Tonogayato Teien – 殿ヶ谷戸庭園

Gartenbaukunst der Taishō- und Shōwa-Zeit

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Tonogayato Teien – 殿ヶ谷戸庭園

Tonogayato Teien – 殿ヶ谷戸庭園

Wer schon ein bisschen auf dieser Seite gestöbert hat, weiß, dass sie sich überwiegend Orten widmet, um die – aus welch unerfindlichen Gründen auch immer – die einschlägigen Reiseführer gern einen großen Bogen machen. Deswegen: Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie noch nie etwas von einem Tonogayato Teien (殿ヶ谷戸庭園 / とのがやとていえん) gehört haben. Sind offenbaren damit zwar eine sträfliche Bildungslücke, befinden sich aber in bester Gesellschaft.

Tonogayato Teien – 殿ヶ谷戸庭園

Tonogayato Teien – 殿ヶ谷戸庭園

Dieser Landschaftsgarten wurde zu einer Zeit angelegt, als Japan im Umbruch war, als es plötzlich nicht mehr die Adeligen des Landes waren, die sich Herrschaftshäuser, Teehäuser und Gärten bauen ließen, sondern auch diejenigen, die mit der Öffnung Japans und seinen Expansionen ihr Glück (und nicht selten auch Geld) gemacht hatten. Eguchi Teijō (江口・定條 / えぐち・ていじょう) war ein solcher Repräsentant dieser Zeit. Der spätere Vize-Präsident der Mandschurischen Eisenbahn (南満州鉄道 / みなみまんしゅうてつどう – kurz und schmerzlos auch 満鉄 / まんてつ genannt) hatte sich hier in den frühen Regierungsjahren (1913-1915) des Taishō-Tennō diesen Garten als Teil seiner Residenz anlegen lassen. Vize-Präsident einer Eisenbahngesellschaft klingt jetzt erst mal nach nichts Besonderem. Wenn man allerdings weiß, dass diese Aktiengesellschaft auch für die Industrialisierung des später von Japan besetzten „Mandschukuo“ (満州国 / まんしゅうこく) verantwortlich zeichnete, wird der Status des Herren Eguchi schon etwas klarer.

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Auf der offiziellen, englischen Version der Webseite der Gartenverwaltung Tōkyōs kann man nachlesen, dass 1929 der Mitsubishi-Gründer Iwasaki Yatarō (岩崎・弥太郎 / いわさき・やたろう) das Anwesen gekauft haben, und mehrere Gebäude (u.a. auch das besonders romantisch von Ahornbäumen umstandene Teehaus) darauf errichtet und den Garten verschönert haben soll. Es handelt sich hierbei sicher nur um ein Versehen und keine bewusste Geschichtsklitterung. Der gute Herr Iwasaki war zu dem Zeitpunkt nämlich schon seit 44 Jahren tot… Dieser Fehler zieht sich übrigens auch durch die meisten englischsprachigen Internetbeiträge zu diesem Garten wie ein roter Faden. Richtig ist aber, dass der Iwasaki-Clan das Anwesen gekauft, umgestaltet und auch mit Gebäuden im westlichen Stil erweitert hat. Was wieder einmal beweist, dass die Allwissenheit des Internets auf recht tönernen Füßen steht.

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Nachdem es in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Bestrebungen gegeben hatte, das Areal einer anderen Verwendung zuzuführen, sich eine Bürgerbewegung aber dagegen zur Wehr gesetzt hatte, wurde der Garten 1974 von der Stadt erworben und 1979 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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Trotz seiner eher bescheidenen Ausmaße (gut 21.000 qm) bietet der Garten eine unerhört abwechslungsreiche Topografie – man möchte dem Besucher fast festes Schuhwerk anraten, denn ein Abstieg zu dem besonders verträumt in einem tiefen Tal liegenden Teich ist in 12-cm-Absätzen kaum zu schaffen. Vielleicht ist der Tonogayato Teien gerade im Herbst (sprich: im späten November) am schönsten, wenn die Ahornbäume in leuchtendem Rot mit dem blauen Himmel, aber auch dem saftigen Grün des Bambushains kontrastieren. Das Teehaus (Kōyōtei / 紅葉亭 / こうようてい) oberhalb des Teiches lädt zum Verweilen ein – wenn Sie mal wieder die Seele baumeln lassen möchten… Und wer Näheres über den Garten und seine ehemaligen Gebäude erfahren will, kann eine Ausstellung (die allerdings nur in Japanisch geboten wird) im Hauptgebäude besichtigen.

Tonogayato Teien/Haupthaus – 殿ヶ谷戸庭園/本館

Tonogayato Teien/Haupthaus – 殿ヶ谷戸庭園/本館

Tonogayato Teien/Haupthaus – 殿ヶ谷戸庭園/本館

Tonogayato Teien/Haupthaus – 殿ヶ谷戸庭園/本館

Tonogayato Teien/Haupthaus – 殿ヶ谷戸庭園/本館

Tonogayato Teien/Haupthaus – 殿ヶ谷戸庭園/本館

Adresse:

2-16 Minami-machi
Kokubunji City
Tōkyō 185-0021

Wie man hinkommt:

Mit der JR Chūō-Linie (JR 中央線 / ちゅうおうせん) zum Bahnhof Kokubunji (国分寺駅 / こくぶんじえき). Vom Südausgang sind es nur zwei Minuten nach links (Osten) – der Eingang zum Garten befindet sich auf der Nordseite desselben.

Öffnungszeiten:

Täglich von 9 Uhr bis 17 Uhr (letzter Einlass: 16.30 Uhr)
Geschlossen an den Neujahrsfeiertagen (29. Dezember bis 1. Januar)

Eintrittsgebühr:

  • Erwachsene und Mittelschüler: 150 Yen (für Gruppen von 20 oder mehr Personen reduziert sich der Eintrittspreis auf 120 Yen pro Person)
  • Senioren (65 Jahre und älter): 70 Yen (für Gruppen von 20 oder mehr Personen reduziert sich der Eintrittspreis auf 50 Yen pro Person)
  • Der Eintritt ist für Kinder (einschließlich Grundschulalter) frei. Mittelschüler, die in Tōkyō leben oder zur Schule gehen, sind ebenfalls vom Eintrittsgeld befreit.

Jahreskarten für Tonogayato Teien (600 Yen für Erwachsene / 280 Yen für Kinder) sind ebenso verfügbar, wie Jahreskarten für alle neun städtischen Gärten zusammen (4.000 Yen für Erwachsene / 2.000 Yen für Kinder).

Die Räumlichkeiten des Teehauses, Kōyōtei (紅葉亭 / こうようてい), können ebenfalls für kulturelle Veranstaltungen gemietet werden. Halbtags für 4.000 Yen, ganztags für 8.000 Yen.

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