Der Friedhof von Aoyama (青山霊園)

Die letzte Ruhestätte der Deutschen

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Von diesem Artikel ist bisher nur eine deutsche Version vorgesehen.
For the time being there will only be a German version of this posting.

Natürlich will ich hier nicht den Eindruck erwecken, als fände der Friedhof von Aoyama (青山霊園 / あおやまれいえん) seine ganze Bestimmung darin, Deutschen ihre letzte Ruhestätte zu bescheren (in Wirklichkeit ist der Abschnitt, in dem Ausländer beigesetzt wurden, winzig – und keineswegs nur Deutschen vorbehalten).

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Aber wenn man unbedarft über einen japanischen Friedhof läuft und dort „zufällig“ auf deutsche Namen stößt, ist man vielleicht zunächst einmal ein bisschen verwundert. Dabei sind die Einrichtung dieses großen, öffentlichen Friedhofs und die dortige Beisetzung von Ausländern zwei „Elemente“, die durchaus einen kausalen Zusammenhang haben.

Bis in die Edo-Zeit(1603-1868) oblag es ausschließlich den buddhistischen Tempeln (ggf. auch shintōistischen Schreinen), Beisetzungsriten und das Einrichten von Gedenkstätten für die Toten in ihrem „Serviceportfolio“ zu führen. In der Meiji-Zeit (1868-1912), als Japan eine umfassende Modernisierung durchmachte, gehörte auch das “Friedhofswesen” zu den Bereichen des öffentlichen Lebens (na ja, bei “Friedhöfen” von “Leben” zu sprechen, ist vielleicht ein bisschen gewagt), die einer Neuordnung unterworfen wurden.

Zum Friedhof als solchem:

Mit seinen knapp 264.000 qm (Nord-Süd-Ausdehnung: 750 Meter) ist er nebenher auch eine der großen Grünflächen in der Innenstadt Tōkyōs. Ursprünglich gehörten Grund und Boden dem Aoyama-Klan (青山氏 / あおやまうじ) aus der heutigen Präfektur Gunma (群馬県 / ぐんまけん) in Zentraljapan, dessen Besitz aber nach der Meiji Restauration (wie anderer feudaler Besitz) konfiziert wurde. Zunächst als shintōistischer Friedhof genutzt, wurde das Areal im September 1874 als erster öffentlicher Friedhof der Stadt eingerichtet.

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Erwähnt werden soll vielleicht auch, dass sich auf dem Friedhof von Aoyama das Grab eines ganz berühmten Hundes befindet: Das von „Hachiko“, dem treuen Hund, dessen Statue heutzutage am Bahnhof von Shibuya einer der Haupttreffpunkte für jung und alt (mehr für jung als für alt) der Stadt ist.

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Aber es geht uns heute nicht um den Aoyama-Klan und schon gar nicht um Hunde, sondern um die Deutschen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Die Tatsache, dass die Gräber auch nach weit über 100 Jahren entweder wohlgepflegt oder doch zumindest unangetastet geblieben sind, spricht natürlich in einer Stadt, die in jedweder Hinsicht aus den Nähten platzt (und da macht der Platz auf Friedhöfen keine Ausnahme), Bände.

Aoyama Friedhof (青山霊園) - Ausländerverzeichnis (nicht vollständig)

Aoyama Friedhof (青山霊園) – Ausländerverzeichnis (nicht vollständig)

Um jeglichen Zweifel an der Wertschätzung der hier Beigesetzten aus dem Weg zu räumen, hat der damalige Gouverneur von Tōkyō, Shintaro Ishihara (石原慎太郎 / いしはらしんたろう) im März 2007 einen großen Gedenkstein am Zugang zur Ausländersektion anbringen lassen.

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Auf wen müssen wir uns also gefasst machen, wenn wir den Friedhof durchschlendern (was übrigens nicht nur zur Zeit der Kirschblüte ein gar nicht mal so morbides Vergnügen ist)?
(Die nun folgende Auflistung ist übrigens weder komplett noch in allen Einzelheiten verifzierbar.)

