Jōshin-ji (Kuhonbutsu) – 浄真寺 (九品仏)

Atemberaubend eindrucksvoll – und doch ein Geheimtipp

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Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Klicken Sie auf das obenstehende Bild, um es zu vergrößern.

Wer sich ein bisschen länger in Japan aufhält und sich für das Land und seine erstaunliche Kultur interessiert, merkt früher oder später: Es sind gar nicht immer die weltbekannten Orte, die die größte Begeisterung auslösen können. Im Gegenteil! Auf dieser Webseite habe ich ja nicht nur einmal gezeigt, dass das Interessante, das Bezaubernde, das Atemberaubende oft gerade dort zu finden ist, wo kein Mensch danach sucht.

Tōkyōs Jōshin-ji (浄真寺 / じょうしんじ) ist eines der besten Beispiele dafür. Nach ihm kann man das deutschsprachige Internet durchsuchen, ohne wirklich Maßgebliches zu finden. Selbst die englischsprachigen Quellen sind dünn. Dabei ist dieser Tempel der neun Buddhas – weswegen er auch den schmückenden Beinamen „Kuhonbutsu“ (九品仏 / くほんぶつ) trägt – einer, der keinen Vergleich mit anderen Tempeln im Lande zu scheuen braucht.

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Gönnen Sie sich gleich einen hübschen Auftakt dieses Tempelbesuches, indem Sie mit der Tōkyū Ōimachi-Linie (東急大井町線 / とうきょうおおいまちせん) nach Kuhonbutsu (lassen Sie sich nicht verwirren, wenn dies hier und da auch “Kuhombutsu” geschrieben wird) (九品仏 / くほんぶつ) fahren. Am Nordausgang des Bahnhofs kommen Sie an die Kreuzung „Kuhonbutsu Ekimae“ (九品仏駅前 / くほんぶつえきまえ). Überqueren Sie diese und lassen Sie sich von einer pittoresken Allee, der Jōshin-ji Sandō (浄真時参道 / じょうしんじさんどう), die direkt auf das Tempelgelände zuführt (Südtor), aufnehmen.

Jōshin-ji Sandō (浄真時参道)

Jōshin-ji Sandō (浄真時参道)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) – Südtor (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) – Osttor (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Die weitläufige (120.000 qm), sehr gepflegte Anlage auf dem ehemaligen Areal der Burg von Okusawa (奥沢城 / おくさわじょう) hätte es wirklich verdient, von regelrechten Touristenmassen überrannt zu werden. Dass sie es nicht wird, ist natürlich um so erfreulicher, als gerade die Kombination aus Größe und meditativer Ruhe den besonderen Charme des Jōshin-ji ausmacht. Laufen Sie einmal durch den parkähnlichen Tempelgarten und lassen Sie sich von der Stimmung des Ortes verzaubern. Sie werden sich fragen, warum Sie beschwerliche Stadtrundfahrten durch Kyōto gemacht haben (womit ich nicht sagen will, dass die Tempel der alten Kaiserstadt nichts zu bieten hätten!).

Der „Kuhonbutsu“ kann auf eine fast 350-jährige Geschichte zurückblicken. Er wurde im Jahre 1678 gegründet, dem 6. Thronjahr des Enpō-Tennō, damals, als die Tokugawa-Shōgune schon seit einem Dreivierteljahrhundert die eigentliche Macht im Lande inne hatten und Tōkyō ebenso lange ihr Regierungssitz war.

Aber es gibt hier noch ältere Zeitzeugen! Die Bäume im Garten des Tempels gehören zu den ältesten in Tōkyō. Einer davon ist sogar über 700 Jahre alt.

