Koishikawa Botanischer Garten (小石川植物園)

Ein Garten für jede Jahreszeit

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Koishikawa Botanischer Garten (小石川植物園)

Koishikawa Botanischer Garten (小石川植物園)

Kaum ein Garten in Tōkyō wird so oft mit einem Garten ähnlich klingenden Namens verwechselt wie dieser. Viele verwechseln ihn mit dem „Koishikawa Kōrakuen“ und lassen deswegen den “Koishikawa Shokubutsuen” (shokubutsuen = botanischer Garten) unbeachtet links liegen. Ohne dem „Koishikawa Kōrakuen“ (小石川後楽園 / こいしかわこうらくえん) (einem der schönsten Edo-zeitlichen Gärten Tōkyōs) zu nahe treten zu wollen: Der Koishikawa Botanische Garten ( 小石川植物園 / こいしかわしょくぶつえん) ist nicht nur größer, sondern auch wesentlich facettenreicher. Beide Gartennamen fangen mit „Koishikawa“ an, weil sie, wenngleich ca. 1.300 Meter Luftlinie von einander getrennt, in einer Ecke von Tōkyōs Bunkyō-Viertel (文京区 / ぶんきょうく) liegen, die nun mal so genannt wurde und auch heute noch teilweise wird.

Der Koishikawa Botanische Garten geht, wie sein „Namensvetter“, auf eine Gründung durch ein Mitglied des Tokugawa-Clans (ja, genau, das sind die, die fast 300 Jahre lang die politische und militärische Macht in Japan inne hatten) zurück. Genauer: der fünfte Tokugawa Shōgun, Tokugawa Tsunayoshi (徳川 綱吉 / とくがわ つなよし), hatte hier einen Nebenwohnsitz. Es gibt Quellen, die davon berichten, dass er hier im Jahre 1684 einen Kräutergarten eingerichtet haben soll. Andere Quellen behaupten, erst der 8. Shōgun, Tokugawa Yoshimune ( 徳川 吉宗 / とくがわ よしむね), habe das nach Tsunayoshis Tod aufgegebene Anwesen erweitert und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hier einen Kräutergarten angelegt. Jedenfalls hat der Koishikawa Botanische Garten seit diesen Tagen seine beachtlichen, fast rechteckigen Ausmaße von 800 Metern Länge und 200 Metern Breite (der gewiefte Mathematiker rechnet mit – und es stimmt: Der Garten ist gute 160.000 qm groß, und damit etwa 2 1/2-mal so groß wie sein „Namensvetter“).

Der Koishikawa Botanische Garten im Frühling:

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Schon während der Zeit der Tokukawa Shōgune hatte man auf dem Areal des großen Gartens eine Stelle zur ärztlichen Versorgung weniger begüterter Bevölkerungsschichten eingerichtet (heute kündet eine Quelle im höher gelegenen Teil der Anlage davon – noch im Jahre 1923, nach dem verheerenden Erdbeben, hatten hier die Menschen Zuflucht und Trinkwasser gefunden). Zu Ruhm kam der Garten allerdings im Zusammenhang mit dem Studium der Heilpflanzen und der Züchtung von Nutzpflanzen. Den dort erlangten Züchtungserfolgen ist es zu verdanken, dass die in Japan so beliebte Süßkartoffel (die wohl ursprünglich nur in den wärmeren Landesteilen – vornehmlich auf Kyūshū – gediehen ist) seit dem frühen 18. Jahrhundert auch im übrigen Japan angebaut werden kann.

Die Meiji-Restauration beendete nicht nur die Regentschaft der Tokugawa Shōgune, sondern führte auch dazu, dass die ärztliche Behandlungsstelle geschlossen und der Medizinschule der Stadt angegliedert wurde – aus der dann die medizinische Fakultät der renommierten Universität Tōkyō (Tōkyō Daigaku / 東京大学 / とうきょうだいがく, auch kurz und bündig „Tōdai“ genannt) hervor ging, zu der seit ihrer Gründung (1877) auch der Koishikawa Botanische Garten gehört. Seither „hört“ der Garten offiziell auf einen etwas unaussprechlichen Namen, der hier mehr der Vollständigkeit halber (meinetwegen auch als abschreckendes Beispiel) nicht unerwähnt bleiben soll:

Tōkyō daigaku daigakuin rigakukei kenkyūka fuzoku shokubutsuen (東京大学大学院理学系研究科附属植物園 / とうきょうだいがくだがくいんりがくけいけんきゅうかふぞくしょくぶつえん).

Der Koishikawa Botanische Garten im Spätsommer:

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Neben den pflanzenkundlichen Anlagen im höher gelegenen Teil des Gartens, ist aber auch der japanische Landschaftsgarten mit dem dekorativen Gebäude der ehemaligen Medizinschule im unteren Teil mehr als einfach nur sehenswert. Während der Kirschblütenzeit erfreut sich der große Kirschbaumhain mit seinen uralten Bäumen im oberen Bereich großer Beliebtheit (ohne so überlaufen zu werden, wie die z.B. die Parks von Ueno oder Shinjuku). Und wer sich irgendwann nach ein bisschen weniger Beton sehnt, als es in weiten Teilen der Stadt zu sehen gibt, der wird im dicht bewaldeten Nordostteil des Gartens ein wahres Elysium finden. Der Baumbestand datiert teilweise noch auf die Anfänge des Gartens vor 300 Jahren zurück.

Und wer japanische Gärten und Parks kennt, wird sich nicht wundern, dass auch der Koishikawa Botanische Garten keine uninteressante Jahreszeit kennt, weil hier immer irgend etwas entweder blüht, sich in hübsche Farben kleidet oder ganz einfach pflanzenkundlich interessant ist. Demjenigen, der auch im Winter auf tropische Einflüsse nicht verzichten möchte, stehen die Gewächshäuser des Gartens zur Verfügung.

Der Koishikawa Botanische Garten im Herbst:

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Adresse:

3-7-1 Hakusan
Bunkyō-ku
Tōkyō 112-0001

Wie man hinkommt:

Mit der Tōkyō Metro Marunouchi-Linie (東京メトロ・丸ノ内線) zur Station Myōgadani (茗荷谷 / みょうがだに), am Ausgang der Station rechts (in südöstlicher Richtung) entlang der Kasuga Dōri (春日通り / かすがどおり) bis zur kirschbaumbestandenen Harimazaka (播磨坂 / はりまざか) und in diese links (in nordöstlicher Richtung) einbiegen. Diese besonders während der Kirschblüte sehr beliebte Straße endet an der Kreuzung „Shokubutsuenmae“ (植物園前 / しょくぶつえんまえ), von wo es nur noch ein paar Schritte zum Haupteingang (正門 / せいもん) am Südostende des Koishikawa Botanischen Gartens sind.

Öffnungszeiten:

Geöffnet täglich außer montags (fällt ein Feiertag auf Montag, bleibt der Garten dienstags geschlossen) von 9 Uhr bis 16.30 Uhr (letzter Einlass: 16.00 Uhr).
Geschlossen während der Neujahrsfeiertage (29. Dezember bis 3. Januar).

Eintrittsgebühr:

Erwachsene: 400 Yen
Kinder (ab Grundschule): 130 Yen

Bitte beachten Sie: Die Eintrittskarten sind inzwischen direkt am Haupttor des Parks erhältlich (nicht mehr im „Foods Shop Yoneda“, der gegenüber dem Haupteingang des Gartens liegt).

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2 Responses to Koishikawa Botanischer Garten (小石川植物園)

  1. […] German version of this posting you can find here. Eine deutsche Version dieses Artikels finden […]

  2. […] Sie sich nicht verwirren: Der Koishikawa Kōrakuen wird gern mit dem Koishikawa Shokubutsuen (botanischer Garten) (小石川植物園 / こいしかわしょくぶつえ… in Tōkyōs Bunkyō-Viertel (文京区 / ぶんきょうく) […]

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