Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (dt.) (Teil 4)

Japanisches Porzellan vom Feinsten
Imari Ware – Die Pracht von Sometsuke (古伊万里 – 染付の美展)

Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Unter dem Titel “Die ersten 100 Jahre japanischen Porzellans” zeigte das Toguri Kunsmuseum (戸栗美術館 / とぐりびじゅつかん), ein privates Museum im Shōtō-Viertel von Shibuya, das im Jahre 1987 eröffnet wurde und das sich ganz auf Porzellan konzentriert, 2015 und 2016 eine Serie von vier Sonderausstellungen:

In den Teilen ein, zwei und drei meiner kleinen Serie von Artikeln über das Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館 / とぐりびじゅつかん) haben Sie bereits ein paar grundsätzliche Dinge über die Geschichte des japanischen Porzellans und das Museum als solches kennengelernt. Falls Sie hier heute zum ersten Mal sein sollten (oder falls Ihr Erinnerungsvermögen nur noch Stückwerk zutage fördert – ich habe es ja bereits einmal erwähnt: gerade beim Thema “Porzellan” wollen wir ja Bruch vermeiden…) schauen Sie sich doch auch noch einmal die vorangegangenen Artikel an:

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Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (Teil 1) (dt.)
Japanisches Porzellan vom Feinsten – Imari Ware
Der Ko-Kutani-Stil
(古九谷展)

Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (Teil 2) (dt.)
Japanisches Porzellan vom Feinsten -Imari Ware
Meisterstücke des Kakiemon- und Kinrande-Stils
(柿右衛門・古伊万里金襴手展)

Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (Teil 3) (dt.)
– Japanisches Porzellan vom Feinsten
– Meisterstücke des Nabeshima Porzellans (鍋島焼展)

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Während wir uns die letzten Mal die außergewöhnlichen Beispiele der Stile “Kakiemon” (柿右衛門), “Kinrande” (金襴手) und “Nabeshima” (鍋島) angesehen haben, können wir uns nun mit dem Beginn einer neuen Ausstellungsserie der schlichten Schönheit von “sometsuke” (染付け) hingeben. Wie Sie sich vielleicht von den vorangegangenen Ausstellungen erinnern, ist “sometsuke” einer der Stile, der schon in den frühsten Werkstücken japanischen Porzellans gefunden werden kann. Das auffälligste Kriterium des “sometsuke”-Porzellans ist das Unterglasur-Blau, das während der ersten 100 Jahre japanischer Porzellanmanufaktur weiter entwickelt und zu einer einmaligen Blüte gebracht werden konnte.

Auch diesmal ist der Artikel wieder einer privaten Besichtungstour am 6. Juni 2016 zu verdanken, die das Museum außer der Reihe angeboten hat. Sie wurde wiederum von der unvergleichlichenn Alice Gordenker – die auch maßgeblich zu den fachlichen Inhalten dieses Artikels beigetragen hat – unter Mitwirkung des Direktors des Museums, Herrn Osamu Toguri (戸栗修 / とぐりおさむ), durchgeführt.

Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Alice Gordenker

Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Alice Gordenker

Wie zuvor, lassen Sie uns erst einmal einen Blick auf ein Beispiel sehr früher japanischen Porzellanherstellung werfen. Durch den Vergleich mit diesem frühen Werkstück fällt es leichter, sich die atemberaubende Entwicklung vor Augen zu führen, die japanisches Porzellan in einer vergleichsweise kurzen Zeit genommen hat.

Und da ich nur im dritten der bisher veröffentlichten Porzellan-Artikel ein Beispiel aus den frühen Jahren (etwa ab 1610) zeige, das sogenannte oder auch “Shoki Imari” (初期伊万里 / しょきいまり), lassen Sie mich hier auf eines der Ausstellungsstücke aus der berühmten Toguri-Sammlung eingehen, das in der Ausstellung “Geschichte des Ko-Imari Porzellans” (Ausstellungsraum 3) gezeigt wurde:

#3
Schale, dekoriert mit einem Landschafts-Muster in Unterglasur-Blau

#01 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Shoki Imari (初期伊万里)

#03 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Shoki Imari (初期伊万里)

Wie Sie schon oben und in den vorangegangenen Artikeln “gelernt” haben, nennt man diese Art der blauen Farbe “sometsuke” (染付 / そめつけ), die unter der Glasur aufgebracht wird. Verglichen mit späteren Werkstücken, ist dieses hier noch recht dick und schwer und zeigt mehrere Unreinheiten. Schauen Sie sich die eindrucksvoll große Schale genauer an, und Sie werden braune Flecken in der Glasur erkennen – es handelt sich hier um Unreinheiten in den zum Einsatz gekommenen Materialien, die sich während des Brennens in rostiges Braun verwandelt haben.

Aber lassen Sie uns auch noch ein bisschen was über “sometsuke” erfahren, bevor wir uns der eigentlichen Ausstellung zuwenden:

Sometsuke ist das japanische Wort für Kobalt-basiertes Blau, das unter der Glasur aufgetragen wird. Auch Werkstücke, die auf diese Weise dekoriert wurden, nennt man “sometsuke” (染付 / そめつけ).

Man kann den Prozess der Sometsuke-Herstellung – stark vereinfacht – wie folgt beschreiben: Man formt sein Werkstück aus keramischer Grundmasse und lässt es entweder trocknen oder stellt es in ein sogenanntes “Bisquit Feuer” (Trockenprozess im Brennofen bei niedrigen Temperaturen, der das Werkstück nicht nur festigt, sondern auch für glattere Oberflächen sorgt). Danach kann das Werkstück mit einer Kobald-basierten Farbe, die  im Japanischen “gosu” (呉須) genannt wird – verziert werden. Diese Farbe sieht in diesem Zustand fast schwarz aus, verwandelt das Kobald aber im Brennofen bei Temperaturen von ca. 1.350°C in das herrliche Blau, das Sie auf den nun folgenden Schalen, Tellern und Gebrauchsgegenständen sehen werden. Wir verfolgen die Entwicklung von “sometsuke” in Japan während seiner ersten ca. 100 Jahre.

Übrigens: Sometsuke-Techniken kannte man in China bereits um das 14. Jahrhundert herum, von wo aus sie im 15. Jahrhundert nach Korea kamen.

AUSSTELLUNGSRAUM 1

#1
Wasserkrug “Mizusashi / 水指 / みずさし”, verziert mit chinesischen Löwenhunden und einem floralen Design in Unterglasur-Blau

#01 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#01 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Dieses Sometsuke-Meisterwerk stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Vier “Shishi”-Löwen (Löwen-Hunde) spielen in Pfingstrosen. Beachten Sie die feinen Linien, die wunderschönen Tönungen von hellem und dunklem Blau, die geschickte Nutzung des weißen Hintergrundes und das sehr ausgewogene Design!

#2
Schale mit abgeflachtem Rand, verziert mit einem Fächer-Muster in Unterglasur-Blau

#02 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#02 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Diese außergewöhnlich große Schale (genannt “hachi / 鉢 / はち” im Japanischen) ist ein besonders schönes Beispiel für frühes oder “Shoki Imari”. Auch wenn wir nicht genau wissen, wann das erste Porzellan in Japan hergestellt wurde, geht man heute davon aus, dass es 1616 war – also vor genau 400 Jahren. Deswegen befindet sich Arita (sozusagen der “Geburtsort” japanischen Porzellans) in diesem Jahr einem regelrechten Reigen an Festen und Veranstaltungen. Jahrhundertelang hatte Japan zuvor sein Porzellan aus China importiert. So war es auch nicht verwunderlich, dass die in China bekannten Methoden zur Porzellanherstellung auch bei den ersten “Gehversuchen” in Japan zur Anwendung kamen. Sie sehen, wie dick und leicht verzerrt diese Schale noch ist. Der Fuß ist auffallend niedrig. Bei genauem Hinsehen kann man sogar Fingerabdrücke erkennen, die unachtsame Töpfer hinterlassen haben. Die braunen Verbrennungen aufgrund nicht ganz reiner Materialien kann man ohne größere Anstrengung erkennen. Trotzdem war diese prächtige Schale natürlich ein Luxusartikel in den damaligen Zeiten, nichts was Otto Normalbürger sich hätte leisten können, gemacht für den Tisch eines Daimyo (die Fürsten des alten Japan) und seinesgleichen.

#5
Schale mit abgeflachtem Rand, dekoriert mit einem Reiher in Unterglasur-Blau

#05 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#05 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Obwohl die Herstellungstechniken noch sehr neu waren, erreichten die Töpfer auch schon in den frühen Jahren eine ganz Palette künstlerischer Ausdrucksformen, indem sie die unterschiedlichsten Methoden zur Anwendung brachten. Schauen Sie genau hin: Die Linien dieser Schale wurden auf der Töpferscheibe herausgearbeitet. Der Reiher entstand durch abschaben des Kobalt-Blau – ein Prozess, der “kaki-otoshi” (掻き落とし / かきおとし) genannt wird.

#7
Wasserkrug, “Mizusashi / 水指 / みずさし”, verziert mit Blumen- und Schmetterlings-Muster in Unterglasur-Blau

#07 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#07 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Hier haben wir noch einmal ein schönes Beispiel für die “kaki-otoshi” (掻き落とし / かきおとし)-Technik. Lassen Sie sich nicht von der obenstehenden Beschriftung verwirren, wo von “kugibori” (釘彫り / くぎぼり) gesprochen wird – das ist nur ein anderer Name für das gleiche Verfahren. Die weißen Linien, die die Adern des Blattes darstellen, wurden gezogen, nachdem das “sometsuke” aufgetragen wurde und bevor es die klare Überglasur erhielt.

#8
Flasche, dekoriert mit einem Kamelien-Muster in Unterglasur-Blau

#08 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#08 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#9
Schale, verziert mit dem Muster aus Kiefern, Bambus und Pflaume in Unterglasur Blau

#09 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#09 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#10
Schale mit blattförmigem Rand, verziert mit einer Landschaft in Unterglasur-Blau

#10 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#10 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#11
Schale, verziert mit einer Landschaft mit Pavillon in Unterglasur-Blau

#11 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#11 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#14
Schalen, verziert mit Wachteln und Schachtelhalm in Unterglasur-Blau

#14 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#14 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#15
Rechteckige Schale, verziert mit Fischen in einem Fluss mit Strudel in Unterglasur-Blau

#15 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#15 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#17
Schale in der Form einen Pfeilblattes, dekoriert mit Unterglasur-Blau

#17 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#17 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Die Färbetechnik, die hier zu sehen ist, nennt man “sumihajiki” (墨弾き / すみはじき), eine Farb-Abweise-Technik, bei der Teile des Musters mit einer speziellen Tinte gemalt werden, die während des Brennvorgangs rückstandslos verbrennen und so besonders feine Linien zwischen dem Kobaltblau lassen. Bei dieser Technik handelt es sich um eine japanische “Entwicklung”, die man zuvor in China nicht gekannt hatte.

#23
Schalen mit blattförmigem Rand, dekoriert mit Blumen und Blauglockenbaum in Unterglasur-Blau

#23 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#23 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#24
Achteckige Schalen, verziert mit einem Blumenmuster in Unterglasur-Blau

#24 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#24 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#27
Flasche, verziert mit einem Schnörkelmuster in Unterglasur-Blau

#27 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#27 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#28
Schale mit Haltebügel, verziert mit einem Netzmuster in Unterglasur-Blau

#28 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#28 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#30
Kalebassen-förmige Gießkanne mit Griff, verziert mit einem floralen Muster in Unterglasur-Blau

#30 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#30 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#32
Eckige Flasche, dekoriert mit einem Blumen- und Vogel-Muster in Unterglasur-Blau

#32 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#32 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#34
Schale im “Karacken”-Stil, verziert mit einem Blumen- und Vogel-Muster in Unterglasur-Blau

#34 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#34 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Dieses Ausstellungsstück ist seinerzeit mit sehr großer Sicherheit für den Export hergestellt worden, da die Initialen in der Mitte auf eine Verwendung durch die holländische Ostindien-Company nahelegen.

AUSSTELLUNGSRAUM 2

#41
Schale, verziert mit eingeschneitem Reisig-Zaun in Unterglasur-Blau

#41 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#41 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#43
Fächerförmige Schalen, verziert mit eingeschneitem Reisig-Zaun in Unterglasur-Blau

#43 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#43 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#45
Unregelmäßig geformte Schüsseln, dekoriert mit einem Granatapfel-Muster in Unterglasur-Blau

#45 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#45 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#46
Schale mit blattförmigem Rand, verziert mit einem Muschel- und Blumen-Muster in Unterglasur-Blau

#46 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#46 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#47
Schüsseln, verziert mit einem Schneeflocken-Muster in Unterglasur-Blau

#47 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#47 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#51
Schale mit blattförmigem Rand, verziert mit einem Schwertlilien- und Poesie-Papier-Muster in Unterglasur-Blau

#51 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#51 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#53
Schale mit abgeflachtem Rand, dekoriert mit Gras und Reiher in aufgesprühtem Blau und Weiß

#53 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#53 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Die Glasiertechnik, die hier zu sehen ist, nennt sich “fukizumi” (吹墨 / ふきずみ). Das Kobaltblau wird hierbei auf die Oberfläche des rohen Werkstücks gesprüht, oftmals um eine Schablone, wodurch die erstaunlichsten Formen und Schattierungen entstehen – wie man an diesem Ausstellungsstück besonders gut erkennen kann.

#56
Becher, verziert mit einem Weiden- und Karo-Muster in Unterglasur-Blau

#56 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#56 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#57
Achteckige Schüsseln, verziert mit Chrysanthemen in Unterglasur-Blau

#57 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#57 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Schauen Sie auch weiter unter: Eine dieser kostbaren Schüsseln wurde am Ende der Führung aus der behüteten Sicherheit des Lagers geholt, auf dass wir sie “begreifen”, sprich: betasten konnten.

#65
Seladon-Schale, dekoriert mit Pflaumen-Muster in Unterglasur-Blau

#65 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#65 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Die besonders elegante Seladon-Glasur, die Sie bei diesem und den nächsten Ausstellungsstücken sehen können, wird im Japanischen “seiji” (青磁 / せいじ) genannt. Auch ein Zeichen dafür, dass Japaner eine etwas andere (oder: ambivalente) Auffassung von Blau oder Grün haben.

#66
Seladon-Schalen in Schiffsform, verziert mit einem Wellenmuster in Unterglasur-Blau

#66 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#66 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#67
Seladon-Schüssel, verziert mit Blumen-Muster in Unterglasur-Blau

#67 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#67 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Mit dieser Schüssel hat es eine besonders Bewandtnis: Eine Nachbildung dieser Schüssel, hergestellt von Kimimori Nakamura (中村公法 / なかむらきみのり), kann im Toguri Kunstmuseum käuflich erstanden werden – für nur 8.000 Yen (was praktisch nichts ist, vergleichen mit dem, was für das unbezahlbare Original hingelegt werden müsste). Und so hübsch und perfekt sieht das Replikat aus:

#68
Schale mit abgeflachtem Rand und einem Chintz-Muster in Unterglasur-Blau

#68 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#68 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#69
Blattförmige Seladon-Schale mit drei Füßen, verziert mit einem Vogel- und Kiefern-Muster in Unterglasur-Blau

#69 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#69 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#70
Schale mit abgeflachtem Rand, dekoriert mit einem Gras- und Insekten-Muster in Unterglasur-Blau und Unterglasur-Rot

#70 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#70 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

#71
Schale mit abgeflachtem Rand, dekoriert mit einem Blumen- und Schmetterling-Muster in Unterglasur-Blau und Unterglasur-Rot

#71 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

#71 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Es gibt noch ein besonders interessantes Ausstellungsstück, das Sie sich etwas genauer anschauen sollten, weil es den Prozess der Porzellanherstellung recht anschaulich dokumentiert. Die prächtige Schale wurde von Kimimori Nakamura (中村公法 / なかむらきみのり) im Jahre 1997 hergestellt, dem Meister-Töpfer, der auch das Replikat des Ausstellungsstücks Nr. 67 geschaffen hat.

Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Sometsuke (染付)

Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Sometsuke (染付)

Diese Schale macht es noch einmal deutlich: Altes Sometsuke ist ein Juwel, aber die Tradition dieser Kunst lebt weiter und erfährt auch heute noch eine fortschreitende Verfeinerung.

Zu den Höhepunkten dieses Museumsbesuches gehörte auch wieder die Möglichkeit, einige der wertvollen Exponate aus der Edo-Zeit nicht nur von Nahem betrachten und fotografieren zu dürfen, sondern sie auch “begreifen” zu können. Das Ertasten der Oberflächen und Abwiegen des Gewichts solcher alten Werkstücke ist besonders eindrucksvoll, weil diese erst bei Berührung ihre kleinen Unebenheiten im Basismaterial und der Emaillierung  offenbaren. Aber auch die Strukturen, die durch das Auftragen von Farben und Emaille hervorgerufen werden, eröffnen sich erst beim “Befühlen”. Leider bieten sich einem solche Möglichkeiten nicht jeden Tag – aber das Museum ist natürlich auch ohne sie mehr als einfach nur einen Besuch wert.

Und falls diese Bilder Ihr Interesse an japanischen Porzellan wachgerufen haben sollten, freuen Sie sich auf die kommenden Ausstellungen im Toguri Kunstmuseum:

Imari Ware: Karakusa Design
(2. Juli – 22. September 2016)

The Toguri Collection: The Original Exhibition
(4. Oktober – 23. Dezember 2016)

Adresse:

戸栗美術館
〒150-0046
東京都渋谷区松濤1-11-3

Toguri Bijutsukan (Toguri Kunstmuseum)
1-11-3 Shōtō, Shibuya-ku
Tōkyō 150-0046

Der Facebookauftritt des Museums:

Der Internetauftritt des Museums:
http://www.toguri-museum.or.jp/english/

Öffnungszeiten:

Täglich (außer montags) von 10 Uhr bis 17 Uhr (letzter Einlass um 16.30 Uhr).
Fällt ein Feiertag auf Montag, bleibt das Museum stattdessen am darauffolgenden Werktag geschlossen. Ebenfalls geschlossen während der Neujahrsfeiertage und während des Wechsels von Ausstellungen.

Eintrittsgebühr:

Erwachsene: 1.000 Yen
Oberschüler und Studenten: 700 Yen
Grund- und Mittelschüler: 400 Yen
Für Gruppen von 20 und mehr Besuchern wird ein Nachlass von 200 Yen pro Person gewährt.

Wie man hinkommt:

Es ist wahrscheinlich am einfachsten, das Museum vom Bahnhof von Shibuya aus anzusteuern. Dort halten mehrere Eisenbahn- und U-Bahnlinien.
Nehmen Sie den “Hachikō Ausgang“ (ハチ公口 / あちこうぐち), überqueren Sie die berühmte “Wimmel-Kreuzung” (スクランブル交差点 / すくらんぶるこうさてん) und halten Sie dann weiter in nördlicher Richtung auf das ebenfalls berühmte Kaufhaus “109“ zu, das sie an Ihrer linken Seite zurücklassen und sich weiter auf das “Bunkamura“ (文化村 / ぶんかむら) zu bewegen. Laufen Sie an der Südseite des Bunkamura vorbei und biegen Sie an seiner Südwest-Ecke nach rechts ab. Das Museum befindet sich in einem leicht bergauf liegenden Wohnviertel. Vom Bahnhof von Shibuya sollten Sie mindestens 15 Minuten Gehzeit kalkulieren.

One Response to Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (dt.) (Teil 4)

  1. […] deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier. A German version of this posting you can find […]

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