Ōmiya Hachiman-Schrein (大宮八幡宮) (dt.)

Wo der Ōjin-Tennō als Gott verehrt wird

Ōmiya Hachimangū (大宮八幡宮)

Ōmiya Hachimangū (大宮八幡宮)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Es ist nicht das erste Mal, dass hier von einem Schrein berichtet wird, der dem Gott Hachiman gewidmet ist. Im Gegenteil! Die Beliebtheit der Gottheit schlägt sich auch auf dieser Webseite nieder:

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮)
– Göttersänften und Sumō-Ringer

Konnō Hachimangū (金王八幡宮)
– Über 900 Jahre gelebte Shintō-Tradition

Zenpukuji & Igusa Hachimangū (善福寺/井草八幡宮)
– Architektonische Freiheit & shintōistische Stilsicherheit

Shimoda (下田)
– Japans (erzwungener) Aufbruch in die Moderne
oder: verträumtes Städtchen mit südlichem Flair

Shirakawa-gō (白川郷)
– Beschauliches UNESCO Weltkulturerbe

Falls es sich noch nicht herumgesprochen haben sollte: In Japans alter Religion, dem Shintō, sind Götter zwar nicht unsterblich, allmächtig und allwissend, dafür kann jeder und alles „göttlich“ sein („kann“ wohlgemerkt – dieses Potenzial wird, auch bei wohlwollender Betrachtung, nicht von jedem ausgenutzt, um es einmal charmant auszudrücken).

Der Gott Hachiman (八幡 / はちまん) ist ein schönes Beispiel dafür, wie auch ein Mensch „göttlich“ werden kann: Zu Lebzeiten war Hachiman als Ōjin-Tennō (応神天皇 / おうじんてんのう) (200 bis 310 n.Chr.) bekannt (sprich: er war der 15. Kaiser Japans und als solcher natürlich ohnehin schon durch seine Funktion göttlich – wie auch der jetzige, 125. Kaiser Japans). Allerdings hat ihm erst sein überragendes Kriegsgeschick seine ganz besondere Göttlichkeit eingebracht. Alle japanischen Kaiser sind Nachfahren des Urururenkels Amaterasu Ōmikamis (天照大神 / あまてらすおおみかみ), des Jimmu Tennō (神武天皇 / じんむてんのう), der der erste Kaiser des Landes war (da war vor gut 2.675 Jahren). Das japanische Kaiserhaus kann damit auf eine Gründungshistorie zurückblicken, die nicht nur Rückschlüsse auf den japanischen Charakter zulässt, sondern sich auch über die Maßen spannend liest. Und natürlich gilt wie in allen Religionen: Wer’s glaubt, wird selig!

Besagter Gott Hachiman wurde im Jahre 1063 in den Ōmiya Hachiman-Schrein (大宮八幡宮 / おおみやはちまんぐう), gelegen im Tōkyōter Stadtteil Suginami (杉並区 / すぎなみく) überführt. Wer sich nun fragen sollte: „Wie ist das möglich? Der Ōjin-Tennō wird doch auch im ca. 30 Jahre später errichteten Konnō Hachimangū (金王八幡宮 / こんのうはちまんぐう) (und natürlich nicht nur diesem) verehrt.“ Dem sei noch mal die etwas andere Wesensart japanischer Götter in Erinnerung gerufen – deren „Geist“ wird durch Multiplikation nicht schwächer.
Neben dem Ōjin-Tennō werden im Ōmiya Hachiman-Schrein auch noch die Kaiserin Jingū (神功皇后 / じんぐうこうごう) (ca. 169-269 n.Chr.) verehrt. Diese war die Mutter des Ōjin-Tennō, die das Land nach dem Tod ihres Gatten (201 n.Chr.) regiert hat. Da ist es natürlich nicht mehr als recht und billig, wenn auch der Vater des Ōjin-Tennō, der Chūai-Tennō (仲哀天皇 / ちゅうあいてんのう), der von 192-200 n.Chr. kaiserlicher Würdenträger war, hier verehrt wird. Alljährlich ist die Ahnenverehrung Anlass für ein Fest am Ōmiya Hachiman-Schrein am 15. September.

