Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (dt.) (Teil 3)

Japanisches Porzellan vom Feinsten
Meisterstücke des Nabeshima Porzellans (鍋島焼展)

Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Unter dem Titel “Die ersten 100 Jahre japanischen Porzellans” zeigt(e) das Toguri Kunsmuseum (戸栗美術館 / とぐりびじゅつかん), ein privates Museum im Shōtō-Viertel von Shibuya, das im Jahre 1987 eröffnet wurde und das sich ganz auf Porzellan konzentriert, in diesem und dem vergangenen Jahr eine Serie von vier Sonderausstellungen:

 

In den Teilen 1 und 2 meiner kleinen Serie von Artikeln über das Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館 / とぐりびじゅつかん) haben Sie bereits ein paar grundsätzliche Dinge über die Geschichte des japanischen Porzellans und das Museum als solches kennengelernt. Falls Sie hier heute zum ersten Mal sein sollten (oder falls Ihr Erinnerungsvermögen nur noch Stückwerk zutage fördert – ich habe es ja bereits einmal erwähnt: gerade beim Thema “Porzellan” wollen wir ja Bruch vermeiden…) schauen Sie sich doch auch noch einmal die beiden vorangegangenen Artikel an:

*********************

Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (Teil 1) (dt.)
Japanisches Porzellan vom Feinsten – Imari Ware
Der Ko-Kutani-Stil
(古九谷展)

Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (Teil 2) (dt.)
Japanisches Porzellan vom Feinsten -Imari Ware
Meisterstücke des Kakiemon- und Kinrande-Stils
(柿右衛門・古伊万里金襴手展)

*********************

Während wir uns das letzte Mal die exquisiten Beispiele des sogenannten “Kakiemon-” (柿右衛門) und des “Kinrande-” (金襴手)-Stils angesehen haben, geht es dieses Mal um die atemberaubend modern wirkenden Meisterstücke des “Nabeshima” (鍋島)-Porzellans.

Auch diesmal ist der Artikel wieder einer privaten Besichtungstour am 14. März 2016 zu verdanken, die das Museum außer der Reihe angeboten hat. Sie wurde wiederum von der unvergleichlichenn Alice Gordenker – die auch maßgeblich zu den fachlichen Inhalten dieses Artikels beigetragen hat – unter Mitwirkung des Direktors des Museums, Herrn Osamu Toguri (戸栗修 / とぐりおさむ), durchgeführt.

Genug der Vorrede! Da ich die erste der vier Ausstellung in diesem Ausstellungszyklus nicht besuchen konnte, lassen Sie uns doch wenigsten einen Blick auf ein besonders typisches Beispiel für ganz frühes japanisches Porzellan werfen. Anhand dieses Beispiels werden Sie auch erkennen können, welch atemberaubender Fortschritt in vergleichsweise kurzer Zeit bei der Porzellanherstellung in Japan gemacht wurde.

Hier also zunächst eines der berühmtesten Beispiele für diese früheste Form japanischen Porzellans, “Shoki Imari” (初期伊万里 / しょきいまり) aus dem Jahre 1610 n.Chr., wie es in Ausstellungsraum 3 gezeigt wurde, der einen historischen Abriss über die ersten 100 Jahre “Porzellan made in Japan” zeigt:

#1
Teller mit flachem Rand, dekoriert mit “Mond & Hase” und dem japanischen Schriftzug “春白兎” (weißer Hase im Frühling) in gesprühtem Blau auf Weiß

#01 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Shoki Imari (初期伊万里)

#01 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Shoki Imari (初期伊万里)

Wie Sie sich vielleicht von den vorangegangenen Artikeln noch erinnern, wird diese blaue Farbe “sometsuke” (染付 / そめつけ) genannt. Sie wird unter der Glasur aufgetragen. Verglichen mit späteren Werkstücken, sind diese frühen verhältnismäßig dick und schwer und weisen diverse Mängel auf. Schauen Sie sich das Bruchstück eines ähnlichen Tellers genauer an – anhand der Scherbe wird deutlicher, was ich meine. Auch wenn das Design bereits sehr ansprechend ist, entspricht der Teller doch noch nicht so ganz dem, was wir uns unter “feinem Porzellan” vorstellen.

