Kamakura – 鎌倉 (1)

Japans alte Hauptstadt mal ganz anders
Japan’s old capital seen from a different angle

(Der englische Text folgt dem deutschen)
(The English text follows the German text)

Nein, hier sollen nicht die großartigen Sehenswürdigen der alten Hauptstadt in den Schmutz gezogen werden. Wer wegen Tsurugaoka Hachiman-gū (鶴岡八幡宮 / つるがおかはちまんぐう), Kenchō-ji (建長寺 / けんちょうじ), Daibutsu (大仏 / だいぶつ), Enkagu-ji (円覚寺 / えんがくじ) und all den anderen namhaften historischen Orten nach Kamakura (鎌倉 / かまくら) kommt, macht damit sicher keinen Fehler. Aber es gibt auch ein anderes, noch beschaulicheres Kamakura, an dem die Ströme der Touristen aus dem In- und Ausland überwiegend vorbei ziehen. Der Südosten der Stadt gehört ganz sicher zu diesen „ruhigeren“ Gegenden – und hierhin wollen wir uns heute aufmachen.

Anhand des Lageplanes können die einzelnen Stationen unseres Weges nachvollzogen werden (die Nummern in Klammern im Text beziehen sich auf die einzelnen Punkte auf dem Lageplan) – die im Dezember 2013 ergänzten Orte sind auf der Karte zwar eingezeichnet aber nicht in die Nummerierung mit aufgenommen..

No, this is not about dragging the magnificent sights of Japan’s old capital through the mud. If you’re coming to Kamakura (鎌倉 / かまくら) to see Tsurugaoka Hachiman-gū (鶴岡八幡宮 / つるがおかはちまんぐう), Kenchō-ji (建長寺 / けんちょうじ), Daibutsu (大仏 / だいぶつ), Engaku-ji (円覚寺 / えんがくじ) and all the other notable historic locations, you won’t go wrong. But there is also another, more placid Kamakura that is hardly touched by the major stream of domestic and overseas tourists. The south-east of the city is probably such a more „quite“ area – and that’s exactly where we are heading for today.

The map below shows you all the stations alongside our way (the numbers in brackets in the text refer to the respective entry in the map) – the places added in December 2013 are also shown on this map, but not included in the numbering.

Kamakura Map

Kamakura Map

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Den Bahnhof von Kamakura (1) verlassen wir über den Ostausgang (東出口) und halten am Busbahnhof linker Hand auf das große, rote Torii (鳥居 / とりい) zu, das den Eingang zur Einkaufsstraße „Komachi Dōri“ (小町通り / こまちどおり) bildet. Allein in dieser – allerdings ziemlich touristischen – Straße könnte man sich stundenlang aufhalten, um in den kleinen Geschäften zu stöbern. Aber wir wollten heute ja das „andere“ Kamakura sehen. Das soll uns aber nicht davon abhalten, an einer der nächsten Querstraßen nach rechts abzubiegen, um so auf die Kirschbaum- und Azaleen-Allee, Dankazura (段葛 / だんかずら), die schnurgerade auf den Tsurugaoka Hachiman-gū zuführt, zu kommen. Diese Kirschbaum-Allee ist zwar auch sehr beliebt bei den Touristen, aber man kommt mit weniger Ablenkung schneller in Richtung Norden. Wir laufen praktisch genau auf den Tsurugaoka Hachiman-gū zu. Er stellt – völlig zurecht – eine der Hauptsehenswürdigkeiten Kamakuras dar, soll aber heute und hier nicht näher beschrieben werden (weswegen ein Besuch sich aber nicht weniger lohnt). Direkt vor dem großen Torii des Schreins biegen wir rechts ab und laufen nun diese Straße geradeaus direkt auf den baumbestandenen Zugang zum Hōkai-ji (宝戒寺 / ほうかいじ) (2) zu. Obschon nur wenige hundert Meter vom Zentrum der Touristenmagnete entfernt, wird man hier von einer friedlichen, sehr „altertümlich“ wirkenden Welt umfangen, sofern man gewillt ist, die 100 Yen Eintrittsgeld zu bezahlen.

We are leaving Kamakura station (1) via its east exit (東出口). In front of the bus terminal we’ll turn left, heading towards to big red torii (鳥居 / とりい) – the entrance to the shopping street „Komachi Dōri“ (小町通り / こまちどおり). You could spend hours in this street alone, browsing the little shops there, which cannot always hide their most touristy nature. Even though we are about to see the „other“ Kamakura, this shouldn’t stop us from turning right at one of the next crossings in order to reach the cherry tree and azalea alley „Dankazura“ (段葛 / だんかずら) – the dead straight street that leads directly to the Tsurugaoka Hachiman-gū. The Dankazura is just as popular with tourists, but it’s a pleasant way to head north more quickly and without further distractions. As we are approaching the Tsurugaoka Hachiman-gū, we have to keep in mind that this is – righfully – one of the main attactions of Kamakura, despite tha fact that it’s no part of our today’s programme (but don’t hesitate to pay it a visit nevertheless – you won’t regret it!).

