Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (dt.) (Teil 1)

Japanisches Porzellan vom Feinsten
Imari Ware – Der Ko-Kutani-Stil (古九谷展)

Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

Toguri Museum of Art (戸栗美術館)

Eine englische Version dieses Artikels finden sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Es käme dem (um mit Heinz Erhardt zu sprechen) berühmten Säulentragen nach Athen gleich, wenn ich hier darüber schwadronieren würde, dass Porzellan aus dem Fernen Osten kommt. Allerdings würde ich damit zumindest nicht diejenigen treffen, die China ohnehin nicht von Japan unterscheiden können. Denn tatsächlich war Japan in Sachen Porzellanherstellung ein “Spätentwickler”. Erst im frühen 17. Jahrhundert (im Jahre 1616, um genau zu sein) entstanden die ersten Brennöfen der hierfür benötigten Art auf der westlichsten der japanischen Hauptinseln, Kyūshū (九州 / きゅうしゅう). Und dort auf dem Gebiet, das heute zur Präfektur Saga (佐賀県 / さがけん) gehört. Die Initialzündung und das Wissen hierzu kam – über Korea – natürlich aus China (wo man schon seit ungefähr tausend Jahren Porzellan herstellte). Zunächst hatte eine große Anzahl koreanischer Töpfer auf Kyūshū gearbeitet, und man sagt, nicht alle hätten diesen Dienst auf gänzlich freiwilliger Basis geleistet. Jedenfalls kann man mit gutem Recht sagen, dass die hohe Kunst der Porzellanherstellung in Japan aus dem “Nahen Westen” kam.
Immerhin, das war noch ungefähr ein Jahrhundert, bevor man in Europa mit der Porzellanproduktion begann, was auch erklärt, warum schon in diesen frühen Tagen der japanischen Porzellanherstellung ein Großteil der im Lande rauchenden Öfen dies für den Export taten, um die Nachfrage im Ausland zu stillen, die aufgrund von Unruhen in China nicht mehr von dort gedeckt werden konnte.

Unter dem Titel “Die ersten 100 Jahre japanischen Porzellans” zeigt das Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館 / とぐりびじゅつかん), ein privates Museum im Shōtō-Viertel von Shibuya, das im Jahre 1987 eröffnet wurde und das sich ganz auf Porzellan konzentriert, derzeit folgende Serie von vier Sonderausstellungen:

Einige Bilder von der zweiten Ausstellung aus dieser Reihe geben Ihnen einen Eindruck davon, wie japanisches Porzellan in diesen frühen Tagen ausgesehen hat.

Aber lassen Sie mich zunächst noch ein paar Worte über das Museum selbst verlieren:
Es war in der 1950ern, als Tōru Toguri (戸栗亨 / とぐりとうる), ein Geschäftsmann (Nippon Coke & Engineering Co., Ltd.) aus der Präfektur Yamanashi (山梨県 / やまなしけん), begann, Porzellan aus Japan, Korea und China zu sammeln. Es war ihm ein Anliegen gewesen, diesen Teil östlicher Kultur, den er von den erstarkenden westlichen Einflüssen nach dem 2.Weltkrieg bedroht sah, zu bewahren.
Aus diesen privaten Sammlungen ging das Museum hervor, das 1987 in dem eindrucksvollen Gebäude – man könnte es als typisches Beispiel für den “Bubble-Ökonomie-Stil” bezeichnen – eröffnet wurde, das auch heute das Museum beherbergt. Heute umfasst die Sammlung ungefähr 7.000 Exemplare feinster Porzellankunst. Das Musuem ist über die Landesgrenzen hinaus anerkannt und es und seine Ausstellungen fernöstlichen Porzellans gehören zu den wichtigsten ihrer Art.

