Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (3)

Das Wohnen

Wie im vorangegangenen Artikel („Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (2) – Das Ryokan (旅館)“) gesehen, bietet ein Hotel im japanischen Stil, ein Ryokan (旅館 / りょかん) im Hakone Nationalpark die denkbar beste Grundlage dafür, in eine sehr „japanische“ Atmosphäre einzutauchen. Und wenn es sich dann noch um ein so alt-ehrwürdiges Haus wie das „Taiseikan“ (対星館 / たいせいかん) in Miyanoshita (宮ノ下 / みやのした) handelt, das sich schon seit über 80 Jahren darauf versteht, seine Gäste zu verwöhnen, kann man sich im Grunde fast schon darauf verlassen, dass die Unterbringung stilecht ist. Allerdings bedeutet das auch, dass man spätestens jetzt ein paar grundsätzliche Regeln für das Wohnen unter japanischen Bedingungen verinnerlichen sollte. Gleich vorweg: Keine Angst! Diese Regeln überfordern niemanden!

Die fotografischen Erläuterungen geben das Zimmer „Haku-un“ (白雲 / はくうん = weiße Wolke), ein Zimmer der gehobenen „Standard“-Kategorie des Taiseikan, wieder.

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) - Zugang

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) – Zugang

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) - Eingang

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) – Eingang

Für die Vorbereitung zu einem Aufenthalt im Taiseikan (wie den meisten Hotels in Japan) gilt: Vergessen Sie (fast) alles! Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Sie können Ihr Gepäck klein halten, denn für alle grundsätzlichen Dinge ist im Hotel gesorgt.

Jeder Gast bekommt für die Zeit des Aufenthalts einen leichten Baumwoll-“Kimono“ (Yukata / 浴衣 / ゆかた – wörtlich übersetzt: Badekleidung) zur Verfügung gestellt (im Winter kommen noch Überjacken hinzu). Diesen Yukata trägt man sowohl im Zimmer und auf den Wegen im Hotel, als auch für kleinere Spaziergänge in der näheren Umgebung. Wenn man weiß, wie man einen Bademantel trägt, kann man beim Yukata nicht viel falsch machen, auch er wird mit einem Gürtel (Obi / 帯 / おび) gebunden. Übrigens kann man sich den Yukata auch als Schlafanzug dienen lassen.

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) - Utensilien

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) – Utensilien

Zur Standardausstattung in japanischen Hotels gehört auch die Zahnbürste mit Zahncreme für jeden Gast. Außerdem sind (meist sowohl auf den Zimmern, als auch in den gemeinschaftlich genutzten Badehäusern) Einweg-Kämme und -Rasierer ebenso vorhanden wie Hautpflegemittel, Rasierwässer, Haarwässer sowie Shampoos, Haarspülungen und Duschgels. Haartrockner, Tissues und Ohrstäbchen sind genauso eine Selbstverständlichkeit. Ob die zur Verfügung gestellten Düfte dem persönlichen Geschmack entsprechen, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Bei den Herrendüften scheint sich „Shiseido Auslese“ (die Pflegeserie heißt übrigens wirklich so) großer Beliebtheit zu erfreuen. Ähnlich wie in Deutschland der Duft von „4711 Echt Kölnisch Wasser“ einen Bus voller rüstiger Rentnerinnen suggeriert, ist „Shiseido Auslese“ mehr das Aphrodisiakum des Japaners fortgeschrittenen Alters, um es einmal freundlich zu umschreiben.

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) - Badezimmer

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) – Badezimmer

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) - Privates Bad

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) – Privates Bad

Natürlich gehört in einem Haus mit weitläufigen Badeanlagen, neben einem Badehandtuch, ein kleines Handtuch auch zur vom Hotel zur Verfügung gestellten Grundausstattung. Dieses ist ein wichtiges Utensil für die Benutzung der gemeinschaftlichen Bäder (siehe „Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (2) – Das Ryokan (旅館)“).

Selbstverständlich wird nirgendwo im Ryokan mit Schuhen herum gelaufen – sie sind das Erste, was man am Empfang gegen Einweg-Frottee-Slipper eintauscht. Aber vor dem Betreten des Zimmers werden auch diese ausgezogen: mit Tatami (畳 / たたみ = Strohmatten) ausgelegte Räume werden ausschließlich barfuß bzw. in Strümpfen betreten. Das mag beim ersten Kontakt mit Japan für westliche Besucher verwirrend wirken – irgendwann geht dies aber in Fleisch und Blut über.

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲)

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲)

Eine „liebenswerte Besonderheit“, die Besucher aus dem Westen anscheinend nur schwer ablegen können: In den Toiletten stehen nur für diese Räume vorgesehene „Toiletten-Slipper“ zur Verfügung – diese beim Verlassen der Toilette wieder auszuziehen, vergisst auch der Aufmerksamste gern einmal. Tatami ist aber für eine so rüde (und auch unhygienische) Behandlung nicht dankbar – also: besser dreimal auf die Füße achten, bevor man die Toilette verlässt.

