Chūreitō (忠霊塔) (dt.)

Japans vielleicht berühmteste Pagode, die gar keine ist

Fuji-san (富士山) / Chūreitō (忠霊塔)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Ich gebe es unumwunden zu: Ich habe die vielen Bilder vom Fuji-san, dem Meer von Kirschblüten darunter, dem blauen Himmel darüber und der strahlend orange-roten Pagode davor für das Resultat besonders dreister Photoshop-Arbeiten, die den Fuji in die alte Kaiserstadt Kyōto transportieren, gehalten. Ist es aber nicht! Diese sicher zu den berühmtestem Image-Fotos von Japan gehörende Ansicht gibt es tatsächlich – und nicht nur, weil Instagram inzwischen Zeuge dafür ist, wie sehr eine eigentlich unschuldige Landschaft totfotografiert werden kann.

Grund genug, auf dieser Webseite einen weiten Bogen darum zu machen… Oder eben doch nicht. Ausnahmen bestätigen nämlich die Regel. Sprich: Warum soll hier nicht auch mal eines Ortes gedacht werden, den jeder kennt (oder den doch jeder zu kennen glaubt).

Schauen wir sie uns also an, die Chūreitō (忠霊塔 / ちゅうれいとう) – die Pagode, die eigentlich gar keine ist. Jeder nennt sie so – weil der Volksmund (der es ja wissen muss) auch so dazu sagt. Aber der offizielle Name des Bauwerks lautet Fujiyoshida Kenotaph Momument (富士吉田市忠霊塔 / ふじよしだしちゅうれいとう). Das pagodenförmige Bauwerk aus Stahlbeton wurde von 1959 bis 1962 hier errichtet, um der 960 Gefallenen der Kriege, in die Japan seit der Meiji Restauration (1868) verwickelt war, zu gedenken. Als Vorbild für den Bau gilt die Pagode des Shitennō-ji.

Nur die Ausmaße sind ein bisschen bescheidener: die Chūreitō hat eine Grundfläche von 7,3 qm und eine Gesamthöhe von 19,5 Metern – dabei ist die Pagode selbst 13 Meter hoch und wird von einem 6,5 Meter hohen Sōrin (相輪 / そうりん), dem antennenartigen Aufsatz von Pagoden, geziert.

Die Baukosten von knapp 10 Millionen Yen waren seinerzeit durch den Verkauf eines Veteranen-Hains und private Sammlungen erbracht worden.

Zur Pagode führen knapp 400 Stufen (es ist allerdings auch ein mehr oder minder sanft ansteigender, asphaltierter Fahrweg vorhanden) der “Blütenprinzessinnen-Treppe” (咲くや姫階段 / さくやひめかいだん) – insgesamt kann man aber auf knapp 500 Stufen die Belastbarkeit seiner Beine und seiner Lungen testen.

Fuji-san (富士山) / Chūreitō (忠霊塔)

Fuji-san (富士山) / Chūreitō (忠霊塔)

Fujiyoshida (富士吉田市 / ふじよしだし) ist eine 1951 aus dem Zusammenschluss dreier Gemeinden entstandene Kleinstadt, die auf einer Seehöhe von 650 bis 850 Metern an der Nordostflanke des Fuji-san liegt und heute knapp 48.000 Einwohner zählt. Die früher für ihre Textilindustrie bekannte Stadt ist verpartnert mit Colorado Springs in den USA (seit 1962) und Chamonix in Frankreich (seit 1978).

Wie man hinkommt:

Vom Bahnhof Shimoyoshida (下吉田駅 / しもよしだえき) ist der Aussichtspunkt im Kirschbaumhain in ca. 20 Minuten zu Fuß zu erreichen. Während des Aufstiegs kommt man auch an dem verwunschen gelegenen Arakura Fuji Sengen Schrein (新倉富士浅間神社 / あらくらふじせんげんじんじゃ), vorbei.

Adresse:

3360-1 Arakura, Fujiyoshida, Yamansashi, Mt. Arakura Sengen City Park

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6 Responses to Chūreitō (忠霊塔) (dt.)

  1. rumiko says:

    Wunderschönen Fotos!
    Hast du da am Wochenende besucht?
    Superpassende Zeit 🙂
    Wie lange hat es gedauert, vom Tokyo zu fahren?

    • Das war wirklich ein traumhafter Sonntagmorgen am vergangenen Wochenende. Eigentlich eher ungewöhnlich, dass man den Fuji zu dieser Jahreszeit noch so klar zu sehen bekommt.
      Den Bahnhof Shimoyoshida erreicht man übrigens halbwegs bequem in ca. 2 1/2 Stunden von Tokyo aus – über Takao und Umsteigen in die Fujikyu-Eisenbahn in Richtung Kawaguchiko (Fahrpreis von Shinjuku z.B. 1.900 bis 2.300 Yen). Natürlich ist der Aussichtspunkt an der “Pagode” inzwischen ziemlich überlaufen.

      • rumiko says:

        Danke schön!
        Dann kann man in Ordnung von Tokio einen eintägigen Ausflug dazu machen 🙂
        Eine Freundin von mir fliegt im Ende Oktober nach Japan und bleibt drei Wochen.
        Irgendwo um Fuji wünscht sie besuchen, für eintägigen Ausflug vom Tokio.
        Leider habe ich noch nie selber besucht also keine Information.
        Da sieht schön aus 🙂
        Hast du an den Tag außerdem auch etwas anderes besucht?

      • Ich war an diesem Wochenende mit einem Reisebus unterwegs und konnte deswegen auch noch andere Orte besuchen. Die Chureito liegt zwar sehr günstig am Bahnhof von Shimoyoshida. Allerdings ist sie als Ziel für einen Tagesausflug vielleicht ein bisschen zu wenig. Im weiteren Verlauf der Bahnstrecke kann man aber auch noch nach “Fujikyu Highland” (amusement park) und Kawaguchiko (von dort ist es weniger als 1 km zum See) fahren – damit hat man dann ein rundes Programm für einen ganzen Tag.

      • rumiko says:

        Danke!
        Ist “Reisebus” du meinst, ein Tour-Bus ?
        Wo hast du an den Tag außerdem besucht?
        Ja Kawaguchiko sieht auch schön aus.
        Von diesem Tempel einfach zum Kawaguchiko fahren zu können klingt sehr gut!
        Ich selber habe Interesse für Fujikyu Highland, aber meine Freundin mag leider keine Achterbahn 🙂

      • Ja, “Reisebus” = “Tour Bus” – ich bin hin und wieder als Reisleiter unterwegs. Fujikyu Highland finde ich auch faszinierend, aber ich glaube, die dortige Achterbahn würde ich nicht überleben….

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