Hikawa Maru – 氷川丸

Das bewegte Leben der „Königin des Pazifiks“
The Eventful Life of the „Queen of the Pacific“
(Die englische Text folgt der deutschen)
(The English text follows the German text)

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸

Dass Yokohama als eine der großen Hafenstädte der Welt u.a. auch ein Schiff als Wahrzeichen hat, ist sicher nicht ungewöhnlich. Dass es sich dabei um ein vergleichsweise „junges“ Schiff handelt, schon eher. Aber wenn man bedenkt, dass der Hafen von Yokohama gerade mal auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken kann, relativiert sich das Alter von Schiffen natürlich auch.
Jedem Besucher der Hafenpromenade Yokohamas, des „Yamashita Parks“ (山下公園 / やましたこうえん), sticht das dort „angekettete“ Schiff sofort ins Auge: Die Hikawa Maru (氷川丸 / ひかわまる) wurde nach einem bewegten Leben und über 250 Fahrten auf hoher See 1960 außer Dienst gestellt, um ihre wechselvolle Geschichte ab 1961 als Jugendherberge und schließlich als Museum fortzusetzen.
Allerdings konnte auch sein Wahrzeichen-Charakter das Schiff nicht vor einem allmählichen Niedergang bewahren. Auch wenn das Schiff den Besuchern zur Besichtigung offen stand und seine Decks gerade in den warmen Jahreszeiten sehr beliebt waren, so war doch schon in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das, was man im Innern besichtigen konnte, eher wenig spektakulär. Dass das Schiff zu seiner „guten Zeit“ als Beispiel luxuriöser Schiffsfahrten bei exquisiter Verköstigung galt, war ihm nicht mehr anzusehen (oder doch nur noch mit sehr viel Phantasie).

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸

It is not too surprising that one of Yokohama’s landmarks is a ship – after all, Yokohama is still one of the big ports of this world. Nevertheless, it may be a bit unusual that this ship is a rather „young“ one – by European standards. Considering the only 150 years of history of the port of Yokohama, may change this point of view a bit.
The Hikawa Maru (氷川丸 / ひかわまる), the ship „chained“ to Yokohama’s harbour promenade, the „Yamashita Kōen“ (山下公園 / やましたこうえん), practically jumps into the visitor’s eyes. It was retired here after an eventful life and more than 250 trips in 1960 and in 1961 became a floating youth hostel and eventually a museum. But even its function as one of the landmarks of Yokohama couldn’t prevent a more or less steady decline of the ships popularity. Still visitors liked to spend time on the decks of the ship, but already in the 1980s the ship’s historical attraction wasn’t up to the time’s demands any longer. It didn’t represent the „good old times“ of luxurious ocean liners and exquisite cuisine en-route any longer (well, maybe it did, but it took a lot of fantasy to get into the mood of the 30s).

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Dining

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Dining

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Dining

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Dining

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Dining

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Dining

Dabei kann die Hikawa Maru auf eine ebenso glänzende wie bewegte Vergangenheit zurück blicken:
Von 1929 bis 1930 in den Docks von Yokohama für die NYK-Linie (Nippon Yūsen) erbaut, ging sie vor ziemlich genau 80 Jahren, am 13. Mai 1930 auf Jungfernfahrt von Yokohama nach Seattle. Um der rauen See des nördlichen Pazifiks gewachsen zu sein, hatte man das Schiff aus besonders dicken Stahlplatten gebaut und mit der modernsten, damals verfügbaren Technik ausgestattet (wie auch die ungefähr zur gleichen Zeit gebauten Schwesterschiffe der Hikawa Maru, die Hie Maru und die Heian Maru, die aber die Wirren des 2. Weltkriegs nicht überstanden haben und US-amerikanischem Bombardement zum Opfer gefallen sind). Wie auch ihre Schwesterschiffe, hat die Hikawa Maru übrigens ihren Namen von berühmten Shintō-Schreinen bekommen.

