Kawagoe (川越)

Klein-Edo (小江戸)
Little Edo (小江戸)
(Der englische Text folgt dem deutschen)
(The English Text follows the German text)

Kawagoe (川越)

Kawagoe (川越 / かわごえ) liegt im Nordwesten eine knappe Zugstunde von Tōkyō entfernt in der Nachbarpräfektur Saitama (埼玉県 / さいたまけん) und ist von ausländischen Touristen offensichtlich noch nicht so recht entdeckt worden. Was um so mehr verwundern muss, da Kawagoe über eine der hübschesten Altstadtbezirke Japans verfügt und außerdem noch aus der Masse heraussticht. So wird z.B. seine Altstadt von zahlreichen Kura (蔵 / くら) beherrscht. Unter einem Kura versteht man ein feuergeschütztes Lagerhaus, das sich meist im rückwärtigen Teil von Geschäften befand. Deswegen wird der Baustil auch „kuratsukuri“ (蔵造り / くらつくり) genannt. In Kawagoe stehen viele dieser teilweise sehr prächtigen Kura direkt in vorderster Front an der Straße und dienen dort nicht einfach nur Lagerzwecken, sondern auch als Wohn- und Geschäftshaus. Zu verdanken haben wir diese städtebauliche Besonderheit einem verheerenden Feuer im Jahre 1893 – beim Neuaufbau waren (aus verständlichen Gründen) die feuergeschützten Gebäude im Kura-Stil ganz besonders beliebt.

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越 / かわごえ) is just less than an train-hour away from Tōkyō and located in the northwest of Japan’s capital in the neighbouring prefecture Saitama (埼玉県 / さいたまけん). Obviously, foreign tourists haven’t quite discovered it yet. And that should come as a surprise, as Kawagoe offers one of the most picturesque old towns one can find in Japan. It also sticks out from most of the other touristic spots in Japan. For example the historic center of the city is dominated by quite a number of “kura“ (蔵 / くら). A „kura“ is a fire-protected, traditional warehouse. It used to be located in the backyard of shops and small craft productions. Hence the architectural style is called “kuratsukuri“ (蔵造り / くらつくり). In Kawagoe you’ll find a great number of the most gorgeous samples of this style in the front rows of the main streets. Here they serve more than just storage purposes; they house shops and also the living quarters of the shop owners. It may sound a bit macabre, but we have to thank a devastating fire that destroyed the city in 1893 for these magnificent houses. When the people of Kawagoe re-built their city, they decided to emphasise on the rather fire-proof “kuratsukuri“.

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Dass Kawagoe sich den schmückenden Titel „Klein-Edo“ gegeben hat, befremdet ein bisschen, denn schließlich hat Kawagoe weder zu Edo (dem alten Tōkyō) gehört, noch gibt es in der “Altstadt” noch Gebäude die zur Edo-Zeit entstanden sind. Es ist lediglich das „Lebensgefühl“ des alten Edo, das hier angeblich weiterlebt: Das Flair einer geschäftigen Großstadt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Allerdings war Kawagoe zur Edo-Zeit (1603 bis 1868) als Garnisonsstadt und Versorgungsgebiet der Millionenstadt Edo nicht ganz unwichtig. Und natürlich stehen auf dem Areal der Tempelanlage des Kitain (喜多院 / きたいん) die einzigen von der ehemaligen Burg von Edo verbliebenen Gebäudeteile (die auch das “Geburtszimmer” des dritten Tokugawa Shōguns, Iemitsu, umfassen). Aber Kitain liegt allerdings ausserhalb des “Altstadt”-Bezirks.
Heute zählt Kawagoe etwas mehr als 300.000 Einwohner und ist seit 1983 mit Offenbach am Main verpartnert, außerdem mit Salem, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Oregon (seit 1986).

It may sound a bit strange that Kawagoe is now calling itself „Little Edo“, as the city was neither a part of Edo (the old Tōkyō), nor has hardly any building of the Edo period survived in the old part of Kawagoe. But it still represents the „way of living“ in the old Edo and the flair of a city at the end of the 19th century. Nevertheless, Kawagoe was an important military base and supply area for the megacity Edo during the Edo-period (1603-1868).
However, the grounds of the temple Kitain (喜多院 / きたいん), a bit outside the “old town” of Kawagoe, also house the only remaining buildings which originally belonged to Edo Castle (including the “birth room” of the third Tokugawa Shōgun, Iemitsu).

