Traditionelle Feste in Japan (Video)

Wo die japanische Seele auch heute noch lebt (und ausgelebt wird)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
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Phönixtanz in Hirai (平井の鳳凰の舞)

Phönixtanz in Hirai (平井の鳳凰の舞)

Löwentanz in Iriso (入曽の獅子舞)

Löwentanz in Iriso (入曽の獅子舞)

Der Sommer ist Festivalzeit in Japan – der Herbst ist es aber nicht weniger. Viele der mit den jahreszeitlichen Abläufen und dadurch mit der Landwirtschaft verbundenen Feste finden allerdings nicht mitten in den Großstädten statt, sondern in eher ländlichen Regionen. Ohne den gigantischen Festen in Tōkyō  oder anderen Großstädten ihren überwältigenden Reiz absprechen zu wollen, sind diese eher “familiären” Feste von einem besonderen, ja fast “noch exotischer” zu nennenden Charme. Anhand von zwei Videobeispielen können sich hier zumindest einen kleinen Einblick in die urige Atmophäre dieser kleinen, traditionellen Feste gönnen.

Phönixtanz in Hirai (平井の鳳凰の舞)

Der Phönixtanz wird jedes Jahr am letzten Wochenende im September am Kasuga-Schrein (春日神社 / かすがじんじゃ)  in Hirai (平井 / ひらい), ganz im Westen Tōkyōs gelegen, aufgeführt. Früher sollte der Tanz für Regen sorgen, aber auch vor Krankheiten schützen.
Die Tänzer bestehen aus zwei Gruppen: Zunächst tanzen Jungen im Grundschulalter (Yakko-Tänzer / 奴さん / やっこさん) im Kreis (dieser Tanz ist im untenstehenden Video nicht zu sehen) und werden dann gefolgt von herwachsenden Männern, die goldenen Phönixkopfschmuck tragen. Auch sie tanzen im Kreis und schlagen dabei auf eine Trommel – begleitet werden die Phönixtänzer, wie auch die Yakko-Tänzer, von Musik (囃子 / はやし).
Der Tanz gehört zu den Furyū-Tänzen (風流踊 / ふりゅうおどり) (frei übersetzt: elegante, prachtvolle Tänze) und verknüpft Elemente des Kyōtoer Gion-bayashi (祇園ばやし / ぎおんばやし), der Gruppe, welche für die Musik beim Gion Fest (祇園祭 / ぎおんまつり) im Juli zuständig ist.

Seit 2006 gehört der Tanz zum wichtigen immatriellen volkskundlichen Kulturgut Japans.

Löwentanz in Iriso (入曽の獅子舞)

Jedes Jahr am dritten Wochenende im Oktober findet in West-Saitama der Shishimai (獅子舞 / ししまい) von Iriso (入曽 / いりそ) statt.
Dieser „Löwentanz“ kommt sonntags an zwei verschieden Stätten zur Aufführung:
Zunächst am buddhistischen Kongō-in (金剛院 / こんごういん) und danach noch zweimal am shintōistischen Irumano-Schrein (入間野神社 / いるまのじんじゃ).
Älteste Belege für diesen Shishimai führen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück – es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass die Wurzeln des Festes wesentlich älter sind. Der Tanz wird als eine Bitte um eine reiche Ernte und zum Schutz vor Krankheiten dargeboten. In trockenen Zeiten wird der Tanz aber auch als Bitte um Regen verstanden.

Der Tanz besteht aus drei Löwentänzern (shishi / 獅子 / しし), einem “Tengu” (天狗 / てんぐ) genannten “Bergkobold mit langer Nase” (wie das Wörterbuch dieses japanische Fabelwesen nennt), zwei Stabträgern und vier Blumenschirmträgern. Sie werden von acht Flöten, sechs Sängern und einem Muschelhorn begleitet. Die Aufführung besteht aus mehreren verschiedenen Tänzen, die eine auf den ersten Blick mystisch wirkende Geschichte um zwei männliche und einen weiblichen Löwen erzählen – die aber lediglich eine Allegorie auf ganz alltägliche, zwischenmenschliche Beziehungen ist (hier: eine Dreiecksbeziehung), die sich (ganz grob) in folgende Teile unterscheiden lassen:

Erster Teil:

  • Betreten des Platzes / Freudentanz
  • Trennung von Männchen und Weibchen durch einen Bambusstab und den nach sich ziehenden Versuch der Männchen, zum Weibchen zu gelangen
  • Tanz im Blumengarten
  • Abtreten vom Tanzplatz

Zweiter Teil:

  • Dankestanz an die Götter
  • Kampf der Männchen um die Zauberperle des Weibchens, das sich im Blumengarten versteckt (strauchelnde Männchen werden mit “Medizin” versorgt)
  • Versöhnung der drei Löwen

Die einzelnen Elemente der Tänze werden durch Verbindungstänze und Lieder zusammengefügt.