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Aoyama Friedhof (青山霊園)

Wilhelm Heise

Der am 27. Juli 1846 in Hamburg geborene Georg Heinrich Wilhelm Heise war ein deutscher Ingenieur der von 1871 bis zu seinem Tode als einer der vielen „Kontraktausländer“ (御雇い外国人 / おやといがいこくじん) in Japan beschäftigt war, die das junge Kaiserreich aus aller Welt eingeladen hatte, um sich von ihnen bei der Modernisierung des Landes helfen zu lassen. Das größte Kontingent dieser „Kontraktausländer“ wurde zwar aus England und Frankreich rekrutiert, dennoch hatten die vergleichsweise wenigen Vertreter Deutschlands einen besonders nachhaltigen Einfluss auf die Neuausrichtung des Landes und dessen Organisation.

Zunächst hatte sich Heise mit dem Aufbau der Kaga Eisenwerke (加州兵庫製鉄所 / かしゅうひょうごせいてつしょう) in Kōbe (神戸 / こうべ) zu befassen. Vom Frühjahr 1876 bis Sommer 1877 vertrat er, während dieser sich mit der Vorbereitung der japanischen Teilnahme an der Weltausstellung in Philadelphia zu beschäftigen hatten, Gottfried Wagener (auf ihn kommen wir gleich auch noch zu sprechen) als Lehrer im Kaiseijo (開成所 / かいせいじょ), dem Vorläufer der renomierten Tōkyō Universität. Danach widmete er sich wieder den Eisenwerken in Kōbe, wo er ebenfalls als Dozent tätig war.

Als auch heute noch sichtbares Zeugnis seines Schaffens, ist die eiserne der beiden Brücken (Nijūbashi / 二重橋 / にじゅうばし) (siehe oben) zu nennen, die den wohl schmückendsten und berühmtesten Zugang zu den inneren Bereichen des Kaiserpalastes in Tōkyō bilden – und zu den meistfotografierten Brücken dieser Welt zählen dürften. Um es ganz exakt zu benennen: Die “Eiserne Brücke” am Haupttor des Kaiserpalastes, die auf den schönen Namen “Seimon Tetsubashi” (正門鉄橋 / せいもんてつばし) hört (also: Haupttor-Eisenbrücke), sieht man erst richtig, wenn man bis ganz nach oben zu ihrer steinernen Schwester, der “Seimon Ishibashi” (正門石橋 / せいもんいしばし) (also: Haupttor-Steinbrücke), läuft.

Am 24. April 1895 erlag Heise mit nicht mal 48 Jahren einer Lungenentzündung und wurde auf dem Friedhof von Aoyama beigesetzt.

Ich gebe zu, dass die Beschriftung des Grabsteins etwas verwirrend ist: Auf der Vorderseite wird behauptet, er sei am 23. April 1895 gestorben, die japanische Rückseite des Grabsteins mit dem deutschen Zusatz “Errichtet von seinen Freunden” nennt als Sterbedatum den 23. April 1896 (明治廿九年四月廿三日没). Die japanische Gravur ist aber ganz offensichtlich ein Schreibfehler. Warum auf dem Grabstein der 24. April 1895 als Todestag genannt wird, in der Sterbeurkunde aber der 24. April 1895 steht, ist wohl ein noch ungeklärtes Mirakel.

Gottfried Wagener

Seinen Namen habe ich oben ja bereits erwähnt. Gottfried Wagener wurde am 5. Juli 1831 in Hannover geboren. Nach seinem Mathematik-, Physik-, Mechanik- und Chemiestudium in Göttingen, legte er das Oberlehrerexamen ab. Er beschäftigte sich u.a. auch mit Grundlagenforschung der Seismologie – was allein ihn sicher schon für Japan prädestiniert hätte.

