Hinweis: Neue Ausstellung im Yamatane Kunstmuseum (山種美術館)

22. April 2017

Eine Welt voller Blumen – von der Rimpa-Schule zu zeitgenössischer Kunst

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Vögel und Blumen der vier Jahreszeiten, Farbe auf blattvergoldetem Papier, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Aufmerksame Leser meiner Artikel erinnern sich vielleicht an eine großartige Ausstellung, über die zu berichten ich im Oktober vergangenen Jahres das Vergnügen hatte. Seinerzeit beging das Yamatane Kunstmuseum seinen 50. Gründungstag mit der Ausstellung:

“Die Zerstörung und Erschaffung von Nihonga – Hayami Gyoshū: Eine Retrospektive” (速水御舟の全貎 -日本画の破壊と創造)

Vom 22. April 2017 bis zum 18. Juni 2017 bietet das Museum eine weitere Ausstellung seiner einmaligen Sammlungen: Eine Welt voller Blumen – von der Rimpa-Schule zu zeitgenössischer Kunst.

Dank des Yamatane Kunstmuseums, bin ich in der Lage, Ihnen hier ein paar der Höhepunkte der Ausstellung im Detail vorzustellen (klicken Sie die in diesem Artikel veröffentlichten Bilder an, um sie zu vergrößern und die feinen Details zu genießen).

Diese Ausstellung widmet sich ganz der Faszination der Japaner für den Wechsel der Jahreszeiten – die hier ihren Ausdruck in einem bunten Reigen an Blüten, Blumen und den Segnungen der Natur findet. Sie führt den Besucher von der eleganten Welt der Blumen, wie sie Hōitsu Sakai so eindrucksvoll festgehalten hat, zur lebendigen Wiedergabe prächtiger Farben, die uns Kiitsu Suzuki beschert hat – auch nach Jahrhunderten vermögen es diese Kunstwerke aus der Rimpa-Schule, uns mit ihrem Farb- und Detailreichtum zu erstaunen.

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一) (1761 – 1828):
Der Mond und Pflaumenbäume, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一): Der Mond und Pflaumenbäume, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Ein roter Pflaumenbaum windet sich um die langen Zweige eines Pflaumenbaums mit weißen Blüten, während der Vollmond zwischen ihren oberen Zweigen durchscheint. Die Kombination von Mond und Pflaumenblüte war eines der beliebtesten Themen von Hōitsu. Mehrere solche Werke, basierend auf schwarzer Tusche (wie hier), aber auch andere Kompositionen sind bekannt. Um den Mond darzustellen, benutzte er eine besondere Technik, die sich Sotoguma-Tintenmalerei nennt. Hierbei wird die Goldfarbe (金泥 / きんでい) nicht benutzt, um die Fläche des Mondes selbst darzustellen, sondern seinen Hintergrund. Durch die sehr feine Anwendung der Goldfarbe wird deutlich, dass Hōitsus Anliegen es war, das Mondlicht als ein nur schwaches Leuchten darzustellen.

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一) (1761 – 1828):
Chrysanthemen mit Vogel, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一): Chrysanthemen mit Vogel, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Hōitsu war in seinen Sechzigern, als er eine Reihe von Gemälden mit Vögeln und Blumen für die zwölf Monate des Jahres schuf, die auf den Gedichten des berühmten Dichters der frühen Kamakura-Zeit, Fujiwara no Teika (藤原定家 / ふじわらのたいか), basierten. Kameda Ryōrai (亀田 綾瀬 / かめだ りょうらい), ein Gelehrter der chinesisch-konfuzianischer Klassiker, lieferte die Inschrift für eine Reihe dieser Gemälde, von denen das Yamatane Kunstmuseum zwei besitzt. Das September-Bild zeigt Chrysanthemen, ein Thema, das mit dem Chrysanthemen-Festival verbunden ist. Das Chrysanthemen-Fest ist eines der fünf saisonalen Feste, das am neunten Tag des neunten Monats nach dem alten Mondkalender begangen wird. Hier sind die Chrysanthemen mit einem Blauschwanz (Tarsiger Cyanurus) zu sehen, der seine weiße Brust zeigt.

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一) (1796–1858):
Pfingstrosen, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 1851, Yamatane Kunstmuseum

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Pfingstrosen, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 1851, Yamatane Kunstmuseum

Dieses Gemälde zeigt drei Farben von Pfingstrosenblüten in all ihrer Pracht. Anders als im charakteristischen Rimpa-Stil mit seinen vereinfachten Blütenblättern und den mit Tarashikomi-Technik (溜し込み / たらしこみ) mehrfach übermalten Flächen der Stiele, sehen wir hier eine besonders sorgfältige Darstellung feiner Details, die an den Stil chinesischer Hofmalerei erinnert. Als eines der wenigen erhaltenen Werke Kiitsus, die mit einem Datum versehen sind, ist es von besonderem Wert.

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一) (1796–1858):
Vögel und Blumen der vier Jahreszeiten, Farbe auf blattvergoldetem Papier, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Vögel und Blumen der vier Jahreszeiten, Farbe auf blattvergoldetem Papier, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Vögel und Blumen der vier Jahreszeiten, Farbe auf blattvergoldetem Papier, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Anstatt eines Baumes oder Ästen, sehen wir auf diesem Wandschrim (oben) Rapsblüten, Veilchen, Löwenzahn, Sonnenblumen, Winden und andere Frühlings- und Sommerblumen mit ein paar Hühnern und ihren Küken. Und untere Wandschirm zeigt ein reiches Bouquet von Chrysanthemen, Pimpernelle, Chinaschilf (Miscanthus sinensis), Geißblatt (Patrinia scabiosifolia), Narzissen und anderen Pflanzen, die mit Herbst und Winter im Zusammenhang stehen – hier mit ein paar Mandarin-Enten. Während das Thema die vier Jahreszeiten sind, hat Kiitsu Sommer- und Herbstpflanzen ausgewählt, die von Künstlern der Rimpa-Schule als Hauptelemente bevorzugt wurden. Die Verwendung blasser Tinte und der Tarashikomi-Technik (溜し込み / たらしこみ),  folgen dem Rimpa-Stil, wie er von Kōrin an Hōitsu und von diesem an Kiitsu weitergereicht wurde. Die lebendigen Farbkombinationen und die sehr detaillierte Darstellung der Vögel zeigen jedoch Kiitsus Gefühl für das Moderne – Klarheit und Detail sind wichtiger als Stimmung.

Chokunyū Tanomura (田能村直入), (1814–1907):
100 Blumen, Farbe auf Seide, Meiji-Zeit, 1869, Yamatane Kunstmuseum

Chokunyū Tanomura (田能村直入): 100 Blumen, Farbe auf Seide, Meiji-Zeit, 1869, Yamatane Kunstmuseum

Schauen Sie sich Chokunyū Tanomuras “100 Blumen” einmal etwas genauer an! Seine Hingabe für Details erinnert an Zeichnungen in bontanischen Lexika. Genießen Sie diesen Spaziergang durch die Blüten und Blumen eines Jahres!

Dieses grandiose Rollbild zeigt hundert saisonale Blumen und Gräser im Sesshi-Stil. Die Erläuterung am Ende der Bildrolle besagt: “Ich wurde gebeten, einhundert Blumen für den Feudalherrn zu malen, aber da ich eine ganze Reihe vergessen hatte, habe ich mich sorgfältig über die saisonalen Blumen und Gräser für diese Bildrolle schlau gemacht und füge unten ihre Namen an.” Die Technik ahmt die Blumen- und Vogelmalereien im Mokkotsu-Stil, einer Technik, in der Objekte ohne Linien gemalt werden, nach.