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) - Toilette

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) – Toilette

In aller Regel spielt sich das Leben in einem japanischen Zimmer im Ryokan auf dem Fußboden ab. Stühle oder Sessel gibt es nur in ggf. vorhandenen Vorräumen oder den kleinen „Balkonzimmern“, die dem Wohnraum meist vorgelagert sind. Das Sitzen auf dem Fußboden wird durch Rückenstützen und Sitzkissen ein wenig erleichtert. Im Taiseikan sehr angenehm: Die Mahlzeiten werden auf den Zimmern serviert. Wenn Ihre Sitzetikette im Laufe eines mehrgängigen Menüs also ein bisschen leiden sollte, machen Sie sich keine Sorgen – die Bedienung wird gnädig darüber hinweg sehen.

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲)

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲)

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) - "Balkonzimmer"

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) – “Balkonzimmer”

Der mit Tatami ausgelegte Fußboden dient aber nicht nur als Sitzfläche – auf ihm wird auch geschlafen. Nach dem Abendessen wird das Ryokan-Zimmer fachkundig mit geübten Handgriffen in ein Schlafzimmer verwandelt, indem auf dem Tatamiboden Futons (蒲団 / ふとん) ausgebreitet werden. Wer noch nie auf einem „richtigen“ Futon geschlafen hat (was in westlichen Ländern gern unter dem Begriff „Futonbett“ verkauft wird, hat mit einem Futon eigentlich gar nichts gemeinsam, wenn man einmal von der Tatsache absieht, dass beide als Schlafstätte gedacht sind und eine horizontale Liegefläche bieten), wird das Liegen am Fußboden zunächst ungewohnt finden – aber einen Vorteil hat es: man kann nicht aus dem Bett fallen…..

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) - Verwandlung eines Zimmers

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) – Verwandlung eines Zimmers

Aber schauen Sie sich im Zimmer um: Auch wenn ihr in unseren modernen Tagen der Rang vom Fernsehgerät abgelaufen zu werden droht, bleibt die Tokonoma (床の間 / とこのま = Schmucknische) die Zierde jedes gepflegten, traditionellen japanischen Wohnraums. Diese Nische wird meist von kunstvollen Bildern, Kalligraphien und/oder einem Blumengesteck (生け花 / いけばな) geziert. Auf einer Seite der Tokonoma bildet übrigens meist ein ganz besonders wertvoller Holzpfeiler einen Blickfang. Im Taiseikan fehlt die Tokonoma natürlich in keinem Zimmer. Dass die Tokonoma inzwischen oft zur “Fernsehecke” degradiert wird, ist bedauerlich.

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) - Tokonoma (床の間)

Taiseikan „Haku-un“ (対星館 白雲) – Tokonoma (床の間)

Übrigens: Ein Ryokan-Aufenthalt ist etwas für Frühaufsteher. Zwar kann man z.B. im Taiseikan sein Zimmer nicht vor 15 Uhr beziehen. Dafür ist es aber auch anderntags schon um 10 Uhr wieder zu verlassen (das ist bei Ryokan-Aufenthalten durchaus üblich). Entsprechend früh werden die Mahlzeiten eingenommen: Das Abendessen beginnt meist zwischen 18 Uhr und 19 Uhr (es nimmt allerdings auch einiges an Zeit in Anspruch), das Frühstück meist nicht nach 8 Uhr. Aber das Essen im Ryokan ist eine Geschichte für sich, die im letzten Kapitel dieser kleinen Tetralogie erzählt werden soll (Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (4) – Das Essen).

Ort des Geschehens:
Taiseikan / 対星館
Hakone / 箱根
Miyanoshita Valley / 宮ノ下渓谷
Dōgashima Onsen / 堂ヶ島温泉
Tel:   +81 (460)-82-2281  +81 (460)-82-2281   +81 (460)-82-2281

Bitte beachten Sie: Seit 31. August 2013 wird das Hotel für voraussichtlich drei Jahre einer umfassenden Renovierung unterzogen und kann in der Zeit nicht besucht werden.

Preislicher Horizont:
Luxussuite
im Jindaikaku (神代閣 / じんだいかく) ab 26.250 Yen pro Person und Nacht (bei Belegung mit acht Personen) inklusive Abendessen, Frühstück und Steuern.
Komfortzimmer in separaten Gebäuden direkt am Fluss ab 26.250 Yen pro Person und Nacht (Preis abhängig von der Belegung und der Zimmergröße) inklusive Abendessen, Frühstück und Steuern.
Standardzimmer (8 bis 12 tatami = 13 bis 20 qm) ab 17.850 Yen pro Person und Nacht, inklusive Abendessen, Frühstück und Steuern.

Siehe auch:
Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (1)
Die Anreise

Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (2)
Das Ryokan (旅館)

Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (4)
Das Essen

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3 Responses to Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (3)

  1. […] Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (3) […]

  2. […] Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (3) […]

  3. […] Wenn es nicht die heißen Quellen sind, die den Besucher zum Bade in ein ehrwürdiges Haus wie das „Taiseikan“ (対星館 / たいせいかん) locken, dann ist es ganz bestimmt das Essen. Und diesem Dreh- und Angelpunkt beim Aufenthalt in einem Ryokan (旅館 / りょかん) muss man schon einen eigenen Eintrag widmen, wenn man ihm wenigstens ansatzweise gerecht werden will. (Siehe auch die drei anderen Artikel dieser kleinen Tetralogie: „Die Anreise“, „Das Ryokan“, „Das Wohnen“) […]

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