Right in front of the big torii at the entrance to the shrine’s grounds we turn right und follow the street until we reach the park-like entrance of the Hōkai-ji (宝戒寺 / ほうかいじ) (2). Even though this temple is just a few hundred meters away form the centre of touristy magnets, it provides an atmosphere of peacefulness and quaintness – if one is willing to pay the 100 Yen admission fee.

Hōkai-ji (宝戒寺)

Der Tempel wird auch gern „Hagidera“ (萩寺) oder “Hagi-Strauch-“ bzw. „Süßklee-Tempel” genannt, weil in seinen Gärten diese Pflanzen besonders zahlreich wachsen. Der Hōkai-ji ist direkt verbunden mit einer berühmten Tragödie, die am 4. Juli 1333 beinahe den ganzen Hōjō-Clan ausgelöscht hätte, der Japan 135 Jahre lang regiert hat. Der Tempel wurde von dem Mann gegründet, der später der erste Ashikaga-Shōgun werden sollte, Ashikaga Takauji, um in ihm die Seelen der 870 Clan-Mitglieder (Männer, Frauen und Kinder) aufzunehmen. Sie hatten, die Niederlage vor Augen, kollektiv Selbstmord begangen, um dem Samurai-Ehrenkodex zu entsprechen.
Da sich die Anwohner über spukende Geister des Hōjō-Clans beklagten, wurde später auch noch ein Schrein (Tokusō Gongen) neben der Haupthalle des Hōkai-ji’s errichtet. Während seiner wechselvollen Geschichte (1538 wurde er z.B. durch ein Feuer zerstört) genoss der Tempel die Gunst des Kaisers, der Ashikaga-Shōgune und des Tokugawa-Shōgune.

The temple is also called “Hagidera“ (萩寺) which means “temple of the hagi bush“ or “temple of the bush clover”, as this plant can be found in the temple’s gardens. The Hōkai-ji is directly linked to a most tragic occurrence: On July 4th of the year 1333 almost the complete Hōjō-Clan, which had ruled the country for 135 years, got extinct when they jointly committed suicide in the samurai fashion in order to escape from the dishonour which would have come with the clan’s imminent defeat. The temple was founded by the man who should later become the first Ashikaga-shōgun, Ashikaga Takauji, to give a home to the 870 souls of the clan’s members (men, women and children) who had committed suicide.
Soon after the neighbours complained that the area was haunted be souls of the Hōjō-clan; hence a shrine (Tokusō Gongen) was built next to the temple’s main hall – that obviously stopped the haunting. During its eventful history (1538 it was destoyed by fire) the temple enjoyed the emperor’s patronage as well as the Ashikaga-Shōgunes’ and the Tokugawa-Shōgunes’.

Sugimoto Dera (杉本寺)

Vom Hōkai-ji gelangt man in weniger als einem Kilometer zu einem weiteren Schmuckstück der „verträumten“ Art: zum Sugimoto Dera (杉本寺 / すぎもとでら) (3). Übrigens sind die meisten wichtigen Wege in Kamakura gut beschildert – kein Angst also, sich zu verlaufen. Und diejenigen, die sich durch diesen Fußmarsch überfordert sehen sollten, können natürlich auch jederzeit auf ein weit verzweigtes Busnetz zurück greifen.

Zum Sugimoto Dera führt eine Treppe in der Nähe der Hauptstraße zunächst einmal hinauf zum Kassenhäuschen, wo man sich für 200 Yen Zutritt zu der Tempelanlage verschaffen kann. Wenn man höflich bittet, bekommt man auch eine kurze Beschreibung der Anlage in Englisch ausgehändigt.