Taikan Yokoyama (横山大観) (1868-1958):
Berg-Kirschbäume, Farbe auf Seide, Shōwa-Zeit, 1934, Yamatane Kunstmuseum

Taikan Yokoyama (横山大観): Berg-Kirschbäume, Farbe auf Seide, Shōwa-Zeit, 1934, Yamatane Kunstmuseum

Kokei Kobayashi (小林古径) (1883-1957):
Vogel mit immergrüner Magnolie, Farbe auf Seide, Shōwa-Zeit, 1935, Yamatane Kunstmuseum

Kokei Kobayashi (小林古径): Vogel mit immergrüner Magnolie, Farbe auf Seide, Shōwa-Zeit, 1935, Yamatane Kunstmuseum

Togyū Okumura (奥村土牛) (1889-1990):
Kirschblüten am Daigo-ji, Farbe auf Papier, Shōwa-Zeit, 1972, Yamatane Kunstmuseum

Togyū Okumura (奥村土牛): Kirschblüten am Daigo-ji, Farbe auf Papier, Shōwa-Zeit, 1972, Yamatane Kunstmuseum

Dieses Gemälde zeigt die Kirschblüten am Daigo-ji-Tempels in Kyōto, die durch das üppige Gelage, das Hideyoshi Toyotomi (豊臣秀吉 / とよとみひでよし) (1537-1598) dort zum Kirschblüten-Betrachten veranstaltet hat, Berühmtheit erlangt hat. Togyū besuchte den Daigo-ji am sechsten Jahrestag des Todes seines Lehrers Kokei Kobayashi (小林古径 / こばやしこけい) und war der Meinung, dass die Trauerkirsche dort von so ausnehmender Schönheit sei, dass er sie malen wollte. Für die nach vorne weisenden Blütenblätter verwendete er mehrere Schichten dünner Farbe um so das herrliche Blütenmeer des Kirschbaumes zu erzeugen. Dieses Werk, das Togyū schuf, als er 83 Jahre alt war, verbindet Eleganz mit Ruhe und Sanftmut.

Adresse des Museums:

Yamatane Museum of Art
3-12-36 Hiro-o, Shibuya-ku
Tōkyō 150-0012

₸150-0012
東京都渋谷区広尾3-12-36
山種美術館

http://www.yamatane-museum.jp

Öffnungzeiten des Museums:

Geöffnet täglich außer montags von 10 Uhr bis 17 Uhr (letzter Einlass um 16.30 Uhr)
Fällt ein Nationalfeiertag auf Montag, bleibt das Museum stattdessen am folgenden Werktag geschlossen.
Diese Ausstellung kann vom 22. April 2017 bis zum 18. Juni 2017 besucht werden.

Eintrittsgebühr:

Für die Ausstellung “Eine Welt voller Blumen – von der Rimpa-Schule zu zeitgenössischer Kunst” (A World of Flowers – from the Rimpa School to Contemporary Art):

Erwachsene: 1.000 [800] Yen
Oberschüler und Studenten: : 800 [700] Yen
Mittelschüler und Jüngere: freier Eintritt

*Die Beträge in Klammern beziehen sich auf Gruppen von 20 und mehr Personen, Eintrittskarten aus dem Vorverkauf und Besucher in Kimono.
*Inhaber von Behindertenausweisen und je eine Begleitperson: Eintritt frei.

Wie man hinkommt:

Nehmen Sie die Bahnen von Japan Rail (JR) oder der Tōkyō Metro Hibiya-Linie nach Ebisu (恵比寿 / えびす) und halten Sie sich von dort in östlicher Richtung, um zur Meiji Dōri (明治通り / めいじどおり) zu gelangen. Überqueren Sie die Meiji Dōri in nordöstlicher Richtung und folgen Sie der rechten Straßenseite einige hundert Meter (sie kommen dabei am “Ebisu Prime Square” und dem eindrucksvollen Gebäude der “Papas Company” vorbei).

Und weil wir alle ja zivilisierte Zeitgenossen und -innen sein möchten, hier gleich noch ein paar Regeln, die beim Besuch des Museums zu beachten sind:

  • Berühren Sie die Ausstellungsstücke und Schaukästen nicht.
  • Halten Sie jüngere Kinder an der Hand.
  • Seien sie ruhig in der Galerie.
  • Rennen Sie in der Galerie nicht  umher.
  • Keine Fotografie, keine Videoaufnahmen, kein Kopieren der Ausstellungsstücke.
  • Wenn Sie sich in der Ausstellung Notizen machen möchten, bitte nur mit Bleistift – keine anderen Schreibwerkzeuge (Federhalter, Kugelschreiber etc.).
  • Schalten Sie Ihr Mobiltelefon in der Ausstellung aus.
  • Essen und Trinken sind in der Ausstellung nicht gestattet (das schließt auch Wasser, Süßigkeiten und Kaugummis mit ein).
  • Im Museum gilt absolutes Rauchverbot.

Tip: New Exhibition at the Yamatane Museum of Art (山種美術館)

21. April 2017

A World of Flowers – from the Rimpa School to Contemporary Art

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Birds and Flowers of the Four Seasons, Color on Gold-Leafed Paper, Edo Period, 19th Century, Yamatane Museum of Art

A German version of this posting you can find here.
Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier.

Attentive readers of my postings may remember a magnificent exhibition I had the pleasure of introducing in October last year that was shown on the occasion of the 50th anniversary of the foundation of the Yamatane Museum of Art

The Destruction and Creation of Nihonga – Hayami Gyoshū: A Retrospective” (速水御舟の全貎 -日本画の破壊と創造)

From 22 April 2017 to 18 June 2017 the museum exhibits yet another wonderful selection of its own collection: A World of Flowers – from the Rimpa School to Contemporary Art.

Courtesy of the Yamatane Museum of Art, I am able to introduce to you some of the highlights of the exhibition (please click to enlarge to enjoy them in greater detail).

The exhibition is dedicated to the Japanese love for the changing seasons – represented by a bounty of blossoms, flowers and nature’s delights. From the elegant world of flowers, created by Hōitsu Sakai, to the vivid presentation of rich colours by Kiitsu Suzuki – even after centuries, these works of art of the Rimpa school still astonish us with their abundance of colour.

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一) (1761 – 1828):
The Moon and Plum Trees, Color on Silk, Edo Period, 19th Century, Yamatane Museum of Art

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一): The Moon and Plum Trees, Color on Silk, Edo Period, 19th Century, Yamatane Museum of Art

A red plum tree appears nestled among the long branches of a white plum, while the full moon seems to peek between their upper branches. The combination of the moon and plum trees was one of Hōitsu’s favorite subjects. Several such works, with sumi black as the underlying tone but varying compositions, are extant. To depict the moon, he used the sotoguma ink painting technique. The kindei (gold paint) is applied not to the moon itself but its exterior. The gold paint was, however, placed quite thinly, suggesting that Hōitsu was taking great pains over the faint moonlight.

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一) (1761 – 1828):
Chrysanthemums with Bird, Color on Silk, Edo Period, 19th Century, Yamatane Museum of Art

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一): Chrysanthemums with Bird, Color on Silk, Edo Period, 19th Century, Yamatane Museum of Art

Hōitsu was in his sixties, he created a series of bird-and-flower paintings for the twelve months of the year based on poems on that theme for each month by the Kamakura period poet Fujiwara no Teika. Multiple sets of paintings on the same theme have been confirmed. Kameda Ryōrai, a scholar of the Chinese classics, provided the inscription for one of series, and our museum owns 2 paintings of this set. Others in the series are in the Feinberg Collection and the Freer Gallery of Art in the United State, etc. The September painting, No. 13, depicts chrysanthemums, a subject associated with the Chrysanthemum Festival, one of the traditional five seasonal festivals, on the ninth day of the ninth lunar month, together with a red-flanked bluetail (Tarsiger cyanurus) perched on a chrysanthemum stalk and displaying its white breast.

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一) (1796–1858):
Peonies, Color on Silk, Edo Period, 1851, Yamatane Museum of Art

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Peonies, Color on Silk, Edo Period, 1851, Yamatane Museum of Art

This painting depicts three colors of peony blossoms in all their glory. Here, however, instead of a characteristically Rimpa style with simplified petals and the use of tarashikomi on the stems, we see a clear, careful depiction down to the fine details, suggesting the style of Chinese court painters. As one of the few extant works by Kiitsu inscribed with a date, this work is especially rare and valuable.

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一) (1796–1858):
Birds and Flowers of the Four Seasons, Color on Gold-Leafed Paper, Edo Period, 19th Century, Yamatane Museum of Art

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Birds and Flowers of the Four Seasons, Color on Gold-Leafed Paper, Edo Period, 19th Century, Yamatane Museum of Art

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Birds and Flowers of the Four Seasons, Color on Gold-Leafed Paper, Edo Period, 19th Century, Yamatane Museum of Art

This painting includes not a single tree. Instead, on the right-hand screen we see rape blossoms, violets, dandelions, sunflowers, morning glories and other spring and summer flowers, with a couple of chickens and their chicks. The left-hand screen includes chrysanthemums, burnets, silver grass (Miscanthus sinensis), golden lace (Patrinia scabiosifolia), narcissus, and other plants associated with fall and winter, with a pair of mandarin ducks. While the subject is the four seasons, Kiitsu has chosen summer and autumn plants favored by Rimpa school artists as the main elements. The plump lines in pale ink and the use of the tarashikomi technique to render plants tenderly in pooled, blurred colors follow the Rimpa style, transmitted from Kōrin to Hōitsu and then to Kiitsu. The lively color combinations and the depiction of the birds down to the last detail, with skillful use of color, reveal, however, Kiitsu’s modern sensibility, with clarity having priority over sentiment.

Chokunyū Tanomura (田能村直入), (1814–1907):
A Hundred Flowers, Color on Silk, Meiji Period, 1869, Yamatane Museum of Art

Chokunyū Tanomura (田能村直入): A Hundred Flowers, Color on Silk, Meiji Period, 1869, Yamatane Museum of Art

This scroll painting depicts one hundred seasonal flowers and grasses in the sesshi (cut-branch) style. The annotation at the end of the scroll, which gives it the air of a botanical study, says, “I was asked to paint one hundred flowers for the feudal lord, but since I forgot to include quite a few, I have made a careful study of seasonal flowers and grasses for this scroll and included their names below.” The technique emulates the flower and bird paintings done in the realistic “boneless” style (mokkotsu), a technique in which objects are rendered without lines, of Qing dynasty China. Still, the rich coloring and teeming plant life express the character of Chokunyū’s work.

Taikan Yokoyama (横山大観) (1868-1958):
Mountain Cherry Trees, Color on Silk, Shōwa Period, 1934, Yamatane Museum of Art

Taikan Yokoyama (横山大観): Mountain Cherry Trees, Color on Silk, Shōwa Period, 1934, Yamatane Museum of Art

Kokei Kobayashi (小林古径) (1883-1957):
Bird and Evergreen Magnolia, Color on Silk, Shōwa Period, 1935, Yamatane Museum of Art

Kokei Kobayashi (小林古径): Bird and Evergreen Magnolia, Color on Silk, Shōwa Period, 1935, Yamatane Museum of Art

Togyū Okumura (奥村土牛) (1889-1990):
Cherry Blossoms at Daigo-ji Temple, Color on Paper, Shōwa Period, 1972, Yamatane Museum of Art

Togyū Okumura (奥村土牛): Cherry Blossoms at Daigo-ji Temple, Color on Paper, Shōwa Period, 1972, Yamatane Museum of Art

This painting depicts the cherry blossoms of Daigo-ji temple in Kyoto, famous as the spot at which Toyotomi Hideyoshi held a lavish cherry-blossom-viewing banquet. Togyū visited Daigo-ji on the sixth anniversary of the death of his teacher, Kobayashi Kokei and, feeling that its weeping cherry trees were extraordinarily beautiful, decided he wished to paint them. For the front-facing cherry blossoms’ petals, he carefully applied dozens of layers of dilute paint to produce a sense of the plump, pale pink flowers’ mass. This work, created when Togyū was 83, combines elegance, tranquility, and gentleness.

Address of the Museum:

Yamatane Museum of Art
3-12-36 Hiro-o, Shibuya-ku
Tōkyō 150-0012

₸150-0012
東京都渋谷区広尾3-12-36
山種美術館

http://www.yamatane-museum.jp

Opening hours of the Museum:

Open daily, except on Mondays (closed on the day after a national holiday) from 10:00 am to  5:00 pm (last admission at 4:30 pm).
The current exhibition is held from 22 April 2017 to 18 June 2017.

Admission fees:

For the exhibition “A World of Flowers – from the Rimpa School to Contemporary Art”

Adults: 1,000 [800] Yen
University and High School Students: 800 [700] Yen
Middle School and younger children: free of charge

*Figures in brackets are for groups of 20 or more, advance tickets, and those who are wearing kimono.
*Disability ID holders and one person accompanying them are admitted free of charge.

How to get there:

Take the lines of Japan Rail (JR) or the Tōkyō Metro Hibiya line to Ebisu (恵比寿 / えびす) and head in eastern direction towards the Meiji Dōri (明治通り / めいじどおり). Cross the Meiji Dōri in north-eastern direction and follow the right side of the street for some hundred metres (passing the “Ebisu Prime Square” and the impressive building of “Papas Company”).

And since you want to be a good citizen, here are some of the rules you want to adhere to, when you visit the Yamatane Museum of Art:

  • Do not touch the artworks and cases.
  • Hold the hand of young children.
  • Keep quite in the gallery.
  • Do not run in the gallery.
  • No photographing, video recording, or copying the artworks in the gallery.
  • When taking notes in the gallery, use pencils only – no pens, no ink.
  • Swith off your mobile phone in the gallery.
  • No eating or drinking in the gallery (that includes water, candy and chewing gums).
  • No smoking anywhere in the museum.

Tottori Folk Crafts Museum (鳥取民芸美術館)

5. March 2017

Have a look and be amazed – thanks to Shōya Yoshida

Tottori Mingei Bijutsukan (鳥取民芸美術館)

Tottori Mingei Bijutsukan (鳥取民芸美術館)

Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier.
A German version of this posting you can find here.

You don’t know Shōya Yoshida (吉田璋也 / よしだしょうや)? The term “folk crafts” doesn’t ring any bell? Well, with question marks like that on your minde you may not be in the best of companies, but you are just admitting to gaps in education that can easily and joyfully be closed by this little posting.

In order to really understand the Folk Crafts Museum of Tottori (鳥取民芸美術館 / とっとりみんげいびじゅつかん) and its more than 5,000 exhibits which is going to be introduced here, you need to know a bit about its “founding father”, Shōya Yoshida.

Yoshida, who was born on 17th January 1898 in the city of Tottori, the capital of the prefecture (he died on 13th September 1972), was a physician. In Japan he is regarded as one of the key figures when it comes to the “Folk Crafts” movement (民芸運動 / みんげいうんどう), that was developed in the late 20s and early 30s of the 20th century by Sōetsu (Muneyoshi) Yanagi (柳宗悦 / やなぎむねよし). The aim of this movement was to make the poeple aware of the beauty of traditional articles of daily use and to appreciate them beyond the prevailling taste of the time. Yanagi’s slogan was: objects created by average people rise above the criteria of “beauty” and “uglyness”.

The basic philosophy of the folk crafts movement is not entirely without a touch of a bad after taste, as it also encompasses also some nationalistic undertones that can neither be denied nor just explained with the main stream conception of society and history of its time.