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Library

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Library

It is a rather gorgeous past the Hikawa Maru can look back to – and an eventful one as well:
She was built from 1929 to 1930 for the NYK-line (Nippon Yūsen ) at the docks of Yokohama and went on her maiden trip from Yokohama to Seattle almost exactly 80 years ago, on May 13th, 1930. She was fortified by particularly strong iron plating in order to survive the rough seas of the northern Pacific and was furnished with state of the art equipment of its time (just like her sister ships, the Hie Maru and the Heian Maru – but these two ships didn’t survive the troubles of World War II and sunk during US-American bombardment). By the way: like her sister ships, the Hikawa Maru got her name from famous shintō shrines.

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Social Hall

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Social Hall

Mit einer Länge von 163,3 Metern und einer Breite von 20,1 Metern würde die Hikawa Maru heute zwar zu den eher kleinen Ocean Linern und mit 18,5 Knoten sicher auch nicht zu den schnellsten gehören, aber damals war das Schiff, das ungefähr 300 Passagiere aufnehmen konnte, ganz auf der Höhe der Zeit.
Neben Passagieren, wurden auch japanische Produkte – allen voran Seide – mit dem Schiff in alle Welt transportiert.
Besonders beliebt war das Schiff auch bei den Berühmtheiten seiner Zeit, da man sich recht bald darum bemüht hatte, eine exzellente Küche zu bieten. Dafür waren für die Passagiere der 1. Klasse eigens in europäischer Küche trainierte Köche angeheuert. Charlie Chaplin wird ein ganz besonders großes Faible für die Hikawa Maru nachgesagt. Aber auch Mitglieder der kaiserlichen Familie Japans gingen mit der Hikawa Maru auf Reisen. Wohl nicht umsonst wurde das Schiff auch mit dem Beinamen „Königin des Pazifiks“ geschmückt.

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Social Hall

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Social Hall

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Social Hall

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Social Hall

With a total length of 163.3 metres and a width of 20.1 metres nowadays the Hikawa Maru would be amongst the small ocean liners and with its speed of maximal 18.5 knots it would also not be amongst the fastest. However, at its days the ship that could transport about 300 passengers was really state of the art.
In addition to passengers also Japanese products – especially silk – were brought to locations all over the world by the Hikawa Maru.
The ship was particularly popular by the famous people of its times, as it was well-known for its splendid cuisine. The cooks for the 1st class passengers received special training by European chefs. Charlie Chaplin is said to be one of the great fans of the Hikawa Maru. But also members of the Japanese imperial family used the ship for their cruises. With good reason the Hikawa Maru was also called the „Queen of the Pacific“.

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸

Aufgeteilt waren die Kabinen und Salons an Bord in drei Klassen: eine 1. Klasse (und innerhalb dieser gab es auch noch einmal Kabinen unterschiedlicher Ausstattung und Größe – während die normalen Kabinen der 1. Klasse nur aus einem vergleichsweise kleinen Raum bestanden, bot eine Luxuskabine separate Räume für das Schlafzimmer, das Bad und das Wohnzimmer), eine 2. Klasse und eine 3. Klasse. In letzterer wurde in 8-Bett-Kabinen gehaust und die Mahlzeiten aus der Mannschaftsküche bezogen. Aber auch Überfahrten in der 3. Klasse waren sehr beliebt, weil sie einerseits nicht gänzlich ohne Komfort waren und andererseits halbwegs erschwinglich (ein bis eineinhalb durchschnittliche Monatsgehälter pro Person für die einfache Strecke von Yokohama nach Seattle – in der 1. Klasse war ungefähr der siebenfache Preis zu entrichten)

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Smoking Salon

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Smoking Salon

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Smoking Salon

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Smoking Salon

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Smoking Salon

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Smoking Salon

The cabins and salons were divided into three classes: a 1st class (and within the 1st class there were also cabins of different size and interior – while the usual 1st class cabins had only one rather tiny room, the luxury cabin consisted of separate rooms for beds, bath and living), a 2nd class and a 3rd class. The latter was equipped with 8-bed-cabins and their passengers received their meals from the crew’s galley. Nevertheless, also 3rd class cruises were rather popular, maybe because they were not entirely without comfort and rather affordable (one to 1 1/2 average salaries had to be paid for a one-way-ticket from Yokohama to Seattle – 1st class tickets were about seven times as expensive).

