Die Meiji Maru (明治丸)

24. February 2017

Eisernes Sinnbild für die Modernisierung Japans

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Aufgrund der großen Anzahl der verfügbaren englischsprachigen Quellen zu diesem Schiff, ist keine englischsprachige Version dieses Artikels vorgesehen.
Due to the numerous resources available in English about this ship, an English version of this posting is not planned (but let me know, should a translation make you happy…).

Die Meiji Maru (明治丸 / めいじまる) war ein in ihrer Zeit ungewöhnlich luxuriöses Schiff für die Versorgung von Leuchttürmen. Es war von der japanischen Regierung in Großbritannien in Auftrag gegeben worden, und im Jahr 1873 wurde ihr Kiel auf der Napier & Sons Werft in Govan (Glasgow) gelegt. Nach seiner Fertigstellung im November 1874 wurde es  1875 auf die Reise von Glasgow nach Yokohama geschickt, wo die Meiji Maru im Februar desselben Jahres ankam. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung war sie ein Zweimast-Toppsegelschoner von mehr als 1.000 Tonnen (brutto), einer Länge von 86,6 Metern und einer Breite von 9,1 Metern. Außerdem war sie ausgerüstet mit Doppelschiffsschrauben und zwei Dampfmaschinen mit 1.100 PS (ich habe auch Quellen gefunden, die von 1.530 PS sprechen), die das Schiff auf eine Geschwindigkeit von 11,5 Knoten brachten. Es war damals „state of the art“ und sollte auch auf den Meeren zeigen, dass Japan sich anschickte, sich zu einer modernen Nation zu entwickeln.

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Der Meiji Tennō (Mutsuhito, 1852-1912) war an Bord des Schiffes, als es zu seiner Einweihungsfahrt von Yokosuka (横須賀 / よこすか) nach Yokohama (横浜 / よこはま) in See stach (die beiden Städte liegen ungefähr 40 km Luftlinie von einander entfernt). Seinen Namen trägt das Schiff aus gutem Grund: Ebenso modern, wie das Schiff, wollte sich auch der Monarch geben, der die Regentschaft der Shōgune beendet und das Heft der Macht wieder in die eigenen Hände genommen hatte.

Der Kaiser, den bisher kaum ein Mensch zu sehen bekommen hatte, tat alles, um seine neu gewonnene Macht zu festigen. Besuchsfahrten in alle Winkel seines Reiches gehörten dazu und steigerten seine Popularität ungemein.
Auf seiner Tour durch den Nordosten der japanischen Hauptinsel und Hokkaidō ging Kaiser Meiji in Aomori (青森 / あおもり), Nordjapan, 1876 an Bord der Meiji Maru und segelte mit ihr nach Hakodate (函館 / はこだて) in Hokkaidō (北海道 / ほっかいどう) – beide Städte werden nur von der hier etwa 120 km breiten die Tsugaru-Straße (津軽海峡 /  つがるかいきょう) getrennt. Seine Reise endete am 20. Juli 1876 mit seiner Ankunft in Yokohama in der Präfektur Kanagawa (神奈川県 / かながわけん). Dieser Tag wird bis auf den heutigen Tag als „Tag des Meeres“ (海の日 / うみのひ) als Nationalfeiertag begangen.

Die Meiji Maru war für ungefähr 20 Jahre im Einsatz als Versorgungsschiff für Leuchttürme, bevor sie 1896 als Trainingsschiff für die Seefahrtsschule (東京商船学校 / とうきょうしょうせんがっこう) in Reiganjima ( 霊岸島 / れいがんじま), heute Shinkawa (新川 / しんかわ) im Tōkyōter Bezirk Chūō (中央区 / ちゅうおうく) vor Anker ging und schließlich bei der Verlegung der Schule nach Etchūjima (越中島 / えっちゅうじま) (1902) im Bezirk Kōtō (江東区 / こうとうく) dorthin umzog. Bereits 1897 war das Schiff ins Eigentum der Schule übergegangen und 1901 zu einem Dreimast-Vollschiff umgebaut worden, um von da an fest vor Anker zu verbleiben.
Die Seefahrtsschule wurde 1925 zur Seefahrts-Hochschule (東京高等商船学校 / とうきょうこうようしょうせんがっこう) und schließlich nach dem zweiten Weltkrieg (in Zwischenschritten) zum Etchūjima-Campus der heutigen Ozeanischen Hochschule Tōkyō (東京海洋大学 / とうきょうかいようだいがく).