Albeit, Shōya Yoshida is – among other things – still renowned in our days for his breathtaking designs that are modern and timeless at the same time. Some potters are still cultivating them. Probably the most famous of his pottery designs is the “ushinotoyaki”-(牛ノ戸焼 / うしのとやき) that still has such a modern touch that you might think it was invented just yesterday. Yoshidas perception of beautiful dishes for daily use is still living on, e.g. in the pottery workshops of the “Inshū Nakaigama” (因州中井窯 / いんしゅうなかいがま) in Nakai Kawaramachi, Tottori. The workshop’s head, Mr. Akira Sakamoto (坂本章 / さかもとあきら) in managing the place already in the third generation. The workshop’s kiln was built in 1945 by Toshiro Sakamoto (坂本俊郎 / さかもととしひろ) and became Shōya Yoshida’s official production site in 1952.

Here are some impressions from the pottery workshop::

If the visit to the folk crafts museum has put you in the right mood for shopping, just turn next door and pay the “Takumi Craft Shop” (たくみ工芸店 / たくみこうぎてん) a visit. There you can also buy the ceramic craft works coming from Akira Sakamoto’s workshop.

Address of the Museum:

Tottori Folk Crafts Museum
651 Sakaemachi, Tottori-shi,
Tottori-ken 〒680-0831

〒680-0831
鳥取県鳥取市栄町651
鳥取民芸美術館

Opening hours of the Museum:

Daily (except on Wednesdays): 10 am to 5 pm
Closed during the New Year holidays and during the installation of new exhibitions.

Admission fee:

Adults: 500 Yen
University students: 300 Yen (student ID necessary)
Seniors from 70 years of age and pupils: frei

Opening hours of the Takumi Craft Shop:

Daily (except on Wednesdays): 10 am to 6 pm
Closed during the New Year holidays.

Address of the pottery workshop and kiln “Inshū Nakaigama” (因州中井窯)

Inshū Nakaigama
Nakai 243-5
Kawaramachi, Tottori-shi
Tottori-ken, 〒680-1224
http://nakaigama.jp

因州中井窯
〒680-1224鳥取県鳥取市河原町243-5
http://nakaigama.jp

Further information about interesting places and venues in Tottori you can find here:

Kurayoshi (倉吉)
– The town of white walls and red roofs

Kotoura-chō (琴浦町)
– Stucco plasterers of the world – watch out!

Tottori Sand Museum (砂の美術館)
-Travel Around the World in Sand

Tottori: Wakasa (鳥取・若桜)
– A gem, hidden in the mountains

 


Tottori Volkskunst-Museum (鳥取民芸美術館)

3. March 2017

Schauen und Staunen dank Shōya Yoshida

Tottori Mingei Bijutsukan (鳥取民芸美術館)

Tottori Mingei Bijutsukan (鳥取民芸美術館)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Sie kennen Shōya Yoshida (吉田璋也 / よしだしょうや) nicht? Sie können mit dem Begriff „Volkskunst“ nichts anfangen? Damit befinden Sie sich zwar nicht unbedingt in guter Gesellschaft, aber Sie offenbaren damit nur Bildungslücken, die hiermit auf unterhaltsame Art und Weise geschlossen werden können.

Um das Volkskunst-Museum von Tottori (鳥取民芸美術館 / とっとりみんげいびじゅつかん), mit seinen über 5.000 Ausstellungsstücken, das hier vorgestellt werden soll, richtig zu verstehen, kommt man nicht ganz ohne Hintergrundwissen um seinen Gründervater Shōya Yoshida aus.


Yoshida, der am 17. Januar 1898 in der Stadt Tottori, der Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur, geboren wurde (gestorben am 13. September 1972), war Arzt und gilt in Japan als eine der Schlüsselfiguren der „Volkskunst“-Bewegung (民芸運動 / みんげいうんどう), die in den späten 1920er und 1930er Jahren von Sōetsu (Muneyoshi) Yanagi (柳宗悦 / やなぎむねよし) entwickelt worden war. Diese Bewegung wollte die Schönheit von traditionellen Gebrauchsgegenständen bewusst machen und sie somit auch vom Zeitgeschmack losgelöst wertschätzen. Yanagis Motto war hierbei: Gegenstände, die von einfachen Leuten hergestellt werden, sind über die Maßstäbe von „Schönheit“ und „Hässlichkeit“ erhaben.

Die Philosophie der Volkskunst-Bewegung ist nicht gänzlich frei eines „Geschmäckles“, da in ihr auch nationalistische Untertöne mitschwingen, die nicht von der Hand zu weisen sind und nicht nur aus dem zeitlichen Zusammenhang ihres Entstehens zu erklären sind.

Dessen ungeachtet ist z.B. Shōya Yoshida heute noch berühmt und geachtet für seine atemberaubend modernen und doch zeitlos wirkenden Designs, die von einzelnen Töpfermeistern bis heute gepflegt werde. Am bekanntesten ist sicher sein wegweisendes „ushinotoyaki“-(牛ノ戸焼 / うしのとやき)-Design, das auch heute noch modern wirkt. Seine Vorstellungen von schönen Gebrauchs-Töpferwaren lebt z.B. in den Werkstätten des „Inshū Nakaigama“ (因州中井窯 / いんしゅうなかいがま) in Nakai Kawaramachi, Tottori, weiter, wo diese gepflegt werden. Die Töpferwerkstatt wird heute in dritter Generation von Herrn Akira Sakamoto (坂本章 / さかもとあきら) geführt. Der dortige Meiler für die Keramikproduktion wurde von Toshiro Sakamoto (坂本俊郎 / さかもととしひろ) im Jahre 1945 errichtet und 1952 von Shōya Yoshida zur offiziellen Produktionsstätte für sein Design erklärt.

Hier ein paar Impressionen aus der Töpferwerkstatt:

Wer sich im Volkskunst-Museum in die rechten Stimmung dazu gebracht hat, kann gleich nebenan im „Takumi Kunsthandwerks-Laden“ (たくみ工芸店 / たくみこうぎてん) die gewonnene Inspiration in Konsum umsetzen. U.a. können die oben erwähnten Keramiken aus den Werkstätten von Akira Sakamoto auch hier erworben werden.

Adresse des Museums:

Tottori Folk Crafts Museum
651 Sakaemachi, Tottori-shi,
Tottori-ken 〒680-0831

〒680-0831
鳥取県鳥取市栄町651
鳥取民芸美術館

Öffnungszeiten des Museums:

Täglich außer mittwochs: 10 Uhr bis 17 Uhr
Geschlossen während der Neujahrsfeiertage und während Ausstellungswechsel.

Eintrittsgebühr:

Erwachsene: 500 Yen
Studenten: 300 Yen (Studentenausweis erforderlich)
Senioren ab 70 Jahren und Schüler: frei

Öffnungszeiten des Takumi Kunsthandwerks-Ladens:

Täglich außer mittwochs von 10 Uhr bis 18 Uhr
Geschlossen an den Neujahrsfeiertagen.

Adresse der Töpferwerkstatt „Inshū Nakaigama“ (因州中井窯)

Inshū Nakaigama
Nakai 243-5
Kawaramachi, Tottori-shi
Tottori-ken, 〒680-1224
http://nakaigama.jp

因州中井窯
〒680-1224鳥取県鳥取市河原町243-5
http://nakaigama.jp

Weitere Artikel über Orte und Einrichtungen in Tottori finden Sie hier:

Kurayoshi (倉吉)
– Die Stadt der weißen Mauern und roten Dächer

Kotoura-chō (琴浦町)
– Bayerische Stuckmeister, aufgepasst!

