Kiyosumi Teien (清澄庭園) (dt.)

Der eher unbekanntere unter den ehemaligen Feudalgärten

Kiyosumi Teien (清澄庭園)

Kiyosumi Teien (清澄庭園)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Der verhältnismäßig kleine Kiyosumi Teien (清澄庭園 / きよすみていえん) (8,1 Hektar groß – d.h. bezüglich der Größe wollen sich die Fachleute wohl nicht so recht festlegen: Wikipedia behauptet, es seien „eigentlich nur“ 4,6 Hektar, die Homepage der Parkverwaltung Tōkyōs nennt 8,1 Hektar; glauben wir also mal letzterer) gehört auch zu den eher unbekannteren Tōkyōs, ist dafür aber um so sehenswerter – es gibt nur wenige so schöne und gepflegte Beispiele für einen japanischen Landschaftsgarten.

Angeblich befand sich an der Stellte des Gartens schon im frühen 18. Jahrhundert ein feudales Anwesen (je nach Quelle werden verschiedene Namen von Besitzern genannt). Wirklich verbürgt ist allerdings erst, dass der Gründer des Mitsubishi-Konzerns, Yatarō Iwasaki (岩崎・弥太郎 / いわさき・やたろう), das Land 1878 gekauft hat, um hier zur Entspannung seiner Mitarbeiter und zur Unterhaltung seiner Geschäftsfreunde einen Park anlegen zu lassen (die Gestaltung des Parks hat, je nach Betrachtungsweise, zwischen zwei und 13 Jahren gedauert – er war wohl nach zwei Jahren „benutzbar“, die Anlage der Seenlandschaft wurde aber erst danach in Angriff genommen). Der große Teich im Zentrum des Gartens wurde vom Wasser des Flusses Sumidagawa gespeist (seinerzeit konnte hier, wie in den anderen Feudalgärten in der Nähe des Mündungsbereiches des Flusses, das Spiel der Gezeiten miterlebt werden).

Am eindrucksvollsten sind allerdings die zu Landschaften und Wasserfällen gestalteten Felsbrocken, die aus ganz Japan hierher verbracht wurden.

Yatarō Iwasaki hat es allerdings nicht mehr erlebt, dass sein Nachfolger noch mehrere Gebäude im Park hat errichten lassen. Eines davon soll von dem zwar im Allgemeinen hoch verehrten, von mir allerdings nicht sonderlich geschätzten Josiah Conder gestammt haben. Er ist seinerzeit für zu viele steingewordene Schreie nach Abriss verantwortlich gewesen – das Kyū Iwasaki-Tei (旧岩崎低 / ゆういわさきてい), ebenfalls für die Mitsubishi-Gründerfamilie errichtet und die Villa im westlichen Stil im Kyū Furukawa Teien (旧古川庭園 / きゅうふるかわていえん) in Tōkyō sind eher „gelungene“ Bespiele seines Schaffens. Überstanden haben diese Gebäude im Kiyosumi Teien aber das große Erdbeben von 1923 nicht – immerhin hatte der Garten aber damals als Zufluchtsstätte dienen können. Im Jahre 1931 vermachte Mitsubishi den Garten der Stadt Tōkyō, die ihn, noch im gleichen Jahr der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Ein besonderes Schmuckstück ist das Ryōtei (料亭 / りょうてい) (Restaurant/Teehaus) am Teich, das, errichtet 1909, sowohl das Erdbeben von 1923, als die Bombenangriffe des 2. Weltkriegs überstanden hat.

Der vielleicht berühmteste Haiku-Dichter, Bashō Matsuo (松尾・芭蕉 / まつお・ばしょう) (1644 bis 1694), wird in dem Park mit einem großen Gedenkstein geehrt, der die Inschrift seines wahrscheinlich bekanntesten Haiku-Gedichtes enthält: „Ein uralter Weiher / ein Frosch springt hinein / Oh! Das Geräusch des Wassers.“ (gern auch übersetzt mit „Uralter Teich / Ein Frosch springt hinein / Plop.). Im Original eher profan: „古池や蛙飛び込む水の音” (furu ike ya kawazu tobikomu mizu no oto) – bei Haiku macht das, was nicht explizit geschrieben steht, die Poesie aus.

Kiyosumi Teien (清澄庭園)

Kiyosumi Teien (清澄庭園)

Und wer sich nicht für japanische Dichtkunst interessiert, sollte zumindest im Juni den Abstecher in diesen Teil des Parks wagen, weil es hier ein ganz besonders prächtiges Beet mit Schwertlilien gibt. Im frühen Herbst ist die Blütenpracht, die hier geboten wird, wie man unten sehen kann, deswegen aber nicht minder eindrucksvoll.

Schauen Sie doch auch mal bei den Stein-Buddhaskulpturen, den “Sekibutsugun” (石仏群 / せきぶつぐん) vorbei, die sich am Südostende des großen Teiches befinden. Die Skulpturen mögen auf den ersten Blick unscheinbar erscheinen, aber sie sind teilweise weit über 300 Jahre alt (selbst die jüngsten haben bereits 200 Jahre auf dem steinernen Rücken).

Öffnungszeiten / Eintrittsgebühr:

Täglich von 9 Uhr bis 17 Uhr (letzter Einlass um 16.30 Uhr)
Geschlossen während der Neujahrsfeiertage, 29. Dezember bis 1. Januar.

Erwachsene*: 150 ¥
Senioren (65 Jahre und älter): 70 ¥
Kinder bis einschl. Grundschulalter: frei
* Mittelschüler aus Tōkyō bzw. von Tōkyōter Schulen: Frei
20% Rabatt für Gruppen von 20 und mehr Personen.

Wie man hinkommt:

Toei Ōedo-Linie (都営大江戸線 / とえいおおえどせん) bzw. Tōkyō Metro Hanzōmon-Linie (東京メトロ半蔵門線 / とうきょうメトロはんぞうもんせん) zum Bahnhof Kiyosumi-Shirakawa (清澄白川 / きよすみしらかわ) und von über Ausgang A3, gleich schräg gegenüber auf der gegenüberliegenden Seite der Straße.

Adresse:

3-3-9 Kiyosumi, Koto-ku, Tōkyō 135-0024

Ganz in der Nähe:

Fukagawa Edo Museum (深川江戸資料館)
– Auf Zeitreise zurück ins alte Edo

Fukagawa Fudōdō (深川不動堂)
– Wo Ācala die Lehre der Shingon-Sekte beschützt

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮)
– Göttersänften und Sumō-Ringer

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