Der Shishimai von Iriso ist seit 1979 als immaterielles Kulturgut der Präfektur Saitama (埼玉県 / さいたまけん) anerkannt.

Wie man hinkommt:

Phönixtanz in Hirai:
Aus Tōkyō kommend mit den Bahnen von Japan Rail (JR) in Richtung Westen nach Tachikawa (立川 / たちかわ) und von dort mit der Ōme-Linie (青梅線 / おうめせん) in Richtung Ōme (青梅 / おうめ) bis nach Haijima (拝島 / はいじま). Von Haijima mit der Itsukaichi-Linie (五日市線 / いつかいちせん) in Richtung Musashi-Itsukaishi (武蔵五日市 / むさしいつかいし) nach Musashi-Hikida (武蔵引田 / むさしひきだ). Der Kasuga-Schrein (春日神社 / かすがじんじゃ) liegt etwa 1 1/2 Kilometer nördlich des Bahnhofs Musashi-Hikida am Nordufer des Hirai-Flusses (平井川 / ひらいがわ).

Löwentanz in Iriso:
Aus Tōkyō kommend mit den Bahnen der Seibu Shinjuku-Linie (西武新宿線 / せいぶしんじゅくせん) in Richtung Hon-Kawagoe (本川越 / ほんかわごえ) nach Iriso (入曽 / いりそ). Sowohl der Kongō-in (金剛院 / こんごういん), als auch der Irumano-Schrein (入間野神社 / いるまのじんじゃ) liegen in wenigen Gehminuten in nordöstlicher Richtung vom Bahnhof Iriso aus gesehen in der Nähe der Tsutsuji-Dōri (つつじ通り / つつじどおり).

Wenn Ihnen nach den großen Volksfesten in Tōkyō sein sollte, schauen Sie doch mal hier vorbei:

Asagaya Tanabata Festival (阿佐ヶ谷七夕祭り)
– Bunte Farben und eine tragische Liebe im Universum

Asakusa Samba Carnival (浅草サンバカーニバル)
– Wenn das Temperament Brasiliens auf die Straßen Asakusas überschwappt

Asakusa Samba Carnival (浅草サンバカーニバル) (Video)
– Farbenpracht und brasilianisches Feuer im Herzen Japans

Kagurazaka Awa Odori (神楽坂阿波踊り)
– Sommerliche Ausgelassenheit mitten in Tōkyō

Kagurazaka Awa Odori (神楽坂阿波踊り) (2012)
– Wenn die Stadt dampft, ist das Sau-Rauslassen am schönsten

Kagurazaka Awa Odori (神楽坂 阿波踊り) (2013)
– Auch in 2013 wird die Tanz-Tradition gepflegt

Kōenji Awa Odori (高円寺阿波踊り) 2011
– Sommerliche Tanzfeste in Tōkyō (Teil 2)

Kōenji Awa Odori (高円寺阿波踊り) 2013
– Tōkyōs größtes Awa-Tanz-Festival – ausgelassener denn je

Kōenji Awa Odori (高円寺阿波踊り) 2015 (Bilder/Video)
– Tōkyōs großes Straßentanzfest – dieses Jahr in angenehmer Kühle

Sakura Matsuri (Bilder/Video)
– Sumida-ku/Taitō-ku, Tōkyō

Sanja Matsuri (三社祭)
– Ein Fest für die Götter, das Volk, die Augen und das Ohr

Sanja Matsuri (三社祭)(Video)

Sanja Matsuri 2017 (三社祭) (Video)
– Am Rande des großen Festes:
Ein Augen- und Ohrenschmaus mit Taiko (太鼓)

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One Response to Traditionelle Feste in Japan (Video)

  1. […] deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier. A German version of this posting you can find […]

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