Die Meiji Maru blieb „Klassenzimmer“ für die Ausbildung der jungen Seefahrer für ungefähr 50 Jahre bis 1945 und hat dabei über 5.000 junge Seeleute kommen und gehen sehen. Sie kenterte zweimal während verheerender Taifune (1911 und 1917), überstand aber das große Kantō-Erdbeben (1923) und die Luftangriffe der Alliierten im März 1945. Während beider Katastrophen diente das Schiff als Auffanglager für Opfer und hat sich dadurch einen besonderen Platz im Herzen der Einwohner des Kōtō-Bezirks (江東区 / こうとうく) gewonnen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden sowohl das Schiff, als auch die Schulgebäude von den Besatzungsmächten konfisziert. Das führte dazu, dass sich niemand mehr um die Meiji Maru kümmern konnte (andere Quellen sprechen davon, das Schiff sei von den Besatzungskräften als Kantine verwendet worden) und schließlich dazu, dass sie 1951 volllief und im Campus-See sank. Die Meiji Maru konnte aber geborgen werden und aus Anlass ihres 85. Jubiläums im Jahre 1960 wurde damit begonnen, sie zu restaurieren. Bei der Gelegenheit wurde sie auch an ihren heutigen Standort verbracht. Zu ihrem 100. Geburtstag im Jahre 1975 wurde erneut an der Wiederherstellung des Schiffes gearbeitet – unterstützt durch Spenden von Alumni der Hochschule und der Schiffsindustrie.

Die Meiji Maru ist das einzige Schiff Japans, das heute noch erhalten ist, das komplett aus Eisen hergestellt worden war (nicht, wie heute, aus Stahl). Seine Einzigartigkeit und seine historische Bedeutung schlugen sich im Mai 1978 in einer Anerkennung als wichtiges Kulturgut nieder.

Auch wenn das Schiff nach den letzten Renovierungsarbeiten (2015) schon von außen einen wirklich überwältigenden Eindruck macht, so ist doch sein Inneres von besonderem Interesse, denn es ist nicht nur das einzige Schiff, das über eine nur dem Kaiser vorbehaltene Kabine (schmückend „Thron / 御座所 / ごやしょ” genannt) verfügt, sondern auch über einen recht prächtig ausgestatteten Salon, der sicher nicht typisch für ein Versorgungsschiff gewesen sein mag.

Schauen Sie sich aber auch die historischen Gebäude auf dem Etchūjima-Campus der Ozeanischen Hochschule an. Das Hauptgebäude stammt aus dem Jahre 1932, als es ein ursprünglich hölzernes Schulgebäude ersetzte, das während des großen Kantō-Erdbebens niedergebrannt war. An diesem Campus sind die Abteilungen “Maritime Systems Engineering”, “Elektronik und Maschinenlehre” und “Logistics und Informatik” der Fakultät für Marine Ingenieurwissenschaften untergebracht.

Ozeanische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Außerdem befinden sich auf dem Gelände der Universität zwei Sternwarten, die hier im Juni 1903 errichtet wurden. Das erste von beiden soll das fortschrittlichste Teleskop des Orients seiner Zeit sein Eigen genannt haben. Beide wurden im Dezember 1997 als Kulturgüter anerkannt.

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Gleich nebenan befindet sich eine Gedenkstätte für Kapitän Genzaburō Kan (菅源三郎 / かんげんざぶろう) (1883-1942), der sich als Abgänger von dieser Hochschule und Kapitän der “Nagasaki Maru” einen Namen gemacht hat, als das Schiff im Jahre 1942 vor der Einfahrt in den Hafen von Nagasaki von Minen versenkt wurde und er tatsächlich erst als letzter Mann von Bord ging. Auch wenn man ihm seinerzeit keinerlei Schuld am Untergang der “Nagasaki Maru” geben konnte, fühlte er sich für den Tod von 13 getöteten und 26 vermissten Kameraden verantwortlich und brachte sich drei Tage später selbst um.

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学), Genzaburō Kan (菅源三郎)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学), Genzaburō Kan (菅源三郎)

Und wenn mir jetzt noch jemand erklären kann, warum japanische Schiffe immer “Maru” (丸 / まる) heißen, was ja eigentlich “Kreis” oder “Rund” bedeutet… Wikipedia bietet mehrere Erklärungen dafür, aber es wird ja hoffentlich auch eine richtige geben…

Adresse des Schiffes:

Meiji Maru
Etchūjima Campus of
Tōkyō University of Marine Science and Technology
2-1-6, Etchūjima, Koto-ku, Tōkyō

Telefon: 03-5245-7360

〒135-8533 東京都江東区越中島2-1-6
東京海洋大学 越中島キャンパス
明治丸

Öffnungszeiten:

Grundsätzlich dienstags und donnerstags, sowie an jedem ersten und dritten Samstag im Monat:
10 Uhr bis 16 Uhr (April bis September)
10 Uhr bis 15 Uhr (Oktober bis März)
Sonderöffnungen an zwei Sonntagen im November

Geschlossen vom 1. August bis 31. August.
Geschlossen vom 16. Dezember bis 15. Februar (gemäß Internetseite der Universität).

Für 2017 galten aber auch schon für die Monate Januar und Februar die oben genannte Regel grundsätzlich. Zusätzlich ist im März auch noch am Samstag, den 25.3, Sonntag, den 26.3 und Freitag, den 31.3. geöffnet.
Es wurde darauf hingewiesen, dass das Schiff von 10 Uhr bis 15 Uhr (letzter Einlass um 14.30 Uhr) besichtigt werden kann.

Während der Schließungszeiten im Winter kann das Schiff, solange der Campus geöffnet ist, von außen besichtigt werden. Für Gruppen von 10 und mehr Besuchern können aber auch in dieser Zeit Besichtigungen nach vorheriger Anmeldung durch geführt werden.

Eintritt frei

Ein weiteres historisches Schiff bei der Ozeanographischen Hochschule:

Wer noch mehr über historische Schiffe in Tōkyō erfahren möchte, für den ist der Shinagawa Campus der Ozeanografischen Universität Tōkyōs interessant, auf dessen Gelände sich z.B. auch die Unyō Maru (雲鷹丸 / うんようまる), ein in Japan gebautes Schulschiff aus dem Jahre 1909, befindet. Die Unyō Maru wurde über 20 Jahre auf 33 Fahrten in erster Linie für Seefangstudien eingesetz. Später diente es, wie die Meiji Maru, Trainingszwecken und wurde zuletzt von 2012 bis 2014 aufwändig restauriert.

Leider konnte ich keine Möglichkeit zur Besichtigung ausfindig machen. Hier ein paar optische Eindrück von dem Schiff, so wie es eben von außen gesehen werden kann:

Adresse:

Unyō Maru
Shinagawa-Campus of
Tōkyō University of Marine Science and Technology
4-5-7 Kōnan, Minato-ku
Tōkyō 108-0075

〒108-8477 東京都港区港南4-5-7
東京海洋大学品川キャンパス
雲鷹丸

Sie interessieren sich für Schiffe?

Dannn lohnt es sich natürlich immer, auch hier einmal vorbei zu schauen:

Yokohama: Hikawa Maru (氷川丸)
– Das bewegte Leben der „Königin des Pazifiks“

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Ginza (銀座) (Engl.)

22. November 2014

Shopping street epitomised
or: Names, names, names!