Tottori Sand-Museum (砂の美術館)
– Eine Weltreise in Sand

Tottori: Wakasa (鳥取・若桜)
– Schmuckstück, versteckt in den Bergen


Die Meiji Maru (明治丸)

24. February 2017

Eisernes Sinnbild für die Modernisierung Japans

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Aufgrund der großen Anzahl der verfügbaren englischsprachigen Quellen zu diesem Schiff, ist keine englischsprachige Version dieses Artikels vorgesehen.
Due to the numerous resources available in English about this ship, an English version of this posting is not planned (but let me know, should a translation make you happy…).

Die Meiji Maru (明治丸 / めいじまる) war ein in ihrer Zeit ungewöhnlich luxuriöses Schiff für die Versorgung von Leuchttürmen. Es war von der japanischen Regierung in Großbritannien in Auftrag gegeben worden, und im Jahr 1873 wurde ihr Kiel auf der Napier & Sons Werft in Govan (Glasgow) gelegt. Nach seiner Fertigstellung im November 1874 wurde es  1875 auf die Reise von Glasgow nach Yokohama geschickt, wo die Meiji Maru im Februar desselben Jahres ankam. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung war sie ein Zweimast-Toppsegelschoner von mehr als 1.000 Tonnen (brutto), einer Länge von 86,6 Metern und einer Breite von 9,1 Metern. Außerdem war sie ausgerüstet mit Doppelschiffsschrauben und zwei Dampfmaschinen mit 1.100 PS (ich habe auch Quellen gefunden, die von 1.530 PS sprechen), die das Schiff auf eine Geschwindigkeit von 11,5 Knoten brachten. Es war damals „state of the art“ und sollte auch auf den Meeren zeigen, dass Japan sich anschickte, sich zu einer modernen Nation zu entwickeln.

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Meiji Maru (明治丸)

Der Meiji Tennō (Mutsuhito, 1852-1912) war an Bord des Schiffes, als es zu seiner Einweihungsfahrt von Yokosuka (横須賀 / よこすか) nach Yokohama (横浜 / よこはま) in See stach (die beiden Städte liegen ungefähr 40 km Luftlinie von einander entfernt). Seinen Namen trägt das Schiff aus gutem Grund: Ebenso modern, wie das Schiff, wollte sich auch der Monarch geben, der die Regentschaft der Shōgune beendet und das Heft der Macht wieder in die eigenen Hände genommen hatte.

Der Kaiser, den bisher kaum ein Mensch zu sehen bekommen hatte, tat alles, um seine neu gewonnene Macht zu festigen. Besuchsfahrten in alle Winkel seines Reiches gehörten dazu und steigerten seine Popularität ungemein.
Auf seiner Tour durch den Nordosten der japanischen Hauptinsel und Hokkaidō ging Kaiser Meiji in Aomori (青森 / あおもり), Nordjapan, 1876 an Bord der Meiji Maru und segelte mit ihr nach Hakodate (函館 / はこだて) in Hokkaidō (北海道 / ほっかいどう) – beide Städte werden nur von der hier etwa 120 km breiten die Tsugaru-Straße (津軽海峡 /  つがるかいきょう) getrennt. Seine Reise endete am 20. Juli 1876 mit seiner Ankunft in Yokohama in der Präfektur Kanagawa (神奈川県 / かながわけん). Dieser Tag wird bis auf den heutigen Tag als „Tag des Meeres“ (海の日 / うみのひ) als Nationalfeiertag begangen.

Die Meiji Maru war für ungefähr 20 Jahre im Einsatz als Versorgungsschiff für Leuchttürme, bevor sie 1896 als Trainingsschiff für die Seefahrtsschule (東京商船学校 / とうきょうしょうせんがっこう) in Reiganjima ( 霊岸島 / れいがんじま), heute Shinkawa (新川 / しんかわ) im Tōkyōter Bezirk Chūō (中央区 / ちゅうおうく) vor Anker ging und schließlich bei der Verlegung der Schule nach Etchūjima (越中島 / えっちゅうじま) (1902) im Bezirk Kōtō (江東区 / こうとうく) dorthin umzog. Bereits 1897 war das Schiff ins Eigentum der Schule übergegangen und 1901 zu einem Dreimast-Vollschiff umgebaut worden, um von da an fest vor Anker zu verbleiben.
Die Seefahrtsschule wurde 1925 zur Seefahrts-Hochschule (東京高等商船学校 / とうきょうこうようしょうせんがっこう) und schließlich nach dem zweiten Weltkrieg (in Zwischenschritten) zum Etchūjima-Campus der heutigen Ozeanischen Hochschule Tōkyō (東京海洋大学 / とうきょうかいようだいがく).

Die Meiji Maru blieb „Klassenzimmer“ für die Ausbildung der jungen Seefahrer für ungefähr 50 Jahre bis 1945 und hat dabei über 5.000 junge Seeleute kommen und gehen sehen. Sie kenterte zweimal während verheerender Taifune (1911 und 1917), überstand aber das große Kantō-Erdbeben (1923) und die Luftangriffe der Alliierten im März 1945. Während beider Katastrophen diente das Schiff als Auffanglager für Opfer und hat sich dadurch einen besonderen Platz im Herzen der Einwohner des Kōtō-Bezirks (江東区 / こうとうく) gewonnen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden sowohl das Schiff, als auch die Schulgebäude von den Besatzungsmächten konfisziert. Das führte dazu, dass sich niemand mehr um die Meiji Maru kümmern konnte (andere Quellen sprechen davon, das Schiff sei von den Besatzungskräften als Kantine verwendet worden) und schließlich dazu, dass sie 1951 volllief und im Campus-See sank. Die Meiji Maru konnte aber geborgen werden und aus Anlass ihres 85. Jubiläums im Jahre 1960 wurde damit begonnen, sie zu restaurieren. Bei der Gelegenheit wurde sie auch an ihren heutigen Standort verbracht. Zu ihrem 100. Geburtstag im Jahre 1975 wurde erneut an der Wiederherstellung des Schiffes gearbeitet – unterstützt durch Spenden von Alumni der Hochschule und der Schiffsindustrie.

Die Meiji Maru ist das einzige Schiff Japans, das heute noch erhalten ist, das komplett aus Eisen hergestellt worden war (nicht, wie heute, aus Stahl). Seine Einzigartigkeit und seine historische Bedeutung schlugen sich im Mai 1978 in einer Anerkennung als wichtiges Kulturgut nieder.

Auch wenn das Schiff nach den letzten Renovierungsarbeiten (2015) schon von außen einen wirklich überwältigenden Eindruck macht, so ist doch sein Inneres von besonderem Interesse, denn es ist nicht nur das einzige Schiff, das über eine nur dem Kaiser vorbehaltene Kabine (schmückend „Thron / 御座所 / ごやしょ” genannt) verfügt, sondern auch über einen recht prächtig ausgestatteten Salon, der sicher nicht typisch für ein Versorgungsschiff gewesen sein mag.

Schauen Sie sich aber auch die historischen Gebäude auf dem Etchūjima-Campus der Ozeanischen Hochschule an. Das Hauptgebäude stammt aus dem Jahre 1932, als es ein ursprünglich hölzernes Schulgebäude ersetzte, das während des großen Kantō-Erdbebens niedergebrannt war. An diesem Campus sind die Abteilungen “Maritime Systems Engineering”, “Elektronik und Maschinenlehre” und “Logistics und Informatik” der Fakultät für Marine Ingenieurwissenschaften untergebracht.

Ozeanische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Außerdem befinden sich auf dem Gelände der Universität zwei Sternwarten, die hier im Juni 1903 errichtet wurden. Das erste von beiden soll das fortschrittlichste Teleskop des Orients seiner Zeit sein Eigen genannt haben. Beide wurden im Dezember 1997 als Kulturgüter anerkannt.

