Allgemeine Hinweise zum Aufenthalt in Japan (3)

Glauben Sie es – oder glauben Sie es nicht: Japan ist gar nicht so kompliziert!

III. So vermeiden Sie ein paar Fettnäpfchen

Flagge-Japans

Gleich vorweg eine Mahnung an all diejenigen, die bunte Bilder sehen wollen: Hier gibt es keine! Dafür um so mehr Text. Das ist der Preis, der nun mal zu bezahlen ist, wenn man wenigstens ein paar grundsätzliche Dinge über Japan lernen möchte und sich das Vermeiden vermeidbarer Fettnäpfchen auf die Fahnen geschrieben hat. Als Besucher in einem fremden Land sind Sie – ob Sie das nun mögen oder nicht – immer Botschafter Ihres Heimatlandes. Sie werden nicht dafür bezahlt, aber entsprechend verhalten können Sie sich trotzdem.

Damit Sie wissen, worauf Sie sich mit diesem Artikel einlassen, hier ein kurzes Inhaltsverzeichnis (die einzelnen Punkte erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sollen aber doch verdeutlichen, dass es so gut wie keine Hürden gibt, die nicht spielend genommen werden könnten – Ergänzungswünsche werden gern entgegen genommen):

Inhaltsverzeichnis

1) Ein paar Grundsätze für das menschliche Miteinander

1.1 Respekt ist Teil des Systems

1.2 Freundlichkeit und Höflichkeit – beteiligen Sie sich daran

1.3 Keine Angst vor Kontakten

1.4 Unaufdringlichkeit ist Trumpf

2) Klischees

2.1 Klischee Nr. 1: Das wohlbekannte Verbeugungsritual

2.2 Klischee Nr. 2: Der Austausch von Visitenkarten

2.3 Klischee Nr. 3: Japaner zeigen keine Gefühle

3) So vermeiden Sie ein paar Fettnäpfchen

3.1 Schuhe ausziehen!

3.2 Essstäbchen sind gar nicht so unpraktisch

3.3 Es muss nicht immer Stoff sein

3.4 Genießen Sie japanisches Essen – aber bitte nicht, wo sie gehen und stehen

4) Ein kleiner Crashkurs vor der Japanreise

5) Erdbeben und andere (Natur-)Katastrophen

5.1 Verhalten im Falle eines Erdbebens

5.1.1 Und was Sie schon lange vor einem etwaigen Erdbeben tun können

6) Gute Sitten beim Besuch religiöser Orte

6.1 Besonderes zu shintōistischen Schreinen

6.1.1 Betreten des Schreingeländes

6.1.2 Reinigung vor Betreten des inneren Schreinbezirkes

6.1.3 Entrichtung eines Obulus in den Opferstock

6.1.4 Fotografieren an und in Schreinen

6.1.5 Essen, Trinken und Rauchen

6.1.6 Fürbitte, Glücksbringer und Orakel

Wenn Ihnen das einen groben Eindruck von dem verschafft hat, was hiermit auf Sie zukommt, kann’s ja weiter gehen mit dem dritten Teil:

3) So vermeiden Sie ein paar Fettnäpfchen

Keine Angst, auch hier geht es nicht darum, Sie zum „perfekten Japaner“ zu verbiegen, sondern lediglich darum, Ihnen den Aufenthalt in Japan entspannter zu machen und Situationen zu vermeiden, die im Zweifelsfalle Ihrem japanischen Gegenüber peinlicher sein würden, als Ihnen.

3.1 Schuhe ausziehen!

Man kennt es aus Filmen und Erzählungen: In Japan zieht man sich ständig die Schuhe an und aus. Und es stimmt! Überall dort, wo die „Gefahr“ besteht, auch anderweitig mit dem Fußboden in Berührung zu kommen, sind Schuhe verpönt, weil Straßenschuhe nun mal als unreinlich angesehen werden. Wohnräume, Gaststätten, in denen man auf dem Fußboden sitzt, Umkleidekabinen – überall dort hießt es: Schuhe ausziehen! Typische japanische Räume sind oft mit Tatami (畳 / たたみ), Strohmatten, ausgelegt. Diese sind in aller Regel ohnehin ausschließlich barfuß oder mit Socken/Strümpfen zu betreten, um die empfindlichen Oberflächen nicht zu beschädigen.