Nach den Aufzeichnungen des Tempels wurde der Sugimoto-Dera im Jahre 734 vom Priester Gyōki aufgrund eines Erlasses des Kaisers Kōmyō errichtet. Deswegen gilt er als der älteste Tempel Kamakuras – um ein halbes Jahrtausend älter als das hiesige Shōgunat. Der Legende nach sah der Priester Gyōki, als er die Kantōregion zu Fuß durchquerte, Kamakura vom Berg Taizō und entschied sich, hier einen Schrein für eine Statue der Göttin Kannon zu errichten. Später im Jahre 734 erschien dem Kaiser Kōmyō die Göttin selbst und trug ihm auf, hier einen Tempel (den Hondō) zu errichten. Nach Restaurierungen durch Ennin (794–864) und Eshin Sōzu Genshin (942–1017) wurde hier auch noch die elf-köpfige Kannon aufgestellt (es sind insgesamt drei Kannon-Statuen, die im extrem schwach beleuchteten hinteren Teil des Hauptgebäudes bestaunt werden können). Als Minamoto no Yoritomo den Tempel im Jahre 1191 besuchte, ordnete er umfangreiche Renovierungsarbeiten an. 1337, vier Jahre nach dem Fall des Shōgunats im Jahre 1333, gab es ein Gefecht auf dem Tempelareal zwischen Unterstützern des Hōjō-Clans und den Kräften Ashikagas. Über 300 Samurai verloren ihr Leben. Die vielen kleinen Gorintō (五輪塔 / ごりんとう = fünfstöckige Stein-Stupas) auf der rechten Seite der Haupthalle erinnern an diese Toten.

Über die Schicksale des Tempels während der Muromachi Periode (1333–1568 – in dieser Zeit wurde der Regierungssitz von Kamakura nach Kyōto verlegt) ist interessanterweise so gut wie nichts bekannt. Ebenso ist nicht nachgewiesen, dass die beiden Krieger im Niō-Tor dem berühmten Bildhauer Unkei zugeschrieben werden können.

Am schönsten fand ich allerdings die alte, moosbedeckte Treppe (sie ist für Besucher gesperrt – man hat links davon eine moderne Treppe angelegt), die vom Niō-Mon zum Hauptgebäude des Tempels nach oben führt. Hier scheint die Zeit wirklich stehen geblieben zu sein.

Übrigens: Das Hauptgebäude des Tempels wurde im Jahr 2013/2014 einer umfassenden Restaurierung unterzogen, die ihm aber seinen altertümlichen Reiz in keiner Weise geraubt hat.

It’s less than a kilometre from the Hōkai-ji to another gem en route: to the Sugimoto Dera (杉本寺 / すぎもとでら) (3). By the way: most of the important ways in Kamakura are well signposted – you won’t get lost. And all those who don’t think they can make it by foot, can rely on various branches of bus lines.

You’ll reach the Sugimoto Dera via a row of stairs leading up from the main street. Once you’ve paid your 200 Yen admission fee (if you ask kindly, you may even receive a brief description of the temple in English), you’re free to climb up to the temple itself.

According to the temple’s records, the Sugimoto-Dera was founded in the year 734 by the priest Gyōki who had received an according order by the Emperor Kōmyō. That’s why Sugimoto-Dera is regarded as the oldes temple in Kamakura – half a millennium older than the Kamakura shōgunate itself. Legend has it, that priest Gyōki had decided to leave a statue of the goddess Kannon in this area when he was passing on his tour through the Kantō region. Later in the year 734 the goddess herself appeared to Emperor Kōmyō and requested to build a temple for her.

An eleven-headed Kannon was installed here after a series of restorations by Ennin (794–864) and Eshin Sōzu Genshin (942–1017) (in fact there are three most impressive Kannon statues in the dimly lit utmost back of the temple’s main hall). The temple underwent another thorough restoration, after Minamoto no Yoritomo had visited it in 1191. Four years after the fall of the Kamkura shōgunate in 1333 there was a severe battle between the Hōjō-clan and the Ashikaga’s forces. More than 300 samurai lost their lives during this battle. Today the numerous small Gorintō (五輪塔 / ごりんとう = five-storied stone pagodas) on the right hand side of the hondō (main hall) of the temple pay tribute to the dead.

Interestingly enough, little is known about the temple’s history during the Muromachi period (1333–1568 – during this period the government of Japan moved from Kamakura to Kyōto). It is also not proven whether the two warriors, guarding the Niō-gate were really crafted by the famous Unkei.
Be that as it may, one of the most charming parts of the whole temple plot is the old stone staircase leading from the Niō-gate to the main temple building. It’s completely covered with moss. The currents of time seem to be suspended here. The old stairs are an off-limit area – new stairs on the left will bring you up to the temple’s main building.

By the way: The main hall of the temple underwent a thorough restoration in 2013/2014. This was done in such a careful way that it hasn’t harmed at all the mystic atmosphere of the place.

