Die ehemalige Residenz der Maeda (旧前田家本邸)

Stilvolle Schlichtheit & repräsentativer Prunk

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Maeda Residence (旧前田家本邸)

Maeda Residence (旧前田家本邸)

Die meist schon in der Meiji-Zeit (1868-1912) entstandenen westlichen Prunkvillen Tōkyōs gehören völlig zurecht zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, da sie als Repräsentanten dieser Zeit das damalige Lebensgefühl der oberen Zehntausend (d.h. in diesem Falle waren es wohl die „oberen Tausend“) verkörpern.
Als Beispiele seien hier erwähnt, die ehemalige Residenz der Familie Iwasaki (旧岩崎邸 / いわさきてい), der Gründer des Mitsubishi-Konzerns und die Villa des Toranosuke Furukawa (古河虎之助 / ふるかわとらのすけ) im gleichnamigen Garten (旧古河庭園 / きゅうふるかわていえん) – beide von dem von mir nicht sonderlich geschätzten britischen Architekten Josiah Conder gebaut. Es gab in Tōkyō natürlich noch mehrere Repräsentationsbauten dieser Art, aber der überwiegende Teil von ihnen fiel entweder dem großen Erdbeben von 1923 zum Opfer oder dem US-amerikanischen Bombardement im 2. Weltkrieg.

Ein besonders stattliches Ensemble hat (wie zum Beispiel auch das herrliche Gebäude des Teien Kunstmuseums) die Gnade gehabt, erst nach dem großen Erdbeben von 1923 errichtet worden zu sein – und dann auch noch die Heimsuchungen des letzten Weltkrieges überstanden zu haben: Die ehemalige Residenz der Maeda (旧前田家本邸 / きゅうまえだけほんてい) in Komaba (駒場 / こまば) in Tōkyōs Meguro Bezirk (目黒区 / めぐろ).

Bauherr dieser Residenz war Toshinari Maeda (前田利為 / まえだとしなり). Und sein Werdegang soll hier kurz beschrieben werden:

Er wurde am 5. Juni 1885 als fünfter Sohn eines ehemaligen Daimyō Toshiaki Maeda (前田利昭 / まえだとしあき) des Nanokaichi-Lehens (七日市藩 / なのかいちはん) – in der heutigen Präfektur Gunma (群馬県 / ぐんまけん) gelegen – geboren und gehörte damit ursprünglich einer Seitenlinie der Maeda an. Er wurde allerdings bereits im Jahre 1900 von der Hauptlinie der Maeda adoptiert, um diese als Haupterbe fortzusetzen – am 13. Juni 1900 wurde er Marquis und damit der 16. Chef des Maeda-Clans. Wie üblich in diese Kreisen, absolvierte er seinen Dienst im Oberhaus des japanischen Parlaments, während er seine Militärkarriere verfolgte. Er machte 1911 seinen Abschluss an der Militärakademie und hatte sich schon zu dieser Zeit als herausragender Student erwiesen (weswegen er u.a. mit dem „kaiserlichen Schwert“ ausgezeichnet wurde). Seine militärischen Studien setze er 1913 in Deutschland fort und ging von dort nach Großbritannien. Im August 1923 wurde er Bataillonskommandeur im 4. Regiment der kaiserlichen Garde Japans und diente von 1927 bis 1930 als Militärattaché in Großbritannien, bevor er Kommandeur des 2. Regiments der kaiserlichen Garde wurde. Später stand er der Militärakademie vor und wurde zum Generalleutnant befördert, bevor er im Januar 1939 aus seinem aktiven Dienst ausschied.
Sein Können war allerdings im pazifischen Krieg wieder gefragt, als man ihm im April 1942 die Leitung des Kriegsschauplatzes Borneo übertrug, wo er bei einem Flugzeugabsturz im September desselben Jahres ums Leben kam. Erst posthum erlangte er den Rang eines Generals.

Soviel zur Person. Den Bau seines Anwesens in Komaba, hatte er offensichtlich noch während seines Dienstes als Militärattaché in Großbritannien in Auftrag gegeben, denn der größere der beiden Gebäudekomplexe (der im westlichen Stil) wurde bereits 1929 fertiggestellt – der kleinere im japanischen Stil ein Jahr später.

