Kanazawa (金沢) (II) (dt.)

Das Goldstück an der Westküste: Alt-ehrwürdige Schreine und moderne Architektur

Titel Kanazawa 2

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Zu dem Thema bereits veröffentlicht:

Kanazawa (金沢) (I) (German version)
– Das Goldstück an der Westküste: Trommeln, Märkte und eine prächtige Burg

Nachdem wir bei unserem ersten Rundgang schon in diese Richtung vorgedrungen sind, führt uns der Weg auch heute wieder vom Bahnhof nach Südosten und bringt uns im Geschäftszentrum der Stadt bedrohlich nahe zur Burg von Kanazawa.
An der Nordostflanke des Burggeländes befindet sich der Osaki Schrein (尾崎神社 / おさきじんじゃ), der zwar auf den ersten Blick den Eindruck macht, als könne er mal einen neuen Anstrich vertragen, der deswegen aber nicht weniger sehenswert ist, auch weil er ein prächtiger Vertreter früher Edo-zeitlicher Architektur ist (1643 vom dritten Kaga-Herrscher, Mitsutaka Maeda, zur Verehrung der Sonnengöttin Amaterasu errichtet – er war übrigens auch ein Neffe des dritten Tokugawa Shōguns, Iemitsu und als solcher sogar kurzzeitig als Nachfolger des kinderlosen Shōguns in Erwägung gezogen worden) und mehrere wichtige Kulturgüter repräsentiert (z.B. die Haupthalle des Schreins).


Nur wenige hundert Meter südlich des Osaki Jinja, geht es nun vorbei an dem hochmodernen Gebäude Industrie- und Handelskammer (商工会議所 / しょうこう・かいぎしょ) rechter Hand.

Industrie- und Handelskammer (,商工会議所)

Industrie- und Handelskammer (商工会議所)

Entlang der trutzigen Außenmauer der Burg (linker Hand) lockt der Oyama Schrein (尾山神社 / おやまじんじゃ), ein absolutes Muss, wenn man schon mal in Kanazawa ist – und ein beeindruckendes noch dazu. In ihm wird der Gründer des Maeda-Klans, Toshiie Maeda (前田 利家 / まえだ・としいえ), als Gottheit* verehrt. Echauffieren Sie sich nicht darüber, dass man einen Normalsterblichen Gott werden kann! Im Shintō kann alles und jeder göttlich sein oder werden – im Gegenzug dazu sind shintōistische Götter weder allwissend, noch allmächtig. Und sehen Sie es so: Im Katholizismus kann ja theoretisch auch jeder Heiliger werden (was dem shintōisten „Göttlichsein“ schon ziemlich nahe kommt).
* Ich weiß natürlich auch, dass man das, was im Shintō „kami“ genannt wird nur sehr unzureichend mit „Gottheit“ übersetzen kann; ich verwende hier nur die gebräuchlichste Übersetzung.

Dieser Toshiie Maeda (dessen eindrucksvolles Reiterstandbild auf dem Schreingelände zu sehen ist) lebte von 1538 bis 1599 und war General unter Nobunaga Oda (織田 信長 / おだ・のぶなが) und dessen Nachfolger Hideyoshi Toyotomi (豊臣 秀吉 / とよとみ・ひでよし) und als solcher maßgeblich an der Einigung Japans und der Gründung des Tokugawa Shōgunats beteiligt.
Der Schrein war auf Befehl des Nachfolgers Maedas auf dem nahegelegenen Hügel Utatsu (卯辰) errichtet worden und erst 1873 an seinen jetzigen Standort verlegt (als offizielles Gründungsjahr des Schreins, wird heute dieses Datum heran gezogen).
Neben den wirklich beeindruckenden Hauptgebäuden des Schreins sind der pittoreske Garten (gönnen Sie sich hier ein bisschen Zeit!) und das Göttertor (神門 / しんもん) besonders sehenswert. Letzteres schon deswegen, weil es von seiner Architektur her so gar nicht zu den alt-ehrwürdig wirkenden Schreingebäuden passen will. Es wurde auch erst 1875 (also nach der Verlegung des Schreins hierher) errichtet und stellt ein besonders eindrucksvolles Exemplar meijizeitlicher Architektur dar – damals, als scheinbar alles gut war, was nur irgendwie einen westlichen Anstrich hatte. Dass es einen Blitzableiter trägt, könnte immerhin ein Zeichen dafür sein, dass der Schrein bei den für Blitz und Donner zuständigen Göttern (das Kojiki (古事記 / こじき), das alte, aus dem 8. Jahrhundert stammende Geschichtswerk, kennt allein acht verschiedene Donnergötter) kein besonderes Stein im Brett hat… Das 25 Meter hohe, dreistöckige Tor kombiniert westliche Architektur mit japanischen Stilelementen und ist mit Fug und Recht als „interessant“ zu bezeichnen. Ob es auch schön ist, liegt natürlich im Auge des Betrachters. Immerhin wurde es 1950 zum wichtigen Kulturgut erklärt.

Etwa 500 Meter südlich des Oyama Schreins, ganz in der Nähe von Kanazawas berühmtem Garten Kenroku-en (兼六園 / けんろくえん) – den schauen wir uns dann das nächste Mal an – wartet eines der neuen Highlights der Stadt auf Sie, das 21st Century Museum of Contemporary Art (21世紀美術館 / にじゅういちせいきびじゅつかん), das im Jahre 2004 eröffnet wurde. Der japanische Name des Museums beinhaltet übrigens keinen Bestandteil, der auf „zeitgenössische Kunst“ („contemporary art“) hinweist – nichtsdestotrotz: Das Museum stellt zeitgenössische Kunst aus (der Schwerpunkt liegt auf Kunst, die nach dem Jahr 1980 geschaffen wurde) und gleichzeitig IST das ganze Museumsgebäude zeitgenössische Kunst. Geplant wurde es von Kazuyo Sejima (妹島 和世 / せじま・かずよ) und Ryūe Nishizawa (西沢 立衛 / にしざわ りゅうえ) – in Fachkreisen sicher auch unter dem Namen ihres gemeinsamen Architekturbüros, SAANA, bekannt – beide preisgekrönte Sterne am Himmel japanischer moderner Architektur.