Hikawa Maru / 氷川丸, 3rd Class Cabin

Hikawa Maru / 氷川丸, 3rd Class Cabin

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Cabin

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Cabin

Nach ihrer Indienststellung im Jahre 1930 kreuzte die Hikawa Maru bis 1941 als Linienschiff durch die Weltmeere – überwiegend durch den Pazifik. Vor dem Eintritt Japans in den 2. Weltkrieg nutzten jüdische Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland die Hikawa Maru zur Flucht nach Kanada. Und die Kriegszeiten selbst überstand das Schiff wohl nur deswegen, weil man es flugs als Hospitalschiff umfunktioniert hatte – außerdem hatten es seine besonders starken Stahlplatten mehrfach vor größeren Schäden bei Minenexplosionen bewahrt. Nach der Kapitulation Japans blieb das Schiff zunächst noch ungefähr ein Jahr in US-amerikanischen Diensten und wurde anschließend bis 1954 für Frachtdienste zwischen den USA und Japan eingesetzt.
Nach einer Renovierung erlebte die Hikawa Maru noch mal eine kurze Blütezeit bis 1960 als Passagierschiff. Aber die Welt hatte sich inzwischen doch nachhaltig verändert. Flugzeuge machten Überseereisen schneller und allmählich auch erschwinglicher, die Hikawa Maru hatte ausgedient und fand ihre gar nicht so ruhige „letzte Ruhestätte“ im Hafen von Yokohama.

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸, 1st Class Play Room

Hikawa Maru / 氷川丸

After she was put into service in 1930 the Hikawa Maru crossed the seas until 1941 – mostly in the Pacific. Shortly before Japan entered World War II Jewish refugees from Nazi-Germany used the ship to escape to Canada. The Hikawa Maru survived the war as a hospital ship and also because its particularly strong plating protected it from mine explosions.
The ship remained in the services of the USA for about a year after Japan had surrendered in 1945. And after that it was used as a freighter crossing the Pacific between Japan and the USA until 1954. Eventually, the Hikawa Maru was refitted for passenger cruises again and saw its second „good time“ until 1960. By then the world had changed considerably. Ships were no longer competitive against the growing aircraft market – the Hikawa Maru was retired and brought to the Port of Yokohama.

Hikawa Maru / 氷川丸, Deluxe Bedroom

Hikawa Maru / 氷川丸, Deluxe Bedroom

Hikawa Maru / 氷川丸, Deluxe Bathroom

Hikawa Maru / 氷川丸, Deluxe Bathroom

Hikawa Maru / 氷川丸, Deluxe Living-Room

Hikawa Maru / 氷川丸, Deluxe Living-Room

Nach immer weiter sinkenden Besucherzahlen begann man in den frühen 2000er Jahren über die weitere Zukunft des Schiffes nachzudenken. Es gab sogar Pläne, das Schiff zu verkaufen. Schließlich wurde das Schiff im Jahre 2006 komplett geschlossen. Nach Monaten der Ungewissheit über seine weitere Verwendung, entschied sich die NYK-Linie (einer der Hauptbesitzer des Schiffes), doch zu einer Renovierung, nachdem mehrere Campagnen gestartet worden waren, die sich für die Erhaltung des Schiffes stark gemacht hatten. Man begann die Arbeiten im August 2007 und konnte schließlich im April 2008 eine „ganz neue“ Hikawa Maru der Öffentlichkeit zugänglich machen. Man hatte die Salons wieder in ihrem ursprünglichen Glanz und dem edel-sachlichen Art-Deco der 30er Jahre erstehen lassen, die auch nach heutigen Standards als „schick“ bezeichnet werden können. Einige der 1.-Klasse-Kabinen sind heute wieder zu sehen und eine Kabine der 3. Klasse. Eindrucksvoll ist die Brücke, die in Teilen fast schon modern wirkt. Und davon, dass der Kapitän „standesgemäß“ untergebracht war, kann man sich auch überzeugen.
Beim Flanieren über die Decks fühlt man sich förmlich in eine längst vergangene Zeit zurück versetzt.

Besonders eindrucksvoll ist der wahrlich gigantische Maschinenraum, der sich über mehrere Stockwerke auftürmt und Heimstätte der beiden Burmeister & Wain-Dieselmotoren ist.

Hikawa Maru / 氷川丸, Captain's Quarters

Hikawa Maru / 氷川丸, Captain’s Quarters

Hikawa Maru / 氷川丸, Bridge

Hikawa Maru / 氷川丸, Bridge

Hikawa Maru / 氷川丸

Hikawa Maru / 氷川丸

Nevertheless, the numbers of visitors began to decline. In the early 2000s the owners of the ship began to think about its future. There were even plans to sell the ship. Eventually, the ship was closed for the public in 2006. After months of uncertainty the main owner of the Hikawa Maru (the NYK-Line) decided to put some money into the ship and to restore it to its original splendour. Some campains fighting for the preservation of the ship may have had also some impact on this decision. In August 2007 considerable restoration work began and already in April 2008 a „new“ Hikawa Maru could be presented to the public. The salons show the stylish art nouveau design of the 30s again – also by today’s standards these salons could be called „chic“. Some of the 1st class cabins can be seen as well as one of the 3rd class cabins. Also the rather impressive bridge can be visited – some of the equipment doesn’t look as outdated as the age of the ship may suggest. And it is clear to see that the captain of the Hikawa Maru’s cabins absolutely befitted his rank. Strolling on the decks of the ship puts you right back into a time gone by.

Also don’t miss the very impressive engine room of the Hikawa Maru. It towers up to several stories in the ship’s core and provides ample space for the two bulky Burmeister & Wain diesel engines.

Hikawa Maru / 氷川丸, Engine-Room

Hikawa Maru / 氷川丸, Engine-Room

Hikawa Maru / 氷川丸, Engine-Room

Hikawa Maru / 氷川丸, Engine-Room

Öffnungszeiten:
10:00 bis 17:00 Uhr (letzter Einlass: 16:30 Uhr)
Montags geschlossen (es sei denn, ein Feiertag fällt auf Montag – dann bleibt das Schiff dienstags geschlossen)

Eintrittsgebühr:
300 Yen (Erwachsene)
200 Yen (Senioren ab 65 Jahren)
100 Yen (Schüler)
Es gibt Kombinationsangebote für den Besuch der Hikawa Maru und des NYK Maritime Museums (3-9 Kaigan Dōri, Naka-ku, Yokohama).

Opening Hours:
10:00 a.m. – 5:00 p.m. (last admission: 4:30 p.m.)
Closed on Mondays (however, open if Monday falls on a national holiday; in these cases the Hikawa Maru will be closed the day after).

Admission Fee:
300 Yen (Adults)
200 Yen ( Seniors over 65 years of age)

100 Yen (Students)
(Admission fees can be combined with those to be paid for the NYK Maritime Museum at 3-9 Kaigan Dōri, Naka-ku, Yokohama.)

Sie interessieren sich für Schiffe?

Dann schauen Sie sich doch auch mal ein weiteres, historisch bedeutungsvolles Schiff an:

Meiji Maru (明治丸) (German only)
– Eisernes Sinnbild für die Modernisierung Japans

You have an interest in ships?

Then have a look at this historically significant one:

Meiji Maru (明治丸) (German only)
– Eisernes Sinnbild für die Modernisierung Japans

 

 

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3 Responses to Hikawa Maru – 氷川丸

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