Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (2)

Das Ryokan (旅館)

Dreh- und Angelpunkt eines Kurzurlaubs im Hakone (箱根) Nationalpark ist natürlich die Übernachtung. Das Angebot an Hotels im westlichen Stil und an als „Ryokan“ (旅館 / りょかん) bekannten Hotels im japanischen Stil ist im Gebiet des Nationalparks überwältigend. Ein Grund dafür sind natürlich auch die Thermalquellen, die in dem vulkanischen Gebiet besonders zahlreich vorhanden sind und damit der sehr ausgeprägten japanischen Badekultur Rechnung tragen. Der Hauptgrund für eine Übernachtung in einem Ryokan ist aber meist die wirklich fürstliche Verköstigung, die man dort erhält (siehe: “Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (4) Das Essen“).

Anhand des Ryokan „Taiseikan“ (対星館 / たいせいかん) in Miyanoshita (宮ノ下 / みやのした) möchte ich ein halbwegs repräsentatives Beispiel für die Art des Wohnens in einem traditionellen japanischen Hotel geben. Aus der Masse der japanischen Hotels im Gebiet des Nationalparks ragt das „Taiseikan“ vielleicht ein bisschen heraus durch seine ganz spezielle Lage: Das Haus ist nur über eine hoteleigene Monorail (モノレール) in dem weit unterhalb Miyanoshitas liegenden, schmalen Tal zu erreichen. Weder Straßen noch Wege führen dorthin.
Im tiefen Tal, an einem reißenden Gebirgsfluss gelegen, bietet das „Taiseikan“ natürlich eine ganz besonders abgeschiedene, dem Trubel der Großstadt entrückte Umgebung. Hier kann man höchstens vom Rauschen des Wassers gestört werden.

In den nächsten beiden Artikeln werde ich mich den Zimmern des „Taiseikan“ und den Mahlzeiten dort widmen – heute geht es nur um das Hotel als solches.

Da man von der Hauptstraße Miyanoshitas nur über die hauseigene Monorail in das Hotel gelangen kann, verfügt das „Taiseikan“ über zwei Lobbys – eine auf Straßenniveau am östlichen Ortsausgang von Miyanoshita (siehe unten) und die Haupt-Lobby unten im Tal (siehe Foto ganz oben).

Taiseikan / 対星館 (Lobby)

Taiseikan / 対星館 (Lobby)

Die Monorail, die den Gast hinunter ins Tal bringt (und natürlich auch wieder nach oben….), hat erst im Jahre 2009 eine 80 Jahre alte Drahtseilbahn abgelöst, die bis dahin im Pendelverkehr treu und brav ihren Dienst versehen hat. Die neue Monorail ist vielleicht nicht mehr ganz so „romantisch“, dafür aber ein bisschen komfortabler. Sie kann bis zu 20 Personen (oder 1.300 kg – in Japan wird das Durchschnittsgewicht von Personen nun mal etwas geringer angesetzt) aufnehmen und ist mit einer Klimaanlage ausgestattet, was sowohl im Sommer als auch während der klirrend kalten Winter sicher von Vorteil ist. Die Fahrt ins Tal nimmt übrigens vier Minuten in Anspruch.

Taiseikan Monorail / 対星館モノレール

Taiseikan Monorail / 対星館モノレール

Wenn man während der Fahrt die Hinweisschilder in der Monorail-Kabine nicht verstehen kann, muss man nicht gleich an den eigenen Englischkenntnissen zweifeln. Was da steht, ist wirklich hanebüchen:

Operation
– A door closes when I push the destination button and departs.
– I slow down automatically in the place to get off and stop.
– I stop when I push the stop button in emergency.
– Please contact a person in charge with an intercom in case of emergency or the trouble.

Attention
– Please follow the ride capacity by all means. (Capacity: 20 passengers) (Loading: 1300 kg)
– Please hold onto the handrail whether you make a sitting for prevention of danger by all means while you take it.
– Please be careful to steps on the occasion of getting off.

Die  japanischen Anweisungen helfen da ntürlich nur weiter, wenn man der Sprache mächtig ist….
Unten wird man von treusorgenden Hotelangestellten in Empfang genommen, die sich auch um das Gepäck kümmern – sofern man welches hat (auf die Besonderheiten des Wohnens werde ich im nächsten Artikel eingehen).

Taiseikan Monorail / 対星館モノレール

Taiseikan Monorail / 対星館モノレール

Die wildromantisch im Tal gelegenen Hotelgebäude erreicht man durch einen Garten und über zwei Stahlbrücken.

Taiseikan / 対星館

Taiseikan / 対星館

Taiseikan / 対星館

Taiseikan / 対星館

Einer der Höhepunkte auf dem weitläufigen Areal des „Taiseikan“ ist ein eindrucksvoller Wasserfall direkt am „Jindaikaku” (神代閣 / じんだいかく), der Villa, in der die Luxussuite des Hauses untergebracht ist.

Taiseikan / 対星館

Taiseikan / 対星館

In aller Regel sind keine Formalitäten beim Einchecken erforderlich – für die Dauer des Aufenthalts bekommen die Gäste ihre persönliche Bedienung gleich am Empfang zugewiesen. Diese übernimmt auch die Führung zu den Zimmern, und mit ihr können auch gleich die gewünschten Essenszeiten abgesprochen werden (wie oben erwähnt: zur Übernachtung gehört ein grandioses Abendessen und ein typisch japanisches und kaum weniger umfangreiches Frühstück – dazu mehr im Artikel „Hakone – Ein Kurzurlaub (4) Das Essen“). Auch die Hotelanmeldung erfolgt dann in aller Regel erst auf dem Zimmer (mehr hierzu in dem Artikel „Hakone – Ein Kurzurlaub (3) – Das Wohnen“).
Übrigens: Gewöhnlich kennt man in Japan keine Trinkgelder. Die persönliche Bedienung  gleich bei der Ankunft mit einem kleinen Geldgeschenk (es sollte schon ein reichlich vierstelliger Yenbetrag sein) zu verwöhnen, gehört in einem traditionellen Ryokan wie diesem aber ausnahmsweise zum guten Ton.

Schauen wir uns also zunächst einmal das Hotel ein bisschen eingehender an:

Taiseikan / 対星館 (Eingang)

Taiseikan / 対星館 (Eingang)

Taiseikan / 対星館 (Lobby)

Taiseikan / 対星館 (Lobby)

Taiseikan / 対星館 (Detail)

Taiseikan / 対星館 (Detail)

Taiseikan / 対星館 (Detail)

Taiseikan / 対星館 (Detail)

Taiseikan / 対星館

Taiseikan / 対星館

Taiseikan / 対星館 (Detail)

Taiseikan / 対星館 (Detail)

Aber einer der Hauptgründe für einen Aufenthalt im Taiseikan sind natürlich die heißen Quellen, aus denen unaufhörlich bis zu 400 Liter feinsten Thermalwassers pro Minute in die Becken und Leitungen des Ryokan fließen. Sie stammen aus zwei artesischen Brunnen mit 49 Grad heißem Wasser und drei Quellen, aus denen mit Pumpen bis zu 95 Grad heißes Wasser gefördert wird. Mit diesem schier unerschöpflichen Wasservorrat ließen sich alle Becken des Ryokan innerhalb einer Stunde komplett neu befüllt. Schon aus hygienischen Gründen (aber natürlich auch, um die Temperatur des Wassers möglichst konstant bei ca. 40°C zu halten) fließt in die großen Innen- und Außenbecken ständig Thermalwasser nach. Das Warmwasser im Taiseikan wird weder künstlich erhitzt, noch nach dem Bad einer zweiten Verwendung zugeführt.

Über eine verwinkelt Treppe geht es hinunter zu einer der beiden großen Badeanlagen mit Innen- und Außenbecken.

Taiseikan / 対星館

Taiseikan / 対星館

Wie in Japan überwiegend üblich, wird hier nackt und nach Geschlechtern getrennt gebadet. Vor den Thermalbecken gibt es deswegen einen großen Umkleideraum, in dem man sich entkleiden und die Kleidung in großen Flechtkörben unterbringen kann – nur das kleine Handtuch, das man in den von dem Hotel zur Verfügung gestellten Utensilien findet, nimmt man mit in die Bäderanlage – um sich den Schambereich damit zu bedecken (das Tuch bitte nicht ins Thermalbecken tauchen!) und am Ende des Bades für eine grobe Abtrocknung des Körpers sorgen zu können.

Vor dem Bad wird der Körper ausgiebig gereinigt. Dazu gibt es am Rand des Innenbeckens mehrere Duschen mit den nötigen Utensilien. Dass man/frau die Thermalbecken nicht mit eingeschäumtem Körper betritt, versteht sich sicher von selbst.

Und da die Thermalbecken in erster Linie der Entspannung dienen sollen, sind sie weder tief genug, um darin schwimmen zu können (wer wollte auch schon in 40°C warmem oder noch heißerem Wasser schwimmen?), noch zum Herumtollen vorgesehen. Hier sitzt man entspannt im warmen Wasser und lässt die Seele baumeln – egal, ob nun im großen Badehaus (Daiyokujō / 大浴場 / だいよくじょう) oder im Außenbecken (Noten Buro / 野天風呂 / のてんぶろ), das den Blick auf in das Tal, den Wald und den Gebirgsfluss freigibt. Wer hier einmal bei Schneefall im warmen Wasser gesessen hat, wird das Erlebnis nie mehr vergessen!

Taiseikan Noten Buro / 対星館 野天風呂

Taiseikan Noten Buro / 対星館 野天風呂

Aber ähnlich wie in einer gut geheizten Sauna: Nichts übertreiben! Lobsterröte steht schließlich niemandem gut zu Gesicht.

Und zum Abschluss noch mal ein nächtlicher Blick auf die oben beschriebenen Badeanlagen: Linker Hand das hell beleuchtete Innenbecken und rechts daneben das Noten Buro.

Taiseikan Daiyokujō/Noten Buro / 対星館 大浴場/野天風呂

Taiseikan Daiyokujō/Noten Buro / 対星館 大浴場/野天風呂

Ort des Geschehens:
Taiseikan / 対星館
Hakone / 箱根
Miyanoshita Valley / 宮ノ下渓谷
Dōgashima Onsen / 堂ヶ島温泉
Tel: +81 (460)-82-2281

Bitte beachten Sie: Seit 31. August 2013 wird das Hotel für voraussichtlich drei Jahre einer umfassenden Renovierung unterzogen und kann in der Zeit nicht besucht werden.

Preislicher Horizont:
Luxussuite im Jindaikaku (神代閣 / じんだいかく) ab 26.250 Yen pro Person und Nacht (bei Belegung mit acht Personen) inklusive Abendessen, Frühstück und Steuern.
Komfortzimmer in separaten Gebäuden direkt am Fluss ab 26.250 Yen pro Person und Nacht (Preis abhängig von der Belegung und der Zimmergröße) inklusive Abendessen, Frühstück und Steuern.
Standardzimmer (8 bis 12 tatami = 13 bis 20 qm) ab 17.850 Yen pro Person und Nacht, inklusive Abendessen, Frühstück und Steuern.

Siehe auch:
Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (1)
Die Anreise

Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (3)
Das Wohnen

Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (4)
Das Essen

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3 Responses to Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (2)

  1. […] auch: Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (2) Das Ryokan (旅館)           Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (3) (In Vorbereitung) […]

  2. […] (箱根) – Ein Kurzurlaub (3) Das Wohnen Wie im vorangegangenen Artikel („Hakone (箱根) – Ein Kurzurlaub (2) – Das Ryokan (旅館)“) gesehen, bietet ein Hotel im japanischen Stil, ein Ryokan (旅館 / りょかん) im Hakone […]

  3. […] werden will. (Siehe auch die drei anderen Artikel dieser kleinen Tetralogie: „Die Anreise“, „Das Ryokan“, „Das […]

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