Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) (dt.)

Göttersänften und Sumō-Ringer

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮)

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Was es mit der Shintō-Gottheit Hachiman (八幡 / はちまん) auf sich hat, wissen aufmerksame Leser dieser Webseite ja bereits – der kleine, aber feine „Konnō Hachimangū“ in Shibuya war ja bereits Gegenstand einer Beschreibung. Hier geht es um den größten und wichtigsten aller Hachiman-Schreine in Tōkyō, den Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮 / とみおかはちまんぐう), der im Jahre 1627 gegründet wurde (seinerzeit auf dem Meer gerade erst abgerungenen Land – heute liegt er praktisch mitten in der Stadt) und sich des besonderen Wohlwollens der Tokugawa Shōgune erfreuen durfte. Außerdem ist Hachiman seit jeher die Schutzgottheit der Minamoto (源 / みなもと), ehemaliger Mitglieder des Kaiserhauses. Für Unterstützung von weltlich höchster Stelle war also gesorgt.

Nachdem der Schrein während der Meiji-Restauration um die Unterstützung durch die Tokugawa Shōgune gekommen war, wurde er folglich auch vom Meiji-Tennō nicht fallen gelassen, sondern zu einem der wichtigsten Schreine der Stadt erklärt. Die Bombardements Tōkyōs während des 2. Weltkrieges gingen aber auch am Tomioka Hachimangū nicht spurlos vorüber – er brannte der  1945 komplett nieder und wurde nach dem Kriege in Beton neu aufgebaut.

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮)

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮)

Natürlich gibt es in Japan wichtigere und ältere Schreine, die Hachiman gewidmet sind – allen voran der Usa Hachimangū (宇佐八幡宮 / うさはちまんぐう) in der Präfektur Ōita (大分県 / おおいたけん) auf Japans südwestlichster Hauptinsel Kyūshū (九州 / きゅうしゅう), der sozusagen das „Stammhaus“ dieses Hachiman-Kultes ist – aber in Tōkyō ist es eben der größte und gleichzeitig auch der Nukleus eines der größten Festivals in der Stadt. Das „Fukagawa Hachiman Festival“, das alljährlich um den 15. August stattfindet, zählt (zusammen mit dem Sannō-Festival am Hie-Jinja in Akasaka und dem Kanda Myōjin Festival in Kanda; einige Quellen zählen auch das Sanja Festival in Asakusa zu diesem bunten Reigen) zu den großen Schreinfestivals von Edo. Wer an normalen Tagen dem Irrglauben verfallen sollte, es wimmele in Tōkyō, hat noch keines dieser Schreinfestivals erlebt (schauen Sie beim Artikel über das Pendant von Asakusa, dem Sanja Matsuri (三社祭 / さんじゃまつり) vorbei, wenn Sie sich aus sicherer Distanz ein Bild machen wollen).

Der Tomioka Hachimangū wartet allerdings noch mit einem weiteren Superlativ auf, denn auf seinen Festivals kommt auch das größte Mikoshi (神輿 / みこし) des Landes zum Einsatz. Bei diesen Mikoshi handelt es sich sozusagen um „Göttersänften“, in denen die Schutzgottheiten des jeweiligen Schreins mit großem Tamtam und in fröhlicher Ausgelassenheit durch das Stadtviertel getragen werden.
Die beiden Haupt-Mikoshi des Tomioka Hachimangū sind gleich am Anfang des Zugangs zum Schrein linker Hand (Westseite) zu sehen, wo sie während des Jahres unter Verschluss (aber sichtbar!) gehalten werden. Um sich die Dimensionen und die Pracht etwas besser vorstellen zu können, hier ein paar Daten:

Erstes Mikoshi des Hauptschreins (御本社一の宮神輿)
Herstellungsjahr: 1991
Höhe: 4,39 Meter
über 4,5 Tonnen schwer
Über den Preis eines solchen Mikoshi muss man noch nicht mal mehr spekulieren, wenn man weiß, dass allein die Brust des Phönix ein 7-karätiger Diamant ziert und die Augen aus 4-karätigen Diamanten bestehen.

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) - (御本社一の宮神輿)

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) – (御本社一の宮神輿)

Zweites Mikoshi des Hauptschreins (御本社二の宮神輿)
Herstellungsjahr: 1997
Höhe: 3,27 Meter
über 2 Tonnen schwer
Mit den beiden 2,2-karätigen Diamanten, die die Augen des Phönix dieses Mikoshi darstellen, ist er vergleichsweise „bescheiden“ ausgestattet.

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) - (御本社二の宮神輿)

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) – (御本社二の宮神輿)

Wie vieler Träger es bedarf, diese Mikoshi kreuz und quer durch das Viertel zu tragen, lässt sich kaum erahnen. Und wenn Sie sich ein Bild von der Herstellung solcher prächtiger Göttersänften machen wollen, schauen Sie doch mal in folgenden Artikel hinein:

Die Werkstätten von Miyamoto Unosuke (宮本卯之助)
– Wo Trommeln zum Handwerk gehört/gehören…

Berühmtheit genießt der Tomioka Hachimangū allerdings auch für die auf seinem Gelände befindliche Gedenkstätte der Sumō-Ringer (横綱力士碑 / よこづなりきしひ).

Diese mächtige Gedenkstätte wurde im Jahre 1900 (im 33. Regierungsjahr des Meiji-Tennō) durch den 12. Yokozuna (横綱 / よこづな), Jinmaku Kyūgorō (陣幕 久五郎 / じんまく・きゅうごろう), errichtet. Mit „Yokozuna“ wird der Sumō-Ringer im Großmeisterrang, der Gewinner der jeweiligen Meisterschaft bezeichnet. Hier werden seither alle Champions mit deren „Kampfnamen“ (四股名 / しこな), eingemeißelt in Granitsteine, verewigt. Der letzte „Eintrag“ bei der Erstveröffentlichung dieses Artikels wurde am 7.10.2014 durch den Champion Kakuryū Rikisaburō (鶴竜 力三郎 / はくほう・しょう), einen 1985 geborenen, aus der Mongolei stammenden Sumō-Ringer, der eigentlich auf den Namen Mangaljalavyn Anand hört, vorgenommen. Im Jahre 2017 (dem Jahr der bildhaften Überarbeitung des Artikels) ist auch noch der zu dem Zeitpunkt aktuelle Yokozuna, Kisenosato (稀勢の里) hinzugefügt.
Dass die Sumō-Ringer ausgerechnet an einem Schrein ihre Gedenkstätte haben, ist leicht erklärt: Nach Beseitigung des Feudalsystems während der Meiji-Restauration (2. Hälfte des 19. Jahrhunderts) war auch dem Sumō der maßgebliche Sponsor abhanden gekommen. Aber da Sumō schon seit den Frühzeiten Japans eng mit den Schreinfesten verbunden war und von Anfang an eine zeremoniell-religiöse Bedeutung im Shintō hatte, lag es nahe, Sumō noch enger in den Shintō, der zur Zeit der Meiji-Restauration zur quasi-Staatsreligion erhoben wurde, einzubinden.

Übrigens: Das Wort „Sumō“ (相撲 / すもう) ist in seiner wortlichen Übersetzung wesentlich profaner, als man vielleicht annehmen würde. “相” bedeutet (hier) „gegenseitig/einander” und “撲” steht für „schlagen/prügeln“. So einfach ist das…

Und wenn sie schon in dieser Ecke des Schreingeländes sind, werfen Sie doch noch einen Blick dahinter, zum Schreingarten des Nana Watari Jinja (七渡神社 / ななわたりじんじゃ), der völlig zu Unrecht gern übersehen wird.

Wie man hinkommt:

Mit der Tōkyō Metro Tōzai-Linie (東京メトロ東西線 / とうきょうメトロとうざいせん) nach Monzen Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかちょう), Ausgang 1 (Fußweg: 3 Minuten) oder
mit der Toei Subway Ōedo-Linie (都営大江戸線 / とえいおおえどせん) ebenfalls nach Monzen Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかちょう), Ausgang 5 (Fußweg: 6 Minuten)

Öffnungszeiten:

Das Schreingelände kann täglich ohne zeitliche Beschränkung betreten werden.
Eintritt frei.

Bitte beachten Sie: Für das Schreinmuseum sind die Besuchszeiten auf 10 Uhr bis 15.30 Uhr beschränkt. Hierfür wird eine gestaffelte Eintrittsgebühr (je nach Alter und Zutrittsbefugnis) verlangt.

Ganz in der Nähe:

Fukagawa Edo Museum (深川江戸資料館)
– Auf Zeitreise zurück ins alte Edo

Fukagawa Fudōdō (深川不動堂)
– Wo Ācala die Lehre der Shingon-Sekte beschützt

Kiyosumi Teien (清澄庭園)
– Der eher unbekanntere unter den ehemaligen Feudalgärten

Advertisements

6 Responses to Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) (dt.)

  1. […] Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) – Göttersänften und Sumō-Ringer […]

  2. […] Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) – Göttersänften und Sumō-Ringer […]

  3. […] Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) – Göttersänften und Sumō-Ringer […]

  4. […] deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier. A German version of this posting you can find […]

  5. […] Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) – Göttersänften und Sumō-Ringer […]

  6. […] Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮) – Göttersänften und Sumō-Ringer […]

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: