Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseum – 江戸東京たてもの園

Wohnen und leben auf dem Weg in die Moderne

 

P1360117 Edo-Tokyo Tatemono-en

Eine englischsprachige Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Die besonderen Anforderungen an die Wandelbarkeit einer modernen japanischen Metropole und das, was der jeweilige Zeitgeschmack verlangt – nicht zuletzt ist auch kaum eine andere ist in einem solchen Maße von Feuersbrünsten, Überflutungen, Erdbeben und Kriegen heimgesucht worden – bringen es mit sich, dass im Stadtbild Tōkyōs nur (vergleichsweise) wenige steinerne oder hölzerne Zeugen alter Zeiten erhalten geblieben sind (dass es schon aufgrund der gigantischen Größe Tōkyōs doch immer noch viele, viele Hände voll sind, wurde auf dieser Webseite ja bereits eindrücklich dokumentiert).

Um wenigstens Bruchteile der Wohn- und Lebenskultur der Zeit zwischen dem Ende der Edo-Zeit und nach dem Ende des 2. Weltkrieges in anschaulicher Weise zu bewahren, hat man 1993 das Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseum ( 江戸東京たてもの園 / えどとうきょうたてものえん), sozusagen als Außenstelle des Edo-Tōkyō Museums (江戸東京博物館 / えどとうきょうはくぶつかん), auf einem 7 Hektar großen Areal in Koganei (小金井 / こがねい) im Westen Tōkyōs eingerichtet.

Jeder, der mehr über das Japan in der Zeit seiner Industrialisierung und seines Aufbruchs in die Welt lernen will, als in schlauen Büchern steht, ist hier richtig aufgehoben. Anhand von Beispielen der Wohn- und Arbeitskultur in dieser Zeit, die nicht selten in unseren Augen wirre, aber doch zumindest bisweilen gar nicht mal unharmonisch wirkende Kombinationen aus japanischen und westlichen Stilelementen hervorgebracht hat, wird mehr über das damalige Lebensgefühl ausgesagt, als es Statistiken und plumpe Vergleiche können.

Das Parkareal ist in drei Zonen aufgeteilt:

Mittelbereich (Center Zone / センターゾーン)

Dieser Bereich besteht nicht nur aus der grandiosen Eingangshalle, die gleichzeitig auch das Besucherzentrum mit den Ausstellungsräumen des Museum ist, dem ehemaligen Kōka-Palast (旧光華殿 / きゅうこうかでん), sondern auch aus einem Mausoleum aus der frühen Edo-Zeit und mehreren Bespielen wohlhabender Wohnkultur im frühen 20. Jahrhundert.

Hier einige optische Eindrücke:

Der ehemalige Kōka-Palast (旧光華殿 / きゅうこうかでん), der ursprünglich 1940 für die Zeremonien zum 2.600-jährigen Jubiläum der Thronbesteigung des ersten japanischen Kaisers vor dem Kaiserpalast errichtet worden war, wurde 1941 hierher (damals hat man den Park noch „Koganei Grand Green Space“ genannt) verbracht. Später wurde er zum Besucherzentrum des Museums ausgebaut.

Ehemaliger Kōka-Palast (旧光華殿)

Ehemaliger Kōka-Palast (旧光華殿)

Das ehemalige Jishō-in Mausoleum (旧自証院霊屋 / きゅうじしょういんたまや) wurde im Jahre 1652 für die Frau des dritten Tokugawa Shōguns (Tokugawa Iemitsu / 徳川家光) errichtet und gilt heute als eines der ganz wenigen verbliebenen Dokumente grandioser Mausoleums-Architektur Tōkyōs. In seiner Farbenpracht macht es deutlich, dass sich die Mausoleen der Shōgune in Tōkyō durchaus mit dem Prunk der Bauten in Nikkō messen konnten.

Bitte klicken Sie auf eine der Miniaturen in den nachfolgenden Mosaiken, um jeweils eine Diashow zu starten.

Die Residenz des Korekiyo Takahashi (高橋是清邸 / たかはしこれきよてい) aus dem Jahre 1902 ist komplett aus Hemlock-Tanne errichtet und zeigt Parkettfußböden in den westlich gestalteten Räumen (i.e.  in dem als Museum eingerichteten Raum im Erdgeschoss). Besondere Faszination üben die filigranen Fensterfronten aus. Takahashi war ein einflussreicher Politiker in der Meiji-Zeit (1868-1912). Das Haus stand ursprünglich in Akasaka (赤坂) im Bezirk Minato (港区). Und das Grundstück kann heute noch leicht gefunden werden: Es befindet sich an der Südseite der Aoyama Dōri (青山通り), gleich neben der kanadischen Botschaft. Heute ist noch der Garten des Hauses, eine parkähnliche Anlage mit altem Baumbestand, erhalten. Sollte sie Ihnen etwas “unheimlich” vorkommen, spräche das für Ihre besonderen Wahrnehmungsfähigkeiten, denn es war hier, wo Takahashi während eines Putschversuches vorgeblich kaisertreuer Nationalisten am 26. Februar 1936 umgebracht wurde.

Das zweite Anwesen der Nishikawa-Familie (西川家別邸 / にしかわけべってい)
Diese, besonders in seiner Innengestaltung, recht herrschaftliche Villa wurde im Jahre 1922 als Ort der Entspannung und der Unterhaltung für den Geschäftsmann Izaemon Nishikawa (西川伊左衛門 / にしかわいざえいもん) in der Stadt Akishima (昭島 / あきしま, im mittleren Westen Tōkyōs) errichtet. Herr Nishikawa war Inhaber einer der führenden Seidenspinnereien in Gebiet Nord-Tama. Und zu dieser Zeit konnten sich die japanische Seidenraupenzucht und japanische Seidenprodukte noch eines reißenden Absatzes erfreuen – sie waren berühmt für ihre sozusagen „handverlesene“ Qualität.
Wie es der Zweck des Gebäudes verlangt, besteht es fast ausschließlich aus Gast- und Gesellschaftszimmern. Eine Küche sucht man hier vergeblich. Das Badezimmer ist vergleichsweise einfach ausgestattet – nur die Toiletten sind herrschaftlich verziert.

Das Tor zur Residenz der Date-Familie (伊達家の門 / だてけのもん) stammt aus den Sammlungen des „Vorläufers“ des Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseums, des „Musashino Folklore Museums“, und zeigt ein besonders prächtiges Beispiel für das Haupttor eines herrschaftlichen Anwesens in der Taishō-Zeit (1912-1926) – es erinnert an die luxuriösen Bauten ehemaliger Feudalherren der Edo-Zeit.

Westbereich (West Zone / 西ゾーン / にしゾーン)

Hier befinden sich die unterschiedlichsten Beispiele für Wohnhäuser aus der Zeit zwischen dem frühen 20. Jahrhundert und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Ganz im Westen dieses Bereichs schließen sich auch noch vier Beispiele bäuerlicher Architektur aus dem Ende der Edo-Zeit an, die hier aber nur am Rande erwähnt werden – wer den Schwerpunkt seines Interesses auf diesen Zeitabschnitt und seine ländlichen Gebäude legt, sollte einen Besuch des Nihon Minkaen in Erwägung ziehen).

Auch hier ein paar optische Eindrücke:

Haus der Familie Ōkawa in Den’enchōfu (田園調布の家(大川邸) / でんえんちょうふのいえ おおかわてい)
Das im Jahre 1925 errichtete Wohnhaus stand früher in Den’enchōfu (田園調布) in Tōkyōs Ōta-Bezirk (大田区) und zeigt ein seinerzeit seltenes Beispiel für komplett westliche Raumgestaltung. Einzig das Bad entsprach, wenngleich komplett gefliest, eher japanischen Körperpflegeansprüchen mit seiner tiefen Sitzwanne. Ein Schmuckstück ist allerdings der zur Gartenlaube hin mit einer großen Fensterfront geöffnete Wohnraum mit den urgemütlichen Sitzbänken am Fenster.

