Fukagawa Fudōdō (深川不動堂) (dt.)

Wo Ācala die Lehre der Shingon-Sekte beschützt

Fukagawa Fudōdō (深川不動堂)

Fukagawa Fudōdō (深川不動堂)

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Nein, er gehört wahrscheinlich nicht zu den Sehenswürdigkeiten, die jeder ausländische Tourist in Tōkyō zu sehen bekommt – aber er gehört ganz bestimmt zu den Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben sollte. Er ist nicht der älteste Tempel der Stadt, er ist auch nicht der größte Tempel der Stadt, aber er ist der wahrscheinlich außergewöhnlichste und ganz bestimmt nicht der armseligste: Der Fukagawa Fudōdō (深川不動堂 / ふかがわふどうどう). Er wird bisweilen auch Fukagawa Fudōson (深川不動尊 / ふかがわふどうそん) genannt, heißt aber mit seinem vollständigen Namen „Narita-san Tōkyō Betsuin Fukagawa Fudōdō“ (成田山 東京別院 深川不動堂 / なりたさん とうきょうべついん ふかがわふどうどう) – vielleicht verständlich, dass ein Name dieser Länge selbst beim langmütigsten Buddhisten nach einer “Abkürzung” schreit.

Und ich nehme es gleich vorweg: Die prächtigsten Seiten des Tempels werde ich nicht im Bild zeigen, da diese im Innern der ineinander verschachtelten Tempelräumlichkeiten zu sehen sind, wo Fotografieren verboten ist (und an solche Verbote halte ich mich vorzugsweise). Ich übertreibe aber nicht, wenn ich mich zu der Behauptung hinreißen lasse, dass die Ausstattung des Tempels kaum an Prächtigkeit übertroffen werden kann.

Der Fukagawa Fudōdō ist eine „Filiale“ eines der wichtigsten Tempel des Shingon Buddhismus, des Narita-san Shinshō-ji (成田山・新勝寺 / なりたさん・しんしょうじ) im gleichnamigen Narita, in Tōkyōs östlicher Nachbarpräfektur, Chiba (千葉 / ちば), und, wie auch dieser, dem Fudō Myōō (不動明王 / ふどうみょうおう) geweiht (der in Sanskrit auf den etwas weniger zungenbrecherischen Namen „Ācala“ hört). Dieser unerschütterliche Schutzgott ist an seinem grimmigen, oft auch zähnefletschenden Antlitz zu erkennen, mit dem er verlässlich jeden Feind in die Flucht schlagen soll – für alle Fälle trägt er auch noch ein Schwert bei sich. Und eine besonders hervorragende, hölzerne Version dieses „Ācala“ aus den Händen des großen Bildhauers Seikō Sawada (澤田・政廣 / さわだ・せいこう) (1895-1988) empfängt den Besucher gleich am Eingang zur alten Haupthalle des Tempels. Der Baum, aus dem die acht „shaku“ (尺 / しゃく), sprich: etwa 2 1/2 Meter hohe Statue geschnitzt wurde, soll ein 500 Jahre alter Baum gewesen sein.

Der Tempel selbst stammt aus der Edo-Zeit (gegründet im Jahre 1703). Die heute zu sehende alte Haupthalle gilt als das älteste Holzgebäude im Stadtteil Kōtō – was an ein kleines Wunder grenzt, wenn man weiß, dass auch die ursprüngliche Haupthalle die Bombardements des 2. Weltkriegs nicht überstanden hat. Das Wunder ist aber leicht erklärt: Anstatt den Tempel nach dem Kriege wieder aufzubauen, hat man ein Tempelgebäude aus der Nachbarpräfektur Chiba hierher überführt – und dieses Gebäude stammt aus dem Jahr 1862.
Wesentlich ungewöhnlicher und sicher auch atemberaubender ist jedoch die neue Haupthalle, die sich im Westen an die alte Haupthalle anschließt. Diese im Jahre 2011 (noch rechtzeitig vor dem 310. Jubiläum der Tempelgründung) errichtete Halle zeichnet sich durch eine durchbrochene, kubische Fassade aus, die über und über mit goldenen und schwarzen Sanskrit-Zeichen bedeckt ist. Das innere dieses Gebäudes beherbergt den Haupt-Zeremonienraum, der moderne Architektur mit traditionellen buddhistischen Elementen verbindet.

Allerdings ist das große, sicher etwas überdimensioniert wirkende, vierstöckige Gebäude an der Nordseite der alten Haupthalle der Ort, der wahrscheinlich die größten Überraschungen bereithält. Äußerlich wirkt das im Jahre 2000 errichtete Gebäude zwar nur bedingt zur traditionellen Bauweise des ursprünglichen Tempels passend, entpuppt sich im Innern aber förmlich als Schatzkiste. Hier sind nicht nur mehrere Pilgerstätten für die Gläubigen untergebracht. U.a. eine Galerie im 2. Stock, die alle 88 Heiligtümer des Pilgerweges von Shikoku (四国八十八箇所 / しこくはちじゅうはっかしょ) darstellt – an ihnen zu spenden und zu beten, soll den gleichen Wirkungsgrad haben, wie die ungefähr 1.200 km lange Pilgerschaft vor Ort (sie führt auf den Spuren des Gründers des Shingon-Buddhismus, Kūkai (空海 / くうかい). Lassen Sie sich aber nicht von der auf den ersten Blick eher kitschig-bunten Installation verwirren.

Neben vielen vielen anderen, prächtigen Räumlichkeiten und Installationen ist allerdings wahrscheinlich das Schatzhaus des Dainichi- oder Sonnen-Buddha (大日如来 / だいにちにょらい) im 4. Obergeschoss der eindrucksvollste Ort. Hier sind es nicht nur die Myriaden goldener Buddhastatuen in allen nur denkbaren Größen, die dem Raum eine unermessliche Pracht verleihen, sondern auch das eindrucksvolle Deckengemälde von Chinami Nakajima (中島・千波 / なかじま・ちなみ) (geboren 1945), dessen Oeuvre zwar einen größeren Schwerpunkt auf Kirschblüten legt, der hier aber eine gleichzeitig modern und traditionell anmutende Wiedergabe von „Buddha & Lotos“ geschaffen hat.

Wie eingangs schon erwähnt: Bilder hiervon gibt es (bei mir) nicht – aber dieser Saal allein ist den Besuch des Fukagawa Fudōdō schon wert!

Fukagawa Eitai Dōri (深川永代通り)

Fukagawa Eitai Dōri (深川永代通り)

Wie man hinkommt:

  • Mit der Tōkyō Metro Tōzai-Linie (東京メトロ東西線 / とうきょうメトロとうざいせん) nach Monzen Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかこう), Ausgang 1 (Fußweg: 2 Minuten) oder
  • mit der Toei Subway Ōedo-Linie (都営大江戸線 / とえいおおえどせん) ebenfalls nach Monzen Nakachō (門前仲町 / もんぜんなかちょう), Ausgang 6 (Fußweg: 5 Minuten)

Öffnungszeiten:

Täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr (an Festtagen bis 20.00 Uhr)
Das Erdgeschoss der Hauptgebäude kann von 9.00 Uhr bis 17.45 Uhr (an Festtagen bis 19.45 Uhr) betreten werden, die Stockwerke 2 und 4 von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr (an Festtagen bis 18.00 Uhr).

Eintritt frei

Und wenn Sie schon mal in dieser Ecke sind, schauen Sie doch auch mal hier vorbei:

Fukagawa Edo Museum (深川江戸資料館)
– Auf Zeitreise zurück ins alte Edo

Tomioka Hachimangū (富岡八幡宮)
– Göttersänften und Sumō-Ringer

Kiyosumi Teien (清澄庭園)
– Der eher unbekanntere unter den ehemaligen Feudalgärten

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