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Gründerhalle (開山堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Gründerhalle (開山堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupttor (仁王門)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) - Glockenturm (鐘楼)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) – Glockenturm (鐘楼)

Neben der Gründerhalle (開山堂 / かいさんどう) des Tempels, dem grandiosen Haupttor (仁王門 / におう・もん) und dem fast schon barocken Glockenturm (鐘楼 / しょうろう) sind es in erster Linie die der großen Haupthalle (本堂 / ほんどう) gegenüber liegenden, drei Buddha-Hallen (佛堂), die den Besucher in ihren Bann ziehen. D.h. natürlich nur dann, wenn der Besucher sich dessen bewusst ist, was es in den Hallen (die nicht betreten werden können – ein Blick durch die Fenster ist aber möglich) zu entdecken gibt. Denn diese drei Hallen beherbergen jeweils drei der neun namensstiftenden Buddhastatuen. Jede dieser überlebensgroßen Amitabha-Buddha-Statuen zeigt eine andere, Mudra genannte Handhaltung, die jeweils eine andere symbolische Bedeutung im esoterischen Buddhismus hat. Seien Sie nicht gar zu unglücklich, wenn die eine oder andere der neun Buddha-Statuen fehlen sollte. Von 2014 bis 2034 werden diese eine gründlichen Restaurierung unterzogen.

Allerdings ist die Haupthalle als solche im Innern ein absolutes Schmuckstück (allerdings wohl  nicht täglich geöffnet) – sehen Sie die folgenden Bilder:

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Buddhas Fußabdruck

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Buddhas Fußabdruck

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Haupthalle (本堂)

Dass die Statuen selbst durch ihre Abgeschlossenheit in den Buddha-Hallen (sie sind nur an wenigen Tagen des Jahres geöffnet) etwas unnahbarer bleiben, erhöht nur ihre mystische Ausstrahlungskraft.

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / mittere Buddha-Halle (佛堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / mittlere Buddha-Halle (佛堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Buddha-Hallen (佛堂)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Buddha-Hallen (佛堂)

Die Buddha-Hallen stammen aus den Jahren 1698 und 1699, wurden allerdings bei Erdbeben in der Mitte des 19. Jahrhunderts und während des großen Kantō-Erdbebens (1923) stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch wenn die Gebäude immer wieder repariert wurden, können sie doch erst seit 1983, nach einer umfassenden Restaurierung, wieder in ihrer ursprünglichen Grandiosität gesehen werden.

Die Buddha-Statuen selbst stammen von dem großen Meister Kaseki Shōnin (1617-1694), der schon im zarten Alter von 18 Jahren geschworen hatte, er wolle neun verschiedene Manifestationen des Amida (japanisch für „Amitabha“)-Buddha schaffen. Es sollte sein Lebenswerk werden, denn die neunte der Statuen kam erst zu ihrer Vollendung, als er schon im etwas reiferen Alter von 51 Jahren war. Heute gelten sie als Nationale Kulturgüter und können sich damit schmücken, dass es nur im Jōruri-ji (浄瑠璃寺 / じょうるりじ) in Kyōto (京都 / きょうと) ein weiteres, komplettes Set aus neun Amida-Buddha-Statuen gibt.

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / die drei höchsten Amida-Buddha

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / die drei höchsten Amida-Buddha

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Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏)

Die mittlere der drei Hallen ist die ranghöchste, die rechte die im Rang zweite und die linke Halle die im Rang niedrigste. Die Buddha-Statuen in den drei Hallen sind jeweils in folgender Rangfolge platziert: der Buddha des höchsten Wesens in der Mitte, der mittlere rechts und der untere links.

Aber es gibt noch mehr mystische Ordnung hier:
Es ist kein Zufall, dass das Tempel-Areal seine 120.000 qm misst. Diese Fläche entspricht nämlich (ziemlich) genau 36.000 japanischen “tsubo” (坪 /つぼ ), die sich wiederum auf die 36 Gelübde des Amida Buddha beziehen. Jede der drei Buddha-Hallen wird außerdem von 36 runden Pfeilern gestützt, und für 36 der Pfeiler der Haupthalle wurde Keyaki-Holz verwendet.

Nur für den Fall, dass Sie sich für diese Art religiöser Ordnung interessieren.