Haus des Kunio Maekawa (前川國男邸 / まえかわくにおてい)
Ganz besonders beeindruckt war ich von diesem im Jahre 1942 in Kami-Ōsaki (上大崎) in Tōkyōs Shinagawa-Bezirk (品川区) erbauten Haus. Obwohl es während des 2. Weltkrieges schwierig gewesen sein dürfte, war es dem Bauherrn gelungen, hier ein Wohnhaus entstehen lassen, das vielleicht das westlichste im ganzen Park ist, auch wenn es von außen gar nicht auf den ersten Blick so erscheinen mag. Im Innern fühlt man sich an skandinavische Häuser erinnert. Die Möbel hätten auch einem nordischen Möbelhauskatalog der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entsprungen sein können.

Koide-Haus (小出邸 / こいでてい)
Das nebenan stehende Haus mag von außen auf den ersten Blick „westlicher“ als das des Herrn Maekawa wirken, ist aber eher ein Beispiel für japanischen Modernismus, den der Bauherr nach Rückkehr von einer Europareise im Jahr 1925 hat umsetzen lassen. Neben einem leicht „puffig“ wirkenden Empfangsraum im rückwärtigen Gebäudeteil sind die Räume im dem Garten zugewandten Südteil des Hauses rein japanische Zimmer mit Tatamifußboden.

Haus des Georg de Lalande (ゲオルグ・デ・ラランデ 邸 / げおるぐ・で・ららんでてい)
Das ursprünglich nur ebenerdig in Shinanomachi (信濃町) im Shinjuku-Bezirk (新宿区) errichtete Haus war um das Jahr 1910 von dem deutschen Architekten Georg de Lalande übernommen und in ein dreigeschossiges, hölzernes Wohngebäude umgewandelt worden. Nach wechselnden Besitzern lebte von 1956 an der Erfinder des in Japan besonders beliebten Milchsäure-Getränks Calpis (カルピス), Kaiun Mishima (三島・海雲) (1878-1974), in diesem Haus. Das Gebäude stand noch bis 1999 in Shinanomachi und wurde erst danach hierher überführt.

Fotostudio Tokiwadai (常盤台写真場 / ときわだいしゃしんじょう)
Das Gebäude dieses Fotostudios stand ursprünglich (1937) in Tokiwadai (常盤台 / ときわだい) im Stadtteil Itabashi (板橋区). Als Teil einer betont modernen Siedlung, die ihre Inspiration durch den Bauhausstil nicht verleugnen konnte, hatte man das Gebäude ganz den damaligen Erfordernissen der Studiofotografie unterworfen und im Studiobereich durch Milchglasfenster für eine besonders diffuse Innenraumbeleuchtung gesorgt. Die anderen Räumlichkeiten des Hauses sind allerdings überwiegend traditionell japanisch gehalten.

Residenz des Hachirouemon Mitsui (三井八郎右衞門邸 / みついはちろうえもんてい)
Von außen her zwar auch eindrucksvoll, aber eher bescheiden wirkend, gehört die Residenz des Hachirouemon Mitsui (1895-1992) zu den prächtigsten Gebäuden der ganzen Museumsanlage – diese Pracht entfaltet das Gebäude allerdings eher im Innern. Auch wenn das Gebäude selbst erst 1952 in Nishi-Azabu (西麻布) im Minato-Bezirk (港区) gebaut wurde, wurden Teile (das Gästezimmer und das Esszimmer) aus einem Gebäude integriert, das 1897 in Kyōto errichtet worden war. Das angrenzende Lagerhaus im Kura-Stil geht auf das Jahr 1874 zurück. Die Pracht im Innern des Gebäudes erklärt sich, wenn man weiß, dass der Hausherr der vorletzte der Patriarchen des Mitsui-Clans war. Kein Wunder, dass man sich auf Schritt und Tritt mehr an eine kaiserliche Sommerresidenz erinnert fühlt, als an das Stadthaus eines Industriellen.

Ostbereich (East Zone / 東ゾーン / ひがしゾーン)

Auch wenn dieser Bereich von einem besonders stattlichen Beispiel herrschaftlicher, traditioneller japanischer Architektur aus der Endphase der Edo-Zeit „eingeläutet“ wird, dem Bauernhaus der Familie Tenmyō, besteht er in erster Linie aus mehreren ganz besonders anschaulichen Beispielen für die städtische Arbeits- und Wohnkultur der Taishō- (1912-1926) und Shōwa-Zeit (1926-1989) – mit einem Schwerpunkt auf der Zeit vor dem 2. Weltkrieg.