Nach beruflichen Einsätzen in Frankreich und der Schweiz, gelangte er auf Betreiben des Bruders des Firmeninhabers eines US-amerikanischen Handelshauses nach Japan. Nachdem dessen Plan, in Japan eine Seidenfabrik zu errichten, fehlgeschlagen war, durfte Wagener sich um die Porzellanherstellung in Arita verdient machen (schauen Sie sich in diesem Zusammenhang die drei Artikel über das Toguri Kunstmuseum an), als er im Auftrag des dortigen Gouverneurs den ersten mit Steinkohle befeuerten Brennofen baute.

Seit Ende 1870 unterrichtete er Mathematik, Naturwissenschaften und Deutsch am Kaiseijo (開成所 / かいせいじょ) / der Kaisei-Schule ( 開成学校/ かいせいがっこう), aus dem/der später die berühmte Tōkyō Universität (東京大学 / とうきょうだいがく) hervorgegangen ist. Schließlich wurde er 1882 als Dozent an die Kaiserliche Universität berufen. Seinem eigentlichen „Steckenpferd“, der Keramik, konnte er sich ab 1884 an der Kunst- und Gewerbeschule in Tōkyō wieder eingehender widmen. U.a. verdankt Japan ihm damals bahnbrechende Verfahren für Unterglasung-Malerei.

Wie bereits angedeutet, war er als Beauftragter der japanischen Regierung für die Repräsentation des Landes auf Weltausstellungen (1873 in Wien und 1876 in Philadelphia) tätig. Und natürlich war und ist er auch in der von mir ganz besonders geschätzten Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG), der er von 1883 bis 1886 vorsaß, eine Größe. Ihm zu Ehren wurden u.a. auch Kyōto und Tōkyō Ehrenmale errichtet.

Am 8. November 1892 verstarb Gottfried Wagener im Alter von nur 61 Jahren.

Udo Eggert

Der am 19. Juni 1848 im thüringischen Alkersleben geborene Udo Eggert war 1885 als Dozent für Staatsrecht und Finanzwesen an die Universität Göttingen berufen worden.

Gerade mal ein Jahr später willigte er in einen Vertrag als „Kontraktausländer“ (御雇い外国人 / おやといがいこくじん) mit dem japanischen Ministerium für Erziehungen ein und kam im Februar 1887 mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Japan, wo er bis 1893 an der gerade erst im Jahr davor eröffneten (eigentlich: in die als solche umbenannten) Kaiserlichen Universität Tōkyō (帝国大学 / ていこくだいがく) unterrichtete und gleichzeitig den Ministerien als Berater in Finanz- und Landwirtschaftsfragen zur Verfügung stand.

Er gilt heute als der Vater des japanischen Genossenschaftswesens.

Aoyama Friedhof (青山霊園), Udo Eggert

Aoyama Friedhof (青山霊園), Udo Eggert

Ziemlich tragisch: Kurz bevor seine Rückkehr nach Deutschland anstand, starb Eggert am 1. März 1893, gerade mal 44 Jahre alt, in Kamakura an Typhus. Seine letzte Ruhestätte fand er hier, auf dem Friedhof von Aoyama. Seine Familie kehrte nach seinem Tode nach Deutschland zurück.

Emil Nissle

Über den am 28. Oktober 1856 geborenen und am 2. Januar 1903 verstorbenen Emil Nissle konnte ich immerhin herausfinden, dass er sich am 16.12.1888 in Hamburg mit der „Iphigenia“ der Deutschen Dampfschiffs-Rhederei mit dem Ziel Fernost eingeschifft hat. Es sieht also so aus, als habe er 15 Jahre in Japan verbracht.

Cäsar Junghenn

Von dem am 1. Februar 1853 in Hanau (Hessen) geborene Cäsar Junghenn, einem Kaufmann, der (wahrscheinlich) aus Toungoo im damaligen Birma, dem heutigen Myanmar nach Japan gekommen war, weiß man immerhin, dass er am 19. Mai 1904 allhier gestorben ist.

Hazama Johannes Matsuno

Ich führe den am 20. April 1846 (andere Quellen nennen das Jahr 1847 bzw. den 13. April 1846 – aber ich gehe mal davon aus, dass die Inschrift auf dem Grabstein stimmt) geborenen und am 12. Mai 1908 verstorbenen Herrn Matsuno, den „Vater der Baumkunde Japans“, hier nicht auf, weil – dem zweiten Vornamen zum Trotz – er Deutscher wäre (er war selbstverständlich Japaner), sondern weil uns seine Grabinschrift „über zwei Ecken“ zu Clara Zitelmann bringt, die Gattin von Hazama Johannes Matsuno (eigentlich: Hazama Ōno – sein „neuer“ Name entstand aus dem Namen seines Schwagers, Nagamatsu, und seinem eigenen Namen, Ōno – die damaligen Zeiten müssen goldene Zeiten für Geldwäscher gewesen sein…). Die beiden hatten sich in Deutschland kennengelernt, als Matsuno den Prinzen Yoshihisa Kitashirakawa (北白川宮能久親王 / きたしらかわのみや よしひさ しんのう) auf einer Studienreise nach Berlin begleitete.

Matsuno und Zitelmann heirateten 1876 in Tōkyō – ihre gemeinsame, 1901 verstorbene Tochter, Fri(e)da Fume Ohly (sie war mit dem deutschen Kaufmann in Tōkyō, Richard Nikolaus Ohly, verheiratet gewesen), ist neben ihrem Vater beigesetzt. Ihre Ehe soll übrigens die erste internationale Heirat zwischen einem Japaner und einer Deutschen gewesen sein. Clara wurde mit der Heirat eingebürgert.

Aber zurück zu Clara Matsuno (松野クララ / まつのくらら), geb. Zitelmann:
Die als Clara Louise Zitelmann am 2. August 1853 geborene Deutsche gilt als Pionierin des japanischen Kindergartensystems. Wenn japanische Kindergartenkinder auch heute noch in große Steh-Wagen durch die Gegend gefahren werde und das in unseren Augen sehr anachronistisch erscheint, haben wir dies Frau Matsuno zu verdanken – und dem japanischen Beharrungswillen (der oftmals stärker ausgeprägt ist, als die Freude an der Veränderung).

Sie führte die Prinzipien der Pädagogik nach Friedrich Fröbel ein (sprich: Kindergärten sollten sich von puren Kinderbewahranstalten in Orte der frühkindlichen Förderung verwandeln). Außerdem erteilte sie Unterricht in Englisch und Deutsch und war wohl die erste, die systematischen Musikunterricht in Japan einführte, weswegen sie auch als musikpädagogische Wegbereiterin gilt.

Auch wenn sie ein Ehrenmal neben dem Grab ihres verstorbenen Mannes auf dem Friedhof von Aoyama gesetzt bekommen hat, nenne ich sie hier „außer der Reihe“, denn nach dem Tod ihres Mannes kehrte Clara Matsuno 1910 zurück nach Deutschland, wo sie 1931 verstarb.

1976 wurde sie mit einer Sonderbriefmarke der japanischen Post für ihre Verdienste um das japanischen Kindergartenwesen geehrt.

Friedrich Putzier

Friedrich Putzier, der am 17. August 1851 in Padderow in Pommern geboren wurde, ist an dieser Stelle zu erwähnen, weil er 1884 (andere Quellen sprechen von 1883) mit der Schwester von Clara Matsuno, Emma Zitelmann, nach Japan gekommen war. Und zwar nicht, wie all die meisten anderen, als „Kontraktausländer“ (御雇い外国人 / おやといがいこくじん), sondern einfach so – aufs Geratewohl.

Immerhin gelang es ihm, vom Ministerium für Erziehung einen Vertrag als Lehrer angeboten zu bekommen. Und so begann er am 8. Januar 1884, zunächst für ein Jahr, Deutsch und Mathematik an der Tōkyō Universität (東京大学 / とうきょうだいがく) zu unterrichten, bekam seinen Vertrag aber um ein weiteres Jahr verlängert. Schließlich wurde er ab 1886 als Gymansiallehrer in Tōkyō eingesetzt (Dai ichi Kōtō Gakkō / 第一高等学校 / だいいちこうとうがっこう). Und dort unterrichtete er bis zu seinem Tod am 19. Mai 1901 (andere Quellen sprechen vom 21. Mai 1901).

Aoyama Friedhof (青山霊園), Friedrich Putzier

Aoyama Friedhof (青山霊園), Friedrich Putzier

Seine Frau Emma war ebenfalls in der Kindererziehung tätig, leitete eine angesehene Privatschule und unterstützte nach dem Tod ihres Mannes ihre Schwester Clara bei der Kindergartenarbeit.

Karl Flaig

Der am 7. Mai 1865 geborene Karl Flaig war Anfang 1906 als Vertreter für seinen Bruder, Emil Flaig, der seit 1902 durch geschicktes Management das Imperial Hotel in Tōkyō (帝国ホテル / ていこくほてる) aus den roten Zahlen geführt hatte (und dafür mit einem Heimaturlaub in Deutschland belohnt worden war), angestellt worden. Emil Flaig erlitt leider während dieses Heimataufenthalts einen Herzinfarkt starb am 19. August 1906 in Deutschland.

Nur ein Jahr später verstarb auch Karl Flaig am 28. August 1907 im Alter von gerade mal 42 Jahren in den Diensten des Hotels und liegt nun hier auf dem Friedhof von Aoyama begraben.

Julius Karl Scriba

Der am 5. Juni 1848 im hessischen Reinheim geborene Julius Karl Scriba hat wie nur wenige Einfluss auf die Einführung moderner (westlicher) Medizin in Japan genommen.

Von Kindesbeinen an mit der Heilkunde in Berührung (sein Vater war Apotheker), studierte er schließlich Medizin und promovierte nach dem deutsch-französischen Krieg (1870/71), in dem er als freiwilliger Hilfsarzt gedient hatte, in Heidelberg. An der Freiburger Universität war er als Dozent für Chirurgie tätig. Sein zusätzliches Interesse galt der Botanik.

Als 1881 ein Nachfolger für Wilhelm Schultze als „Kontraktausländer“ (御雇い外国人 / おやといがいこくじん) in Japan gesucht wurde, fiel die Wahl auf ihn. Ab dem 6. Juni 1881 war er Professor für Chirurgie an der Tōkyō Universität (東京大学 / とうきょうだいがく) und Leiter der chirurgischen Abteilung des Universitätskrankenhauses. Zusammen mit dem Internisten Erwin Bälz zählte er zu den ersten Medizinprofessoren an der noch jungen Universität.

Nach Ende seines Vertrages mit dem japanischen Staat (5. Juni 1887) ging er nach Deutschland, kehrte aber alsbald nach Japan zurück, um vom 2. September 1889 bis 10. September 1901 erneut an der Tōkyō Universität zu arbeiten.

In diese Zeit fielen auch zwei besondere Einsätze Scribas, die von diplomatischer Brisanz sind:
Als am 11. Mai 1891 anlässlich eines Japanbesuchs des späteren russischen Zaren Nikolaus II. dieser durch einen japanischen Polizisten mit einem Schwert angegriffen worden war, kam Scriba die Aufgabe zu, den verletzten russischen Monarachen zu untersuchen und zu behandeln. Auch beim Attentat, das während der Friedensverhandlungen von Shimonoseki (zum Ende des ersten japanisch-chinesischen Krieges) am 24. März 1895 auf den chinesischen Gesandten Li Hongzhang verübt worden war, hatte man Scriba verpflichtet, sich um den Verwundeten zu kümmern.

Im Anschluss an seinen Einsatz bei der Tōkyō Universität arbeitete Scriba bis zu seinem Tode im St. Lucas Hospital, dem damaligen US-amerikanischen Missionskrankenhaus in Tōkyō.

Scriba war schon zu Lebzeiten mit einer Vielzahl von Ehrungen für seine Verdienste ausgezeichnet worden. Bevor er am 3. Januar 1905 im Alter von nur 56 Jahren an einem Abzess in der Lunge starb, war ihm vom japanischen Kaiser das Großkreuz des Ordens des Heiligen Schatzes verliehen worden.

Die imposante Grabstätte Scribas ist auch die letzte Ruhestätte für Emil Scriba, Fritz Scriba und Henry Scriba.

Erwin Kauf(f)mann

Der im Jahre 1847 geborene Erwin Kauffmann war Architekt. Es gibt Quellen, die davon sprechen, dass er für die Nippon Doboku Co. Ltd. – heute Taisei Corporation (大成建設株式会社 / たいせいけんせつかぶしきがいしゃ) – eine japanische Baufirma der frühen Meiji-Zeit, tätig war und mehrere Baustellen betreut hat.

Er war seinerzeit von den Ingenieuren Wilhelm Böckmann und Hermann Ende (diese zeichneten u.a. für das erste Gebäude des japanischen Justizministeriums in Tōkyō verantwortlich) empfohlen und 1887 von Nippon Doboku Co. Ltd. angestellt worden.

Kauffmann lebte zusammen mit seiner Frau in Tōkyō, erkrankte allerdings bald und verstarb am 11. Februar 1889. Der Grabstein, der hier auf dem Friedhof von Aoyama zu sehen ist, wurde ihm von seinen Kollegen errichtet.

Vera Eckert

Auf dem Friedhof von Aoyama findet man auch den eher unscheinbaren Grabstein für Vera Eckert, die am 11. März 1909 geboren wurde, aber schon im Säuglingsalter von wenigen Wochen am 5. Mai 1909 gestorben ist. Ob diese Vera Eckert mit dem in Japan besonders bekannten Franz Eckert verwandt ist (er ist u.a. einer der Väter der japanischen Nationalhymne), konnte ich leider nicht verifizieren.

Wie man hinkommt:

Der Friedhof von Aoyama liegt wirklich mitten in Tōkyō und kann mit verschiedenen Transportmitteln angefahren werden. Von folgenden U-Bahnstationen ist der Friedhof in wenigen Gehminuten zu erreichen:

Gaienmae (外苑前 / がいえんまえ), Tōkyō Metro Ginza-Linie (東京メトロ銀座線 / とうきょうめとろぎんざせん)

Aoyama Itchōme (青山一丁目 / あおやまいっちょうめ), Tōkyō Metro Ginza-Linie (東京メトロ銀座線 / とうきょうめとろぎんざせん), Hanzōmon-Linie (半蔵門線 / はんぞうもんせん) und Toei Subway Ōedo-Linie (都営地下鉄大江戸線 / とえいちかてつおおえどせん)

Nogizaka (乃木坂 / のぎざか), Tōkyō Metro Chiyoda-Linie (東京メトロ千代田線 / とうきょうめとろちよだせん)

Der Friedhof ist täglich geöffnet, Eintrittsgelder werden nicht verlangt.

One Response to Der Friedhof von Aoyama (青山霊園)

  1. Wanderweib says:

    Hallo Thomas!
    Vielen Dank für diesen klasse Artikel. Ich war erst vor kurzem auf dem Friedhof zur Kirschblüte und hab mich gefragt, warum da so viele deutsche Namen dabei sind. Jetzt weiß ich es.😉
    Viele Grüße,
    Tessa

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