Hinweis: Neue Ausstellung im Yamatane Kunstmuseum (山種美術館)

Eine Welt voller Blumen – von der Rimpa-Schule zu zeitgenössischer Kunst

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Vögel und Blumen der vier Jahreszeiten, Farbe auf blattvergoldetem Papier, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Aufmerksame Leser meiner Artikel erinnern sich vielleicht an eine großartige Ausstellung, über die zu berichten ich im Oktober vergangenen Jahres das Vergnügen hatte. Seinerzeit beging das Yamatane Kunstmuseum seinen 50. Gründungstag mit der Ausstellung:

“Die Zerstörung und Erschaffung von Nihonga – Hayami Gyoshū: Eine Retrospektive” (速水御舟の全貎 -日本画の破壊と創造)

Vom 22. April 2017 bis zum 18. Juni 2017 bietet das Museum eine weitere Ausstellung seiner einmaligen Sammlungen: Eine Welt voller Blumen – von der Rimpa-Schule zu zeitgenössischer Kunst.

Dank des Yamatane Kunstmuseums, bin ich in der Lage, Ihnen hier ein paar der Höhepunkte der Ausstellung im Detail vorzustellen (klicken Sie die in diesem Artikel veröffentlichten Bilder an, um sie zu vergrößern und die feinen Details zu genießen).

Diese Ausstellung widmet sich ganz der Faszination der Japaner für den Wechsel der Jahreszeiten – die hier ihren Ausdruck in einem bunten Reigen an Blüten, Blumen und den Segnungen der Natur findet. Sie führt den Besucher von der eleganten Welt der Blumen, wie sie Hōitsu Sakai so eindrucksvoll festgehalten hat, zur lebendigen Wiedergabe prächtiger Farben, die uns Kiitsu Suzuki beschert hat – auch nach Jahrhunderten vermögen es diese Kunstwerke aus der Rimpa-Schule, uns mit ihrem Farb- und Detailreichtum zu erstaunen.

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一) (1761 – 1828):
Der Mond und Pflaumenbäume, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一): Der Mond und Pflaumenbäume, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Ein roter Pflaumenbaum windet sich um die langen Zweige eines Pflaumenbaums mit weißen Blüten, während der Vollmond zwischen ihren oberen Zweigen durchscheint. Die Kombination von Mond und Pflaumenblüte war eines der beliebtesten Themen von Hōitsu. Mehrere solche Werke, basierend auf schwarzer Tusche (wie hier), aber auch andere Kompositionen sind bekannt. Um den Mond darzustellen, benutzte er eine besondere Technik, die sich Sotoguma-Tintenmalerei nennt. Hierbei wird die Goldfarbe (金泥 / きんでい) nicht benutzt, um die Fläche des Mondes selbst darzustellen, sondern seinen Hintergrund. Durch die sehr feine Anwendung der Goldfarbe wird deutlich, dass Hōitsus Anliegen es war, das Mondlicht als ein nur schwaches Leuchten darzustellen.

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一) (1761 – 1828):
Chrysanthemen mit Vogel, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Hōitsu Sakai ( 酒井 抱一): Chrysanthemen mit Vogel, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Hōitsu war in seinen Sechzigern, als er eine Reihe von Gemälden mit Vögeln und Blumen für die zwölf Monate des Jahres schuf, die auf den Gedichten des berühmten Dichters der frühen Kamakura-Zeit, Fujiwara no Teika (藤原定家 / ふじわらのたいか), basierten. Kameda Ryōrai (亀田 綾瀬 / かめだ りょうらい), ein Gelehrter der chinesisch-konfuzianischer Klassiker, lieferte die Inschrift für eine Reihe dieser Gemälde, von denen das Yamatane Kunstmuseum zwei besitzt. Das September-Bild zeigt Chrysanthemen, ein Thema, das mit dem Chrysanthemen-Festival verbunden ist. Das Chrysanthemen-Fest ist eines der fünf saisonalen Feste, das am neunten Tag des neunten Monats nach dem alten Mondkalender begangen wird. Hier sind die Chrysanthemen mit einem Blauschwanz (Tarsiger Cyanurus) zu sehen, der seine weiße Brust zeigt.

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一) (1796–1858):
Pfingstrosen, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 1851, Yamatane Kunstmuseum

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Pfingstrosen, Farbe auf Seide, Edo-Zeit, 1851, Yamatane Kunstmuseum

Dieses Gemälde zeigt drei Farben von Pfingstrosenblüten in all ihrer Pracht. Anders als im charakteristischen Rimpa-Stil mit seinen vereinfachten Blütenblättern und den mit Tarashikomi-Technik (溜し込み / たらしこみ) mehrfach übermalten Flächen der Stiele, sehen wir hier eine besonders sorgfältige Darstellung feiner Details, die an den Stil chinesischer Hofmalerei erinnert. Als eines der wenigen erhaltenen Werke Kiitsus, die mit einem Datum versehen sind, ist es von besonderem Wert.

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一) (1796–1858):
Vögel und Blumen der vier Jahreszeiten, Farbe auf blattvergoldetem Papier, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Vögel und Blumen der vier Jahreszeiten, Farbe auf blattvergoldetem Papier, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Kiitsu Suzuki (鈴木 其一): Vögel und Blumen der vier Jahreszeiten, Farbe auf blattvergoldetem Papier, Edo-Zeit, 19. Jahrhundert, Yamatane Kunstmuseum

Anstatt eines Baumes oder Ästen, sehen wir auf diesem Wandschrim (oben) Rapsblüten, Veilchen, Löwenzahn, Sonnenblumen, Winden und andere Frühlings- und Sommerblumen mit ein paar Hühnern und ihren Küken. Und untere Wandschirm zeigt ein reiches Bouquet von Chrysanthemen, Pimpernelle, Chinaschilf (Miscanthus sinensis), Geißblatt (Patrinia scabiosifolia), Narzissen und anderen Pflanzen, die mit Herbst und Winter im Zusammenhang stehen – hier mit ein paar Mandarin-Enten. Während das Thema die vier Jahreszeiten sind, hat Kiitsu Sommer- und Herbstpflanzen ausgewählt, die von Künstlern der Rimpa-Schule als Hauptelemente bevorzugt wurden. Die Verwendung blasser Tinte und der Tarashikomi-Technik (溜し込み / たらしこみ),  folgen dem Rimpa-Stil, wie er von Kōrin an Hōitsu und von diesem an Kiitsu weitergereicht wurde. Die lebendigen Farbkombinationen und die sehr detaillierte Darstellung der Vögel zeigen jedoch Kiitsus Gefühl für das Moderne – Klarheit und Detail sind wichtiger als Stimmung.

Chokunyū Tanomura (田能村直入), (1814–1907):
100 Blumen, Farbe auf Seide, Meiji-Zeit, 1869, Yamatane Kunstmuseum

Chokunyū Tanomura (田能村直入): 100 Blumen, Farbe auf Seide, Meiji-Zeit, 1869, Yamatane Kunstmuseum

Schauen Sie sich Chokunyū Tanomuras “100 Blumen” einmal etwas genauer an! Seine Hingabe für Details erinnert an Zeichnungen in bontanischen Lexika. Genießen Sie diesen Spaziergang durch die Blüten und Blumen eines Jahres!

Dieses grandiose Rollbild zeigt hundert saisonale Blumen und Gräser im Sesshi-Stil. Die Erläuterung am Ende der Bildrolle besagt: “Ich wurde gebeten, einhundert Blumen für den Feudalherrn zu malen, aber da ich eine ganze Reihe vergessen hatte, habe ich mich sorgfältig über die saisonalen Blumen und Gräser für diese Bildrolle schlau gemacht und füge unten ihre Namen an.” Die Technik ahmt die Blumen- und Vogelmalereien im Mokkotsu-Stil, einer Technik, in der Objekte ohne Linien gemalt werden, nach.

Taikan Yokoyama (横山大観) (1868-1958):
Berg-Kirschbäume, Farbe auf Seide, Shōwa-Zeit, 1934, Yamatane Kunstmuseum

Taikan Yokoyama (横山大観): Berg-Kirschbäume, Farbe auf Seide, Shōwa-Zeit, 1934, Yamatane Kunstmuseum

Kokei Kobayashi (小林古径) (1883-1957):
Vogel mit immergrüner Magnolie, Farbe auf Seide, Shōwa-Zeit, 1935, Yamatane Kunstmuseum

Kokei Kobayashi (小林古径): Vogel mit immergrüner Magnolie, Farbe auf Seide, Shōwa-Zeit, 1935, Yamatane Kunstmuseum

Togyū Okumura (奥村土牛) (1889-1990):
Kirschblüten am Daigo-ji, Farbe auf Papier, Shōwa-Zeit, 1972, Yamatane Kunstmuseum

Togyū Okumura (奥村土牛): Kirschblüten am Daigo-ji, Farbe auf Papier, Shōwa-Zeit, 1972, Yamatane Kunstmuseum

Dieses Gemälde zeigt die Kirschblüten am Daigo-ji-Tempels in Kyōto, die durch das üppige Gelage, das Hideyoshi Toyotomi (豊臣秀吉 / とよとみひでよし) (1537-1598) dort zum Kirschblüten-Betrachten veranstaltet hat, Berühmtheit erlangt hat. Togyū besuchte den Daigo-ji am sechsten Jahrestag des Todes seines Lehrers Kokei Kobayashi (小林古径 / こばやしこけい) und war der Meinung, dass die Trauerkirsche dort von so ausnehmender Schönheit sei, dass er sie malen wollte. Für die nach vorne weisenden Blütenblätter verwendete er mehrere Schichten dünner Farbe um so das herrliche Blütenmeer des Kirschbaumes zu erzeugen. Dieses Werk, das Togyū schuf, als er 83 Jahre alt war, verbindet Eleganz mit Ruhe und Sanftmut.

Adresse des Museums:

Yamatane Museum of Art
3-12-36 Hiro-o, Shibuya-ku
Tōkyō 150-0012

₸150-0012
東京都渋谷区広尾3-12-36
山種美術館

http://www.yamatane-museum.jp

Öffnungzeiten des Museums:

Geöffnet täglich außer montags von 10 Uhr bis 17 Uhr (letzter Einlass um 16.30 Uhr)
Fällt ein Nationalfeiertag auf Montag, bleibt das Museum stattdessen am folgenden Werktag geschlossen.
Diese Ausstellung kann vom 22. April 2017 bis zum 18. Juni 2017 besucht werden.

Eintrittsgebühr:

Für die Ausstellung “Eine Welt voller Blumen – von der Rimpa-Schule zu zeitgenössischer Kunst” (A World of Flowers – from the Rimpa School to Contemporary Art):

Erwachsene: 1.000 [800] Yen
Oberschüler und Studenten: : 800 [700] Yen
Mittelschüler und Jüngere: freier Eintritt

*Die Beträge in Klammern beziehen sich auf Gruppen von 20 und mehr Personen, Eintrittskarten aus dem Vorverkauf und Besucher in Kimono.
*Inhaber von Behindertenausweisen und je eine Begleitperson: Eintritt frei.

Wie man hinkommt:

Nehmen Sie die Bahnen von Japan Rail (JR) oder der Tōkyō Metro Hibiya-Linie nach Ebisu (恵比寿 / えびす) und halten Sie sich von dort in östlicher Richtung, um zur Meiji Dōri (明治通り / めいじどおり) zu gelangen. Überqueren Sie die Meiji Dōri in nordöstlicher Richtung und folgen Sie der rechten Straßenseite einige hundert Meter (sie kommen dabei am “Ebisu Prime Square” und dem eindrucksvollen Gebäude der “Papas Company” vorbei).

Und weil wir alle ja zivilisierte Zeitgenossen und -innen sein möchten, hier gleich noch ein paar Regeln, die beim Besuch des Museums zu beachten sind:

  • Berühren Sie die Ausstellungsstücke und Schaukästen nicht.
  • Halten Sie jüngere Kinder an der Hand.
  • Seien sie ruhig in der Galerie.
  • Rennen Sie in der Galerie nicht  umher.
  • Keine Fotografie, keine Videoaufnahmen, kein Kopieren der Ausstellungsstücke.
  • Wenn Sie sich in der Ausstellung Notizen machen möchten, bitte nur mit Bleistift – keine anderen Schreibwerkzeuge (Federhalter, Kugelschreiber etc.).
  • Schalten Sie Ihr Mobiltelefon in der Ausstellung aus.
  • Essen und Trinken sind in der Ausstellung nicht gestattet (das schließt auch Wasser, Süßigkeiten und Kaugummis mit ein).
  • Im Museum gilt absolutes Rauchverbot.
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  1. […] German version of this posting you can find here. Eine deutsche Version dieses Artikels finden Sie […]

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