Dafür wird das Aus- und Anziehen der Schuhe überall dort, wo es obligat wird, durch Stufen, Sitzmöglichkeiten und Ablagemöglichkeiten für das Schuhwerk unterstützt. Wenn Sie bei der Kleidung auf „Golfsocken“ (das sind die mit den 18 Löchern….) verzichten und das Schuhwerk auch unter dem Gesichtspunkt des raschen Wechsels auswählen, werden Sie damit keine Probleme bekommen. Außerdem: Niemand hetzt Sie!

Und weil es dem Ungeübten eben doch immer wieder passiert (scherzweise behauptet man gar, daran könne man den Ausländer erkennen): Die in Hotels und Privatwohnungen oft auf den Toiletten zur Verfügung gestellten Slipper sind ausschließlich für den Aufenthalt in der Toilette gedacht und beim Verlassen der Toilette wieder auszuziehen. Damit soll dafür gesorgt werden, dass dem Toilettenbesucher der Kontakt mit dem Toilettenboden erspart bleibt. Und mit dem Verbleib der Slipper in der Toilette dem Rest der Behausung ebenso. Zweifeln Sie aber nicht an Ihrer eigenen Zurechnungsfähigkeit, sollte es Ihnen dennoch passieren, das Ausziehen der Toiletten-Slipper zu vergessen – Sie befinden sich damit zwar vielleicht nicht in guter Gesellschaft, aber auch in keiner kleinen.

3.2 Essstäbchen sind gar nicht so unpraktisch

Wer sich auf die Reise nach Japan begibt, weiß natürlich in aller Regel vorher schon, dass dort die Speisen meist mit Essstäbchen zu sich genommen werden. Japanische Essstäbchen unterscheiden sich etwas von ihrem z.B. chinesischen Pendant, weil sie oft „filigraner“ und nicht selten spitz zulaufend sind, sich also auch zum Greifen kleinerer Nahrungsmittel eignen. Auch wenn Sie vorher noch nie Essstäbchen in den Händen gehalten haben sollten und anfangs der Ansicht sind, die Fähigkeit, mit Stäbchen umgehen zu können, müsse von Kindesbeinen an gelernt, wenn nicht mit der Muttermilch eingesogen werden, spätestens nach drei Tagen werden Sie diese universellen Esswerkzeuge kaum mehr missen wollen. Lassen Sie sich von anfänglichen Krämpfen in den Fingern nicht entmutigen! Feuern Sie sich mit einem ganz japanischen: „Ganbatte!“ (sinngemäß: „Lass’ Dich nicht unterkriegen!“) an. Schließlich sind Sie die Krone der Schöpfung und nicht die Essstäbchen. Bewundernde Blicke Ihrer japanischen Umgebung für Ihr Bemühen sind Ihnen sicher!

Und wenn Sie nicht gleich mit den schlechten Sitten vieler Ausländer auffallen wollen, können Sie zumindest drei kleine Hinweise beherzigen:

  • Unterlassen Sie ganz einfach das „Herumspielen“ mit den Stäbchen.
  • Vermeiden Sie das in den Augen vieler Ausländer so „rituell“ wirkende (aber völlig unangebrachte) Aneinanderreiben der Stäbchen.
  • Legen Sie bei Nichtgebrauch die Stäbchen auf einem entweder vorhanden Stäbchenbänkchen ab oder basteln Sie sich aus der Papierhülle der Stäbchen ein solches – auf keinen Fall die Stäbchen in den Reis „stecken“ (damit würden Sie den anderen den Tod an den Hals wünschen).
  • Weder lassen Sie ihre Tischnachbarn mit Ihren Stäbchen essen, noch reichen Sie Essen mit Ihren Stäbchen an andere weiter. Auf jeden Fall unterlassen Sie aber die “Übergabe” von Teilen Ihrer Mahlzeit von Ihrem Stäbchen in Stäbchen Ihrer “Mitesser” (auch wenn Ihnen das auf den ersten Blick vielleicht besonders “schick” erscheinen mag) – die Übergabe von Gegenständen von Stäbchenpaar zu Stäbchenpaar gibt es nur im Zusammenhang mit Totenritualen, wenn die nicht verbrannten Knochenteile eines Leichnams auf diese Weise in die Urne befördert werden.
    Wenn Sie einen Gaumengenuss mit anderen teilen oder Teile ihres Menüs weiterreichen möchten, tun Sie dies, indem sie das jeweilige Schälchen/Tellerchen weiterreichen.