Zunächst werfen wir einen Blick auf das Haus der Familie Tenmyō (天明家 / てんみょうけ), das erst gegen Ende 2014 frisch restauriert wurde und nunmehr wieder der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Haus der Familie Tenmyō (Farmhaus) (天明家 / てんみょうけ)
Die Tenmyō-Familie verwaltete während der Edo-Zeit (1603-1867) das Dorf Unoki im heutigen Ōta-ku (大田区 / おおたく). Die hohe soziale Stellung der Familie schlägt sich natürlich auch in der vergleichsweise aufwändigen Architektur des Wohnhauses aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder – die eindrucksvolle Dachkonstruktion ist sicherlich ebenso hervorzuheben, wie das prächtige Tor, das den Zugang zum Haus der Familie schützte.

Den größten Teil des Ostbereichts nimmt die “Shitamachi Naka Dōri” (下町中通 / したまちなかどおり) mit ihren Straßengeschäften und dem herrlichen Badehaus ein.

Wiederum ein paar bildhafte Beispiele:

Maruni Shōten (Haushaltswarengeschäft) (丸二商店(荒物屋) / まるにしょうてん(あらものや))
Das in der frühen Shōwa-Zeit (1926-1989) errichtete Geschäftshaus besticht in erster Linie durch seine wie geflochten wirkende Fassade aus Kupferplatten. Im Innern zeigt sich der traditionelle Aufbau eines Geschäftshauses der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts: die Geschäftsräume öffnen sich zur Straße hin, die Wohnräume liegen in dem lang gestreckten Haus dahinter. Ursprünglich stand das Gebäude in Kanda-Jinbōchō (神田神保町) im Tōkyōter Chiyoda-Bezirk (千代田区).

Blumengeschäft „Hanaichi“ (花市生花店 / はないちせいかてん)
Das Gebäude in so genannter „kanban kenchiku“ (看板建築 / かんばんけんちく) – frei übersetzt: Plakat-Architektur – stammt aus dem Jahre 1927 und stand ursprünglich in Kanda-Awajichō (神田淡路町) im Chiyoda-Bezirk (千代田区). Die Fassade passt besonders gut zu einem Blumengeschäft. Und die Räumlichkeiten des Ladens atmen auch heute noch den Geist der 50er Jahr des vergangenen Jahrhunderts.

Haus der Uemura (植村邸(うえむらてい)
Auch die Front dieses Hauses, das im Jahre 1927 in Tōkyōs Chūō-Viertel (中央区 / ちゅうほうく) errichtet wurde, ist mit Kupferplatten bedeckt – ein besonders eindrucksvolles Beispiel der  „Plakat“-Architektur. Während das Haus von außen einen eher westlichen Eindruck macht, ist es spätestens ab dem 1. Stock japanisch. Achten Sie einmal auf das Familien-Symbol im Giebel des Hauses: ein „US“ (für Uemura Saburo / 植村三郎 / うえむらさぶろ), eingerahmt in einem Hexagramm.

Schreibwarengeschäft „Takei Sanshōdō“ (武居三省堂 / たけいさんしょうどう)
Dieses Geschäft geht auf eine Gründung eines Großhandelshauses für Kalligraphiebedarf in der späten Meiji-Zeit (Ende des 19. Jahrhunderts) zurück. Das Gebäude, das allerdings erst nach dem großen Erdbeben von 1923 errichtet wurde, zeigt auch den Wandel, den der Großhändler hin zum Einzelhändler durchgemacht hat. Es stand seit 1927 in Tōkyōs Stadtteil Chiyoda (千代田区 / ちよだく) und stellt ein weiteres hübsches Beispiel für den „Plakat“-Stil dar – diesmal mit einer Backsteinfassade.

