Bahnhof “Tōkyō” / Tōkyō Eki – 東京駅

Tōkyōs neues, altes Schmuckstück

Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
An English version of this posting you can find here.

Tōkyō Eki - 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

Seit Oktober 2012 schmückt sich Tōkyō wieder mit einem „Hauptbahnhof“, dessen Wunden aus der Zeit des 2. Weltkriegs endlich verheilen durften. Die alte Backstein-Fassade und die Gebäudeteile auf der westlichen Seite des Bahnhofs, die Seite, die sich zum Geschäftsviertel Marunouchi und dem Kaiserpalast öffnet, wurden in ihren Originalzustand zurück versetzt. Dabei wurden natürlich die Erfordernisse moderner Technik berücksichtigt, aber der Charme und die Grandezza des im Jahre 1914 eröffneten Bauwerks wurden zu neuem Leben erweckt.

Tōkyō Eki Marunouchi Kitaguchi - 東京駅丸の内北口

Tōkyō Eki Marunouchi Kitaguchi – 東京駅丸の内北口

Tōkyō Eki Marunouchi Kitaguchi - 東京駅丸の内北口

Tōkyō Eki Marunouchi Kitaguchi – 東京駅丸の内北口

Tōkyō Eki Marunouchi Minamiguchi - 東京駅丸の内南口

Tōkyō Eki Marunouchi Minamiguchi – 東京駅丸の内南口

Tōkyō Eki Marunouchi Minamiguchi - 東京駅丸の内南口

Tōkyō Eki Marunouchi Minamiguchi – 東京駅丸の内南口

Bereits im Jahre 1889 hatte man sich mit Plänen beschäftigt, an dieser Stelle einen Bahnhof zu bauen, um die Schienenstränge der Tōkaidō-Linie, die damals bis Shimbashi führten, mit denen der Nippon Railway zu verbinden, die ihr Terminal in Ueno hatte. Bis der Bau begonnen werden konnte, wurde es allerdings 1908, weil Japan es damals für angebrachter erachtet hatte, erst mal gegen China und Russland Krieg zu führen.

Unter der Leitung des Architekten Tatsuno Kingo (辰野 金吾 / たつのきんご)(1854-1919) entstand so ein grandioses Bauwerk, das aber keinem Stil zweifelsfrei zugeordnet werden kann. Wenn man weiß, dass Tatsuno Absolvent der „Kaiserlichen Universität für Ingenieurwissenschaft“ war und dort unter Josiah Conder Architektur studiert hat, wundert man sich darüber aber nicht mehr. Wenn man boshaft sein wollte, könnte man sagen: Was der Brite Conder den Japanern an architektonischen “Besonderheiten” hinterlassen hat, konnte offensichtlich auch durch US-amerikanisches Bombardement nicht endgültig vom Erdboden vertilgt werden.

Tōkyō Eki - 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

Tōkyō Eki - 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

 

Tōkyō Eki - 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

Tōkyō Eki - 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

Schon bei der Eröffnung des Bahnhofs am 20. Dezember 1914 verkehrten von hier u.a. zwei elekrifizierte Linien (die Linien werden heute „Yamanote-Linie“ und „Keihin-Tōhoku-Linie“ genannt). Im Laufe der darauf folgenden Jahre und Jahrzehnte wurde der Bahnhof immer wieder erweitert und weitere Bahnlinien angeschlossen. Ursprünglich gab es nur die Zugänge auf der Marunouchi-Seite  – eben die, die jetzt aufwändig restauriert worden sind.