Hier ein paar Kerndaten zu den Gebäuden:

Residenz im westlichen Stil:

  • Stahlbetonkonstruktion des Architekten Yasushi Tsukamoto (塚本靖 / つかもとやすし) in einer Art „Tudor-Stil“ mit drei überirdischen Stockwerken und einem Kellergeschoss.
  • Grundfläche des Gebäudes: 1.129,44 m²
  • Gesamte Wohn- und Nutzfläche: 2.930,96 m².

Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss:

Der Treppenaufgang zum Obergeschoss:

Die Räumlichkeiten im Obergeschoss:

Residenz im japanischen Stil:

  • Holzkonstruktion mit zwei oberirdischen Stockwerken und vergleichsweise hohen Räumen.
  • Grundfläche des Gebäudes: 353,89 m²
  • Gesamte Wohn- und Nutzfläche: 456,68 m²
  • Leichte Dachabdeckung aus einer Kombination aus breiten, konkaven und halb-runden, konvexen Dachpfannen und kupfernen Regenrinnen.

Die Gebäude sind auch Ausdruck des persönlichen Geschmacks Maedas, der sich in den Jahren in Großbritannien an die Vorzüge westlicher Wohnkultur gewöhnt hatte. Das zusätzliche Gebäude im japanischen Stil wurde in erster Linie zu dem Zweck errichtet, darin ausländische Ehrengäste zu bewirten und unterzubringen.

Im Hauptgebäude waren lediglich die Räume für das Dienstpersonal traditionell japanisch eingerichtet – mit Tatami ausgelegte Räume – und entsprechend schlicht.

Räume des Dienstpersonals im Obergeschoss des westlichen Hauptgebäudes:

Maeda Residence (旧前田家本邸)

Maeda Residence (旧前田家本邸)

Maeda Residence (旧前田家本邸)

Maeda Residence (旧前田家本邸)

Die Räumlichkeiten der Familie Maeda bestachen allesamt durch Großzügigkeit, hohe Decken und zweckmäßige, hochwertige und moderne Möblierung (leider sind die meisten der Möbelstücke heute nur noch auf Fotografien aus alten Tagen zu sehen), während im japanischen Gebäude auch zu Maedas Zeiten schon die Räume praktisch unmöbliert geblieben waren – wie sich das nun mal für einen reinen japanischen Wohnstil gebietet.

Ursprünglich hatte es auf dem Gelände des Parks noch weitere Gebäude sowie ein Gewächshaus gegeben, aber diese sind heute nicht mehr erhalten.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde Gebäude durch General MacArthur (der sich mit dem bescheidenen Titel „Supreme Commander for the Allied Powers“ zieren durfte) requiriert, um hier die Residenz für General Ennis Whitehead, den Kommandeur der 5. Air Force, einzurichten. Erst 1957 wurde der Komplex an den Stadtbezirk Meguro übergeben. Und heute bildet die Anlage ein überaus prächtiges Beispiel herrschaftlichen Wohnkomforts in der frühen Shōwa-Zeit (1926-1989).

Öffnungszeiten:

Täglich außer montags von 9.00 Uhr bis 16.30 Uhr (japanisches Gebäude bis 16 Uhr)
Fällt ein Feiertag auf Montag, bleibt das Gebäude stattdessen am darauffolgenden Werktag geschlossen.
Ebenfalls geschlossen während der Neujahrsfeiertage.

Bitte beachten Sie: Das große Hauptgebäude im westlichen Stil wird seit dem 1. Juli 2016 umfassenden Restaurierungsarbeiten unterzogen, die sich voraussichtlich bis September 2018 hinziehen werden. In dieser Zeit kann das Gebäude nicht betreten werden.
Die Bilder, die Sie hier sehen können, wurden knapp vier Wochen vor der Schließung gemacht – wahrscheinlich werden Sie mir zustimmen: Sooo renovierungsbedürftig sieht das Gebäude eigentlich gar nicht aus. Aber offensichtlich entsprach es eben nicht mehr den heutigen Standards für Katastrophenschutz und Verbrechensverhütung.

Wie man hinkommt:

Mit der Keiō Inokashira-Linie (京王井の頭線 / けいおういのかしらせん) nach Komaba Tōdai-Mae (駒場東大前 / こまばとうだいまえ) und von dort über den Westausgang (西口 / にしぐち) in nordwestlicher Richtung zum Komaba Park (駒場公園 / こまばこうえん).

Adresse:

4-3-55 Komaba, Meguro-ku
Tōkyō 〒153-0041

〒153-0041東京都目黒区駒場4-3-55

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