Kamakura-gū (鎌倉宮)

Um unser nächstes Ziel zu erreichen, müssen wir die Hauptstraße ein Stück zurück gehen und dann nach ungefähr 200 Metern rechts abbiegen, um auf einer nun doch etwas hübscheren Wegstrecke zum nahegelegenen Kamakura-gū (鎌倉宮 / かまくらぐう) (4), dem Kamakura-Schrein, zu gelangen.

Er gehört zu den neueren Gebäuden Kamakuras, da er erst 1869 unter Kaiser Meiji errichtet wurde. Hier soll eines historisch wichtigen Ereignisses gedacht werden, das in die Zeit des Endes des Kamakura Shōgunats fällt: Der Schrein ist dem Geist des Prinzen Morinaga, des Sohns des Godaigo-Tennōs (後醍醐天皇 / ごだいごてんのう) gewidmet, der an der Stelle, an der heute der Schrein steht, gefangen gehalten und 1335 hingerichtet wurde. Deswegen ist der Schrein auch unter dem Namen Ōtōnomiya oder Daitōnomiya (大塔宮) bekannt, nach dem kompletten Namen des Prinzen (Ōtōnomiya Morinaga).
Der Prinz war Ashikaga Takaujis gefährlichster politischer Rivale in Kyōto, weswegen er 1334 inhaftiert und später zu Ashikagas jüngerem Bruder, Ashikaga Tadayoshi, hierher überführt wurde. Er hielt ihn neun Monate lang in einer kleinen Höhle gefangen, die heute noch hinter dem Hauptgebäude des Schreins existiert.
Als Tadayoshi Kamakura nach der Niederlage in der Schlacht gegen Hōjō Tokiyuki verlassen musste, gab er den Befehl zur Hinrichtung des Prinzen. Am 23. Juli 1335 wurde er geköpft.
Der Schrein verfügt über ein sehenswertes Schatzhaus und gehört sicher zu den hübschesten Orten Kamakuras.

In order to reach or next target, we’ll have to walk back a little on the main street to turn right after about 200 meters. From here our path will be a bit prettier than the one along the main road. And it brings us to the nearby Kamakura-gū (鎌倉宮 / かまくらぐう) (4), the Kamakura-Shrine.

The shrine is among the newer buildings of Kamakura, as it was built under the reign of the Meiji Emperor in 1869. It’s meant to remind on a historically important event that happened during the times of the fall of the Kamakura shōgunate: The shrine is dedicated to the spirit of Prince Morinaga, the son of the Godaigo-tennō (後醍醐天皇 / ごだいごてんのう), who was imprisoned and executed on the shrine’s grounds in 1335. That’s why the shrine is also known under the name of Ōtōnomiya or Daitōnomiya (大塔宮), after the prince’s complete name (Ōtōnomiya Morinaga).
The prince was one of Ashikaga Takaujis most dangerous rivals in Kyōto. Therefore Ashikaga got him arrested in 1334 and later transported to his younger brother in Kamakura, Ashikaga Tadayoshi, who kept him in prison in a small cave which still exists behind today’s shrine’s main building.
When Tadayoshi had to leave Kamakura after his defeat in a battle against Hōjō Tokiyuki, he gave order to execute the prince. On 23rd July 1335 prince Morinaga was decapitated.
The shrine is known for its picturesque treasure hall and is surely one of the prettiest places in Kamakura.

Zuisen-ji (瑞泉寺)

Vom Kamakura-gū sind es noch landschaftlich recht schöne 650 Meter bis zu unserem nächsten Besichtigungspunkt, dem Zuisen-ji (瑞泉寺 / ずいせんじ) (5), der es sogar im Baedeker zu einem Stern gebracht hat. Für die Besichtigung des Tempels werden wieder 200 Yen fällig – aber das ist wirklich gut angelegtes Geld.

Der Tempel liegt in dem zum Kamakura-Trekking-Rundweg führenden Nikaidō Momijigayatsu (二階堂の紅葉ヶ谷 / Nikaidōs Tal des Herbstlaubs) und gehört der Rinzai-Sekte an. Während der Muromachi Periode (1333 bis 1568) war der Tempel der Familientempel der Ashikagas, der Regierenden von Kamakura (und später Kyōto).

Als Gründer des Tempels gilt der Priester Musō Soseki (夢窓疎石), der nicht nur als Vater der japanischen Teezeremonie in die Geschichte eingegangen ist, sondern auch für das Design des Tempels verantwortlich zeichnet. Finanzielle Unterstützung erhielt er hierbei von Nikaidō Dōun, einem machtvollen Herrn aus der Gegend der heutigen Yamanashi-Präfektur, woher Musō ihn aus seiner Jugend kannte.

Musō hatte allerdings auch noch andere, mächtige Unterstützer, wie z.B. den Kaiser Go-Toba, Hōjō Sadatoki und Hōjō Takatoki. Im Jahre 1326 kam er vom Nanpō-in in der Nähe des Engaku-ji in das „Tal des Herbstlaubs“, wo er den Bau des Tempels beaufsichtigte, der 1328 fertiggestellt wurde. Nach dem Fall des Kamakura Shōgunats kam der Zuisen-ji unter den Schutz der Ashikaga.

Während der Edo-Zeit (1603 – 1868) ließ Tokugawa Mitsukuni den Tempel restaurieren und eine hölzerne Statue der tausendarmigen Kannon hierher bringen. Auch wenn die ursprünglichen Gebäude untergegangen sind, ist die Statue noch in der Haupthalle des Tempels zu sehen.

Unabhängig von den historischen Tatsachen, gehört der Garten des Zuisen-ji sicher zu den sehenwertesten in Kamakura. Nicht nur, weil vor dem Hondō ein hübscher Blumen- und Kirschbaumgarten zu sehen ist (er gilt übirgens als der schönste Kamakuras), sondern auch, weil sich hinter demselben ein Felsgarten mit Teich und kleiner Brücke befindet, der noch mystischer wirkt, als der Rest der abgeschlossen liegenden Anlage. Dieser Zen-Felsgarten stammt in seinem Design noch von Musō Soseki und war früher ziemlich zugewachsen. Erst 1969 wurde der Bewuchs entfernt, um den ursprünglichen Zustand, wie ihn Musō Soseki vorgesehen hatte, wieder herzustellen. Die Schlichtheit dieses Felsgartens stellt einen recht interessanten Kontrast zum dichten Dschungel des Gartens vor der Haupthalle dar.

Es ist fast unmöglich, sich dem Zauber dieser Tempelanlage zu entziehen.

It’s just about 650 metres more from the Kamakura-gū to our next point of interest, the Zuisen-ji (瑞泉寺 / ずいせんじ) (5) – and they lead through a rather charming landscape. By the way, the Zuisen-ji carries one „star“ in the Baedeker travel guide. For visiting the temple, you’ll be charged with 200 Yen admission fee – but that’ll be money well-spent.

The temple, which belongs to the Rinzai sect of buddhism, is located in the Nikaidō Momijigayatsu (二階堂の紅葉ヶ谷 / Nikaidōs valley of autumn leaves), where also the Kamakura trekking trail can be reached. During the Muromachi period (1333 – 1568) it was the family temple of the Ashikaga, the rulers of Kamakura (and later Kyōto).

The priest Musō Soseki (夢窓疎石), the „father of the Japanese tea ceremony“, is not only the founder of this temple, but also designed the temple and it’s surroundings. Financial support came from Nikaidō Dōun, one of the powerful lords of an area in nowaday’s Yamanashi prefecture, from where Musō knew him since his youth. However, Musō had also other potent supporters like the Emperor Go-Toba, Hōjō Sadatoki and Hōjō Takatoki.
In 1326 Musō came from the Nanpō-in close to Engaku-ji to the „valley of autumn leaves“ where he supervised the construction of the Zuisen-ji. It was completed in 1328. After the fall of the Kamakura shōgunate, Zuisen-ji gained the protection of the Ashikaga-clan.
During the Edo-period (1603 – 1868) the temple was restored under Tokugawa Mitsukuni and a „thousand-arm“-Kannon was brought here. Even though none of the buildings have survived since then, the statue can still be seen in the temple’s main building.

Irrespective of these historic facts, the gardens of the Zuisen-ji are surely among the most important ones in Kamakura. Not only, because there is a very pretty flower- and cherry-tree garden in fornt of the hondō (it’s regarded as the most beautiful in Kamakura), but also, because there is an impressive and mystic Zen rock-garden behind the main hall. This rock-garden was also designed by Musō Soseki. Only in 1969 the jungle which had grown here over time was removed and the original design, as created by Musō Soseki, restored. The simplicity of this rock-garden forms an interesting contrast to the gorgeous garden on the other side of the main hall. It’s almost impossible to resist the particular magic of this temple.

Hōkoku-ji (報國時)

Sollten Sie noch fit genug für eine Verlängerung Ihres Spaziergangs sein, dann machen Sie es so, wie ich es im Dezember 2013 gemacht habe, als ich diese Tour zum zweiten Mal gelaufen bin und gönnen Sie sich einen echten Höhepunkt, den Hōkoku-ji (報國時 / ほうこくじ), etwa 400 Meter entlang der Hauptstraße und dann der Beschilderung folgend.