Soja-Soßen-Geschäft Kodera (小寺醤油店 / こでらしょうゆてん)
Ursprünglich in Shirokane (白金) im Minato-Bezirk (港区) errichtet (1933), ist das Geschäftshaus eigentlich ein typischer Vertreter der Taishō-Zeit (1912-1926). Hier wurden Sojasoße, Sojapaste (Miso) und alkoholische Getränke angeboten. Kennzeichnend für das Gebäude ist das ausladende Traggebälk (出桁造り / だしげたづくり).

Lebensmittelgeschäft Yamatoya (大和屋本店 / やまとやほんてん)
Das 1928 in Shirokanedai (白金台 / しろかねだい) (im Tōkyōter Stadtteil Minato / 港区 / みなとく) errichtete Gebäude stellt ein besonders auffallendes Beispiel für einen eigenartigen Stilmix der Fassade dar. Einerseits wird hier dem „Plakat“-Stil gefrönt, andererseits zeigen das obere Stockwerk und das Dach des Hauses eindeutig traditionellere japanische Stilelemente. Im Erdgeschoss ist ein Lebensmittelgeschäft zu sehen, wie es für die Zeit des 2. Weltkriegs typisch gewesen sein dürfte.

Gästehaus Mantoku (万徳旅館 / まんとくりょかん)
Das Gästehaus Mantoku stand ursprünglich in Nishiwake-chō, einem Teil von Ōme-ku. Man geht davon aus, dass es gegen Ende der Edo-Zeit (1603-1867) bzw. in der frühen Meiji-Zeit (1868-1912) errichtet wurde. Das ursprünglich ganz aus Holz bestehende Gebäude wurde beim Wiederaufbau im Museum mit Stahlstreben verstärkt. Das Obergeschoss des Gästehauses war erst in der Mitte der Meiji-Zeit hinzugefügt worden, um Raum für mehr Gästezimmer zu schaffen. Ursprünglich war ein Lagerhaus mit dem Gästehaus verbunden.
Das Gästehaus Mantoku wurde bis 1993 betrieben und hatte bis dahin nur unwesentliche bauliche Veränderungen seit seiner Errichtung erfahren. Heute ist es so zu sehen, wie es wohl in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ausgesehen haben mag und auch damals noch immer ein gewisses Flair der Edo-Zeit vermittelt hat.

Kagiya Bar (鍵屋(居酒屋) / かぎや(いざかや))
Das Gebäude stammt aus den Beständen des ehemaligen “Musashino Folklore Museums”, und man geht davon aus, dass es im Jahre 1856 an der Kototoi-Straße (言問通り) in Shitaya (下谷) im Taitō-Bezirk (台東区) errichtet wurde. Es ist eines der wenigen Gebäude aus dieser Zeit, die sowohl das große Erdbeben von 1923, als auch den 2.Weltkrieg überstanden haben. Die Gasträume im Erdgeschoss wurden so eingerichtet, wie es hier wohl noch in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ausgesehen haben mag. Sich hier fröhlich zechende „sarariiman“ (サラリーマン) (Büroangestellte) vorzustellen, bedarf keiner ausufernden Phantasie.

Öffentliches Badehaus Kodakara-yu (子宝湯 / こだからゆ)
Eines der nicht nur von außen eindrucksvollsten Gebäude des Museumsgeländes ist dieses prächtige Badehaus, das aus dem Jahr 1929 stammt und seinerzeit in Senjū-Motomachi (千住元町) im Adachi-Bezirk (足立区) gestanden hat. Zum Luxus der Ausstattung dieses Badehauses gehört der eines großen Tempels würdige Dachgiebel und die geschnitzten „sieben Glücksgötter“ über dem Eingang. Eine Gitterwerk-Decke, wie die über den Umkleideräumen, findet man sonst auch eher in mächtigen Tempelgebäuden. Die beiden großen Baderäume werden von einer halbhohen Wand mit Spiegeln getrennt und von prächtigen Wandmalereien japanischer Landschaften mit Mount Fuji dominiert. Wer hier keine Lust auf sorgsame Körperpflege bekommt, bekommt sie nimmermehr.

