Tottori Sand-Museum (砂の美術館) (dt.)

Eine Weltreise in Sand

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting  you can find here.

Vielleicht haben Sie schon einmal etwas von den Sanddünen von Tottori gehört (und wenn Sie noch nie davon gehört haben, dann haben Sie in meinem meiner letzten Artikel davon gelesen, als ich Kaori Mizumoris “Tottori Sakyū” erwähnte – was übersetzt nun mal “Tottori Sanddüne” heißt). Ich werde zu gegebener Zeit hiervon auch noch berichten.

Dass es gleich neben den grandiosen Sanddünen aber auch noch ein “Sand-Museum” gibt, ist wahrscheinlich eher unbekannt. Ich gebe zu: Als ich davon hörte, konnte ich mir zunächst auch nicht vorstellen, dass es sich dabei nicht um touristisches Blendwerk handeln würde. Wie sollte ich mich geirrt haben! Das Sand-Museum ist nämlich schlicht und ergreifend ein Erlebnis.

Das Sand-Museum (砂の美術館 / すなのびじゅつかん) von Tottori hat sich ein vielversprechendes Motto gegeben: “Travel Around the World in Sand”. Und diesem Motto wurde es seit seiner Gründung im Jahre 2006 (zunächst in provisorischen Gebäuden, seit 2012 in der großen Halle, die es jetzt beherbergt) auf mannigfaltige Art und Weise gerecht. In jährlich wechselnden Ausstellungen werden die unterschiedlichsten Weltgegenden in Form von aufwändigen und gleichzeitig sehr filigranen und kunstvollen Sandskulpturen dargestellt. Bisher hat man sich folgenden Themen gewidmet:

  • Italien/Renaissance (2006/2007)
  • Weltkulturerbe Asiens (2008)
  • Österreich (2009)
  • Africa (2010)
  • Vereinigtes Königreich (2012)
  • Südostasien (2013)
  • Russland (2014
  • Deutschland (2015).

Während der Zeit meines Besuches konnte noch die letzte Ausstellung besichtigt werden, die den südamerikanischen Kontinent, seine Geschichte und seine Kultur zum Hintergrund hatte (Ausstellungszeitraum: 16.4.2016 bis 3.1.2017). Und auf diese Ausstellung möchte ich hier, mich an den Original-Ausstellungsbeschreibungen orientierend, etwas näher eingehen.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Die grandiosen Skulpturen, die im Sand-Museum zu sehen sind, bestehen übrigens tatsächlich nur aus Sand und Wasser – weitere Hilfsmittel, um z.B. die Stabilität weiter zu erhöhen, kommen nicht zum Einsatz. Einen kurzen Abriss über die grundsätzlichen Verfahren können Sie dem unten stehenden Bild entnehmen.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Und wenn Sie wissen möchten, wer die Kunstwerke aus Sand geschaffen hat, hier sind alle Sandkünstler auf einem Bild versammelt:

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Aber schauen wir uns die grandiosen Ausstellungsstücke im Detail an. Klicken Sie auf die Bilder, um sie zu vergrößern und staunen Sie mit mir über die faszinierenden Details:

1) Tiere des Regenwaldes

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Das Amazonasgebiet ist Heimat des größten tropischen Regenwaldes der Erde. Über Brasilien hinaus erstreckt er sich über neun Länder und repräsentiert die Hälfte des Regenwaldbestandes der Welt. Damit ist das Amazonasbecken so reich an Grün, dass man davon ausgeht, dass allein hier ein Drittel des Sauerstoffs der Erde produziert wird. Die dicht beieinander stehenden Bäume und der feuchte Untergrund sind der perfekte Lebensraum für Tiere.
Die Wasser- und Landtiere Südamerikas haben sich im Laufe der Evolution in perfekter Weise an diese Umgebung angepasst. An der Spitze des Nahrungsmittelkette steht der Jaguar, der nicht nur sehr gewandt durch das Dickicht streifen, sondern auch auf Bäume klettern kann. Hier auch zu sehen, der Tukan, dessen wuchtiger, aber wunderschöner Schnabel auch „Juwel“ genannt wird, und der prächtige Ara. Noch immer werden im Amazonasgebiet neue Tierarten entdeckt – die Schatzkiste der Lebenwesen der Welt.

2) Die Indios an den Wasserfällen von Iguazú

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Seit meiner ersten Reise durch Südamerika gehören die Wasserfälle von Iguazú für mich zum Eindrucksvollsten, was es auf dieser Welt zu sehen gibt. Sie gelten außerdem als die größten der Welt. Hier ein Bild von meiner ersten Südamerikareise:

Iguazú Falls

Iguazú Falls

Über sie stürzen sich jede Sekunde 65.000 Tonnen Wasser in die Tiefe und sorgen für tropische Feuchte in den umgebenden Wäldern, wo Indios zusammen mit ihren Tieren und Pflanzen leben. Basierend auf dem über Jahrhunderte gesammelten Wissen, haben die Menschen ihr Leben auf verschiedenste Weise den Gefahren, die ihm aus dem Urwald drohen, angepasst. Die Hängematten die die Indios z.B. nutzen, um sich vor Insekten am Boden zu schützen, gehören zu den an die Umgebung angepassten „survival techniques“, genau wie der Einsatz ihrer Waffen, wie z.B. Pfeil und Bogen. Die einzelnen Stämme unterscheiden sich durch Nasen- und Ohrenschmuck und charakteristische Trachten. Obwohl die Jahre der Eroberung durch den Westen die indigene Bevölkerung drastisch reduziert haben, gibt es auch heute noch Stämme, die auf traditionelle Weise in den Wäldern leben. Und dabei entwickeln sie ihre eigene Kultur weiter – beeinflusst durch die üppige Natur und die prächtigen Regenbögen über den Wasserfällen von Iguazú.

3) Kaffeeanbau in Salto Ángel

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts führten die Europäer – über die Westindischen Inseln und die Karibik – Kaffee und seine Anbautechniken in Südamerika ein. Es dauerte nicht lange, bis Kaffee zu einem maßgeblichen Wirtschaftsfaktor für die Länder Südamerikas wurde. Tropische Gebiete mit regnerischen und trockenen Jahreszeiten eignen sich hervorragend für den Kaffeeanbau. So ist der Kaffee, der im Hochland angebaut wird, von einer besonders hohen Qualität. Das Guayana Hochland erstrecken sich über sechs Länder im nördlichen Teil von Südamerika. Dort ist besonders Salto Ángel in Venezuela weithin bekannt. Die Sandskulptur zeigt Arbeiter im südameikanischen Hochland mit Salto Ángel im Hintergrund.

4) Moderne Architektur in Brasilien

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

1960 wurde Brasiliens neue Hauptstadt “Brasilia” in der Wildnis des brasilianischen Hochladens gegründet. Die Idee, die basilianische Hauptstadt zu verlegen, stammte noch aus portugiesischer Kolonialzeit – aber es dauerte 200 Jahre, bis sie umgesetzt wurde. Man wollte mit dem Bau dieser neuen Stadt mit Althergebrachtem brechen und das Bild eines gänzlich neuen Brasilien schaffen. Die wichtigsten Gebäude der Stadt, wie z.B. das Gebäude des Nationalkongresses oder der Kathedrale von Brasilia wurden von Oscar Niemeyer entworfen. Charakteristisch für sein neofuturistisches Design ist die Verwendung von Kurven und geometrischen Linien. Es ist Ausdruck für den damals hoffnungsfrohen Ausblick der Menschen in eine strahlende Zukunft.

5) Machu Picchu – Stadt im Himmel

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Machu Picchu liegt auf einer Höhe von 2430 Metern auf einem Bergrücken entlang des Urubamba-Tals im Südosten von Peru. Erst der amerikanische Archäologe Hiram Bingham, der die Gegend vor 100 Jahren erforschte, wurde auf die Existenz von Machu Picchu aufmerksam (so jedenfalls die offizielle Lesart) – heute ist sie auf der ganzen Welt berühmt. Da die Stadt vom Fuß des Berges, auf dem sie liegt, unsichtbar ist, sondern nur vom Himmel aus gesehen werden kann, heißt Machu Picchu die “Stadt im Himmel”.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Es war Teil des Inka-Reiches, das in Cusco in Peru zu seiner größten Blüte kam. Die terrassierten Felder, die etwa die Hälfte der fünf Quadratkilometer großen Fläche einnehmen, wurden als landwirtschaftliche Flächen genutzt. Die Stadt selbst bestand aus etwa 200 Gebäuden: Tempel, Paläste und Wohngebäude. Da die Inka keine Schrift kannten und auch bildhafte Aufzeichnungen nicht existieren, ist es bis heute ein Rätsel, wann und aus welchem Anlass die Gebäude errichtet wurden.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Heute ist Machu Picchu einer der größten Touristenmagnete Südamerikas. 1983 wurde sowohl Machu Picchu als auch die historische Altstadt von Cusco als Weltkulturerbe anerkannt.

6) Die Stadtlandschaft Cuscos

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Cusco, die Hauptstadt des Inkareiches, liegt im Hochland auf einer Höhe von 3400 Metern und damit sogar noch einmal 1000 Meter höher als Machu Picchu. Man sagt, der Grundriss der Altstadt entspreche dem eines von oben gesehenen Pumas. Das rötliche Braun der Dächer beherrscht das ganze Stadtbild. Zusammen mit der mächtigen Stadtmauer, die während der Inka-Periode gebaut wurde, geben sie Aufschluss über die Ausdehnung der Stadt zu Inka-Zeiten.

Die Plaza de Armas (wie bei südamerikanischen Städten üblich, an einem zentralen Punkt der Stadt gelegen) und die Kirche Santo Domingo erinnern auch heute noch an die spanische Kolonialzeit.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Man geht davon aus, dass Cusco im Zentrum des Inka-Reiches von den Quechua, einem indigenenVolk der Anden gegründet wurde. Ihre charakteristischen Volkstrachten, aber auch die traditionelle Folklore-Musik der Anden ist durch das Lied “El Condor Pasa” weltweit bekannt gemacht worden.

7) Der Titicaca-See und seine Eingeborenen

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Der Titicacasee, der größte See Südamerikas, liegt an der Grenze zwischen Peru und Bolivien. Fast in der Mitte der Anden auf einer Höhe von 3812 Metern über dem Meeresspiegel, ist er auch der höchstgelegene Ort der Welt, an dem Schifffahrt vorzufinden ist. Angefangen mit der “Insel der Sonne”, die als der heilige Ursprung des Inka-Reiches verehrt wird, gibt es viele Inseln in diesem See, auf denen verschiedene ethnischen Gruppen leben. Dazu gehören auch die Uros, die auf ungewöhnlichen schwimmenden Insel aus Schilf-Bündeln wohnen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden Techniken entwickelt, die es den Menschen ermöglichten, diese Inseln durch den gezielten Anbau von im See wachsenden Pflanzen zu errichten. Das Blau des Himmels und des Sees, das Gelb der schwimmenden Inseln und fröhliche Rot und Blau der traditionellen Gewänder der Uros – sie alle bilden auch heute noch einen optischen Eindruck, den man fast ins Reich fantasievoller Gemälde verweisen möchte.

8) Die Stadt-Kathedrale von Santiago de Chile

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Die Kathedrale von Santiago de Chile ist die größte und Hauptkirche des katholischen Landes. Das stattliche, neoklassizistische Bauwerk, verschmilzt förmlich mit der historischen Altstadtkulisse um die Plaza de Armas. Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt sie mehreren baulichen Eingriffen, die aufgrund von Erdbebeneinwirkungen erforderlich wurden.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Die Skulpturen der Kathedrale, die von Säulen getragene hohe, reich verzierte Decke, haben mich bei einem Besuch im Jahre 1988 förmlich überwältigt. Gleichzeitig bietet die Stille der Kirche einen atemberaubenden Kontrast zum quirligen Leben auf der ihr vorgelagerten Plaza de Armes. Für die Chilenen ist dieser Ort wohl einer der wichtigsten.

Sie kennen Santiago de Chile und seine Kathedrale nicht? So sah das mächtige Bauwerk 1988 aus:

9) Die Entdeckung der neuen Welt

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Die Mitte des 15. Jahrhunderts markierte den Beginn des Zeitalters der Entdeckungen. Damals waren Gewürze in Europa sehr kostbar, da viele von ihnen von den Portugiesen auf dem Seewege rund um Afrika aus Asien herangeschafft werden mussten. Die Spanier kamen auf die Idee, diese Weltregion auf einer Westroute, die von Christoph Kolumbus vorgeschlagen worden war, schneller zu erreichen. Das führte bekanntlich dazu, dass er 1492 im sogenannten südamerikanischen „Westindien“ ankam – die „Neue Welt“ war entdeckt. Europa machte sich beide Teile des amerikanischen Kontinents Untertan. Man kann sagen, dass dies ein großer Wendepunkt in der Geschichte des Kontinents war, der bis dahin nur von Ureinwohnern bevölkert worden war. Bald erkundeten die Spanier den südamerikanischen Kontinent und entdeckten dabei die bis dahin unbekannten Territorien des Inkareiches.

10) Das Inka-Reich

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Ursprünglich stammten die Inkas aus einem Stamm der Quechua-Indianer um das Jahr 1200. Ihre Herrschaft dehnte sich nach und nach auf die umliegenden Länder aus, und Mitte des 15. Jahrhunderts erstreckte sich ihr Reich auf das Gebiet, das heute von Peru, Bolivien, Ecuador und Chile bedeckt wird. In dieser goldenen Zeit der Inka bestand das riesige Reich aus 80 verschiedenen Völkern und hatte eine Gesamtbevölkerung von 16 Millionen. Das Volk verehrte die Sonne, und der Kaiser, der als Inkarnation der Sonne galt, war die oberste Instanz in allen religiösen und politischen Angelegenheiten. Aber mit dem Tod Atahualpas, des 13. Kaisers, begann der Staat zu zerfallen, bis das Inka-Reich sich schließlich gänzlich auflöste.

Erst vor wenigen Jahren wurden die Zeremonien zur Anbetung des Sonnengottes als volkstümliches Fest wiederbelebt. Die Veranstaltungen versuchen, uns die Glorie und das bunte Leben im Inka-Reich vor Augen zu führen.

11) Die Suche nach Gold

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Die „Conquistadores“ im Zeitalter der Entdeckungsreisen hatten große Träume von goldenen und silbernen Schätzen, die in Seen versunken waren, von goldverzierten Gebäuden in goldenen Dörfern. Getrieben von Gefühlen der Hoffnung, aber auch der Unsicherheit traten sie ihre Entdeckungsreisen in eine unbekannte Welt an. Ihre wahren Eroberungsabsichten verheimlichend, traten die „Conquistadores“ den Indios gegenüber.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Für die Indios war diese erste Begegnung mit Menschen mit weißer Haut eine Herausforderung. Einerseits waren sie vorsichtig, andererseits auch verwirrt, weil das weiße Aussehen einem ihrer höchsten Götter ähnelte. Vor diesem Hintergrund sind die Invasionen der „Conquistadores“, die von Pizarro geführt wurden, zu verstehen. Bewaffnete spanischen Soldaten folgten, die mit ihren hoch entwickelten Feuerwaffen den Indios haushoch überlegen waren. Diese Invasion gilt besonders durch die Massaker, die von den Eroberern verübt wurden, auch heute noch als eine der schrecklichsten der Menschheitsgeschichte.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Von der Indio-Gesellschaft überlebte praktisch nichts. Andererseits bereicherte sich Spanien an den Schätzen des neuen Kontinents, blühte unter dem Einfluss des riesigen Vermögens auf und entwickelte sich zu einer Supermacht.