Aber der Bahnhof hat natürlich nicht nur Ausbau und Grandioses erlebt. Im Jahre 1921 wurde der japanische Premierminister hier ermordet. Und am 25. Mai 1945 wurde der Bahnhof schließlich durch den Angriff US-amerikanischer B29-Bomber in Mitleidenschaft gezogen. Die Kuppeln an den beiden Zugängen im Süden und im Norden wurden zerstört und der ganze Gebäudekomplex zur Ruine. Immerhin konnte man nach dem Kriege große Teile der Fassade retten. Das ursprünglich dreistöckige Gebäude wurde aber nur zweistöckig wieder aufgebaut, die prächtigen Kuppelbauten auf pragmatische Weise durch sicher wesentlich preisgünstigere, schräge Dachaufbauten ersetzt. Den Erfordernissen der Nachkriegszeit entsprechend, raubten diese neuen Dachabschlüsse dem Gebäude seinen ursprünglichen Charme aber ebenso, wie der Verzicht auf fast alle zierlichen Turm- und Verzierungselemente.

Seit diesen Jahren des Wiederaufbaus hat man sich nicht mehr groß um die eindrucksvolle Backsteinfassade gekümmert. Das Gebäude war in den letzten Jahren sichtbar „gealtert“ und regelrecht schäbig geworden. Dem hat die umfassende Restaurierung ein Ende gesetzt. Nach fünf Jahren Arbeit ist das Bahnhofsgebäude nun wieder ein Magnet nicht nur für Reisende, sondern auch für Touristen, die den Besuch des Kaiserpalastes mit dem lohnenden Abstecher hierher verbinden (oder umgekehrt).

Tōkyō Eki - 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

Tōkyō Eki - 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

In der Mitte des Bahnhofsgebäudes gibt es übrigens einen besonders einladend hergerichteten Zugang zu den Gleisen – er ist Mitgliedern der kaiserlichen Familie vorbehalten. Außerdem beherbergen die historischen Gebäudeteile seit dem 3. Oktober 2012 das luxuriöse „Tōkyō Station Hotel“, das den betuchten Gast in seinen 150 Zimmern und Suiten empfängt und dort auch den Geist der alten Tage wiederbelebt.

Tōkyō Eki (Imperial Gate) - 東京駅

Tōkyō Eki (Imperial Gate) – 東京駅

Übrigens ist der Bahnhof aufwändig gegen Beschädigungen durch Erdbeben geschützt worden. Ein kompliziertes, Federungs-System soll das Gebäude vollkommen resistent gegen Erdbeben bis zu einer Magnitude von 7 machen.

Tōkyō Eki - 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

Tōkyō Eki – 東京駅

 

Noch in den 80er und 90er Jahren war die Umgebung des Bahnhofs in dem sich zum Kaiserpalast hin erstreckenden Marunouchi-Viertel eher trostlos zu nennen. Dem Auge wenig Schönes bietende Büro- und Verwaltungshochhäuser hatten dem Viertel eher einen dunklen Charakter verliehen. Das hat sich in den letzten 10 Jahren doch gravierend geändert. Zwar sind die Hochhäuser in der Zwischenzeit noch zahlreicher und wesentlich höher in den Himmel geschossen, aber dabei ist ein sehr schickes, zum Flanieren einladendes Geschäfts- und Einkaufsviertel auf Weltstadtniveau entstanden, das durchaus mit dem Ginza-Viertel auf der Ostseite des Bahnhofs konkurrieren kann.

Marunouchi - 丸の内

Marunouchi – 丸の内

Marunouchi – 丸の内

Marunouchi – 丸の内

 

Marunouchi - 丸の内

Marunouchi – 丸の内

Marunouchi - 丸の内

Marunouchi – 丸の内

Marunouchi – 丸の内

Marunouchi – 丸の内

 

Marunouchi - 丸の内

Marunouchi – 丸の内

Marunouchi - 丸の内

Marunouchi – 丸の内

Marunouchi - 丸の内

Marunouchi – 丸の内

Marunouchi – 丸の内

Marunouchi – 丸の内

 

Natürlich könnte man auch noch einige Worte über die Ostseite des Bahnhofs, die Seite im Yaesu-Viertel, verlieren, aber heute soll es mal bei der prächtigen Westseite bleiben. Übrigens sind die Bauarbeiten am Bahnhof von Tōkyō noch nicht abgeschlossen, die gehen noch bis ins Jahr 2013 weiter – falls man bei einem Bahnhof wie diesem überhaupt je von einem Abschluss der Bauarbeiten sprechen kann. Denn wie kaum ein anderer ist dieser Bahnhof schon aufgrund seiner Knotenwirkung in den Hochgeschwindigkeitszug-Verbindungen darauf angewiesen, ständig auf dem neuesten Stand der Technik zu sein.

Wer sich gern an Daten berauscht, hier sind welche:

Am Bahnhof Tōkyō verkehren folgende Linien:

  • Chūō-Linie (中央線 / ちゅうおうせん) nach Shinjuku, Takao und Ōme
  • Keihin-Tōhoku-Linie (京浜東北線 / けいひんとうほくせん) nach Ueno, Akabane, Ōmiya, Shinagawa, Yokohama und Ōfuna
  • Yamanote-Linie (山手線 / やまのてせん) nach Ueno, Sugamo, Ikebukuro, Shinagawa, Meguro und Shibuya
  • Tōkaidō-Linie (東海道線 / とうかいどうせん) nach Yokohama, Hiratsuka, Odawara, Atami, Numazu, Itō, Takamatsu, Izumoshi und Izukyu Shimoda
  • Yokosuka-Linie (横須賀線 / よこすかせん) nach Yokohama, Ōfuna, Kamakura, Yokosuka und Kurihama
  • Sōbu-Linie (総武線 / そうぶせん) nach Kinshichō, Funabashi, Chiba und Narita Flughafen
  • Keiyō-Linie (京葉線 / けいようせん) nach Shin-Kiba, Maihama, Kaihin-Makuhari, Soga, Tateyama und Awa-Kamogawa
  • Musashino-Linie (武蔵野線 / むさしのせん) nach Nishi-Funabashi
  • Tōkaidō Shinkansen (東海道新幹線 / とうかいどうしんかんっせん) nach Nagoya, Kyōto, Shin Ōsaka und Hakata
  • Tōhoku Shinkansen (東北新幹線 / とうほくしんかんせん) nach Utsonomiya, Sendai, Morioka und Shin-Aomori
  • Yamagata Shinkansen (山形新幹線 / やまがたしんかんせん) nach Yamagata und Shinjo
  • Akita Shinkansen (秋田新幹線 / あきたしんかんせん) nach Akita
  • Jōetsu Shinkansen (上越新幹線 / じょうえつしんかんせん) nach Takasaki und Niigata
  • Nagano Shinkasen (長野新幹線 / なかのしんかんせん) nach Nagano
  • Tōkyō Metro Marunouchi-Linie (東京メトロ丸の内線 / とうきょうメトロまるのういちせん) nach Ginza, Shinjuku, Ogikubo, Hōnanchō, Ōtemachi und Ikebukuro

Tōkyō Bahnhof ist – auf die Anzahl der Züge bezogen – der geschäftigste in Japan mit über 3.000 Zügen am Tag. Beim Passagieraufkommen rangiert er im Osten Japans allerdings nur an fünfter Stelle mit etwas mehr als 380.000 einsteigenden Passagieren am Tag (wenn man alle Pendlerbewegungen hinzurechnet, explodiert diese Zahl allerdings auf weit über eine Million). Hier hält der Bahnhof von Shinjuku (auf der Westseite der Innenstadt Tōkyōs) mit knapp 750.000 einsteigenden Fahrgästen die einsame Spitze in Japan. Shinjuku ist allerdings mit über 3,6 Millionen Fahrgastbewegungen am Tag auch der geschäftigste Bahnhof der Welt (findet zumindest das Guiness Book of World Records – und die müssen es ja wissen).

Wie man hinkommt:
Ganz einfach: Suchen Sie sich eine er oben genannten Bahnlinien aus…..

One Response to Bahnhof “Tōkyō” / Tōkyō Eki – 東京駅

  1. […] deutsche Version dieses Artikels finden Sie hier. A German version of this posting you can find […]

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: