたろう) was born here in 956 A.D. – but you don’t have to consider yourself as “in bad company”, if you don’t know.

Discover Another Kanagawa: Ashigara

Discover Another Kanagawa: Ashigara

(2) Monzō Farm House (古民家文蔵 / こみんかもんぞう)

Monzō Farm House (古民家文蔵), Aizome (藍染) Workshop

Monzō Farm House (古民家文蔵), Aizome (藍染) Workshop

This traditional farm house (about 100 years old) was the first location where we got in touch with a rather particular aspect of Japanese culture: Aizome (藍染 / あいぞめ) – indigo dyeing. Who would have thought that one can learn how to dye a cloth and to actually make one’s own tenugui (手拭い / てぬぐい) – a traditional Japanese towel or handkerchief? I certainly hadn’t! But the results of the workshop were rather astonishing ones. And all that from some “green leaves” and lots of water (if I may take the liberty of describing it in this simplified way).

The Monzō House is also home to an NGO that works to rehome fine old kimono (着物 / きもの) from the Taishō (大正時代 / たいしょうじだい) and Shōwa (昭和時代 / しょうわじだい) eras. Some of the pieces are 50 or even 75 years old. They sell old kimono, but also refashion obi (帯 / おび) and kimono into handbags.

And while our hand-made tenugui were drying in the sun…