12) Die legendäre Stadt „El Dorado“

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Das Gerücht, dass da „ein goldenes Land auf der anderen Seite des Ozeans“ läge, zog viele Entdecker und Glücksritter an. In der Tat hat dieses Gerücht seine Wurzeln in einer geheimen Zeremonie, die bis zum 16. Jahrhundert in der Anden-Region existierte.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tief in den Anden-Tälern von Kolumbien, am Guatavita-See, bestäubte der Häuptling der Indios seinen ganzen Körper mit Goldstaub, um anschließend in den See zu steigen, um so den Göttern im Gebet Schätze darzubringen. Erzählungen von versunkenen Schätzen im See, von glitzerndem Goldstaub wurden über die Jahrhunderte mündlich weitergegeben und verwandelten sich im Laufe der Geschichte zur Sage von „El Dorado“, dem Land des sagenhaften Goldes.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Später, als die Entdecker und Eroberer aus Spanien landeten, waren sie natürlich gierig darauf, diesen Goldschatz zu heben. In ihrer Vorstellung kamen sie in eine Welt des Goldes, und der Glaube daran, hier im Nu steinreich werden zu können, hat sie selbst die beschwerlichen Steige der Anden erklimmen lassen.

Die Legende von „El Dorado“, die jeden in ihren Bann zog, ist Teil der Geschichte geworden, lebt allerdings bis heute mit ihren zahllosen Mysterien weiter.

13) Die Verbreitung des christlichen Glaubens

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Mit der Entdeckung der neuen Welt durch Kolumbus begann die alles andere als segensreiche Geschichte der Christianisierung Südamerikas. Im 15. Jahrhundert befahl der Papst in Rom, den christlichen Glauben zu verbreiten und verloren gegangene Glaubensgebiete zurückzuerobern. In der westlichen Welt jener Zeit wurden die Missionare von dem Eifer angetrieben, dass sie nicht nur das Recht hatten, ihre angebliche überlegene Zivilisation zu verbreiten, sondern sogar die Pflicht, Personen aus anderen Kulturen zu bekehren. Die Verweigerung der Bekehrung galt als Kriegserklärung, und für die indigenen Völker, die noch nicht einmal die Sprache der Missionare verstehen konnten, mussten alle Übergriffe als Eroberungen im Namen der Mission aufgefasst werden. Die Missionare rechtfertigten ihr Treiben mit der Notwendigkeit, die Lehre Christi verbreiten zu müssen und drängten gleichzeitig zur Kolonisierung als Ausdruck des Schutzes für die Eroberten. So verbreitete sich das Christentum über alle Teile des Kontinents und die Zahl der Ureinwohner sank stetig. In unseren Tagen hat die Verwestlichung Südamerikas ein fortgeschrittenes Stadium erreicht – 70 % der Menschen gelten als Christen.

14) Die Erlöser-Statue von Corcovado

Brasilien war für lange Zeit eine portugiesische Kolonie, bis es 1822 unabhängig wurde. Die Erlangung der Unabhängigkeit ist auch heute noch ein unvergessliches und stolzes Ereignis für die Menschen. Zu Erinnerung an den 100. Jahrestag der Unabhängigkeit wurde (allerdings erst im Jahre 1931) die Christus-Erlöser-Statue errichtet. Die überwiegend christliche Bevölkerung von Rio de Janeiro zeigt bis auf den heutigen Tag einen tiefen Glauben und Zuneigung für diese Statue. Ihre weit geöffneten Hände drücken die Wärme und Herzlichkeit aus, die von den Menschen auf der ganzen Erde gefühlt wird.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Diese riesige Statue schwebt in den blauen Himmel gilt vielen Menschen als ist eine große emotionale Unterstützung und wacht vom Corcovado herab über die Stadt.