Die nächsten beiden Ausstellungsstücke, die ebenfalls in Ausstellungsraum 3 zu sehen sind, geben Ihnen schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das, worum es uns heute geht: Um Nabeshima (鍋島 / なべしま)-Prozellan – eine ganz besondere Serie feinen Porzellans, die ab der Mitte des 17. Jahrhunderts hergestellt wurde.

#25
Teller, verziert mit Kamelienblüten in sechseckigem Muster in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#025 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#025 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#26
Teller, dekoriert mit Mohnblumen in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#026 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#026 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Wenn Sie die ganz besondere Bedeutung und den Reiz von Nabeshima-Porzellan verstehen wollen, müssen Sie sich leider eine kleine Lektion in japanischer Geschichte aufbürden:

Dieses Porzellan ist nicht länger für den Export hergestellt worden (wie z.B. das prächtige Geschirr und die Figurinen im Kinrande- und Kakiemon-Stil), sondern ausschließlich für “Geschenkzwecke”. Genauer: Als  aufwendiger Tribut des Nabeshima-Klans an den Shōgun. Der Nabeshima-Klan kontrollierte das Gebiet von Saga (佐賀藩 / さがはん) (auf Kyūshū) seit der Sengoku-Zeit (戦国時代 / せんごくじだい) (1467-1603) – einer Periode in der japanischen Geschichte, als praktisch jeder gegen jeden Krieg geführt hat. Der wehrhafte Klar hatte auch historische Verbindungen zur allmächtigen Fujiwara-Familie (藤原氏 / ふじわれあし).

Anders als bei den Werkstücken aus früheren Dekaden (wie Sie sie in den oben verlinkten Artikeln sehen können), zeigt Nabeshima-Prozellan praktisch keine chinesischen Einflüsse mehr. Hier haben wir es mit Kunstwerken zu tun, die so ganz unserer Vorstellung von “japanischem” Porzellan entsprechen – die Designs bedienen sich mehr Pflanzen/Blumen als der Darstellung von Personen. Alle Werkstücke wurden in nur für diesen Zweck bestimmten Brennöfen unter der direkten Kontrolle des Nabeshima-Klans hergestellt. Neben anderen Erkennungsmerkmalen zeichnen sich diese Arbeiten durch einen verhältnismäßig hohen Fuß aus (der “takai-kōdai” / 高い高台 / たかいこうだい genannt wird) – ein Tribut an den “erhabenen” Status des Empfängers.

Aber warum fühlten sich die Nabeshima überhaupt veranlasst, den Shōgun in Edo (das wir heute schlicht und ergreifend “Tōkyō” nennen) mit solch großzügigen Geschenken zu überhäufen? Nun, es läuft wohl alles auf den einen Punkt zusammen: Die Nabeshima hatten in einer entscheidenden Schlacht “auf das falsche Pferd” gesetzt: In der großen Schlacht von 1600, in der es um die Kontrolle über ganz Japan ging (Schlacht von Sekigahara / 關ヶ原の戰い / せきがはらたたかい). Bei diesem Gemetzel waren die Nabeshima nicht auf der siegreichen Seite der Streitkräfte von Ieyasu Tokugawa (徳川家康 / とくがわいえやす), der dann als Gründer des Tokugawa Shōgunats (徳川幕府 / とくがわばくふ) im Jahre 1603 in die Geschichtsbücher eingegangen ist.

Er hätte die Nabeshima nach Gutdünken bestrafen und sie ihres Landes und ihrer Macht berauben können. Dass er es nicht tat, hat ihm der Nabeshima-Klan ganz offensichtlich nicht vergessen und wollte sich wohl nicht ein weiteres Mal auf diese Gnade verlassen. Also entschied man sich, die monatlichen Tributleistungen an den Shōgun (die natürlich auch von allen anderen Feudalherren, den Daimyo, verlangt wurden) besonders “überzeugend” ausfallen zu lassen. Die Nabeshima sandten nicht nur Porzellan nach Edo, sondern z.B. auch kostbare Stoffe und die in ihrem Gebiet besonders köstlichen eingelegten Pflaumen. Und natürlich nutzen die Nabeshima ihre Nähe zum Hafen von Nagasaki, über den ausländische Waren nach Japan gelangten, um Porzellan aus China zu beziehen und den Militärherrscher in Edo damit zu erfreuen. In den 1640er Jahren kam es aber in China zu Unruhen, die Ming-Dynastie fiel im Jahre 1644 – die chinesischen Porzellanhersteller waren nicht mehr in der Lage, überseeischen Bedarf zu decken. Der Nabeshima-Klan machte weisen Gebrauch vom inzwischen in seinem Herrschaftsbereich angesammelten Wissen und Können in der Porzellanherstellung und begann damit, selbst in die Produktion einzusteigen. So entstand das Nabeshima-Porzellan – und nicht einfach in Einzelstücken, sondern in riesigen 82-teiligen Services – fünf Services jeden Monat!

Lassen Sie uns aber endlich in den Hauptraum wechseln, wo die Ausstellung mit einem absoluten Höhepunkt der ganzen Kollektion beginnt (klicken Sie bitte im weiteren Verlauf des Artikels auf die Bilder und die Kurzbeschreibungen, um mehr Details erkennen zu können):

AUSSTELLUNGSRAUM 1

#1
Schale, dekoriert mit siebzehn Paddeln in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#1 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#1 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Diese große Schale in “shakuzara” (尺皿 / しゃくざら)-Größe ist eine der großen Raritäten in der Sammlung von Herrn Toguri, die die Kollektion erst kürzlich vervollkommnet hat. Sie verkörpert das “goldene Zeitalter” des Nabeshima Porzellans wie nur wenige andere – kein Wunder also, dass die eigentliche Ausstellung damit beginnt. Gleichzeitig lassen sich an ihr auch die vier Charakteristika dieser Art von Porzellan besonders schön veranschaulichen:

  1. Die relativ tiefe Schale besitzt einen recht hohen Fuß (kōdai oder, wenn es sich um außergewöhnlich hohe Basis-Ringe handelt, takai kōdai / (高い)高台 / (たかい)こうだい). Die Grundform dieser Prozellanserien wird auf der Töpferschiebe erstellt und diese dann in Formen gepresst. Auf diese Weise wurden die meisten Nabeshima-Werkstücke erstellt, die besonders zur Blütezeit dieser Stilrichtung entstanden. Außerdem ist das eine Form, die wir auch heute noch von traditionellen Sake-Schalen kennen, die sich mokuhai / 木杯 / もくはい nennt.
  2. Die Schale ist in den Grundfarben der Periode (zumindest bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte des Nabeshima-Prozellans – dazu komme ich später noch) gehalten: Blau, Rot, Gelb und Grün. Auch hier sehen wir wieder das typische Blau (sometsuke / 染付 / そめつけ), das vor der ersten Glasur aufgetragen und mit dieser zusammen gebrannt wird. Alle anderen Farben werden in einem zweiten Arbeitsschritt aufgetragen und das Werkstück danach erneut gebrannt.
  3. Besonders bezeichnend für Nabeshima-Porzellan ist auch die Gestaltung der Rückseiten – auch hier wieder ausschließlich in “sometsuke”-Blau. Das Muster nennt man “shippō tsunagi” (七宝繋ぎ / しっぽうつなぎ) oder “shippō musubi” (七宝結 / しっぽうむすび), (sprich: sieben Schätze), gewöhnlich an drei Stellen auf der Außenseite der Teller/Schalen aufgemalt und dort ein Dreieck bildend (andere Muster sich gleichmäßig über die Rückseiten verteilt).
  4. Auch die Musterung des Fußes ist eine, die man bei Nabeshima-Porzellan äußerst häufig antrifft. Sie nennt sich “Kamm-Muster” (kushime / 櫛目 / くしめ). Kennzeichnend für dieses Porzellan ist auch der Umstand, dass die Unterseiten fast immer weder markiert noch mit Stempeln versehen sind.

#2
Achteckige Schale, verziert mit einem von glückverheißenden Symbolen umgebenen Schriftzeichen für “langes Leben” in Unterglasur-Blau und Überglasur Email

#2 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#2 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Die nun folgenden Beispiele geben sozusagen einen kurzen Abriss in der Entwicklung des Nabeshima-Porzellans wieder – von ersten Arbeiten aus der Mitte des 17. Jahrhunderts (als die Teller und Schalen noch vergleichsweise flach ausfielen) zu den verfeinerten Herstellungstechniken späterer Jahre.

#3
Schalen, dekoriert mit Kirschblüten und hängenden Drapierungen in Unterglasur-Blau, Seladon und rostbrauner Glasur

#3 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#3 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Mit der rostbraunen Glasur (“sabiyu”) am oberen Rand der Teller sehen wir hier eine Arbeit der frühen Jahre – diese Glasur kam recht bald danach “aus der Mode”.
Was vielleicht auch ganz interessant ist: Die recht modern wirkende Verzierung des Fußes der Werkstücke. Sie nennt sich “inome” (猪の目 / いのめ) – “Wildschweinauge”. Auch dieses Design wurde hauptsächlich in den frühen Jahren der Nabeshima-Porzellanherstellung verwendet, später aber mehr und mehr von dem “Kamm-Design”, das wir oben schon gesehen haben, verdrängt.
Etwas, was man bei dieser Art des Porzellans oft findet, sind die eindimensional in Richtung des Betrachters “blickenden” Kirschblüten.

#4
Teller, verziert mit Kirschblüten und Wolken-/Dunst-Design in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#4 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#4 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Auch wenn es mehrere Ähnlichkeiten mit den zuvor gesehenen Tellern gibt, handelt es sich hierbei um Bespiele aus der “goldenen Zeit” des Nabesihima-Porzellans (spätes 17. Jahrhundert bis frühes 18. Jahrhundert). Sie werden das “Kamm-Muster” zur Verzierung des Fußes erkennen. Aber was die Teller hier am meisten von allen anderen der ganzen Ausstellung unterscheidet: Alle Teller haben das gleiche Muster – und die gleiche Größe. Für uns heute schwer vorzustellen, dass derart identische Service-Stücke handgefertigt werden konnten. Man muss sich aber auch vergegenwärtigen, dass man dem Shōgun nicht mit Einzelstücken daherkommen konnte, sondern er umfangreiche Sets erwartete – mit allen Teilen im gleichen Design. Da gab es jeweils Schalen in “shakuzara-” (尺皿 / しゃくざら)-Größe (wie bei Ausstellungsstück Nr. 1), außerdem 20 Schalen in der Größe, wie wir sie hier sehen, genannt “nanasun” (七寸 / ななすん)-size), plus 20 in einer kleineren Größe und 20 in einer noch kleineren und schließlich auch noch 20 dazu passende Becher. Heute sind wir Porzellan aus maschineller Massenproduktion gewöhnt und erwarten Sets in identischen Designs, aber für den Shōgun wurde jedes Stück individuell und von Hand gefertigt und bemalt. Das Toguri Museum besitzt übrigens sogar zehn dieser Schalen, von denen fünf in der Ausstellung zu sehen sind – ein ziemlich rarer Schatz (fast alle anderen Ausstellungsstücke sind Einzelstücke, selbst wenn auch diese ursprünglich mal Teil solch großer Sets waren – die meisten Teile haben ihren Weg durch die Jahrhunderte schlicht und ergreifend nicht überstanden – oder sollte man sagen: Sind an der japanischen Geschichte zerbrochen….).

#5
Schale, dekoriert mit Blütenranken (cotton rose) und Kleebusch in Unterglasur-Blau

#5 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#5 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Sollten Sie sich fragen, warum man bei einer großen Porzellanschale (shakuzara-Größe) aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts plötzlich wieder auf das “gute, alte sometsuke” trifft, liegt die Antwort nahe und vertieft unsere Kenntnis über japanische Geschichte:
Zwischen 1716 und 1720 hatte das Shōgunat eine Reihe von Anti-Luxus-Gesetzen erlassen (kenyakurei / 倹約令 / けんやくれい), um diejenigen, die es sich eigentlich hätten leisten können, von unnötigen Ausgaben und Verschwendung abzuschrecken (seinerzeit ging das Land durch eine harte Zeit mit Hungersnöten). Also sahen sich die Porzellanmeister mit dem Problem konfrontiert, zwar einerseits auf prächtige Farben oder gar Gold verzichten zu müssen, andererseits den Tokugawa-Shōgun in Edo trotzdem mit etwas Prächtigem zu verwöhnen. Ihnen gelang das mit der nur vordergründig einfacheren Gestaltung von Geschirr in “sometsuke” – die inzwischen stark verfeinerten Techniken erlaubten herrliche Arbeiten mit Graduierungen und Schattierungen. Und natürlich wurde noch immer die traditionelle “mokuhai” (木杯 / もくはい)-Form verwendet, die wir bei den vorangegangenen Meisterstücken kennengelernt haben. Schauen Sie sich die feinen Details des Blüten- und Ranken-Designs an!

#7
Schale im Buch-Format, dekoriert mit Unterglasur-Blau, blauer Glasur, rostbrauer Glasur, Silber und Gold

#7 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#7 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#9
Schale, dekoriert mit einem Blumen-/Strahlen-Motiv in Unterglasur-Blau

#9 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#9 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Leider habe ich kein Foto von der Rückseite dieser ausgesprochen modern wirkenden Schale gemacht. Sie wären wahrscheinlich überrascht, wenn Sie auch dort das traditionelle “shippō musubi” (七宝結 / しっぽうむすび), (7-Schätze)-Muster sähen, das einen anspruchsvollen Kontrast zu dem schlichten und sehr neuzeitlichen Design der Vorderseite bildet.

#14
Schale, dekoriert mit Kamelien und einem Zaun aus Astgeflecht in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#14 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#14 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#16
Schale, verziert mit Kirschblüten, Astgeflecht-Zaun und Wellen-Design in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#16 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#16 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#17
Schale, dekoriert mit japanischen Schneeball-Blumen in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#17 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#17 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#18
Schale, verziert mit Pfingstrosen und Wellen in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#18 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#18 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Ein Muster, das bei Nabeshima-Porzellan ebenfalls sehr beliebt war, nennt sich “Ozeanwellen” (青海波 / せいがいは), das auf dieser Schale besonders mustergültig ausgeführt zu sehen ist. Diese besondere Form des “sometsuke” unterscheidet sich in ihrer Fertigungstechnik von anderen. Das Verfahren bezeichnet man mit “sumihajiki” (墨弾き / すみはじき) – was man im weitesten Sinne mit “Farb-Abweisungs-Methode” übersetzen könnte. Gemeint ist damit: Die weißen Flächen zwischen den blauen “Wellen”-Zeichnungen werden mit Tinte gezeichnet, bevor das “sometsuke”-Blau aufgetragen wird. Während das “sometsuke”-Blau erst während des Brennvorgangs seine leuchtende Farbe entwickelt (beim Auftragen auf den Rohling ist es fast schwarzblau), verbrennt die Tinte komplett und hinterlässt besonders akurate Blauflächen.

#24
Schale, dekoriert mit Buch-Design in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#24 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#24 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#26
Schale, verziert mit Kiefernbaum, Bambus und Pflaumenblüten in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#26 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#26 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#27
Schale, dekoriert mit drei Flaschenkürbis-Motiven in Unterglasur-Blau und Überglasur-Email

#27 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#27 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Flaschenkürbisse waren ein beliebtes Motiv zur Verzierung von Nabeshima-Porzellan. Und das hatte einen ganz einfachen Grund: Sie galten als Glückssymbole, weil der Samenreichtum des Flaschenkürbisses als Sinnbild für Furchtbarkeit stand. Und der Fortbestand der Dynastie war etwas, das den Tokugawa Shōgunen auf ganz natürliche Art und Weise am Herzen lag.

#28
Schale, verziert mit einer Sammlung von “Schätzen” in Unterglasur-Blau

#28 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#28 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#29
Schale, dekoriert mit Pfirsichen und “Schätzen” in Unterglasur-Blau und Seladon

#29 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#29 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#30
Schale, dekoriert mit einem sich wiederholenden Pfirsich-Motiv mit Pfirsichblüten-Zweigen und einem Laub-Design in Unterglasur-Blau

#30 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#30 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#35
Becher, verziert mit Rebstock-Design in Unterglasur-Blau

#35 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#35 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

AUSSTELLUNGSRAUM 2

#41
Teller im Blatt-Format, dekoriert mit Kiefern-Nadeln in Unterglasur-Blau

#41 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#41 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#42
Schale, verziert mit Bambus in Unterglasur-Blau

#42 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#42 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#43
Schale, verziert mit Pfirsich-Dekor in Unterglasur-Blau

#43 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#43 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#44
Schale, dekoriert mit Schneeflocken in Unterglasur-Blau und Seladon

#44 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#44 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Diese Schale offenbart mehr Details über das damalige Leben in Japan, als man auf den ersten Blick erkennen würde, weil sie auch – wenn auch nur sehr indirekte – ausländische Einflüsse deutlich macht. Der Prozellanmeister war seinerzeit wohl auf irgendeine Weise in den Besitz eines Mikroskops gekommen (höchst wahrscheinlich aus der holländischen Enklave in Nagasaki) und war so fasziniert, als er mit ihm erstmals die verschiedenen Formen von Schneeflocken erkennen konnte, dass er (und andere) zu ganzen Serien mit Schneeflocken-Designs inspiriert wurde. Die Glasur-Technik, die dieses Werkstück auszeichnet, ist eine besonders diffizile. Man nennt sie “somebokashi” (染暈し / そめぼかし) oder “nuanciertes sometsuke”. Auch heute wagen sich nur die geschicktesten Porzellanmeister an diese Glasur-Technik.

#49
Schale, verziert mit sieben Krügen in Unterglasur-Blau und Seladon

#49 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#49 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Das “Krug”-Motiv finden wir bei Nabeshima-Porzellan immer wieder. Bisweilen werden auf den Werkstücken fünf Krüge abgebildet – hier sind es sieben. Und falls es Sie interessieren sollte: Das Metropolitan Museum of Art in New York besitzt eines Schale mit einem auffallend gleichen Design.

#55
Schale, verziert mit Narzissen in Unterglasur-Blau

#55 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#55 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

#56
“Dressing Pitcher”, dekoriert mit Zweigen der Kiefer, des Bambus und der Pflaume in Unterglasur-Blau

#56 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#56 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Das Kännchen hier wird als “dressing pitcher” bezeichnet. Aber lassen Sie sich von der Kategorisierung nicht verwirren. Es handelt sich weder um ein Soßen-Kännchen, noch um eines für Salat-Dressing. Es ist ein Behältnis für Flüssigkeiten, die gebraucht wurden, um die weiße Schminke der Hofdamen anzurühren, um damit ihren Gesichter und Nacken zu nobler Blässe zu verhelfen.

#61
Design-Heft (“dressing pitcher”)

#61 Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

#61 Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

#61 Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

#61 Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

#67
Räucherwerk-Behälter in Melonenform, Seladon-Porzellan

#67 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#67 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

Dieses und das nächste Ausstellungsstück zeichnen sich durch besonders hohe Qualität des Porzellans aus – es ist besonders weiß und fehlerfrei. Neben runden Tellern und Schalen wurde in den Nabeshima Brennöfen auch Figurinen von Tieren und Räucherwerk-Behälter hergestellt, die fast durchgängig mit der Glasiertechnik “Seladon” (青磁 / せいじ) überzogen wurden. Man spricht dabei auch von “Seladon-Prozellan” oder “Seladon-Ware”.

#70
Figurine eines chinesischen Löwenhundes (Shishi), überzogen mit Seladon-Glasur

#70 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) - Nabeshima (鍋島)

#70 Toguri Museum of Art (戸栗美術館) – Nabeshima (鍋島)

 

Vielleicht sind Sie jetzt so auf den Geschmack gekommen, dass Sie gern selbst ein solch stilvolles Werkstück aus feinem Porzellan besitzen möchten. Nun, die Ausstellungsstücke im Toguri Museum sind natürlich alle (mehr oder weniger) unerschwinglich (und auch nicht verkäuflich). Aber das Museum stellt auch bemerkenswerte Arbeiten zeitgenössischer aus (hier: Kimimori Nakamura (中村公法 / なかむらきみのり). Schauen Sie sich das wunderschön gearbeitete “Ozeanwellen”-Muster (青海波 / せいがいは) auf den drei ersten der untenstehenden Bilder an! Diese Gegenstände könnten schon mehr Ihren preislichen Vorstellungen entsprechen. Und das letzte Foto zeigt eine Schale (mit Seladon-Glasur und “sometsuke”, dem Unterglasur-Blau) die man tatsächlich im Museum erstehen kann (im kleinen Museums-Shop ist sie für 8.000 Yen zu haben).

Zu den Höhepunkten dieses Museumsbesuches gehörte auch wieder die Möglichkeit, einige der wertvollen Exponate aus der Edo-Zeit nicht nur von Nahem betrachten und fotografieren zu dürfen, sondern sie auch “begreifen” zu können. Das Ertasten der Oberflächen und Abwiegen des Gewichts solcher Werkstücke mag bei den vorangegangenen Führungen noch eindrucksvoller gewesen sein, weil sie erst bei Berührung ihre kleinen Unebenheiten im Basismaterial und der Emaillierung  offenbarten (die bei den Schalen dieser Ausstellung kaum noch wahrnehmbar waren). Aber die vielen kleinen Details waren dennoch sehr interessant. Leider eröffnen sich einem solche Möglichkeiten nicht jeden Tag – aber das Museum ist natürlich auch ohne sie mehr als einfach nur einen Besuch wert.

 

Adresse:

戸栗美術館
〒150-0046
東京都渋谷区松濤1-11-3

Toguri Bijutsukan (Toguri Kunstmuseum)
1-11-3 Shōtō, Shibuya-ku
Tōkyō 150-0046

Der Facebookauftritt des Museums:
https://www.facebook.com/togurimuseum

Der Internetauftritt des Museums:
http://www.toguri-museum.or.jp/english/

Öffnungszeiten:

Täglich (außer montags) von 10 Uhr bis 17 Uhr (letzter Einlass um 16.30 Uhr).
Fällt ein Feiertag auf Montag, bleibt das Museum stattdessen am darauffolgenden Werktag geschlossen. Ebenfalls geschlossen während der Neujahrsfeiertage und während des Wechsels von Ausstellungen.

Eintrittsgebühr:

Erwachsene: 1.000 Yen
Oberschüler und Studenten: 700 Yen
Grund- und Mittelschüler: 400 Yen
Für Gruppen von 20 und mehr Besuchern wird ein Nachlass von 200 Yen pro Person gewährt.

Wie man hinkommt:

Es ist wahrscheinlich am einfachsten, das Museum vom Bahnhof von Shibuya aus anzusteuern. Dort halten mehrere Eisenbahn- und U-Bahnlinien.
Nehmen Sie den “Hachikō Ausgang“ (ハチ公口 / あちこうぐち), überqueren Sie die berühmte “Wimmel-Kreuzung” (スクランブル交差点 / すくらんぶるこうさてん) und halten Sie dann weiter in nördlicher Richtung auf das ebenfalls berühmte Kaufhaus “109“ zu, das sie an Ihrer linken Seite zurücklassen und sich weiter auf das “Bunkamura“ (文化村 / ぶんかむら) zu bewegen. Laufen Sie an der Südseite des Bunkamura vorbei und biegen Sie an seiner Südwest-Ecke nach rechts ab. Das Museum befindet sich in einem leicht bergauf liegenden Wohnviertel. Vom Bahnhof von Shibuya sollten Sie mindestens 15 Minuten Gehzeit kalkulieren.

4 Responses to Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (dt.) (Teil 3)

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  2. […] Masterpieces of Nabeshima Ware (鍋島焼展) (7. Januar 2016 – 21. März 2016) […]

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