Shitennō-ji – 四天王寺

Japans ältester buddhistischer Tempel
Japan’s oldest Buddhist temple

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Heute verlassen wir die Präfekturgrenzen Tōkyōs etwas weiter – um einmal mit anderen Mitteln zu zeigen, dass nicht alles, was in Japan grandios und historisch bedeutungsvoll ist, unbedingt in Kyōto, Japans Hauptstadt für Jahrhunderte, anzutreffen sein muss. Wer dem gelebten Buddhismus in Japan auf die Spur kommen möchte, findet seinen Ursprung dort, wo er vielleicht gar nicht mit ihm rechnen würde: in Ōsaka (大阪 / おおさか). Die große Handels-, Industrie- und Hafenmetropole im Westen Japans ist nämlich nicht gerade für ihren Reichtum an historischen Monumenten berühmt.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Today we are leaving the borders of the prefecture of Tōkyō a little bit further behind – just to show by other means that not everything magnificent or historic is necessarily to be found in Kyōto, Japan’s capital for centuries. Everyone who endeavors to learn more about the roots of „living Buddhism“ in Japan, may find it exactly where one would, most likely, not look for it: in Ōsaka (大阪 / おおさか) – as that the large commercial, industrial and shipping metropolis in the West of Japan isn’t really famous for an abundance of historical monuments.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Und doch war es hier, wo Das Zusammenspiel verschiedener historischer Einflüsse den richtigen „Nährboden“ für den ersten buddhistischen Tempel auf japanischem Boden bot, der, wenn auch nicht in seinen Gebäuden, heute noch enthalten ist. Prinz Sōtoku, der sich dem Buddhismus verschreiben hatte, hatte im zarten Alter von 14 Jahren als Prinzregent (unter der Regentschaft der Kaiserin Suiko) an der Seite seines Schweigervaters und Oberhauptes des Sogo-Klans Krieg gegen den mächtigen Nononobe-Clan führen müssen (dessen Mitglieder der Einführung dieser neuen Religion strikt ablehnend gegenüber standen). Der junge Prinz hatte sich im Gebet an die “vier Himmelskönige“ (shitennō / 四天王 / してんのう) gewandt und ihnen versprochen, im Falle seines Sieges einen kaiserlichen Tempel zu Ehren des Buddhismus errichten zu lassen. Er siegte – und hielt Wort (das waren noch glorreiche Zeiten!). Im Jahre 593 wurde der Shitennō-ji (四天王寺 / してんのうじ) auf dem Uemachi-Plateau (上町台地 / うえまちだいち) errichtet. Und noch heute kündet eine Steinstele am großen Torii am westlichen Zugang zum Tempelgelände davon, dass hier der Buddhismus seinen Ursprung in Japan genommen habe – was natürlich nicht so ganz stimmt, da es auch vorher schon Anhänger des Buddhismus in Japan gegeben hat, aber da aus dieser Zeit keine eindeutigen Dokumente vorliegen, kann man sich diesen Tempel als eindrucksvollen „Beweis“ dienen lassen (ich weiß, Buddhismuskenner werden mir widersprechen – aber es geht hier ja auch nicht um eine religionsphilosophische Abhandlung, sondern um ein sehenswertes Beispiel japanischer Architektur).
In den alten Zeiten in Japan, als das Land schon einmal offen für ausländische Einflüsse war, verhalf seine strategische Lage in der Nähe des Hafens dem Shitennō-ji dazu, eine wichtige Rolle im Handel und Verkehr zu spielen, indem er der Welt Japans Macht und Reichtum demonstrierten konnte.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Nevertheless, it was here that the first Buddhist temple on Japanese soil (which is still administered – even though none of the original buildings survived the passage of time) found the right „breeding ground“, provided by a multitude of historical influences. Prince Sōtoku who was a strong believer in the „new“ Buddhist religion was confronted by war at the tender age of 14 (on the side of this father-in-law, the powerful head of the Sogo-clan), under the formal reign of Empress Suiko. The potent clan of the Nononobe, totally opposed to Buddhism was threatening him. Hence, the young prince prayed for support to the „four heavenly kings“ (shitennō / 四天王 / してんのう). In return for their assistance he promised to erect an imperial temple to worship the Buddhist spirits. He was victorious – and kept his promise (it must have been glorious times back then!). The Shitennō-ji was built in 593 on the Uemachi-plateau (上町台地 / うえまちだいち).
A stone stele near the great torii at the west entrance to the temple’s grounds informs that Buddhism arrived here for the first time in Japan. Of course, that’s not entirely correct, as there were followers of Buddha’s teachings in Japan since at least the early 6th century. But since there is no definite proof of that, one may take this temple as a quite impressive evidence (I know, everyone who knows more about Buddhism will have objections to this statement, but this article isn’t deemed to deliver granular religious-philosophic information, but to draw the reader’s attention to yet another astonishing example of Japanese architecture).
In the old days, when Japan was open to foreign influences, the temple played an important role in trade in traffic, as it’s strategic location near the harbour of Ōsaka also offered a good way to demonstrate the power and prosperity of Japan to the rest of the world.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Für all diejenigen, die jetzt jauchzen: „Da muss ich hin! Wo bekommt man schon noch Holzgebäude zu sehen, die 1.400 Jahre auf dem Buckel haben?!“ muss ich leider Wasser ins Feuer kippen: Von den historischen Gebäuden des Shitennō-ji ist kein einziges mehr übrig. Der Tempel wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgestaltet und erneuert, von Feuersbrünsten heimgesucht und zuletzt auch durch die US-amerikanischen Fliegerbomben zerstört. Was sich heute dem Auge bietet (insbesondere das Kernensemble im Zentrum der Tempelanlage) stammt aus dem Jahre 1963. Nur das große Stein-Torii im Westen aus dem Jahr 1294 hat auf mirakulöse Weise überlebt.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Nach europäischen Vorstellungen mag das enttäuschen, weil wir uns ja erst für etwas zu interessieren beginnen, wenn es möglichst „alt“ ist. Mit dieser Einstellung kommt man in Japan allerdings nicht weit, wo auch die meisten uralten Gebäude kaum noch etwas von der ursprünglichen Bausubstanz enthalten. Holz ist als Baumaterial zwar haltbar, aber nur bedingt für das Überdauern von Jahrhunderten geeignet.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