Da es sich bei den untenstehenden Bildern um Beispiele des so genannten “Ko-Kutani-Stils” handelt, hier noch ein paar erklärende Worte zu japanischem Porzellan aus den frühen Jahren und den Begriffen:

In den ganz frühen Jahren war japanisches Porzellan vergleichsweise einfach, die Materialien nicht besonders edel und der Gebrauch von Farben sehr eingeschränkt. Der Großteil der Produktion war, was man “sometsuke” (染付 / そめつけ) nennt, bzw. eine Art blauen und weißen Porzellans das man von China kopierte. Als in den 1640er Jahren neue Email-Glasuren aufkamen, wurden buntere Designs möglich. Dieser frühe, farbenfrohe Stil wird “Ko-kutani-Stil” genannt. Die Farbpalette des Ko-Kutani-Stils ist recht leicht zu erkennen an ihren unverwechselbaren Blau-, Grün- und Gelb-Schattierungen. Das zu dieser Zeit hergestellte schwarze und rote Email war weniger robust, weswegen es überwiegend für Umrisse und Details verwendet und üblicherweise von den anderen, transparenten Farben überlagert wurde, um es vor Abnutzung zu schützen.

Die Bezeichnung “Ko-Kutani-Stil” (古九谷様式 / こくたにようしき) muss vielleicht etwas näher erklärt werden, falls Sie sich für die Geschichte der japanischen Porzellanherstellung interessieren. Kutani (九谷 / くたに) ist der Name einer kleinen Stadt im südlichen Teil der heutigen Präfektur Ishikawa (石川県 / いしかわけん). Brennöfen waren dort für etwa fünf Dekaden in Betrieb, aber Dokumente aus dieser Zeit lassen keine zweifelsfreie Feststellung darüber zu, was dort hergestellt wurde. Als japanische Wissenschaftler in den 1920er und 1930er Jahren begannen, japanisches Porzellan systematisch zu erforschen, kategorisierten sie eine weit gefasste Palette qualitativ hochwertigen Porzellans, das in dieser Gegend gefunden wurde, als “Altes Kutani” (Ko-Kutani / 古九谷 / こくたに). Allerdings fand man dort bei weiteren Ausgrabungen, die in den 1970er Jahren durchgeführt wurden, Prozellanscherben nicht in dem Umfang, dass man darauf hätte schießen können, dass Porzellan dieser Art dort wirklich hergestellt wurde. Andererseits bewiesen Ausgrabungen in Arita (有田 / ありた), in der heutigen Präfektur Saga, wo das berühmte “Imari Porzellan” (伊万里焼 / いまりやき) hergestellt wurde (benannt nach dem Hafen Imari, von wo aus man das Porzellan aus Arita und Karatsu (唐津 / からつ) verschiffte), dass das “Alte Kutani” wahrscheinlich gar nicht aus Kutani kam, sondern auch aus Arita. Es gibt allerdings auch Fachleute, die davon ausgehen, dass das Porzellan aus Arita seinen weiten Weg nach Kutani durch die engen Verbindungen fand, die zwischen den herrschenden Klans bestanden – zwischen dem Nabeshima-Klan ( 鍋島氏 / なべしまし) in Arita und dem Maeda-Klan (前田氏 / まえだし) in der Provinz Kaga, in der sich Kutani befindet. Deswegen nennt man heute Porzellan, das in dem Stil gehalten ist, der typisch für ursprünglich “Altes Kutani” genannte Gegenstände ist, “Alter Kutani-Stil”.

Klicken Sie bitte auf die untenstehenden Miniaturen, um sie zu vergrößern und mehr über die einzelnen Kunstgegenstände zu erfahren.

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Lassen Sie sich bitte nicht von der Vielzahl der Bilder auf dieser Seite verwirren – Fotografieren ist in dem Museum grundsätzlich nicht gestattet. Diese Bilder durften mit einer Sondergenehmigung anlässlich einer Sonderführung gemacht werden, die von Alice Gordenker (in Zusammenarbeit mit der “Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde” in Tōkyō) und dem Direktor des Toguri Kunstmuseums, Herrn Osamu Toguri (戸栗修 / とぐりおさむ) am 11. September 2015 durchgeführt wurde.