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学)

Gleich nebenan befindet sich eine Gedenkstätte für Kapitän Genzaburō Kan (菅源三郎 / かんげんざぶろう) (1883-1942), der sich als Abgänger von dieser Hochschule und Kapitän der “Nagasaki Maru” einen Namen gemacht hat, als das Schiff im Jahre 1942 vor der Einfahrt in den Hafen von Nagasaki von Minen versenkt wurde und er tatsächlich erst als letzter Mann von Bord ging. Auch wenn man ihm seinerzeit keinerlei Schuld am Untergang der “Nagasaki Maru” geben konnte, fühlte er sich für den Tod von 13 getöteten und 26 vermissten Kameraden verantwortlich und brachte sich drei Tage später selbst um.

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学), Genzaburō Kan (菅源三郎)

Ozeanographische Hochschule, Tōkyō (東京海洋大学), Genzaburō Kan (菅源三郎)

Und wenn mir jetzt noch jemand erklären kann, warum japanische Schiffe immer “Maru” (丸 / まる) heißen, was ja eigentlich “Kreis” oder “Rund” bedeutet… Wikipedia bietet mehrere Erklärungen dafür, aber es wird ja hoffentlich auch eine richtige geben…

Adresse des Schiffes:

Meiji Maru
Etchūjima Campus of
Tōkyō University of Marine Science and Technology
2-1-6, Etchūjima, Koto-ku, Tōkyō

Telefon: 03-5245-7360

〒135-8533 東京都江東区越中島2-1-6
東京海洋大学 越中島キャンパス
明治丸

Öffnungszeiten:

Grundsätzlich dienstags und donnerstags, sowie an jedem ersten und dritten Samstag im Monat:
10 Uhr bis 16 Uhr (April bis September)
10 Uhr bis 15 Uhr (Oktober bis März)
Sonderöffnungen an zwei Sonntagen im November

Geschlossen vom 1. August bis 31. August.
Geschlossen vom 16. Dezember bis 15. Februar (gemäß Internetseite der Universität).

Für 2017 galten aber auch schon für die Monate Januar und Februar die oben genannte Regel grundsätzlich. Zusätzlich ist im März auch noch am Samstag, den 25.3, Sonntag, den 26.3 und Freitag, den 31.3. geöffnet.
Es wurde darauf hingewiesen, dass das Schiff von 10 Uhr bis 15 Uhr (letzter Einlass um 14.30 Uhr) besichtigt werden kann.

Während der Schließungszeiten im Winter kann das Schiff, solange der Campus geöffnet ist, von außen besichtigt werden. Für Gruppen von 10 und mehr Besuchern können aber auch in dieser Zeit Besichtigungen nach vorheriger Anmeldung durch geführt werden.

Eintritt frei

Ein weiteres historisches Schiff bei der Ozeanographischen Hochschule:

Wer noch mehr über historische Schiffe in Tōkyō erfahren möchte, für den ist der Shinagawa Campus der Ozeanografischen Universität Tōkyōs interessant, auf dessen Gelände sich z.B. auch die Unyō Maru (雲鷹丸 / うんようまる), ein in Japan gebautes Schulschiff aus dem Jahre 1909, befindet. Die Unyō Maru wurde über 20 Jahre auf 33 Fahrten in erster Linie für Seefangstudien eingesetz. Später diente es, wie die Meiji Maru, Trainingszwecken und wurde zuletzt von 2012 bis 2014 aufwändig restauriert.

Leider konnte ich keine Möglichkeit zur Besichtigung ausfindig machen. Hier ein paar optische Eindrück von dem Schiff, so wie es eben von außen gesehen werden kann:

Adresse:

Unyō Maru
Shinagawa-Campus of
Tōkyō University of Marine Science and Technology
4-5-7 Kōnan, Minato-ku
Tōkyō 108-0075

〒108-8477 東京都港区港南4-5-7
東京海洋大学品川キャンパス
雲鷹丸

Sie interessieren sich für Schiffe?

Dannn lohnt es sich natürlich immer, auch hier einmal vorbei zu schauen:

Yokohama: Hikawa Maru (氷川丸)
– Das bewegte Leben der „Königin des Pazifiks“


Tottori (鳥取): Wakasa (若桜) (Engl.)

21. February 2017

A gem, hidden in the mountains

Wakasa, Kura Dōri (若桜・蔵通り)

Wakasa, Kura Dōri (若桜・蔵通り)

Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier.
A German version of this posting you can find here.

At the end of non-electrified the railroad “Wakasa line” (若桜鉄道 / わかさてつどう), that is still regularly serviced by an old steam locomotive, you’ll find the town center of Wakasa (若桜 / わかさ), a village that, with quite a number of hamlets, streches out into the nearby valleys. It is surrounded by densely wooded mountains with peaks between 1,200 and 1,500 metres and is located about 30 km southeast of the prefecture’s capital, Tottori (鳥取市 / 鳥取市).

The little town never really gained historic significance, but in the old days its abundance of wood brought some splendor to it. From the Kamakura era (1185-1333) it is known, that Wakasa’s wood was brought down to the sea shore via the mountain rivers and shipped to Kamakura from there. During the Edo period (1603-1868) the cultivation of rice was intensified to meet the growing population’s demand. The plentifulness of the mountains’ waters offered the perfect foundation for it. But they also were the cause for terrible floodings (especially in 1815 and 1888).

Today Wakasa is mainly known for its steam locomotive, but also for its particularly delicious radish.

The tracks of the “Wakasa line” are just 19.2 km long. But since 1 Dec. 1930 they connect the town with the station of Kōge (郡家駅 / こうげえき) in Yazu (八頭町 / やずちょう) and from there it’s just a short ride to the prefectural capital. Until 1974 also freight was transported on this line, but in our days, it is just used for passenger trains. I’m writing so much about this railway, because Wakasa is particularly proud of its old steam engine type JNR class C12, of which between 1932 and 1947 as many as 282 were built. The specimen you can see here was built in the year Shōwa 13 (i.e. 1938) and is fully functional. Compared with that, the diesel locomotive from the 70s of last century, which you can also see here (type JNR class DD16), looks almost modern. People here are also very proud of their old railway turntable from 1930 that is still in operation today.

Location of Wakasa station:

However, even if you think that visiting Japan just for the sake of historic railways is not worth the trip (the more contemporary trains of Japan may in fact be much more impressive), you haven’t come to the wrong place at Wakasa. This little town is among the most charming ones, and – praise the lord – not one of those terribly obstructed ones.

There are two streets in walking distance from the station I would like to draw your attention to:

The Kura Dōri (蔵通り / くらどおり).

This rather romantic street is nestled between a long row of old warehouses (蔵 / くら) and the temple district of Shimomachi (下町 / しもまち) and its particularly quaint Buddhist temples Shōei-ji (正栄寺 / しょうえいじ) and Saihō-ji (西方寺 / さいほうじ), that look much older than the other buildings of Wakasa.

Wakasa, Saihō-ji (若桜・西方寺)

Wakasa, Saihō-ji (若桜・西方寺)

This part of town is the “result” of a devasting fire that happened in 1885 and destroyed major parts of it. Considering the consequence of the previous style of buildings and housing the construction of fire-proof “kura” was forced (not unlike what happened in Kawagoe around the same time). Also for the larger buildings of temples it became a regulation to leave more distance between the buildings and to the next street.

And something that might also find your interest: The whole Kura Dōri has been equipped with water nozzles in its pavement. These nozzles spray hot spring water onto the pavement, to keep it free from snow and ice in winter.

Parallel to the Kura Dōri runs

the Kariya Dōri (カリヤ通り / かりやどおり).