All those cheering for joy: „I have to go there! Where else can one admire buildings with a history of more than 1.400 years!“ may be grossly disappointed. None of the historic buildings of the Shitennō-ji has survived the passage of time. During the course of the centuries that temple was reconstructed repeatedly, it was victim of fire, wars, typhoons and earthquakes, and, at last largely destroyed during the US-American air raids during World War II.

The central ensemble of the temple in particular was re-built just 50 years ago in 1963. The only example of original structures which has survived miraculously is the great torii at the Western entrance to the temple, erected in 1294.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

That might be a disappointment by European standards, since we start to really get interested in historic items when they are just „as old as possible“. However, that’s a concept which doesn’t carry very far in Japan. There isn’t too much left of the original substance of its mostly wooden buildings originating centuries ago. Wood is a durable material – but not made to outlast the passage of time.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Dafür ist der Shitennō-ji ein sehr schönes Beispiel dafür, dass Religiosität in Japan tatsächlich gelebt wird (wenn auch sicher nicht in der Form, die sich Otto Normal-Christ vorstellt) und die Tempel und Schreine Teil des urbanen Lebens sind. Als ich am 20. März 2012 zum erstem Mal den Shitennō-ji besuchte, wurde auf seinem Gelände ein riesiger Flohmarkt abgehalten – Magnet für Tausende von Besuchern und Gläubigen. Noch heute nennen viele Bewohner Ōsakas den Shitennō-ji stolz den „Altar des Buddhismus“ in Ōsaka.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

On the other hand, the Shitennō-ji is a very pretty example for the fact that religion is really „lived“ in Japan (even though that might happen in another dimension as the average christian might imagine) and that temples and shrines are an integral part of urban living. When I visited the Shitennō-ji for the first time on March 20th, 2012, there was a large flee-marked held on the grounds of the temple – magnet for thousands of visitors and worshippers. Even today many poeple in Ōsaka regard the Shitennō-ji as the „Buddhist alter of Ōsaka“.

Shitennō-ji (四天王寺) - Rokuji-dō

Shitennō-ji (四天王寺) – Rokuji-dō

Adresse des Shitennō-ji:
1-11-18 Shitennō-ji
Tennōji-ku
Ōsaka 543-0051

Öffnungszeiten:
April bis September: 8.30 Uhr – 16.30 Uhr
Oktober bis März: 8.30 Uhr – 16.00 Uhr
(Zutritt jeweils bis 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeit)
Jeweils am 21. und 22. jeden Monats bleibt der Tempel abends eine halbe Stunde länger geöffnet.

Eintrittsgebühr:
Das Tempelgelände als solches ist frei zugänglich.

Hauptgebäude:
Erwachsene: 300 Yen
Studenten/Schüler der Oberstufe: 200 Yen
Schüler der Mittelstufe oder jünger: Eintritt frei
Schatzhaus:
Erwachsene: 200 Yen
Studenten/Schüler der Oberstufe: 100 Yen
Schüler der Mittelstufe oder jünger: Eintritt frei

Wie man hinkommt:
Am einfachsten mit der U-Bahnlinie Tanimachi (谷町線 / たにまちせん) bis zur Haltestelle Shitennō-ji-mae Yūhigaoka (四天王寺前夕陽丘駅 / してんのうじまえゆうひがおかえき), Ausgang Nr. 4. Von dort sind es weniger als 5 Minuten zu Fuß in südöstlicher Richtung.

Shitennō-ji (四天王寺)

Shitennō-ji (四天王寺)

Address of the Shitennō-ji:
1-11-18 Shitennō-ji
Tennōji-ku
Ōsaka 543-0051

Opening Fours:
April to September: 8:30 a.m. – 4:30 p.m.
October to March: 8:30 a.m. – 4.00 p.m.
(last admission 30 minutes before closing time)
On the 21st and 22nd of each month teh tempel remains open for 30 minutes longer.

Admission Fee:
The temple’s grounds can be accessed free of charge.

Main Building:
Adults: 300 Yen
College/High School Students: 200 Yen
Junior High School Studens: free of charge

Treasure House:
Adults: 200 Yen
College/High School Students: 100 Yen
Junior High School Studens: free of charge

How to get there:
Take the Tanimachi subway line (谷町線 / たにまちせん) to Shitennō-ji-mae Yūhigaoka station (四天王寺前夕陽丘駅 / してんのうじまえゆうひがおかえき)(exit no. 4); less than 5 minutes walk in south-eastern direction.

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2 Responses to Shitennō-ji – 四天王寺

  1. […] Landes unterscheidet (diese Dachkonstruktion findet man überhaupt nur viermal in Japan – u.a. am Shitennō-ji in Ōsaka). Das Äußere des Tores ist mit besonders kunstvollen Schnitzarbeiten verziert, die auch zeigen, […]

  2. […] This main gate, built in 1851, would already impress with its sheer size (e.g. its respectable height of 16 metres). But the actual eye-catcher is the construction of the three-gabled roofing, as this is different from almost all other temple gates in the country (you’ll find it in only four temples – one of which is the magnificent Shitennō-ji in Ōsaka). […]

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