Einer der Höhepunkte dieser Sonderführung war die Möglichkeit, einige der wertvollen Exponate aus der Edo-Zeit nicht nur von Nahem betrachten und fotografieren zu dürfen, sondern sie auch berühren zu können. Die Oberflächen mit ihren kleinen Unebenheiten, den von den Farben und der Emaille hervorgerufenen Strukturen mit den Fingern “erspüren” und “begreifen” zu können, war ein einzigartiges Erlebnis. Auch kleinste Details bei der Betrachtung aus den Nähe zu erkennen, eröffnete neue Einblicke in die Welt des Porzellans. Solche Möglichkeiten bieten sich einem nicht jeden Tag – aber das Museum ist auch ohne sie mehr als einfach nur sehenswert.

Adresse:

戸栗美術館
〒150-0046
東京都渋谷区松濤1-11-3

Toguri Bijutsukan (Toguri Kunstmuseum)
1-11-3 Shōtō, Shibuya-ku
Tōkyō 150-0046

Der Facebookauftritt des Museums:
https://www.facebook.com/togurimuseum

Der Internetauftritt des Museums:
http://www.toguri-museum.or.jp/english/

Öffnungszeiten:

Täglich (außer montags) von 10 Uhr bis 17 Uhr (letzter Einlass um 16.30 Uhr).
Fällt ein Feiertag auf Montag, bleibt das Museum stattdessen am darauffolgenden Werktag geschlossen. Ebenfalls geschlossen während der Neujahrsfeiertage und während des Wechsels von Ausstellungen.

Eintrittsgebühr:

Erwachsene: 1.000 Yen
Oberschüler und Studenten: 700 Yen
Grund- und Mittelschüler: 400 Yen
Für Gruppen von 20 und mehr Besuchern wird ein Nachlass von 200 Yen pro Person gewährt.

Wie man hinkommt:

Es ist wahrscheinlich am einfachsten, das Museum vom Bahnhof von Shibuya aus anzusteuern. Dort halten mehrere Eisenbahn- und U-Bahnlinien.
Nehmen Sie den “Hachikō Ausgang“ (ハチ公口 / あちこうぐち), überqueren Sie die berühmte “Wimmel-Kreuzung” (スクランブル交差点 / すくらんぶるこうさてん) und halten Sie dann weiter in nördlicher Richtung auf das ebenfalls berühmte Kaufhaus “109“ zu, das sie an Ihrer linken Seite zurücklassen und sich weiter auf das “Bunkamura“ (文化村 / ぶんかむら) zu bewegen. Laufen Sie an der Südseite des Bunkamura vorbei und biegen Sie an seiner Südwest-Ecke nach rechts ab. Das Museum befindet sich in einem leicht bergauf liegenden Wohnviertel. Vom Bahnhof von Shibuya sollten Sie mindestens 15 Minuten Gehzeit kalkulieren.

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8 Responses to Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (dt.) (Teil 1)

  1. […] deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier. A German version of this posting you can find […]

  2. […] dieses Ausflugs übernommen – und der gewiefte Leser erinnert sich z.B. an Artikel über das Toguri Kunstmuseum, meine Artikel über die „Amputierte Venus“ und das „Teien Kunstmuseum“, die allesamt […]

  3. […] Imari Ware – The Ko-Kutani style (古九谷展) (4. Juli 2015 – 23. September 2015) […]

  4. […] nämlich auch, die sozusagen hinter den Kulissen gewirkt hat, als ich meine Artikel über das “Toguri Kunstmuseum“, das Projekt “Amputierte Venus” und das “Teien Kunstmuseum“ schrieb. Und Alice […]

  5. […] Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (Teil 1) (dt.) Japanisches Porzellan vom Feinsten – Imari Ware Der Ko-Kutani-Stil (古九谷展) […]

  6. […] in Arita verdient machen (schauen Sie sich in diesem Zusammenhang die drei Artikel über das Toguri Kunstmuseum an), als er im Auftrag des dortigen Gouverneurs den ersten mit Steinkohle befeuerten Brennofen […]

  7. […] Imari Ware – The Ko-Kutani style (古九谷展) (4. Juli 2015 – 23. September 2015) […]

  8. […] Toguri Kunstmuseum (戸栗美術館) (Teil 1) Japanisches Porzellan vom Feinsten – Imari Ware Der Ko-Kutani-Stil (古九谷展) […]

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