Der Tempel gedieh als Familientempel sowohl der Ashikaga als auch der Uesugi. Er wurde vom Priester Tengan Eko (sein posthumer buddhistischer Name lautet „Butsujo-Zenji“) gegründet, der ein Vertreter des literarischen Bewegung des Zen Buddhismus, genannt „Gozan Bungaku“, war. Butsujo-Zenji war ein oberer Priester. Er hatte unter dem Priester Mugaku Sogen studiert, der aus China eingeladen worden war und der als Gründe des Engaku-ji gilt. Butsujo-Zenji reiste später selbst nach China, wo er seine Studien fortsetzte. Sammlungen buddhistischer Lehren, die aus seiner Hand stammten („Tokishiyu“) und sein persönliches, hölzernes Siegel sind wichtige nationale Kulturgüter und werden im Kamakura Museum der Nationalschätze aufbewahrt.

Der Tempel ist aber in erster Linie berühmt für seinen „Moso Bambus“-Garten, und wird deswegen auch manchmal „Bambus-Tempel“ genannt.“ Durch diesen Bambus-Wald zu laufen, fühlt sich an, als befände man ich in einer gothischen Kathedrale – er ist wahrscheinlich der schönste in ganz Kamakura und wird Sie sprachlos machen. Scheuen Sie auf keinen Fall das Investment der 200 Yen Eintrittsgebühr! Und wenn Ihnen danach sein sollte, gönnen Sie sich einen grünen Tee im Teehaus, das sich besonders romantisch in den Bambus-Hain schmiegt.

If you feel like a little longer walk, just do as I did when I enjoyed this tour a second time in December 2013 and spoil yourself with a real highlight, the Hōkoku-ji (報國時 / ほうこくじ), roughly 400 metres following the main road and then the signs.

This temple flourished as the family temple of both the Ashikaga and Uesugi clans. Its founding pries was Tengan Eko (posthumous Buddhist name: Butsujo-Zenji) who was a representative of the Zen literary movement known as Gozan Bungaku. Butsujo-Zenji was a high level priest. He studied under the priest Mugaku  Sogen, who was invited from China and who was the founder of Engaku-ji. He eventually traveled to China to continue his studies. Collection of Buddhist teachings, written in his own hand, own personal wooden carved seals and other precious items are important National Cultural Properties and are housed in the Kamakura Museum of National Treasures.

However, what the tempel is most famous for it its “moso bamboo” gardens, for which it is sometimes called “The Bamboo Temple”. Walking through this bamboo garden feels like being in a gothic church – it’s probably the most beautiful in Kamakura and will most likely take your breath away. Invest the 200 Yen entry fee – and if you feel  like, have a tea at the romantic tea house nestled in the bamboo forest.

Jōmyō-ji (浄妙寺)

Wiederum gut 300 Meter entfernt, auf der anderen Seite der Hauptstraße können Sie vielleicht noch einen kleinen Abstecher zum Jōmyō-ji (浄妙寺 / じょうみょうじ) wagen (darauf kommt’s nun auch nicht mehr an…. und falls Sie Bedenken bezüglich Ihrer körperlichen Fitness haben sollten, nehmen Sie für den Rückweg einfach den Bus).

Dieser Tempel wurde von Ashikaga Yoshikane, den Hauptunterstützer Minamoto-no Yoritomos (er hatte ein Armee in Izu für ihn aufgestellt) errichtet. Der Gründungspriester war Taiko Gyoyu. Gyoyu war der Hohepriester verantwortlich für Bekehrung von Minamoto-no Yoritomo und Masako.

Er ist Zen-Tempel des fünfthöchsten Rangs unter Kamakuras fünf Haupttempeln. Während der Muromachi-Zeit war er extrem weitläufig und beherbergte 23 weitere Tempel auf seinem Gelände (andere Quellen sprechen von 23 Pagoden). Heute sind nur noch das Haupttor, das Hauptgebäude des Tempels, die Empfangshalle und Gebrauchsflächen erhalten. Das zeremonielle Teehaus „Kisen-an“ und der Zen-Steingarten wurden im Jahre 1991 wiederhergestellt – dieses Ensemble ist nun auch das unbestreitbare Schmuckstück der Tempelanlage. Hinter dem Hauptgebäude des Tempels befindet sich der Kamatari Inair Schrein, von dessen Name sich der Name „Kamakura“ ableiten soll.

Another roughly 300 metres away, on the other side of the main road, the Jōmyō-ji (浄妙寺 / じょうみょうじ) might interest you – and if you made it this far, those few metres also won’t matter too much (and you can always take a bus for the way back, if you doubt you can make it on foot).

This temple was built by Ashikaga Yoshikane, a chief supporter of Minamoto-no Yoritomo since he raised an army at Izu. The founding priest war Taiko Gyoyu. Gyoyu was a high priest, responsible for the conversion of Minamoto-no Yoritomo and Masako.

It is a Zen temple, the fifth highest ranked among Kamakura’s five principle temples. During the Muromach period, it was was extremely large, with 23 other temples situated within its grounds (other sources speak of 23 pagodas). Currently the remaining structures are the main gate, the main temple building, the reception hall and the utility area. The ceremonial tea house and the Zen rock garden were restored in 1991 – and they surely are absolute treasure of the temple. Behind the main temple building is the Kamatari Inari Shrine, which is said to be where the name “Kamakura” is derived from.

Egara Tenjin-Schrein (荏柄天神社)

Unser weiterer Weg führt uns nun erst einmal wieder zurück und vorbei am Kamakura-gū. Von dort geht für ca. 200 Meter einen ganz besonders schönen Weg weiter zum Egara Tenjin-Schrein (荏柄天神社 / えがらてんじんしゃ) (6). Der Schrein gehört zu den wenigen Sakralbauten, die schon vor der Kamakura-Periode existierten. Der Legende nach wurde der Schrein am 25. August 1104 fertiggestellt. Während der Kamakura-Zeit schützte er die Regierung der Shōgune vor den bösen Geistern, die sonst aus nordöstlicher Richtung durch das Teufelstor in die Stadt hätten einfallen können.
Als Teile des Schreins 1735 restauriert wurden, verwendete man hier auch alte Holzbalken aus dem Tsurugaoka Hachiman-gū. Allerdings wurde der Schrein, wie so viele alte Gebäude Kamakuras während des großen Kantō-Erdbebens 1923 zerstört.
Das kompakte Areal des Egara Tenjin ist über eine Treppe zu erreichen und zeichnet sich durch ein besonders malerisches Gebäudeensemble und einen verhältnismäßig großen Laden mit Devotionalien und Glücksbringern aus.

We are continuing our walk by returning to the Kamakura-gū first. From there we follow a rather picturesque street for about 200 metres to the Egara Tenjin-Shrine (荏柄天神社 / えがらてんじんしゃ) (6). This shrine is one of the few sacred buildings which already existed prior to the Kamakura period. Legend has it that the shrine was completed on 25th August 1104. During the Kamakura period the shrine’s function was to protect the shōgune’s government from evil spirits threatening to enter the city through its „devil’s gate“ from the north-east.
When the shrine was restored in 1735 also old wooden pillars of the Tsurugaoka Hachiman-gū were used. However, also this shrine, like so many old buildings of Kamakura, was destroyed during the great Kantō earthquake in 1923.

The compact plot of the Egara Tenjin can be reached via flight of stone stairs. It stands out by it’s very pretty set of buildings and a rather large shop of devotional objects and lucky charms.

Grabstein des / Tomb of Minamoto-no Yoritomo (源頼朝)

Nur etwas mehr als 300 Meter weiter (die übrigens auch auf einem ganz besonders beschaulichen Weg zu gehen sind) befindet sich der Grabstein des Minamoto-no Yoritomo (源頼朝 / みなもとのよりとも) (7), den man über eine Treppe rechts des Gedenkschreins im Wald erreicht.

Im Jahre 1180 begann Minamoto Yoritomo eine Armee aufzubauen, um den Heike-Clan mit seinem Hauptquartier in Kamakura zu entmachten. 1185 gelang ihm dies. Damit, und mit der Begründung des Kamakura Shōgunates wurden auch die Grundlagen für das Samurai-System in gelegt. Yoritomo erlag im Jahre 1199 im Alter von nur 53 Jahren den Verletzungen, die er sich bei einem Sturz vom Pferd zugezogen hatte. Er wurde in einem Hokkedō (法華堂 / ほっけどう / Lotushalle) beigesetzt, der ein heiliger Ort wurde und viele Pilger anzog. Zwar ging der Hokkedō im Laufe der Jahrhunderte verloren, aber Reste der Gedenkstätte verblieben an diesem Ort, wo die heute noch zu sehende Pagode angeblich vom Fürsten von Shimazu, Shimazu Shigehide (1745-1833), errichtet wurde.

Just a little more than 300 metres away we’ll reach the last point of interest en route, the Grave of Minamoto-no Yoritomo (源頼朝 / みなもとのよりとも) (7) which can be reached via stone stairs into the forest on the right hand side of a shrine.