This is the main street of Wakasa so to speak. It gains its charm from its well preserved old town houses, quite a number of long established businesses and – among other things – a sake brewery. The cosiness of this street also is a result of the strict building code that was enforced after the big fire from 1885. One of the most breathtaking features are the streams of water flowing on either side of the street. In front of some house these water channels have been widened to form basins, some houses even used the streams to supply fresh water to basins in their entrances. And that is where the families keep gorgeous carps (they are, perhaps, so gorgeous, because they are generously stuffed with kitchen waste…).

Three of the buildings at the Kariya Dōri are worth a closer look:

First, let’s take a look at the tiny “Shōwa Toy Museum” (昭和おもちゃ館 / しょうわおもちゃかん):

It may not be a museum of international reputation, but if you are looking for toys, household tools and electric appliances of the Shōwa era (1926-1989) or if rummage around for old fashioned sweets is your thing, this is the place you might want to consider.

Open daily (except Tuesday) from 10 am to 5 pm.
Admisstion fee: adults: 200 Yen / children up to 12 years of age: 100 Yen.

Location of the Shōwa Toy Museums:

Are you interested in Japanese sake? Then pay a visit to the “Ōta Sake Brewery” (太田酒造場 / おおたしゅぞうじょう). This sake brewery that was founded in 1909 takes advantage of the high quality spring waters of Wakasa and still abides by the principle of “quality, not quantity” – annual production is limited to 10,000 standard bottles (1.8 liters = 一升瓶 / いっしょうびん).

The brand name of the brewery is known beyond the borders of the prefecture: “Benten Musume” (辨天娘 / べんてんむすめ).
And yet, in 1992 it looked like the final nail was put in the brewery’s coffin, when it became impossible to recruit enough sake brewers to continue production – due to the dramatic decrease in rural population. Only in 2002 production could be resumed, starting with a meagre 1,080 litres of sake.
Since 2010 the brewery is so proud of the fact that it uses local ingredients only, that it puts the name of every contributing rice farmer on its bottles.
Usually, I don’t engage in clumsy promotion of products on this website, but the brewer’s family was of such a hospitable nature, that I feel compelled to make an exception from the rule.

Location of the Ōta Sake-Brauerei:

Doesn’t sightseeing make you hungy? Well, then it’s time for a little something. Why not trying the “Dining Café Arata” (ダイニングカフェー新 / あらた) – assuming you love pork, because that’s the specialty of the place. The restaurant is splendidly accomodated by a particularly gorgeous but traditional town house.

Location of the restaurant “Arata”:

Diving into times even longer passed is an old Buddhist temple that also belongs to the community of Wakasa: The Fudōin Iwayadō (不動院岩屋堂 / ふどういんいわやどう), that dates back to the year 806 when it was founded as part of a larger temple compound (there are also sources mentioning that it was built in the Muromach period (1333-1392)). It is also reported that this temple was the only part that survived during severe destruction in 1581 (Hideyoshi Toyotomi’s invasion of Inaba). In the 50s of last century extensive restoration work was undertaken, and finally the temple was registered as an important cultural asset of the country. Furthermore, it is amoung the 100 most popular buildings of the prefecture. And there is a good an obvious reason for it: Its location! It was fitted into a cave 13 metres above the ground. Isn’t that extraordinary?!

But also have a look at the details: The Fudōin Iwayadō is also home to a small wooden statue that was carved centuries ago. Legend has it that it was Kōbō-Daishi (the founder of Shingon Buddhism) himself who carved it (hence, it must be more than 1,200 years old). It is said, that this little statue was miraculously spared when the temple was devastated, because it represent the God of Fire. Twice a year (on March 28 and July 28) holy fires (goma / 護摩 / ごま) are being held here, when the statue is displayed in public.

Right next to the Fudōin Iwayadō you’ll pass the also rather romanticly placed Iwaya Jinja (岩屋神社 / いわやじんじゃ) in front of a steep and rocky wall and surrounded by old trees. Just have a look at that mossy approach to the main building of the shrine.

Location of the Fudōin Iwayadō:

Don’t you agree: When in Tottori, there are quite a number of reasons for some side trips – especially, when it comes to this easy-to-reach village in the mountains. I’m sure you’ll fall for its charm and the hospitality of its inhabitants.

And if this has triggered some interest in Tottori in you, why don’t you have a look here:

Kurayoshi (倉吉)
– The town of white walls and red roofs

Kotoura-chō (琴浦町)
– Stucco plasterers of the world – watch out!

Tottori Sand Museum (砂の美術館)
-Travel Around the World in Sand

Tottori Folk Crafts Museum (鳥取民芸美術館)
– Have a look and be amazed – thanks to Shōya Yoshida


Tottori (鳥取): Wakasa (若桜) (dt.)

19. February 2017

Schmuckstück, versteckt in den Bergen

Wakasa, Kura Dōri (若桜・蔵通り)

Wakasa, Kura Dōri (若桜・蔵通り)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Am Ende einer nicht elektrifizierten Bahnlinie, der „Wakasa Bahn“ (若桜鉄道 / わかさてつどう), die regelmäßig auch noch von einer alten Dampflok bedient wird, befindet sich der Ortskern von Wakasa (若桜 / わかさ), einer Gemeinde, die sich, verteilt auf einzelne Ortsflecken, in mehrere Täler erstreckt. Umgeben von Bergen mit einer Höhe zwischen 1200 und 1500 Metern und gut 30 km südöstlich von der Stadt Tottori entfernt.

Geschichtliche Bedeutung hat das Städtchen nie erlangt, es aber in alten Tagen mit seinem Holzreichtum zu einer gewissen Stattlichkeit gebracht. Aus der Kamakura-Zeit (1185-1333) ist bekannt, dass Holz und Reis den Fluss hinab ans Meer gebracht und von dort verschifft wurde. Während der Edo-Zeit (1603-1868) wurde der Reisanbau intensiviert – der Wasserreichtum der Gebirgslandschaft bildete die ideale Grundlage dafür, sorgte aber auch für teilweise verheerende Überschwemmungen (namentlich in den Jahren 1815 und 1888). Heute ist Wakasa in erster Linie für seine Dampflok, aber auch für seinen besonders leckeren Rettich berühmt.

Die 19,2 km lange Strecke der „Wakasa Bahn“ verbindet seit dem 1. Dezember 1930 Wakasa mit dem Bahnhof Kōge (郡家駅 / こうげえき) in Yazu (八頭町 / やずちょう) und von dort mit der Hauptstadt der Präfektur. Bis 1974 wurden auch Güter auf dieser Strecke transportiert, heute verkehren nur noch Personenzüge. Ich gehe etwas genauer auf diese Bahnstrecke ein, weil die Gemeinde besonders stolz auf ihre alte Dampflok der Baureihe JNR Class C12 ist, von denen zwischen 1932 und 1947 ganze 282 Stück gebaut wurden. Das hiesige Exemplar stammt aus dem Jahr Shōwa 13 (lies und sprich: 1938) und ist voll funktionstüchtig. Dagegen wirkt die aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts stammende, ebenfalls eher museale Diesellok aus der Baureihe JNR Class DD16 fast schon modern. Besonders stolz ist mal auch auf eine Drehscheibe aus den Anfangsjahren der Eisenbahn und das historische Bahnhofsgebäude, das noch aus dem Jahre 1930 erhalten ist und bis heute genutzt wird.

Lageplan des Bahnhofs von Wakasa:

Wer aber der Meinung sein sollte, man müsse historischer Eisenbahnen wegen nicht unbedingt nach Japan reisen (die modernen Eisenbahnbetriebe sind hier ja auch wesentlich eindrucksvoller), ist in Wakasa dennoch nicht fehl am Platze. Der Ort gehört nämlich auch zu den eher beschaulichen und – Göttin sei Dank – nicht verbauten. Zwei Straßen im Zentrum (und in Bahnhofsnähe) möchte ich hervorheben:

Die Kura Dōri (蔵通り / くらどおり).

