Der Blumenmarkt von Ōta (大田市場の「花市場」)

Japans zentraler Großhandelsmarkt für Blumenauktionen

Ōta Flower Market (大田市場の「花市場」)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Dass Japan einen besonderen Bezug zur Natur pflegt (in den Städten drängt sich der Verdacht auf, dass man eigentlich „keinen Bezug“ schreiben müsste – was natürlich nicht stimmt), ist bekannt. Und dass Blumen im japanischen Alltag eine ganz andere Rolle spielen als beispielsweise in Deutschland, ist sicher auch kein Geheimnis (wie auch die Tatsache, dass Blumen in Japan fast unerschwinglich teuer erscheinen).

Wie auch bei Gemüse, Obst und anderen Lebensmitteln, sind die Standards auch bei Blumen extrem hoch in Japan. Makellosigkeit ist hier in erster Linie gefragt. Das Warenangebot in deutschen Supermärkten wird von Japanern oft als Zumutung empfunden. Es soll an dieser Stelle nicht über Sinn und Unsinn dieser Haltung diskutiert werden. Sie wird nur erwähnt, um zu veranschaulichen, warum in Japan ein paar Dinge nun mal ein bisschen anders sind als anderswo.

Auf dem japanischen Blumenmarkt „tummeln“ sich ungefähr 40.000 verschiedene Sorten – und jährlich kommen zwei- bis dreitausend neue hinzu. Japan werden die besten Verfahren zur Entwicklung neuer Blumenvariationen nachgesagt. Gleichzeitig ist die jahreszeitliche Einbindung von Blumen in das tägliche Leben praktisch ein Muss. Seit mehr als tausend Jahren hat Japan seinen ganz besonderen Umgang mit Blumen kultiviert – seinen Höhepunkt findet diese Kultur nicht zuletzt in der hohen Kunst des Blumensteckens, des Ikebana.

Außerdem ist Japan selbst einer der großen Blumenproduzenten der Welt. Man zählt allein ca. 60.000 Familien, die sich mit der Aufzucht von Blumen beschäftigen (viele Betriebe sind allerdings – wie auch in vielen anderen Teilen japanischer Landwirtschaft – im globalen Vergleich regelrecht winzig und nicht nur deswegen kaum konkurrenzfähig). Während noch vor wenigen Jahrzehnten der Anteil an importierten Blumen im einstelligen Prozentbereich „dümpelte“, ist die Importquote längst auf über 25% gestiegen. Damit ist Japan der drittgrößte Importeur – nach den USA und der Europäischen Union.

Der Blumenmarkt, ganz im Südosten Tōkyōs auf einer der vielen künstlichen Inseln in der Bucht von Tōkyō im Stadtteil Ōta (大田区 / おおたく) und dort in Tōkai nichōme (東海二丁目 / とうかいにちょうめ) gelegen (eröffnet im September 1990), ist der größte des Landes und, nach den beiden Blumenmärkten in Holland, der drittgrößte der Welt. Er ist, was die Logistik rund um die Blumen anbelangt, ganz bestimmt nicht der modernste, aber die Auktionen, die hier in den frühen Morgenstunden durchgeführt werden, finden in einer Atmosphäre statt, die den Unbedarften doch eher an das Kontrollzentrum in Cape Canaveral erinnern dürften, als an den Handel mit einem der schönsten Dinge, die die Natur für uns hervorbringt.

Es gibt zwei große Auktionshallen:

Eine davon wird von “Flower Auction Japan” (株式会社フラワーオークションジャパン / かぶしきがいしゃフラワーオークションジャパン), abgekürzt „FAJ“ betrieben.

Flower Auction Japan (株式会社フラワーオークションジャパン) – Auction Hall

Die andere von “Ōta Floriculture Auction Co., Ltd.” (株式会社大田花き / かぶしきがいしゃおおたかき).