15) Karneval in Rio

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Der Karneval von Rio de Janeiro in Brasilien findet jedes Jahr statt, und seine Wurzeln sollen bis ins Jahr 1723 zurückgehen. Die portugiesischen Siedler hatten aus ihrer Heimat die Tradition des Karnevals mitgebracht, die hier mit Samba-Rhythmen der schwarzen Sklavenarbeiter verschmolz. Die Samba-Parade, das wichtigste Ereignis des Karnevals, ist ein Wettbewerb, bei dem die Teams, die sich in einer Vorrunde qualifiziert haben, gegeneinander konkurrieren.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Die Tänzerinnen werden „Passista“ genannt und tragen Federkostüme, die viel nackte Haut zeigen. Da die Tänze einzelne Schaustücke sind, sind improvisatorische Talente und Ausdruckskraft Grundvoraussetzung für die Teilnahme der Tänzerinnen und Tänzer. Der bombastische und aufregende Karneval von Rio ist Ausdruck eines positiven Lebensgefühls und der Leidenschaft der Menschen. Das Fest hat sich zusammen mit Nation weiterentwickelt – nicht umsonst wurden hier 2016 die ersten Olympischen Sommerspiele auf dem südamerikanischen Kontinent ausgerichtet.

16) Monolithen – Götterstatuen in Ruinen

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Diese Götterstatue, die aus einem einzigen Stück Felsen gehauen wurde, war, obwohl sie beileibe nicht das größte Ausstellungsstück der Ausstellung war, das vielleicht eindrucksvollste für mich. Das Original dieser Götterstatue steht nämlich im Weltkulturerbe von Tiwanaku – wo ich sie vor vielen Jahren „persönlich kennenlernen“ durfte. Die Hochkultur von Tiwanaku florierte im Hochland von Bolivien nahe dem Titicaca See für mehr als 12 Jahrhunderte seit ihrer Gründung im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Die anspruchsvollen Steinbautechniken für den Bau des berühmten „Sonnentors“ und der anderen Gebäude auf dem Tempelgelände sollen die spätere Inkakultur beeinflusst haben. Die Statuen und Wände der Ruinenstadt sind mit Darstellungen von menschenähnlichen Figuren, Symbolen von Katzen, Schlangen, Condoren und geometrischen Linien überzogen. Es kann ja sein, dass die hier stehenden Monolithen den Tempel all die Jahrtausende bewacht und beschützt haben.

Zum Vergleich: Das steinerne “Original” der oben abgebildeten Sandskulptur und das im Text erwähnte “Sonnentor” von Tiwanaku (bzw. Tiahuanaku – je nachdem, welche Schreibweise des Ortsnamens Sie bevorzugen), wie ich sie auf meiner Südamerikareise 1988 gesehen habe.

17) Anden-Pfade und Natur der Anden

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Der Inka-Pfad wurde während der Zeit des Inkareiches erbaut. Beginnend in Cusco, hat er eine Gesamtlänge von über 40.000 km und erstreckt sich durch das ganze riesige Land. Er bildete ein Verkehrsnetz, das es ermöglichte, in alle Ecken Landes Anweisungen und Informationen zu übermitteln. Und da er auch der Transportweg für Waren war, er eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Reiches. Llamas, die charakteristischen Tiere der Anden, wurden für den Massentransport auf dem Inka-Pfad eingesetzt. Diese Tiere haben nicht nur unendlich viel Ausdauer, sie sind auch an den geringen Sauerstoffgehalt auf den Höhenwegen gewöhnt und können über weite Strecken große Lasten tragen. Außerdem sind die Anden der Lebensraum für verschiedene andere Tiere, wie den Anden-Kondor, den Puma oder die Anden-Bergkatze. Von diesen Tieren spielt der Kondor anscheinend auch in den lokalen Mythen eine wichtige Rolle als heiliges Tier. Man könnte ihn auch als ein Symbol für die Natur der Anden bezeichnen.