Allerdings geht die Gründung des Schreins auf eine andere Größe der japanischen Geschichte zurück, auf Minamoto no Yoriyoshi (源 頼義 / みなもと の よりよし) (998-1075 n.Chr.). Der ist in erster Linie als Feldherr bekannt, der im gleichen Jahr auch den wesentlich bekannteren Tsurugaoka Hachiman-Schrein (鶴岡八幡宮 / つるがおかはちまんぐう) in Kamakura (鎌倉 / かまくら) gegründet hat. Besagter Minamoto no Yoriyoshi soll an dem Ort, an dem sich heute der Ōmiya Hachiman-Schrein befindet, einer himmlischen Eingebung folgend (ihm war am Himmel eine Wolke in der Form der Standarte der Genji (源氏 / げんじ) – der etwas „populärere“ Name seines Clans – erschienen) den Bau des Schreins befohlen haben. Denn merke: Wer in den Krieg zieht, ist immer gut beraten, schlagkräftige Götter auf seiner Seite zu wissen.

Aber auch wenn Sie für Religion und Historie nicht viel übrig haben sollten, das Areal des Ōmiya Hachiman-Schreins gehört zu den schönsten in der Stadt. Der Schrein ist umgeben von einem herrlichen Wald, der von der Präfektur Tōkyō als Naturdenkmal geschützt wird. Der Watabori Park (和田掘公園 / わたぼりこうえん), auf der anderen Seite des Zenpukuji-Flusses (善福寺川 / ぜんぷくじがわ), gehörte einst auch zum Grundbesitz des Schreins. Heute ist er beliebtes Ausflugsziel für nach Grün lechzende Stadtbevölkerung – und der Park, der sich den Fluss entlang zieht, natürlich auch (dass der Fluss längst nicht viel mehr als ein trauriges Rinnsal in einem Betonkanal ist, darf als Marginalie natürlich nicht stören).

Tipp: Wer mit noch nicht ganz so großen Kindern hierher kommt, sollte den Zenpukuji-Fluss weiter in nordwestlicher Richtung bis zum Suginami-Verkehrserziehungsgarten (杉並児童交通公園 / すぎなみじどうこうつうこうえん), am Südufer des Flusses gelegen, laufen. Die 1972 eröffnete Anlage bietet nicht nur Fahrräder und Kettcars zum Erproben der eigenen Verkehrstüchtigkeit, sondern auch eine alte Dampflok, an der auch die nicht mehr ganz so Kleinen ihre Freude haben.

Wie man hinkommt:

Mit der Keiō Inokashira-Linie (京王井の頭線 / けいおういのかしらせん) nach Nishi Eifuku-ji (西永福駅 / にしえいふくじえき) und vom dortigen Nordausgang (北口) ca. 7 Minuten zu Fuß durch das gar nicht mal so unmalerische Nishi Eifuku (西永福 / にしえいふく).
Überqueren Sie die Inokashira Dōri (井の頭通り / いのかしらどおり) in nördlicher Richtung zur Hōnan Dōri (方南通り / ほうなんどおり), die direkt zum Schrein führt.
Fahrzeit von Shibuya: 18 Minuten.
Fahrpreis (derzeit): 160 Yen bzw. 154 Yen bei Benutzung einer Suica.

Keio-Inokashira-sen, Nishi-Eifuku-eki (京王井の頭線・西永福駅)

Keio-Inokashira-sen, Nishi-Eifuku-eki (京王井の頭線・西永福駅)

Nishi-Eifuku (西永福)

Nishi-Eifuku (西永福)

Adresse des Ōmiya Hachiman-Schreins:

Ōmiya 2-3-1
Suginami-ku
Tōkyō 168-8570

〒168-8570 東京都杉並区大宮2-3-1

Öffnungszeiten des Ōmiya Hachiman-Schreins:

Die Verkaufs- und Funktionsstände des Schreins sind täglich von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet.

Eintritt frei

Adresse des Suginami-Verkehrserziehungsgartens:

1-22-13 Narita-Nishi
Suginami-ku
Tōkyō 166-0016

〒166-0016 東京都杉並区成田西1丁目22番13号

Öffnungszeiten des Suginami-Verkehrserziehungsgartens:

täglich von 8:30 Uhr bis 17:00 Uhr (geschlossen während der Neujahrsfeiertage vom 29. Dezember bis 3. Januar)

Eintritt frei

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One Response to Ōmiya Hachiman-Schrein (大宮八幡宮) (dt.)

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