Was wie ein mitten in der Stadt gelandetes UFO wirken mag – aufgrund seines kreisrunden Grundrisses mit einem Durchmesser von 112,5 Metern wirkt auf den ersten Blick kleiner als es tatsächlich ist – ist tatsächlich auch ein hochmoderner Museums- und Veranstaltungskomplex. Die komplette Außenfassade besteht aus Fenstern. So bleibt das Gebäude auch von innen mit dem ihn umgebenden Park verbunden, die Grenzen zwischen beiden erscheinen fließend. Worte können die Faszination, die diese Architektur (meines Erachtens mehr von innen als von außen) ausstrahlt, kaum wiedergeben. Auch die unten eingefügten Bilder geben nur einen vergleichsweise müden Abklatsch wieder – dieses Gebäude muss man auf sich wirken lassen. Und vergessen Sie nicht die Kunstinstallationen im Garten! Einfach mal ausprobieren! Was auf den ersten Blick als belanglose Installation erscheinen mag, entpuppt sich u.U. als interessantes Phänomen. So erlaubt das kreisrunde Labyrinth aus verschiedenfarbigen Glaswänden einen unerwarteten Blick auf die „Realität“. Und schauen Sie sich die wie Trompetenrohre aus dem Rasen „wachsenden“ Trichter einmal etwas genauer an – noch besser: erforschen Sie ihre akustischen Eigenschaften! Die Trichter sind unterirdisch mit einander verbunden und eröffnen neue (oder vielmehr: alte) Möglichkeiten der Schallübertragung.

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Adresse des 21st Century Museum of Contemporary Art:

1-2-1 Hirosaka, Kanazawa City, Ishikawa, Japan 920-8509
920-8509 石川県金沢市広坂1-2-1

Öffnungszeiten des 21st Century Museum of Contemporary Art:

Ausstellungsbereich:
10:00 Uhr bis 18:00 Uhr (freitags und samstags bis 20:00 Uhr)
Geschlossen: Montags (fällt ein Nationalfeiertag auf Montag, bleibt der Ausstellungsbereich statt dessen am darauffolgenden Werktag geschlossen) und während der Neujahrsfeiertage

Öffentlicher Bereich:
9:00 Uhr bis 22:00 Uhr
Geschlossen während der Neujahrsfeiertage

Eintrittsgelder für das Museum:

Für den eigentlichen Museumsbereich wird kein Eintrittsgeld verlangt. Die temporären Sonderausstellungen sind kostenpflichtig – die Gebühren hängen von der Ausstellung ab (ca. 400 bis 1.000 Yen).

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Ist Ihnen noch mehr nach moderner Architektur? Dann nehmen Sie sich auch noch ein erst vor kurzem (2011) fertiggestellten Kleinod vor, das D.T. Suzuki Museum (鈴木大拙館)! Unabhängig davon, ob Sie sich für das Leben und Werk des buddhistischen Philosophen D.T. Suzuki (1870 bis 1966) interessieren, die Gegenstand der dortigen Ausstellungen sind, sollten Sie einen Abstecher hierher einplanen. Die drei Flügel der eigentlichen Museumsräumlichkeiten reihen sich um eine große Wasserfläche, den „Wasser-Spiegel-Garten“ – ein Ensemble, das zeigt, dass auch auf jegliche Verzierung verzichtende Architektur durchaus atemberaubend sein kann.

Folgen Sie der Hauptstraße zwischen „21st Century Museum of Contemporary Art“ und dem Ishiura Schrein in südlicher Richtung, vorbei am Kanazawa Hirosaka Postamt (金沢広坂郵便局 / かなざわひろさかゆうびんきょく) und der Präfekturbücherei von Ishikawa (石川県立図書館 / いしかわけんりつとしょかん) (auf der linken Straßenseite). Etwa 70 Meter südlich der Bücherei laufen Sie einfach noch ein Stück geradeaus weiter (nicht der Hauptstraße folgend) und biegen dann links der Beschilderung folgend ab. Klingt komplizierter als es ist!

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Adresse des D.T. Suzuki Museums:

D.T. Suzuki Museum
3-4-20 Honda-machi, Kanazawa, Ishikawa 920-0964

鈴木大拙館
920-0964 石川県金沢市本多町3丁目4番20号

Öffnungszeiten des D.T. Suzuki Museums:

Geöffnet täglich außer montags 9.30 Uhr bis 17 Uhr (letzter Einlass: 16.30 Uhr).
Geschlossen während der Neujahrsfeiertag (29. Dezember bis 3. Januar) und während der Neuinstallation von Ausstellungen.

Eintrittsgelder für das D.T. Suzuki Museum:

Erwachsene 300 Yen
Senioren (65 Jahre und älter), Behinderte: 200 Yen
Kinder (bis Oberstufe): frei

Nachlässe für Gruppen von 20 und mehr Personen.

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Fortsetzung folgt!

Lesen Sie auch:

Kanazawa (金沢) (I) (German version)
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Kanazawa (金沢) (III) (German version)
– Das Goldstück an der Westküste: Gartenbaukunst & Samurai

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2 Responses to Kanazawa (金沢) (II) (dt.)

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