Ota Floriculture Auction Co., Ltd. (株式会社大田花き) – Auction System

Und was das Schöne daran ist: Wenn man den Blumenmarkt von Ōta erst mal gefunden hat (und dieser Artikel hilft hoffentlich dabei) und die für Besucher eingerichteten Balkone und Auktionshallen ausfindig gemacht hat, steht er wirklich allen Besuchern offen. Und sie können sich in dem geschäftigen Umfeld der Blumenauktionen auch bewegen, ohne den Geschäftsbetrieb zu beeinträchtigen. Die Autionshallen stehen den Besuchern allerdings nicht regelmäßig zur Besichtigung offen. Während meines Besuches war z.B. gebeten worden, vom Besuch der “Ota Floriculture Auction” Abstand zu nehmen.

Herzstück des Blumenmarktes sind die beiden Aktionshallen und natürlich die Logistikzentren, die für den An- und Abtransport der Blumen sorgen, die in den beiden Auktionshallen gehandelt wurden:

Sie werden wahrscheinlich auch über die fast unwirklich wirkende Mischung aus Geschäftigkeit und reibungslosem, ja bisweilen fast geräuschlosem Handel staunen. Und wahrscheinlich wird Ihnen auch auffallen (was Sie aber vielleicht auch schon aus den zahllosen Blumengeschäften in Japan kennen), dass die Farb-Präferenzen der Japaner ganz anders sind als beispielsweise in Europa. Die Tendenz geht hier ganz eindeutig mehr zu pastellfarbenen Tönen.

Am Rande des eigentlichen Handelsgeschehens, bieten einige der Großhändler auch Blumengeschäfte für den “professionellen” Bedarf:

In nächster Nachbarschaft zum Blumenmarkt befindet sich übrigens auch der zweitgrößte Fischmarkt Tōkyōs, der Obstmarkt und der Gemüsemarkt.

Adresse des Blumenmarktes:

2-2-1, Tōkai, Ōta-Ku, Tōkyō 143-0001, Japan

Öffnungszeiten:

Werktags ab den frühen Morgenstunden.

Schnittblumenversteigerungen montags, mittwochs und freitags 7 Uhr bis 11 Uhr morgens.
Topfpflanzenversteigerungen dienstags und donnerstags ab 7:30 Uhr bis 9 Uhr morgens.

(Diese Zeiten sind nur ungefähre Zeiten – je nach Saison enden die Versteigerungen auch schon früher – richten Sie sich auf ca. 7:30 Uhr bis 8 Uhr ein).

Der Markt ist grundsätzlich von 5 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags geöffnet, allerdings sonntags und an ausgewählten Tagen geschlossen.

Öffnungszeiten des Besucherzentrums:
Wochentags von 9 Uhr bis 12 Uhr und von 13 Uhr bis 16 Uhr (samstags, sonn- und feiertags geschlossen)

Wie man hinkommt:

Nehmen Sie am besten die Tōkyō Monorail (東京モノレール / とうきょうモノレール) nach „Ryūtsū Center“ (流通センター / りゅうつうセンター) („Verteilzentrum“). Nach dem Verlassen der Bahnstation halten Sie sich nach rechts und überqueren Sie mit der Kannana Dōri (環七通り / かんななどおり) den Wasserarm in östlicher Richtung und biegen Sie nach der Brücke gleich wieder nach rechts in südlicher Richtung ab. Das Gebäude des Blumenmarktes ist an dem Blumenemblem auf dem Dach zu erkennen (Gehzeit insgesamt ca. 10 Minuten).

An der Station „Ryūtsū Center“ stehen meist auch Taxis bereit (links neben dem Ausgang der Bahnstation). Sagen Sie dem Taxifahrer:
「大田市場の”花市場”」 / 「おおたしじょうの”はないちば」/ Ōta shijō no hana ichiba

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One Response to Der Blumenmarkt von Ōta (大田市場の「花市場」)

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