Allgemeine Hinweise zum Aufenthalt in Japan (4)

Glauben Sie es – oder glauben Sie es nicht: Japan ist gar nicht so kompliziert!

IV. Ein kleiner Crashkurs vor der Japanreise

Flagge-Japans

Gleich vorweg eine Mahnung an all diejenigen, die bunte Bilder sehen wollen: Hier gibt es keine! Dafür um so mehr Text. Das ist der Preis, der nun mal zu bezahlen ist, wenn man wenigstens ein paar grundsätzliche Dinge über Japan lernen möchte und sich das Vermeiden vermeidbarer Fettnäpfchen auf die Fahnen geschrieben hat. Als Besucher in einem fremden Land sind Sie – ob Sie das nun mögen oder nicht – immer Botschafter Ihres Heimatlandes. Sie werden nicht dafür bezahlt, aber entsprechend verhalten können Sie sich trotzdem.

Damit Sie wissen, worauf Sie sich mit diesem Artikel einlassen, hier ein kurzes Inhaltsverzeichnis (die einzelnen Punkte erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sollen aber doch verdeutlichen, dass es so gut wie keine Hürden gibt, die nicht spielend genommen werden könnten – Ergänzungswünsche werden gern entgegen genommen):

Inhaltsverzeichnis

1) Ein paar Grundsätze für das menschliche Miteinander

1.1 Respekt ist Teil des Systems

1.2 Freundlichkeit und Höflichkeit – beteiligen Sie sich daran

1.3 Keine Angst vor Kontakten

1.4 Unaufdringlichkeit ist Trumpf

2) Klischees

2.1 Klischee Nr. 1: Das wohlbekannte Verbeugungsritual

2.2 Klischee Nr. 2: Der Austausch von Visitenkarten

2.3 Klischee Nr. 3: Japaner zeigen keine Gefühle

3) So vermeiden Sie ein paar Fettnäpfchen

3.1 Schuhe ausziehen!

3.2 Essstäbchen sind gar nicht so unpraktisch

3.3 Es muss nicht immer Stoff sein

3.4 Genießen Sie japanisches Essen – aber bitte nicht, wo sie gehen und stehen

4) Ein kleiner Crashkurs vor der Japanreise

5) Erdbeben und andere (Natur-)Katastrophen

5.1 Verhalten im Falle eines Erdbebens

5.1.1 Und was Sie schon lange vor einem etwaigen Erdbeben tun können

6) Gute Sitten beim Besuch religiöser Orte

6.1 Besonderes zu shintōistischen Schreinen

6.1.1 Betreten des Schreingeländes

6.1.2 Reinigung vor Betreten des inneren Schreinbezirkes

6.1.3 Entrichtung eines Obulus in den Opferstock

6.1.4 Fotografieren an und in Schreinen

6.1.5 Essen, Trinken und Rauchen

6.1.6 Fürbitte, Glücksbringer und Orakel

Wenn Ihnen das einen groben Eindruck von dem verschafft hat, was hiermit auf Sie zukommt, kann’s ja weiter gehen mit dem vierten Teil:

4) Ein kleiner Crashkurs vor der Japanreise

Leider ist Japanisch keine Sprache, die sich „im Vorübergehen“ lernen lässt. Viele sind an ihr gescheitert, einige haben sie für unlernbar erklärt. In einem Buch wird sogar die Frage aufgeworfen, ob Japanisch „die Sprache des Teufels“ sei (OAG Taschenbuch „Japanisch – Sprache des Teufels?“ von Margaret Mehl, ISBN 978-3-89129-937-1). Die Sprache ist von ihrem Aufbau her mit keiner westlichen Sprache verwandt und hat auch in keiner Weise etwas mit dem Chinesischen zu tun, auch wenn aus dem Chinesischen entlehnte Schriftzeichen verwendet werden. Zum Lesen und Schreiben des Japanischen benötigen Sie gleich drei Schriften: die vergleichsweise einfachen beiden Silbenschriften, Katakana (片仮名/かたかな) und Hiragana (平仮名/ひらがな) und die vor Jahrhunderten aus dem Chinesischen übernommenen Kanji (漢字/かんじ). Die Bestrebungen der US-amerikanischen Besatzungsmächte, den Japanern nach dem 2. Weltkrieg das westliche Alphabet aufzuoktroyieren, sind kläglich gescheitert, zeugten allerdings auch von einem eher rudimentär ausgeprägten Verständnis für die japanische Sprache.

