Sumiyoshi Taisha (住吉大社) (dt.)

Einer der ältesten und vielleicht auch schönsten Schreine des Landes

Sumiyoshi Taisha (住吉大社)

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Es ist ja bekannt: Wer Zeugen der alten Kultur Japans kennenlernen möchte, fährt nach Kyōto oder Nara. Ōsaka kommt auf der Liste des gewieften Otto-Normaltouristen – zumindest wenn es hierum geht – praktisch nicht vor. Dabei ist die Stadt gar nicht so „ohne“, wie ich hier wieder einmal darlegen möchte.

Der Sumiyoshi Taisha (住吉大社/ すみよしたいしゃ) in Ōsaka (大阪 / おおさか) ist der wichtigste aller Sumiyoshi-Schreine in Japan, allerdings nicht der älteste, der die drei Sumiyoshi-“Gottheiten“ beherbergt (diese Ehre kommt dem Sumiyoshi-Schrein in Hakata zu). Zusätzlich zu den drei Sumiyoshi-“Gottheiten” wird hier noch eine vierte verehrt – insgesamt sind es folgende:

  • Sokotsutsu no Onomikoto (底筒男命 /そこつつのおのみこと)(im 1. Hauptschrein – beim Betreten des inneren Schreingeländes der hinterste Schrein, hinter dem zweiten Hauptschrein)
  • Nakatsutsu no Onomikoto (中筒男命 / なかつつのおのみこと)(im 2. Hauptschrein – beim Betreten des inneren Schreingeländes der mittlere Schrein, hinter dem dritten Hauptschrein)
  • Uwatsutsu no Onomikoto (表筒男命 / うわつつのおのみこと)(im 3. Hauptschrein – beim Betreten des inneren Schreingeländes der Hauptschrein vorne links)

und

  • Okinagatarashihime no Mikoto (息長足姫命 / おきながたらしひめのみこと) (im 4. Hauptschrein – beim Betreten des inneren Schreingeländes der Hauptschrein vorne rechts), sprich: die Kaiserin Jingū ( 神功皇后 (じんぐうこうごう), die nach dem Tod ihres Gatten, des Chūai-Tennō (仲哀天皇 / )ちゅうあいてんのう), von 201 bis 269 n. Chr. an ihres Sohnes statt regiert und ein stattliches Alter von 100 Jahren erreicht haben soll. Ihr wird auch zugeschrieben, Korea in einem dreijährigen Feldzug unterworfen zu haben. Außerdem gilt sie als Bauherrin des Sumiyoshi Taisha. Und “nebenher” ist sie sozusagen auch noch die Ahnherrin einer ganzen Götterdynastie – der sich besonders großer Beliebtheit erfreuende Gott Hachiman (八幡 / はちまん) ich ihr Spross.

Der Einfachheit werden diese Gottheiten „Sumiyoshi Ōkami“ (住吉大神 / すみよしおおかみ) genannt, was man locker mit „Große Gottheiten des Sumiyoshi“ übersetzen könnte. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, ist das japanische Wort „kami“ (神 / かみ) aber nur sehr unzureichend mit „Gott“ oder „Gottheit“ übersetzt, da shintōistische „Götter“ nicht zwangsläufig allwissend, allmächtig oder gar unsterblich sind. Ich möchte nicht so weit gehen, und von „Göttern wie Sie und ich“ sprechen. Jedenfalls sind die hier Verehrten für den Schutz der Reisenden, der Seefahrer, der Fischer und der Händler zuständig.

Man geht davon aus, dass der Schrein schon im 3. nachchristlichen Jahrhundert bestand. Jedenfalls ist er bereits in den großen japanischen Geschichtswerken, dem Kojiki (古事記 / こじき) aus dem 8. Jahrhundert und dem Nihonshoki (日本書紀 / にほんしょき), kurz darauf, ebenfalls im 8. Jahrhundert entstanden, erwähnt.

Gleich im Zugangsbereich zum Schrein tut sich ein kleines architektonisches Schmankerl auf: die „Soribashi“ (反橋 / そりばし). Diese irrwitzig steil gewölbte Brücke (weswegen man sie, in Anlehnung an die runde Form der japanischen Trommeln auch „Taikobashi“ (太鼓橋 / たいこばし) nennt) wirkt nicht einfach nur sehr “exotisch” in westlichen Augen, man kann sich auch keinen abenteuerlicheren Zugang zum Schrein selbst vorstellen.