Ginza Chūō Dōri / Harumi Dōri  (銀座中央通り/晴海通り)

Ginza Chūō Dōri / Harumi Dōri (銀座中央通り/晴海通り)

Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier.
A German version of this posting you can find here.

If one thinks of “shopping” in Tōkyō, one automatically thinks of “Ginza” – at least that’s how it has been for the last 100 years. Even though there is quite a number of districts with most attractive shopping opportunities, the Ginza (銀座 / ぎんざ)quarter in Tōkyō’s central Chūō district (中央区 / ちゅうおうく) still remains one of those places for consumers with gold- or platinum-coloured credit cards and those how have others pay on their behalf – and tourists from near or far just as well. For quite a while the Chūō Dōri (中央通り / ちゅうおうどおり) (the central street), that crosses the quarter from northeast to southwest and that is usually simply called “the Ginza”, has been conquered by shoppers from China. Should you still be of the opinion that there is no need to differentiate between Japanese and Chinese (or not to be able to tell the one from the other), a visit to the Ginza might be an eye-opening experience for you. You need to be blind or deaf – or both – if you cannot realise that there is a fine difference between Japanese and Chinese. Refined behaviour and respectful consideration of others may not be among the virtues in “the Land of Smiles” (which, at least according to Franz Lehar, is to be found in China).

Ginza Chūō Dōri (銀座中央通り)

Ginza Chūō Dōri (銀座中央通り)

Ginza Chūō Dōri (銀座中央通り)

Ginza Chūō Dōri (銀座中央通り)

But that is no reason for not presenting the big names that mark the buildings on both sides of this street of joy of consumtion. The pictures below will show you the daytime impression in the upper half, and the nighttime illumination in the lower one. This collection of impressions is not a complete one at all – but I tried to capture at least those names which should be known to fairly everybody, even those who don’t call themselves “power shoppers”.

Should you come to the conclusion that a visit to the Ginza in the evening hours would be more rewarding, I wouldn’t be the one to object.
Click on the pictures to enlarge them

Burberry / Shiseido / Van Cleef & Arpels / Salvatore Ferragamo

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A&F / UniQlo / GU / Mikimoto / Apple

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Dior / Chaumet / Chanel / Dunhil / Tiffany

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Bulgari / Louis Vuitton / Prada / Fancl / Zara

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H&M / Yamaha / Montblanc / Swarowski

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The area of Ginza is the result of one of the first reclamation projects of the old city of Edo. Previously this area had been a swamp. But already in the early 17th century the first houses could be built here. The Tokugawa Shōgunate had its silver-coin mint erected here 1612. And that’s what the Name “Ginza” (銀座) derives from – “gin” (銀) means “silver” and “za” (座) means seat/location.

But the Ginza came to popularity only after it had completely burnt down in 1872 and was re-built in a pseudo-western style with brick buildings – amongst others by my “dearest” architect of those days, Josiah Conder.

Ginza um die Jahrhundertwende

Ginza at the turn of the century

These buildings haven’t survived the troubles of times (and obviously weren’t best-suited for earthquakes) – and I’m not one of those who mourn them. But after all, as a rare exception I may praise even Josiah Conder, as it was thanks to his efforts that the Chūō Dōri (“the Ginza”) was broadened to 27 metres – double of the streets that run parallel to it. It has everthing that makes it a boulevard – but one that is at its best during the hours of evening illumation, as the pictures may indicate.

Mitsukoshi / Wako / Matsuya

Mitsukoshi / Wako / Matsuya

But it is not only the big names and flag stores along the Chūō Dōri that shape the character of it. It is also the confusingly large number of boutiques in the side streets in the checkered outline of this district. And the Ginza is also famous for its enterainment establishments for the not-too-poor. But that’s not the topic of this posting that is mainly dedicated to the names, names, names on both sides of the Chūō Dōri.