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Amida-Buddha

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Amida-Buddha

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Amida Buddha

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Amida-Buddha

Aber Ordnung ist im Buddhismus natürlich nichts Zufälliges, sondern ist in diesem Zusammenhang Ausdruck für die Unterschiede, die er auch bei „fühlenden Wesen“ macht. Er unterscheidet sie (ganz grob gesprochen) nach:

  1. dem Grad und dem Weg der Erlangung des Glaubens an das Reine Land
  2. deren Geistesverfassung bei der Reinigung durch das Anrufen des Buddha und
  3. deren Fähigkeit, die Lehren Buddhas zu verstehen und zu verinnerlichen.
Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Stupa des Königs Ashoka

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Stupa des Königs Ashoka

Bekannt ist der Tempel für sein alle drei Jahre am 16. August stattfindendes „Fest des Willkommens im Reinen Land“. Dieses Fest steht im Range eines „Immateriellen Kulturgutes“ und trägt dem Glauben Rechnung, dass der Amitabha Buddha und die ihm dienenden 25 Bodhisattva die Gläubigen im Augenblick des Todes in das „Reine Land im Westen“ geleiten. Jeder, der im Jenseits in einem „Land leben“ möchte, in dem himmlische Musik zu hören ist und der Boden aus Gold besteht, dessen Bewohner den Tag damit verbringen, Blüten aufzusammeln, die vom Himmel regnen, um sie den Buddhas zum Opfer dar zu bringen, sollte sich eingehender mit den Lehren des Amitabha Buddha beschäftigten. Dort, in diesem „Reinen Land“ singen seltene, schöne Vögel sechsmal am Tag wohlklingende Lieder von den buddhistischen Lehren. Gegebenenfalls eine Alternative zum bayrisch-katholischen Hosianna-Singen….

An besagtem Festtag werden die drei Buddha-Hallen und die Haupthalle mit Stegen verbunden, die Bodhisattva-Masken tragende Gläubige in einer festlichen Zeremonie überqueren. An diesem Tag wird auch das Schatzhaus des Tempels für Besucher geöffnet.

Wenn Ihnen danach ist, werfen Sie doch auch einen Blick auf den großen Friedhof des Jōshin-ji – stören Sie aber bitte nicht die Ruhe der Toten und die Andacht der Besucher.

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Friedhof

Jōshin-ji (Kuhonbutsu) (浄真寺 / 九品仏) / Friedhof

Adresse:

7-41-3 Okusawa
Setagaya-ku
Tōkyō

東京都世田谷区奥沢7-41-3

Eintritt frei

Wie man hinkommt:

Wie oben beschrieben, mit der Tōkyū Ōimachi-Linie (東急大井町線 / とうきゅうおおいまちせん) von Ōimachi (大井町 / おおいまち) nach Kuhonbutsu (九品仏 / くほんぶつ).

Jiyūgaoka Bahnhof (自由が丘駅)

Jiyūgaoka Bahnhof (自由が丘駅)

Von Shibuya (渋谷 / しぶや) aus oder mit der Tōkyō Metro-Linie Fukutoshin (東京メトロ副都心線 / とうきょうメトロふくとしんせん) Anreisende nehmen die Tōkyū Tōyoko-Linie (東京東横線 / とうきょうとうよこせん) nach Jiyūgaoka (自由が丘 / じゆうがおか) und gehen entweder von dort zu Fuß in westlicher Richtung zum Jōshin-ji oder steigen für eine Station noch einmal in die Tōkyū Ōimachi-Linie (東急大井町線 / とうきゅうおおいまちせん) nach Kuhonbutsu (九品仏 / くほんぶつ) um.

Jiyūgaoka Bahnhof (自由が丘駅)

Jiyūgaoka Bahnhof (自由が丘駅)

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2 Responses to Jōshin-ji (Kuhonbutsu) – 浄真寺 (九品仏)

  1. […] German version of this posting you can find here. Eine deutsche Version dieses Artikels finden […]

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