Wer die obigen Götternamen hübsch artig auswendig gelernt hat, kommt später auf dem Schreingelände um so besser zurecht. Denn im zentralen Bereich des Schreins befinden sich gleich vier Hauptschreine (das gibt es wahrscheinlich an keinem anderen Schrein des Landes), die je einer dieser Gottheiten geweiht sind (wie bei der Namensaufzählung oben ja bereits angedeutet).

Abgesehen von einem wirklich atemberaubend schönen und weitläufigen Schreingelände, sind es namentlich die vier Hauptschreine in praktisch identischer Bauweise, die diesen Ort zu etwas ganz Besonderem machen – vor Ort fühlt man sich fast dazu gedrängt, sich zu der Behauptung hinreißen zu lassen, dass es die wohl schönsten Schreine des Landes sind. Auffallend ist die Bauweise der Hauptschreine, deren vorderer Bereich (wo Besucher ihre Gebete und Fürbitten sprechen) architektonisch sehr stark an traditionelle, buddhistische Tempelbauten erinnern, deren hinterer Teil aber in einem der ältesten shintōistischen Stile, dem so genannten „Sumiyoshi zukuri“ (住吉造 / すみよしつくり), errichtet ist. Wurden diese Gebäude zumindest ab der Mitte des 8. Jahrhunderts alle 20 Jahre abgerissen und neu errichtet, ist diese aufwändige Praxis der „Denkmalpflege“ nur bis in das 15. Jahrhundert beibehalten worden. Die Gebäude sehen derzeit allerdings auch so aus, als seien sie erst gestern neu erbaut worden. Kein Wunder! Die Hauptschreine haben in den Jahren 2008 bis 2010 eine umfassende Renovierung erfahren.

Auf dem Gelände des Sumiyoshi Taisha gibt es noch vier Nebenschreine und einige Unterschreine – bringen Sie sich also ein bisschen Zeit mit, wenn Sie hierher kommen. Denn unter den Nebenschreinen, auch wenn in ihnen keine der „Großen Gottheiten“ des Schreins verehrt werden, gibt es gleich mehrere, die sich besonders um das materielle Wohlergehen kümmern und für eine wundersame Geldvermehrung sorgen sollen. Wollen Sie alles für eine komplikationslose Niederkunft tun? Dann sind sie hier auch gerade richtig! Aber unabhängig davon gilt hier, wie an vielen anderen religiösen Orten Japans: Lassen Sie die Atmosphäre des Schreins auf sich wirken – auch wenn Sie nicht an die shintōistische Götterwelt glauben, der magischen Faszination des Sumiyoshi Taisha werden Sie sich kaum entziehen können.

Herausheben möchte ich das leicht barock wirkende „Büchermagazin“ (住吉御文庫 / すみよしおぶんこ), ein zweistöckiges, strahlend weißes Speichergebäude, das im frühen 18. Jahrhundert errichtet wurde. Es soll eine Sammlung von 30.000 Bänden über die Pilgerstätten der Edozeit (Ōsaka, Kyōto und Edo) enthalten.

Sumiyoshi Taisha (住吉大社・御文庫)

Sumiyoshi Taisha (住吉大社・御文庫)

Wie man hinkommt:

Mit der Straßenbahn der Hankai Uemachi-Linie (阪堺電気軌道上町線 / はんかいでんききどううえまちせん) nach Sumiyoshitoriimae (住吉鳥居前駅 / すみよしとりいまええき) – ein kleines Straßenbahnerlebnis, wie man es in japanischen Großstädten nicht mehr gar so oft erleben kann.

oder

mit der Hankai-Linie (阪堺線 / はんかいせん) nach Sumiyoshikōen Bahnhof (住吉公園駅 / すみよしこうえんえき)

oder

mit der Nankai-Hauptlinie (南海本線 / なんかいほんせん) nach Sumiyoshitaisha Bahnhof (住吉大社駅 / すみよしたいしゃえき)

Öffnungszeiten:

Täglich von 6:00 Uhr bis 17:00 Uhr (April bis September)
Täglich von 6:30 Uhr bis 17:00 Uhr (Oktober bis März)

Eintritt frei

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2 Responses to Sumiyoshi Taisha (住吉大社) (dt.)

  1. […] Kaiserin Jingū (270), als der 15. Tennō Japans. Wer einen der letzten Artikel auf dieser Seite (Sumiyoshi Taisha) aufmerksam gelesen hat, weiß, dass diese Kaiserin Jingū als Gründerin der Sumiyoshi-Schreine […]

  2. […] (270 AD), regarded as the 15th Tennō of Japan. Those of you who have read one of my last postings (Sumiyoshi Taisha) carefully know: This Empress Jingū is said to be the “founding mother” of the […]

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