How to get there:

Even tough the Ginza can be approached by more than one subway line, the Tōkyō Metro Ginza line (東京メトロ銀座線 / とうきょうメトロぎんざせん), the oldest of Tōkyō’s subway lines, is the one that is practically predestined to bring you there. Its “Ginza” station (銀座 / ぎんざ) is located directly beneath the central crossing of the Chūō Dōri (中央通り / ちゅうおうどおり) and the Harumi Dōri (晴海通り / はるみどおり).
Nevertheless, the Tōkyō Metro Hibiya line (東京メトロ日比谷線 / とうきょうメトロひびやせん) brings you there as well. Just a touch less conveniently located is the station of the Tōkyō Metro Marunouchi line (東京メトロ丸の内線 / とうきょうメトロまるのうちせん).
And should you insist to come here by Japan Rail, you can either leave the train at Yūrakuchō (有楽町 / ゆうらくちょう) and walk in southeastern direction or in Shimbashi (新橋 / しんばし) and head northeast.

Specialty:

On Saturdays and Sundays from noon to 7 pm the Ginza is being transformed into a “pedestrians’ paradise” (literally: 歩行者天国 / ほこうしゃてんごく), when the main street is closed off to road traffic.


Ginza (銀座) (dt.)

15. November 2014

Der Inbegriff einer Einkaufsstraße
oder auch: Namen, Namen, Namen!

Ginza Chūō Dōri / Harumi Dōri  (銀座中央通り/晴海通り)

Ginza Chūō Dōri / Harumi Dōri (銀座中央通り/晴海通り)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Wer in Tōkyō an „Shopping“ oder eben auch nur an ganz profanes Einkaufen denkt, denkt „Ginza“, jedenfalls seit etwa 100 Jahren. Es gibt zwar eine Vielzahl anderer attraktive Einkaufsviertel, aber das Ginza-Viertel in Tōkyōs zentralem Stadtteil Chūō (中央区) ist und bleibt einer der Orte für den Konsumenten mit der gold- oder platinfarbenen Kreditkarte und den, der „bezahlen lässt“ – oder eben den Touristen aus Nah und Fern. Seit einiger Zeit ist die Chūō Dōri (中央通り) (die zentrale Straße), die das Viertel der Länge nach von Nordosten nach Südwesten durchläuft und die auch schlicht „die Ginza“ genannt wird, fest in chinesischer Kundenhand. Wer heute noch der Meinung ist, nicht zwischen Japanern und Chinesen unterscheiden zu müssen (oder zu können), dem sei ein Besuch hier ans Herz gelegt. Wer danach noch immer nicht zwischen Japanern und Festlandschinesen unterscheiden kann, ist entweder blind oder taub – oder beides. Verfeinerte Sitten und rücksichtsvolles Gebaren gehören sicher nicht zu den Kerntugenden im Land des Lächelns (das lt. Franz Lehar ja bekannt in China liegt).

Ginza Chūō Dōri (銀座中央通り)

Ginza Chūō Dōri (銀座中央通り)

Ginza Chūō Dōri (銀座中央通り)

Ginza Chūō Dōri (銀座中央通り)

Kein Grund hier nicht mal wenigstens einen Teil der großen Namen bildhaft zu präsentieren, die sich an dieser Straße der Konsumfreude angesiedelt haben. Sie können jeweils in der oberen Bildhälfte die Geschäfte bei Tage sehen und unten bei nächtlicher Beleuchtung. Diese Bilderauswahl ist übrigens beileibe keine vollständige – aber die Namen, die man auch dann noch kennen könnte, wenn man kein gewiefter Power-Shopper ist, wollte ich zumindest “eingefangen” haben.

Falls Sie danach zu der Erkenntnis gelangen sollten, dass sich ein abendlicher Besuch mehr lohnt, würde ich mich nicht zu Widerspruch hinreißen lassen. Klicken Sie auf die Bilder, um sie vergrößert anzuzeigen.

Burberry / Shiseido / Van Cleef & Arpels / Salvatore Ferragamo

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A&F / UniQlo / GU / Mikimoto / Apple

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Dior / Chaumet / Chanel / Dunhil / Tiffany

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Bulgari / Louis Vuitton / Prada / Fancl / Zara

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H&M / Yamaha / Montblanc / Swarowski

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Die Gegend von Ginza ist Resultat einer der ersten Landgewinnungsmaßnahmen im alten Edo. War hier vorher nur Sumpfland gewesen, konnte dieser Stadtteil schon im frühen 17. Jahrhundert besiedelt werden. Das Tokugawa Shōgunat ließ hier bereits 1612 eine Münzprägeanstalt errichten. Und davon leitet sich auch der Name „Ginza“ (銀座) ab – „gin“ (銀) steht für „Silber“ und „za“ (座) für den Platz/Sitz.

Wirklich beliebt wurde die Ginza aber erst, nachdem sie 1872 vollständig niedergebrannt war und u.a. von meinem „Lieblingsarchitekten“, Josiah Conder, komplett im pseudowestlichen Stil mit zweigeschossigen Backsteingebäuden wieder aufgebaut wurde.

Ginza um die Jahrhundertwende

Ginza um die Jahrhundertwende

Diese Gebäude haben die Wirren der Zeit (und offensichtlich auch die Erdbeben) nicht überdauert – und ich persönlich gehöre nicht zu denjenigen, die ihnen nachtrauern. Immerhin ist es dem Wirken von Herrn Conder zu verdanken, dass die oben bereits erwähnte Chūō Dōri („die Ginza“) mit 27 Metern heute doppelt so breit ist, wie die vergleichbaren Parallelstraßen und durchaus das Zeug zu einer „Prachtstraße“ hat, das sie allerdings, wie die Bilder vielleicht ein bisschen wiedergeben können, nur bei nächtlicher Beleuchtung wirklich ausleben können.

Mitsukoshi / Wako / Matsuya

Mitsukoshi / Wako / Matsuya

In Ginza sind es aber nicht nur die zahllosen Markengeschäfte, die entlang der Chūō Dōri ihre Flag-Stores eingerichtet haben, sondern auch unzählbar viele Boutiquen in den Seitenstraßen, des schachbrettartig angelegten Grundrisses des Viertels. Und mindestens ebenso berühmt ist Ginza als Vergnügungsviertel für die nicht gänzlich unbetuchten. Aber darauf will ich hier und heute nicht näher eingehen, da dieser Artikel ja in erster Linie den großen Namen entlang der Chūō Dōri gewidmet ist.

Wie man hinkommt:

Auch wenn mehrere U-Bahnlinien zur Ginza führen, ist natürlich die Tōkyō Metro Ginza-Linie (東京メトロ銀座線 / とうきょうメトロぎんざせん), die älteste U-Bahnlinie Tōkyōs, diejenige, die am prädestinierten ist, dorthin zu fahren. Ihre Station „Ginza“ (銀座 / ぎんざ) liegt direkt unter der zentralen Kreuzung von Chūō Dōri (中央通り / ちゅうおうどおり) und Harumi Dōri (晴海通り / はるみどおり). Aber die Tōkyō Metro Hibiya-Linie (東京メトロ日比谷線 / とうきょうメトロひびやせん) fährt natürlich die gleiche Station an. Nur einen Hauch ungünstiger liegen die Gleise der Tōkyō Metro Marunouchi-Linie (東京メトロ丸の内線 / とうきょうメトロまるのうちせん).
Wer partout mit Japan Rail anreisen möchte, steigt entweder in Yūrakuchō (有楽町 / ゆうらくちょう) aus und läuft in südöstlicher Richtung oder in Shimbashi (新橋 / しんばし) in nordöstlicher Richtung.

Besonderheit:

Samstags und sonntags verwandelt sich die Ginza von 12 Uhr bis 17 Uhr in ein Fußgängerparadies (wörtlich: 歩行者天国 / ほこうしゃてんごく), wenn die Hauptstraße für den Autoverkehr gesperrt wird.