Für einen einmaligen Besuch Japans werden Sie sich die Mühe eines mehrjährigen Sprachstudiums nicht aufbürden wollen. Außerdem ist für ein Zurechtkommen – zumindest in den Städten – Japanischkenntnis auch gar nicht zwingend erforderlich. Japaner lernen in der Schule mindestens ebenso lange Englisch, wie wir Deutschen dies tun – und auch wenn man Japanern per se keine besondere Sprachgewandtheit attestieren kann, so ist Englisch doch auch hier die Lingua Franca.

Die Verwendung von drei verschiedenen Schriften hat allerdings auch ihren Charme. So werden Fremdwörter (meist aus dem Englischen übernommen) und nichtjapanische Eigennamen in aller Regel mit Katakana geschrieben. Wenn Sie diese Katakana lesen können, ist es Ihnen möglich, diese Wörter dann auch ohne Japanischkenntnisse zu verstehen. Zum Lesen von Getränkekarten in Cafés kann das u.U. schon mal ausreichen.

Zwei kleine Beispiele:

  1. Das japanische Wort für „Kaffee“ leitet sich vom englischen „coffee“ ab und heißt „koohii“ (geschrieben: コーヒー). Hierbei steht „コ“ für „ko“ und „ヒ” für „hi“ – der Strich, der auf die Silben folgt, bedeutet, dass die Vokale der vorstehenden Silbe gedehnt werden.

  2. Das japanische Wort für „Cheeseburger“ heißt „chiizubaagaa“ (geschrieben: チーズバーガー). Auch hier gilt: „チー” steht für ein „chi“ mit langem „i“, „ズ” für ein „zu“, „バー” für ein „ba“ mit langem „a“ und „ガー” für ein „ga“ mit langem „a“.

Mit ein bisschen Fantasie lassen sich diese mit Katakana geschriebenen Wörter also durchaus mit Sinn erfüllen, ohne dass man dazu gleich Japanisch lernen muss. Es gibt lediglich 47 verschiedene Katakana, die durch diakritische Zeichen zur Unterscheidung von harten und weichen Konsonanten und durch Zeichenkombinationen zur Lautverschmelzung auf insgesamt 130 anwachsen. Wollen Sie es wagen? Hier ist zumindest schon mal die Grundtabelle:

Katakana/片仮名

Katakana/片仮名

Klicken Sie auf die Liste der Katakana, um sie zu vergrößern.

Die gekennzeichneten Lautspalten können durch das diakritische Zeichen \\ „weich“ gemacht werden. Z.B. aus einem „ha“ (ハ) wird dann ein „ba“ (バ). Ein ° am Schriftzeichen hingegen, weist darauf hin, dass es hart ausgesprochen wird. Z.B. aus einem „hi“ (ヒ) wird ein „pi“ (ピ).

Verzweifeln Sie nicht, wenn sich Ihnen auch diese Form der schriftlichen Kommunikation nicht erschließen sollte. Sie werden in sehr vielen Fällen z.B. englischsprachige Speisenkarten vorgelegt bekommen. Und wie gut, dass es in vielen Restaurants bebilderte Speisenkarten oder gar „Muster“ der servierten Speisen gibt – solange Ihnen also noch mindestens ein Finger zur Verfügung steht, ist Deuten auch ein adäquates Mittel zur Bestellung.

Allerdings: Englisch sollten Sie zumindest leidlich beherrschen, um in Japan nicht gänzlich auf verbale und geschriebene Kommunikation verzichten zu müssen. Sie werden zwar immer wieder auf überraschend viele Japaner treffen, die Deutsch können (vornehmlich immer dann, wenn Sie nicht damit rechnen), aber verlassen sollte man/frau sich hierauf besser nicht.

Zu den anderen Kapiteln dieser Artikelserie gelangen Sie über das Inhaltsverzeichnis oben.

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5 Responses to Allgemeine Hinweise zum Aufenthalt in Japan (4)

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