Schneiderwerkstatt (仕立屋 / したてや)
Das ebenfalls durch seine ausladende Tragbalken (出桁造り / だしげたづくり) auffallende, ansonsten eher unscheinbar daher kommende Gebäude einer Schneiderwerkstatt aus der Meiji-Zeit (1868-1912) wurde 1879 in Mukōgaoka (向ヶ丘) im Bezirk Bunkyō (文京区) errichtet. Im Innern ist heute eine typische Werkstatt aus der Taishō-Zeit (1912-1926) zu bestaunen.

Kosmetik-Manufaktur „Murakami Seikado“ (村上精華堂・化粧品屋 / むらかみせいかどう・けしょうひんや)
Diese Kosmetik-Manufaktur mit Verkaufsraum stand ursprünglich an der Shinobazu-Straße (不忍通り) in Ikenohata (池之端) im Bezirk Taitō (台東区). Seit der frühen Shōwa-Zeit (1928) wurden hier Kosmetika aller Art verkauft. Am auffallendsten ist allerdings die seinerzeit als besonders „modern“ aus dem Straßenbild stechenden Fassade, die einem heute eher Tränen der Verzweiflung als der Freude über einen gekonnten Architekturstil in die Augen treibt.

Schirm-Großhändler, Kawano Shōten (川野商店(和傘問屋) / かわのしょうてん(わがさとんや)
Als die Herstellung und der Vertrieb von Papierschirmen noch eine aufstrebende Geschäftssparte war, wurde dieses stattliche Geschäftshaus 1926 in Minami-Koiwa (南小岩) im Bezirk Edogawa (江戸川区) errichtet. Heute kann man in den Verkaufsräumen nicht nur die fertigen Produkte sehen, sondern bekommt auch anhand von Miniaturen den Prozess der Herstellung von Papierschirmen näher gebracht.

Adresse:

Edo-Tōkyō Open Air Architectural Museum
3-7-1 Sakurachō, Koganei
Tōkyō 184-0005

江戸東京たてもの園
〒184-0005 東京都小金井市桜町3-7-1

Öffnungszeiten:

Geöffnet täglich außer montags (fällt ein Feiertag auf Montag, bleibt das Museum statt dessen am Dienstag geschlossen)

April bis September: 9.30 Uhr bis 17.30 Uhr
Oktober bis März: 9:30 Uhr bis 16.30 Uhr
(Einlass bis 30 Minuten vor Schließung)

Eintrittsgebühr:

Erwachsene: 400 Yen
Senioren (65 Jahre oder älter): 200 Yen
Studenten: 320 Yen
Oberschüler*: 200 Yen
Mittelschüler (in Tōkyō) und alle jüngeren: frei

* Mittelschüler von außerhalb Tōkyōs zahlen ebenfalls 200 Yen

Behinderte und maximal zwei ihrer Begleitpersonen: frei

An jedem dritten Samstag und Sonntag im Monat ist „Familientag“. Eltern die ein Kind, das jünger als 18 Jahre ist, begleiten, zahlen den halben Eintrittspreis.
An jedem dritten Mittwoch im Monat ist „Silber-Tag“. An diesen Tagen haben Senioren (65 Jahre oder älter) freien Eintritt.

Besondere Hinweise:

Bitte achten Sie bei Ihrem Besuch auf folgende Hinweise, wenn Sie fotografieren möchten:

Fotografieren, Filmen oder Zeichnen mit Modellen wird ein kommerzieller Hintergrund unterstellt, deswegen sind sie (wie jede Form kommerzieller Aufnahme) anmelde- und gebührenpflichtig.

  • Wenn sich andere Besucher durch das Fotografieren gestört fühlen, kann es komplett verboten werden.
  • Benutzen Sie in Innenräumen kein Blitzlicht.
  • Bewegen/berühren Sie keine der Einrichtungsgegenstände und Hinweisschilder.
  • An folgenden Orten ist das Fotografieren nicht gestattet:
    – Residenz des Hachirouemon Mitsui (1. Stock, am buddhistischen Gebetsraum)
    – Residenz des Hachirouemon Mitsui (im Lagerhaus)
    – In den Ausstellungsräumen (in Abhängigkeit von den Ausstellungen; fragen Sie das Personal)
  • Benutzen Sie keine Stative in den Gebäuden und in einigen Gärten (vorderer Garten des Bauernhauses der Tsunashima-Familie, im Garten der Residenz des Hachirouemon Mitsu, im Garten des Hauses von Korekiyo Takahashi und am Teehaus “Kaisuian”) und überall dort, wo auf engen Wegen andere Besucher behindert werden könnten.