In 1180 Minamoto no Yoritomo raised an army in order to overthrow the Heike-clan. And with Kamakura as his headquarters he defeated the Heike-clan in 1185. This lead to the creation of the Kamakura shōgunate and laid the foundation of the samurai system in Japan. In 1199 Yoritomo died at the age of 53 from injuries he suffered from falling off his horse. He was laid to rest in a Hokkedō (法華堂 / ほっけどう / lotus-hall), which soon became a holy place that attracted numerous worshippers. Even though the Hokkedō was lost during the courses of the centuries, traces of its location remain around the top of this hill. It is said that the current stone pagoda on the site was erected by the feudal lord of Shimazu, Shimazu Shigehide (1745-1833).

Und damit endet unser Rundgang – der natürlich noch um ein paar der Hauptsehenswürdigkeiten, die ich eingangs erwähnte, erweitert werden kann. Spätestens auf dem Rückweg zum Bahnhof sollte der Tsurugaoka Hachiman-gū nicht verschmäht werden – wenn man schon mal da ist…. Die etwas andere, vielleicht nicht ganz so spektakuläre Seite Kamakuras, die wir heute gesehen haben, unterstreicht aber auch, dass Kamakura mehr ist als das, was rechts und links der Standard-Routen durch die Stadt zu sehen ist.

And with this our round tour ends. Of course, it can easily be extended by visiting some of the main attractions of Kamakura which I’ve mentioned above. Latest on your way back to the station you should consider paying the Tsurugaoka Hachiman-gū a visit – since you’re there already…. But this „other“ part of Kamakura, which we have seen today, also emphasises that Kamakura has a lot more to offer than what’s to be seen on the standard-routes through the city.

Wie man hinkommt:
Die JR Yokosuka-Linie (横須賀線) verbindet den Bahnhof Tōkyō (東京駅) mit Kamakura (鎌倉駅) auf einer Strecke von knapp 54 Kilometern. In Tōkyō bestehen Zusteigemöglichkeiten in Shimbashi (新橋駅), Shinagawa (品川駅) und Nishi-Ōi (西大井駅).
Die Fahrzeit von Tōkyō nach Kamakura beträgt ca. 50 Minuten bei einem Fahrpreis von 890 Yen (Stand August 2010).

How to get there:
The JR Yokosuka-Line (横須賀線) connects Tōkyō station (東京駅) with Kamakura station (鎌倉駅) on a distance of about 54 kilometres. In Tōkyō the trains also stop in Shimbashi (新橋駅), Shinagawa (品川駅) and Nishi-Ōi (西大井駅).
It takes about 50 minutes from Tōkyō to Kamakura, and the fare is 890 Yen (as per August 2010).

Lesen Sie auch / Also have a look at:

Kamakura – 鎌倉 (2)
Natur & grandiose Architektur
Nature & magnificent architecture

Kamakura – 鎌倉 (3) (German only)
– Auf den Spuren des großen Sektengründers Nichiren und des Lotos-Sutra
Oder: Und wieder ist es jenseits der touristischen Trampelpfade am schönsten

Kamakura – 鎌倉 (3) (English only)
– Following the trail of the great buddhist sect founder Nichiren and the Lotus Sutra
Or: Again, off the beaten tracks of the tourists are the prettiest spots

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7 Responses to Kamakura – 鎌倉 (1)

  1. moryce says:

    Respekt mein Lieber, da hast Du mal wieder einen sehr schönen Artikel geschrieben – und wie immer mit tollen Fotos. Wie gern wäre ich jetzt auch in Tokyo und würde mit Euch durch eine der Tempelanlagen schlendern 🙂
    Viele Grüße

    • toomasu says:

      Na, da kann ich nur eines sagen: Kommt doch mal nach Japan! Die Orte sehen in Wirklichkeit natürlich alle noch wesentlich schöner aus, als meine Bilder wiedergeben könnten – und in die richtige Stimmung zum Schlendern kommt man auch erst, wenn man an Ort und Stelle ist.

  2. […] Kamakura – 鎌倉 August 2010 2 comments and 1 Like on WordPress.com, 4 […]

  3. […] ich in meinem früheren Kamakura-Artikel versuchte habe, die weniger touristischen Ziele in Japans alter Hauptstadt hervorzuheben, versuche […]

  4. […] Kamakura (鎌倉) (1) (Engl./dt.) – Japans alte Hauptstadt mal ganz anders – Japan’s old capital seen from a different angle […]

  5. […] Kamakura (鎌倉) (1) (Engl./dt.) – Japans alte Hauptstadt mal ganz anders – Japan’s old capital seen from a different angle […]

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