3.3 Es muss nicht immer Stoff sein

Während man in westlichen Ländern stolz auf hübsche Taschentücher ist, die einem in Zeiten triefender Nasen treue Dienste leisten, gilt das Naseputzen mit Stofftaschentüchern in Japan als hochgradig unschicklich – weil unhygienisch (was es ja auch tatsächlich ist). Bei Einheimischen werden sie lautstarkes Schnäuzen selten erleben – dann schon eher mal die beherzt hochgezogene Nase. Zum Naseschnäuzen, wenn es sich denn partout nicht vermeiden lässt, verwenden Sie, wie auch die Einheimischen dies tun, ausschließlich Papiertaschentücher. Die handlichen Päckchen, die hierzulande üblich sind, dienen in erster Linie als Werbeträger – folglich wird man praktisch wo man geht und steht mit diesen Papiertaschentücher-Päckchen gratis versorgt. Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn man ausgerechnet Ihnen keine Päckchen hinhält – das ist nicht persönlich gemeint, sondern trägt lediglich dem Umstand Rechnung, dass Sie nicht zum Premium-Segment der zu Umwerbenden gehören. Mit anderen Worten: Wahrscheinlich können Sie die Werbeaufschriften ohnehin nicht lesen.

Diese Gratis-Papiertaschentücher scheinen allerdings auch die „Leistungsfähigkeit der deutschen Nase“ nicht zu berücksichtigen. Sie sind so dünn, dass es mehrerer Tücher bedarf, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Als Tissues sind sie allerdings unschlagbar.

Sagen Sie aber Ihren Stofftaschentüchern für eine Japanreise nicht voreilig a dieu. In einem reinlichen Land wie diesem, leisten Stofftaschentücher überall dort hervorragende Dienste, wo z.B. auf öffentlichen Toiletten mal kein Handtuch oder elektrischer Handtrockner vorhanden ist.

3.4 Genießen Sie japanisches Essen – aber bitte nicht, wo Sie gehen und stehen

Was im ersten Kapitel zur “Aufdringlichkeit” von Parfüms gesagt wurde, gilt auch für das Essen in der Öffentlichkeit: Verzichten Sie darauf! Es ist in Japan nicht üblich, im Gehen Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Auch in den öffentlichen Transportmitteln sind sie mehr als einfach nur verpönt (sehen Sie hierzu auch den Artikel “U-Bahn-Etikette“).

Es gibt – wir befinden uns schließlich in Japan – auch hier Ausnahmen von der Regel, die uns auf den ersten Blick befremdlich erscheinen mögen. So gewinnt man in Fernreisezügen sehr schnell den Eindruck, dass es wohl von Gesetzes wegen gefordert sein könnte, jede Reise mit einer gesegneten Mahlzeit zu beginnen. Es ist also kein Wunder, dass es in den Bahnhöfen ein oft überwältigendes Angebot an Reiseproviant zu kaufen gibt und man auch in den Fernzügen stets gut versorgt wird. Dahingegen ist im öffentlichen Nahverkehr auch die “kleine Mahlzeit zwischendurch” kein guter Stil.

Sie kommen u.U. nicht damit in Berührung, aber wundern Sie sich nicht, wenn besonders in Kabuki-Theatern in den Pausen am Platz die üppigsten Lunchpakete (弁当 / べんとう) ausgepackt werden und der Theatersaal von nicht immer nur dezentem Essensduft geflutet wird. Erinnern Sie sich dann daran, dass Japan das Land der Gegensätze ist und freuen Sie sich über die Freude, mit denen die Theaterbesucher ihre Mahlzeit genießen.

Zu den anderen Kapiteln dieser Artikelserie gelangen Sie über das Inhaltsverzeichnis oben.

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5 Responses to Allgemeine Hinweise zum Aufenthalt in Japan (3)

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