Today, Kawagoe has some 300,000 inhabitants. Since 1983 it’s a partner-city of Offenbach (Germany) and Salem (capital of the US-state Oregon) since 1986.

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt gehört natürlich der „Zeit-Glocke“ (時の鐘 / ときのかね) im hölzernen Glockenturm, der sozusagen Wahrzeichen der Stadt ist. Er war in der frühen Edo-Zeit (1624-44) gebaut worden und ragt 16 Meter in die Höhe – hoch genug, um von hier das Häusermeer Kawagoes, das in alten Zeiten nie höher als zwei Stockwerke gebaut wurde, zu überblicken. Seine Zerstörung durch das Großfeuer im Jahre 1893 konnte der Turm damit aber auch nicht verhindern. Seit nunmehr über 350 Jahren ist der Turm so etwas wie eine „öffentliche Zeitansage“: seine Glocke läutet täglich um 6 Uhr morgens, 12 Uhr mittags, 3 Uhr nachmittags und 6 Uhr abends. Der Turm ist mit einer großen, gusseisernen Glocke ausgestattet ist, deren Signal heute nicht mehr, wie in den alten Tagen, manuell, sondern mechanisch ausgelöst wird.

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

One of the main attractions of Kawagoe’s historic center is the “Bell of Time“ (時の鐘 / ときのかね) housed in a wooden bell tower (built 1624-1644), the symbol of the city. The three-story tower measures 16 meters of height – just tall enough to overlook the whole city (its buildings had two stories at maximum in the old days). Nevertheless, the tower became a victim of the great fire in 1893. For more than 350 years it has been a kind of „public time announcement“ for the people of Kawagoe: its bell can be heard at 6 a.m., noon, 3 p.m. and 6 p.m. And even though the tower still contains its old cast iron bell, nowadays it is no longer activated manually like in the old days, but mechanically.

Kawagoe (川越), Bell of Time (時の鐘)

Kawagoe (川越), Bell of Time (時の鐘)

Eine weitere Sehenswürdigkeit Kawagoes ist das „Konditorei-Sträßchen“ (菓子屋横丁 / かしやよこちょう), eine kleine Seitenstraße, in der sich eine ganze Anzahl von Konditoreien und Süßwarengeschäften versammelt haben. Unter die traditionellen Süßigkeiten mischen sich inzwischen natürlich auch Massenprodukte. Aber früher stammten die direkt an der Straße feilgebotenen Gaumenfreuden allesamt aus heimischer Produktion. Wenn man sich hier ein bisschen an die „Drosselgasse“ in Rüdesheim erinnert fühlt, muss man sich nicht gar so sehr wundern, aber immerhin wird auch hier noch ein Stückchen Lebensgefühl der frühen Shōwa-Zeit (20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts) bewahrt.

Another of the main magnets for tourists is the ”Confectionery Row (菓子屋横丁 / かしやよこちょう), a small backstreet alley with numerous confectionery shops selling traditional sweets and snacks – but also more „contemporary“ confectionary. In the old days the sweets where produced in this very street – now they also deal with delicacies coming from factories. It shouldn’t suprise you to much, if this little street reminds you somewhat on the “Drosselgasse” in Germany’s “Ruedesheim“ – but it still conserves a certain degree of attitude of life of the „good old days“ of the early Shōwa period (20s and 30s of the last century).

Kawagoe (川越), Confectionery Row (菓子屋横丁)

Kawagoe (川越), Confectionery Row (菓子屋横丁)

Kawagoe (川越), Confectionery Row (菓子屋横丁)

Kawagoe (川越), Confectionery Row (菓子屋横丁)

Tatsächlicher Hauptanziehungspunkt der Stadt ist aber sicher die lange Flucht der prächtigen Geschäfts- und Handelshäuser der Kuratsukuri Straße (蔵造りの町並み / くらつくりのまちなみ). Der Anblick der trutzigen Häuser mit ihren teilweise über die Maßen prächtigen Dachkonstruktionen ist wirklich atemberaubend. In den Geschäftshäusern sind inzwischen weniger traditionelle Handwerks- und Versorgungsbetriebe untergebracht, sondern mehr das, was der Tourist an einem solchen Ort sucht. Glücklicherweise hat man darauf verzichtet, nur touristischen Ramsch anzubieten, sondern beschränkt sich überwiegend auf hochwertiges Handwerk und Kunsthandwerk und natürlich auch Cafés und Restaurants.

Nevertheless, the long rows of gorgeous kura-style buildings of the shops and trading houses at the Kuratsukuri Street (蔵造りの町並 / みくらつくりのまちなみ) are the asset of Kawagoe. These magnificent buildings with their grand roofs are quite breathtaking. Naturally, these buildings don’t house that much of traditional handicraft and rural products’ shops any more. The business has turned to attend to the tourists’ needs in the first place. Fortunately, it’s not just all touristy trash one can buy here, but mainly high quality handicraft – and there are also a lot of coffee shops and restaurants.

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Kawagoe (川越), Kuratsukuri Street (蔵造りの町並み)

Die Stadt tut seit 35 Jahren viel, um das Erscheinungsbild der Altstadt zu bewahren und zu verbessern. So wurden im Innenstadtbereich u.a. die in japanischen Städten oft so hässlichen, oberirdischen Strom- und Versorgungsleitungen in den Untergrund verlegt. Die Beleuchtung der Straßen wurde dem Stil der Gebäude angepasst und so manche „Bausünde“ aus den 60er und 70er Jahren wurde wieder entfernt. So z.B. auch eine der in Japan so beliebten, überdachten Einkaufsstraßen. Dort kann man heute wieder unter freiem Himmel einkaufen gehen und sich an der Architektur der Gebäude erfreuen. D.h. ob man sich z.B. der Gebäude im „westlichen“ Stil, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Japan aus dem Boden gestampft wurden, erfreuen kann, ist Geschmackssache. Aber auch diese Gebäude sind wichtige Zeugen einer Zeit, in der Japan kritiklos jeden Unfug adaptiert hat, der vom Westen in das Land getragen wurde.

Kawagoe (川越)

Kawagoe (川越)

Kawagoe (川越)

Kawagoe (川越)

For about 35 years Kawagoe has achieved a lot in taking care of the historic center’s appearance. The old town has been cleared of all the power- and support wires that usually „grace“ the picture of Japanese cities – they have been re-located to the underground. Also the streets’ lighting has been harmonised with the looks of the traditional buildings. And a couple of architectural eyesores of the 60s and 70s have been removed as well, e.g. one of the roofed shopping malls which Japanese seem to fancy a lot. The removed roof also uncovered a lot of historic architecture. It remains a matter of taste, if one can really enjoy the sight of the „Western style“ buildings of the late 19th and early 20th century. However, they are witnesses of a time when Japan adapted without criticism any nonsense coming from the West.

Kawagoe (川越)

Kawagoe (川越)

Kawagoe (川越)

Wie man hinkommt:
Kawagoe ist mit der Bahn sehr leicht von Tōkyō aus zu erreichen. Die Züge der Seibu-Shinjuku-Linie (西武新宿線 / せいぶしんじゅくせん) fahren z.B. für nur 480 Yen bzw. 450 Yen (Stand: November 2010) von Takadanobaba (高田馬場 / たかだのばば) bzw. Ikebukuro (池袋 / いけぶくろ) nach Hon-Kawagoe (本川越 / ほんかわごえ), die Bahnstation fast im Herzen von Kawagoe. Je nach Zugart dauert die Fahrt zwischen 40 Minuten und einer guten Stunde.

How to get there:
It’s very easy to go by train from Tōkyō to Kawagoe. The Seibu-Shinjuku line (西武新宿線 / せいぶしんじゅくせん) for example takes you for as little as 480 Yen or 450 Yen respectively (as per November 2010) from Takadanobaba (高田馬場 / たかだのばば) or Ikebukuro (池袋 / いけぶくろ) to Hon-Kawagoe (本川越 / ほんかわごえ), the station almost in the heart of Kawagoe. Depending on the kind of train you’re taking, the trip takes between 40 minutes and a little more than one hour.

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4 Responses to Kawagoe (川越)

  1. […] dicken Strohballen eingelagert. Besonders prächtige Beispiele dieser Gebäude gibt es übrigens in Kawagoe zu […]

  2. […] you are interested in particularly gorgeous kinds of storage houses, have a look at Kawagoe, located in the northwest […]

  3. […] wurde der Bau von Gebäude im feuerfesten „Kura“-Stil forciert (ähnlich, wie das ja auch in Kawagoe geschehen ist). Auch für die Tempelgebäude war großzügiger Abstand von einander und der […]

  4. […] housing the construction of fire-proof “kura” was forced (not unlike what happened in Kawagoe around the same time). Also for the larger buildings of temples it became a regulation to leave […]

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