Wie man hinkommt:

JR-Linie
Mit der JR Chūō-Linie (JR中央線 / JRちゅうおうせん) nach Musahi-Koganei (武蔵小金井 / むさしこがねい) (Fahrpreis von Shinjuku nach Musashi-Koganei: 290 Yen).

Von dort zu Fuß vom Nordausgang in nördlicher Richtung für ca. 15-20 Minuten entlang der Koganei-Kaidō (小金井街道 / こがねいかいどう), die auch schmückend „Shiruku Road“ (シルクロード)genannt wird (was passiert, wenn man in Katakana geschriebenes Englisch in „Buchstaben“ zurück übersetzt, ohne Ahnung von Englisch zu haben – eigentlich müsste es „Silk Road“ heißen), bis zur Kreuzung mit der Itsukaichi-Kaidō (五日市街道 / いつかいちかいどうこう) – als „Landmarke“ kann man sich hier an der großen Tankstelle in der Nordwestecke der Kreuzung orientieren. Von dort sind es nur noch 800 Meter in östlicher Richtung entlang der besagten Itsukaichi-Kaidō.

Wem dieser Fußweg zu weit ist, kann den Seibu-Bus (西武バス / せいぶバス) vom Nordausgang des Bahnhofs von Musahi-Koganei (Bussteig 2 oder 3) nehmen, der die Koganei-Kaidō entlang nach Norden fährt. Ausstieg an der Haltestelle Koganei Kōen Nishiguchi / 小金井公園西口 / こがねいこうえんにしぐち) – von dort noch 5 Minuten zu Fuß in östlicher Richtung.

Alternative: Mit dem Kantō-Bus (関東バス / かんとうバス) vom Nordausgang des Bahnhofs von Musahi-Koganei (Bussteig 4) in Richtung Mitaka Bahnhof (三鷹駅 / みたかえき), Ausstieg an der Haltestelle „Edo-Tōkyō Tatemeno-en mae“ (江戸東京たてもの園前 / えどとうきょうたてものえんまえ).

oder

Seibu-Shinjuku-Linie
Mit der Seibu-Shinjuku-Linie (西武新宿線 / せいぶしんじゅくせん) nach Hana-Koganei (花小金井 / はなこがねい) (Fahrpreis von Seibu Shinjuku nach Hana-Koganei: 260 Yen) und von dort mit dem Seibu-Bus in Richtung Musashi-Koganei – wie oben angegeben an der Haltestelle „Koganei-Kōen Nishiguchi“ (小金井公園西口 / こがねいこうえんにしぐち) aussteigen und 5 Minuten zu Fuß in östlicher Richtung.

(Den Weg von Hana-Koganei zum Edo-Toyko Freilicht-Architekturmuseum bin ich selbst noch nicht zu Fuß gegangen – deswegen verzichte ich hier auch auf entsprechende Angaben.).

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7 Responses to Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseum – 江戸東京たてもの園

  1. […] German version of this posting you can find here. Eine deutsche Version dieses Artikels finden […]

  2. […] Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseum – 江戸東京たてもの園 – Wohnen und leben auf dem Weg in die Moderne […]

  3. […] ist der Link: Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseum – 江戸東京たてもの園 Und falls Sie das alles lieber auf Englisch hätten: Edo-Tōkyō Open Air Architectural Museum – […]

  4. […] Here is the link: Edo-Tōkyō Open Air Architectural Museum – 江戸東京たてもの園 And should you fancy a German version: Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseum – 江戸東京たてもの園 […]

  5. […] Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseum […]

  6. […] Hier ist der Link: Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseum – 江戸東京たてもの園 […]

  7. […] should you fancy a German version: Edo-Tōkyō Freilicht-Architekturmuseum – 江戸東京たてもの園 Und falls sie eine deutsche Version dieses Artikels sehen möchten: Edo-Tōkyō […]

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