Wenn Sie diese Sandskulpturen beeindruckt haben sollten, dann bedenken Sie: Diese großartigen Kunstwerke sind in Wirklichkeit natürlich noch um ein Vielfaches eindrucksvoller. Die ersten drei Monate des Jahres werden nun benötigt, die alte Ausstellung zu entfernen und die neue aufzubauen. Sie wird unter dem Motto “United States of America” stehen und am 15. April 2017 ihre Pforten öffnen und dann bis zum 3. Januar 2018 zu sehen sein.

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Tottori Sand-Museum (鳥取砂の美術館)

Adresse des Museums:

The Sand Museum
2083-17 Yuyama, Fukube-chō
Tottori 〒689-0105

鳥取砂丘 砂の美術館
〒689-0105 鳥取県鳥取市福部町湯山

Öffnungszeiten:

Täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr (letzter Einlass: 17.30 Uhr)

Eintrittsgebühr:

Erwachsene: 600 Yen
Schüler (Grundschule bis Oberstufe): 300 Yen
(Nachlässe für Gruppen werden ebenfalls angeboten)

Wie man hinkommt:

Ich beschränke mich hier auf eine Anreise mit der Bahn – Flugreisende werden ggf. ohnehin ganz in der Nähe auf dem Flughafen von Tottori ankommen. Und diejenigen, die mit dem eigenen Wagen anreisen, werden dies sicher ohnehin mit Navigationssystem tun.

Aus der Region Hiroshima (広島)/Okayama (岡山)

Vom Bahnhof Okayama (岡山駅) nehmen Sie den “Super Inaba” Limited Express nach Tottori Station (鳥取駅) und wenden sich dort an das Tottori Sand Dunes Information Center “Sandpal”. Mit dem Taxi sind Sie aus der Stadt Tottori ungefähr 20 Minuten unterwegs.

Die Zugfahrt von Okayama dauert etwa 2 Stunden

Aus dem Keihanshin (京阪神) (Kyōto-Ōsaka-Kōbe)-Gebiet

Nehmen Sie den “Super Hakuto” Limited Express nach Tottori (鳥取) und wenden Sie sich dort an das Tottori Sand Dunes Information Center “Sandpal”. Aus der Stadt Tottori braucht ein Taxi ca. 20 Minuten.

Die Zugfahrt von Ōsaka nimmt etwa 2 Stunden und 40 Minuten in Anspruch.

Und wenn Sie an weiteren Orten und Einrichtungen in Tottori interessiert sind, schauen Sie doch auch mal hier vorbei:

Kurayoshi (倉吉)
– Die Stadt der weißen Mauern und roten Dächer

Kotoura-chō (琴浦町)
– Bayerische Stuckmeister, aufgepasst!

Tottori: Wakasa (鳥取・若桜)
– Schmuckstück, versteckt in den Bergen

Tottori Sanddünen (鳥取砂丘)
– Die Sahara, mitten in Japan?

Tottori Volkskunst-Museum (鳥取民芸美術館)
– Schauen und Staunen dank Shōya Yoshida

Advertisements

5 Responses to Tottori Sand-Museum (砂の美術館) (dt.)

  1. […] deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier. A German version of this posting you can find […]

  2. […] Tottori Sand-Museum (砂の美術館) – Eine Weltreise in Sand […]

  3. […] Tottori Sand-Museum (砂の美術館) – Eine Weltreise in Sand […]

  4. […] Tottori Sand-Museum (砂の美術館) – Eine Weltreise in Sand […]

  5. […] (鳥取砂丘 / とっとりさきゅう) gehören ganz bestimmt dazu. Und im Zusammenhang mit dem Sand-Museum von Tottori (砂の美術館 / すなのびじゅつかん) hatte ich ja auch schon auf sie […]

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: