Färber-Fest in Nakai (染の小道)

Eine alte Tradition – ein neues Fest

Some no komichi (染の小道・川のギャラリー)

Some no komichi (染の小道・川のギャラリー)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Japan ist als Land der atemberaubend schönen und in hohem Maße kunstvoll gestalteten Stoffe auf der ganzen Welt bekannt. Viele der alten Fähigkeiten, die schon in der Edo-Zeit (1603 bis 1868) ihre Blütezeit erlebten, werden auch heute noch geschätzt – auch wenn die zahlreichen Handwerksbetriebe längst von Methoden industrieller Stoffherstellung und -Bearbeitung verdrängt wurden.

Auf dem Färber-Fest in Nakai (im nordwestlichen Teil Shinjukus gelegen), das auf den schönen Namen „some no komichi“ (染の小道 / そめのこみち) – „Färber-Gässchen“ hört, wird dieser alten Handwerksbetriebe mehr als einfach nur „gedacht“.

Seit der frühen Shōwa-Zeit bis in die 1950er Jahre haben die Wasserläufe des Kanda-Flusses (神田川 / かんだがわ) und des Myōshōji-Flusses (妙正寺川 / みょうしょうじがわ) die Werkstätten der Färber ganz besonders angezogen. Damals gab es über 300 Färbereibetriebe dort (eine ähnliche Häufung gab es sonst nur noch in Kyōto und in Kanazawa).
Aber auch heute noch gibt es im Bereich von Nakai (中井 / なかい) und Ochiai (落合 / おちあい) zahlreiche kleine Färberwerkstätten und Stoff-Ateliers mit einer sehr lebendigen Künstlerkultur.

Um diesem Teil japanischer Kultur wieder zu etwas mehr Öffentlichkeit zu verhelfen, hat man im Jahre 2009 das „some no komichi“ aus der Taufe gehoben – seinerzeit noch in kleinerem Rahmen. Seit 2011 besteht das Fest aus zwei überaus „publikumswirksamen“ Bestandteilen:

Fluss-Galerie der Kimono-Stoffe
(反物を架ける川のギャラリー)

Mit dieser Veranstaltung soll an die Zeiten erinnert werden, als im Myōshōji-Fluss noch die frisch gefärbten Stoffe ausgewaschen wurden. Neben vielen aufwändig bedruckten und gefärbten Stoffbahnen mit traditionellen Mustern und Farben (Edo Sarasa und Edo Komon / 江戸更紗 / 江戸小紋) gibt es auch solche mit neuzeitlichen Designs und in Gruppenarbeit entstandene zu sehen.

Diese Stoffbahnen werden „tan mono“ (反物 / たんもの) genannt und haben eine Standard-Laufbreite, die genau der Breite der Stoffbahnen für die Kimonoherstellung entsprechen. Die verschiedenen Größen, die es selbstverständlich auch bei traditionellen Kimono geben muss, werden nicht durch Zuschneiden des Stoffes, sondern durch verschiedene Saumbreiten erreicht – kein Stück des Stoffes geht dabei verloren – jeder Kimono kann später in jede andere gewünschte Größe umgenäht werden (falls die Brigitte-Diät mal wieder nicht den nachhaltigen Erfolg haben sollte, den frau sich gewünscht hatte). So können Kimono auch von Generation zu Generation weiter vererbt und jeweils auf die Größe der nächsten Besitzerin umgearbeitet werden.

Straßen-Galerie der Noren
(のれんで飾る道のギャラリー)

Die meisten Geschäfte, Cafés und Restaurants des Viertels schmücken während des Festes ihre Eingangstüren mit Vorhängen (暖簾 / のれん / noren), die in Absprache mit lokalen Färbern hergestellt wurden. Diese „noren“ haben traditionell die Funktion, Passanten zu signalisieren, dass ein Geschäft geöffnet ist. Aber natürlich kommen die oft sehr kunstvollen Vorhänge auch in privaten Wohnungen z.B. als Raumteiler zum Einsatz.

Das Fest erfreut sich offensichtlich wachsender Beliebtheit, was eine kleine Statistik der vorangegangenen Veranstaltungen veranschaulicht:

2011 (18.2.-20.2.)
4.400 Besucher / 60 Stoffbahnen-Fluss-Galerie / 51 noren-Straßen-Galerie

2012 (17.2.-19.2.)
12.000 Besucher / 72 Stoffbahnen-Fluss-Galerie / 75 noren-Straßen-Galerie

2013 (22.2.-24.2.)
14.000 Besucher / 87 Stoffbahnen-Fluss-Galerie /87 noren-Straßen-Galerie

2014 (28.2.-2.3.)
9.900 Besucher / 109 Stoffbahnen-Fluss-Galerie / 99 noren-Straßen-Galerie

2015 (27.2.-1.3.)
12.200 Besucher / 127 Stoffbahnen-Fluss-Galerie / 97 noren-Straßen-Galerie

Für das diesjährige Fest (26.-28.2.2016) liegen mir noch keine statistischen Angaben vor.

Wie man hinkommt:

Aus der Innenstadt Tōkyōs mit der Toei-U-Bahn Ōedo-Linie (都営地下鉄大江戸線 / とえいちかてつおおえどせん) nach Nakai (中井 / なかい), bzw. ab Takadanobaba (高田馬場 / たかだのばば) mit der Seibu Shinjuku-Linie (西武新宿線 / せいぶしんじゅくせん) ebenfalls nach Nakai (中井 / なかい). Das Veranstaltungsgelände befindet sich ziemlich genau zwischen den beiden Bahn-/U-Bahn-Stationen.

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One Response to Färber-Fest in Nakai (染の小道)

  1. […] deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier. A German version of this posting you can find […]

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