Sie verläuft direkt zwischen einer langen Reihe alter Lagerhäuser (蔵 / くら) und dem Tempelviertel von Shimomachi (下町 / しもまち) mit den besonders altertümlich wirkenden buddhistischen Tempeln Shōei-ji (正栄寺 / しょうえいじ) und Saihō-ji (西方寺 / さいほうじ), die wesentlich älter wirken, als die restliche Bebauung Wakasas.

Wakasa, Saihō-ji (若桜・西方寺)

Wakasa, Saihō-ji (若桜・西方寺)

Dieses Viertel haben wir heute sozusagen einem Großbrand im Jahre 1885 zu „verdanken“, dem Großteile der Stadt zum Opfer gefallen waren. Danach wurde der Bau von Gebäude im feuerfesten „Kura“-Stil forciert (ähnlich, wie das ja auch in Kawagoe geschehen ist). Auch für die Tempelgebäude war großzügiger Abstand von einander und der nächsten Straße vorgeschrieben.

Auffallend auch: Die Kura Dōri ist durchgängig mit Wasserdüsen im Pflaster versehen, über die im Winter heißes Quellwasser versprüht wird, das die Straße schnee- und eisfrei hält.

Parallel zur Kura Dōri verläuft

Die Kariya Dōri (カリヤ通り / かりやどおり).

Und die ist sozusagen die Hauptstraße der kleinen Stadt mit gut erhaltenen, alten Stadthäusern, einer Vielzahl alt eingesessener Geschäfte und u.a. auch einer Sakebrauerei. Auch die Bebauung dieser Straße geht auf die strikten Bauregeln zurück, die nach dem verheerenden Großbrand von 1885 erlassen worden waren. Eines der atemberaubendsten „features“, das in dem Zusammenhang entstanden ist, sind allerdings die Wasserläufe rechts und links der Fahrbahn, die vor einigen Häuser zu Becken verbreitert wurden, ja deren Wasser teilweise sogar in die Eingangsbereiche der Häuser geleitet wird, wo man u.a. prächtige Karpfen hält (die sich besonders über Essensreste vom in den Becken gespülten Geschirr freuen).

Drei der Gebäude in der Kariya Dōri möchte ich hervorheben:

Da ist zunächst das kleine „Shōwa Spielzeug-Museum“ (昭和おもちゃ館 / しょうわおもちゃかん):

Kein Museum von Weltruf, aber wenn Sie sich für Spielsachen, Haushaltsgeräte und Elektronik der Shōwa-Zeit (1926-1989) interessieren und in einem altmodischen Süßigkeitenladen kramen wollen, sind Sie hier richtig.

Geöffnet täglich außer dienstags von 10 Uhr bis 17 Uhr.
Eintritt: Erwachsene: 200 Yen / Kinder bis einschließlich 12 Jahre: 100 Yen.

Lageplan des Shōwa Spielzeug-Museums:

Sie interessieren sich für Sake? Dann statten Sie der „Ōta Sake-Brauerei“ (太田酒造場 / おおたしゅぞうじょう) einen Besuch ab. Diese im Jahr 1909 gegründete Brauerei profitiert von der besonders hohen Qualität des Brauwassers und arbeitet auch heute noch nach der Maxime „Klasse statt Masse“ – die Produktion beschränkt sich auf eine Menge, die gerade mal für 10.000 Standardflaschen (1,8 Liter = 一升瓶 / いっしょうびん) ausreicht.

Über die Präfekturgrenzen hinaus bekannt ist der Markenname der Ōta-Brauerei: „Benten Musume“ (辨天娘 / べんてんむすめ).
Dabei schien das Schicksal der Brauerei schon 1992 besiegelt, als man (aufgrund des drastischen Bevölkerungsrückgangs in der ländlichen Gemeinde) nicht mehr genügend Sake-Braumeister zur Aufrechterhaltung der Produktion fand und diese einstellen musste. Erst 2002 konnte die Produktion wieder mit zunächst 1.080 Litern Sake aufgenommen werden.
Und seit 2010 ist man so stolz darauf, seinen Sake nur mit lokalen Ingredienzien herzustellen, dass man auch die Namen der Reisbauern auf seinen Sakeflaschen mit angibt.
Ich mache sonst ja eher keine plumpe Reklame auf dieser Seite – aber die Brauerfamilie war dermaßen gastfreundlich, dass ich mich zu einer Ausnahme hingerissen fühle.

Lageplan der Ōta Sake-Brauerei:

Und da Sightseeing ja bekanntlich hungrig macht, gönnen Sie sich einen kleinen Imbiss, z.B. im “Dining Café Arata” (ダイニングカフェー新 / あらた) – Voraussetzung ist, sie mögen Schweinefleisch, denn das ist die Spezialität des Hauses. Das Restaurant ist in einem ganz besonders prächtigen und gut ausgestatteten, traditionellen Stadthaus untergebracht.

Lageplan des Restaurants “Arata”:

Ebenfalls auf dem Gebiet der Gemeinde befindet sich der besonders mystisch wirkende Tempel Fudōin Iwayadō (不動院岩屋堂 / ふどういんいわやどう), der auf eine Gründung im Jahre 806 zurückgeht und bis ins Mittelalter Teil eines größeren Temple-Ensembles war (wobei andere Quellen von einer Errichtung in der Muromachi-Zeit (1333-1392) sprechen). Es wird gesagt, dass er als einziges Gebäude die Zerstörungen des Jahres 1581 (Hideyoshi Toyotomis Überfall auf Inaba) überstanden hat. In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde umfangreich restauriert und das Bauwerk 1953 als wichtiges Kulturgut des Landes anerkannt. Außerdem gehört er zu den 100 populärsten Gebäuden der Präfektur. Und das aus gutem Grund, denn schon der Umstand, dass er in 13 Metern Höhe in eine Höhle eingepasst wurde, macht ihn bemerkenswert.

Aber beachten Sie auch die Details: Der Fudōin Iwayadō ist auch die Heimstätte einer kleinen, hölzernen Statue, die vor Jahrhunderten geschnitzt wurde. Der Legende nach war es Kōbō-Daishi (der Gründer des Shingon Buddhism) selbst, der sie geschaffen hat (d.h. sie ist über 1.200 Jahre alt). Außerdem erzählt man sich, dass diese kleine Statue auf wundersame Weise die Zerstörungen der Vergangenheit überdauert hat, weil sie die Gottheit des Feuers repräsentiert. Zweimal jährlich (jeweils am 28. März und 28. Juli) werden hier heilige Feuerrituale (goma / 護摩 / ごま) durchgeführt und die Statue bei der Gelegenheit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Direkt rechts neben dem Fudōin Iwayadō kommt man am nicht weniger verträumt unter hohen Bäumen und vor einer steilen Felsfand stehenden Iwaya Jinja (岩屋神社 / いわやじんじゃ) vorbei – der schon aufgrund seines surreal wirkenden, grün bemoosten Zugangs ungewöhnlich wirkt.

Lageplan des Fudōin Iwayadō:

Wenn Sie in Tottori sind, sollten Sie also ein paar Gründe haben, einen Abstecher in dieses leicht zu erreichende Gebirgsdorf zu machen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie sich seinem Charme und der Freundlichkeit seiner Bewohner kaum entziehen können werden.

Und wenn Sie an weiteren Orten und Einrichtungen in Tottori interessiert sind, schauen Sie doch auch mal hier vorbei:

Kurayoshi (倉吉)
– Die Stadt der weißen Mauern und roten Dächer

Kotoura-chō (琴浦町)
– Bayerische Stuckmeister, aufgepasst!

Tottori Sand-Museum (砂の美術館)
– Eine Weltreise in Sand

Tottori Volkskunst-Museum (鳥取民芸美術館)
– Schauen und Staunen dank Shōya Yoshida