Odaiba (お台場)

Auch aus den Überbleibseln der Boom-Jahre kann man etwas Hübsches machen

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Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.
Odaiba (お台場) - Tōkyō Bay

Odaiba (お台場) – Tōkyō Bay

Seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat Tōkyō eine weitere Attraktion für Touristen und Einheimische: Die künstliche geschaffenen Inseln in der Buch von Tōkyō. Und ein Teil davon soll heute mal ein bisschen eingehender „beleuchtet“ werden, nachdem ich ihn seit längerer Zeit in diesem und letztem Jahr mal wieder „abgelichtet“ habe: Odaiba (お台場).

Odaiba (お台場) - Telecom Center

Odaiba (お台場) – Telecom Center

Vereinfacht gesprochen, haben die künstlichen Inseln vor der Küste der Stadt ihren Ursprung gegen Ende der Edo-Zeit. Der Tokugawa Shōgun hatte in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts Kanonenstände (Daiba / 台場) in der Bucht von Tōkyō errichten lassen, in der Hoffnung, damit die US-Amerikaner abwehren zu können, die während dieser Zeit eine Öffnung des Landes erzwingen wollten. Von den ursprünglich mal geplanten elf Inseln wurden nur fünf fertig gestellt – zum Einsatz kamen sie jedoch nicht, weil Geldmangel einen zügigen Ausbau verhindert und man zwischenzeitlich Frieden mit den Amerikanern geschlossen hatte.

Odaiba (お台場)

Odaiba (お台場)

Von den Daiba ist nur die sechste vollständig erhalten. Bei der heutigen Insel Odaiba handelt es sich ganz überwiegend um neue Aufschüttungen aus den 1970er Jahren. Während der Boomjahre in der Mitte der 80er Jahre hatte man große Pläne für Odaiba und wollte es zu einem leuchtenden Beispiel für moderne, urbane Konzepte machen. Schon ein paar Jahre später war die ökonomische Blase geplatzt, und das Interesse an Odaiba erlahmte schneller, als man die Milliarden in die Entwicklung hatte pumpen können.

Odaiba (お台場) - "Decks" (Shopping & Entertainment)

Odaiba (お台場) – “Decks” (Shopping & Entertainment)

Gegen Ende der 90er Jahre wurden die Möglichkeiten der Insel neu entdeckt. Statt es zum reinen Geschäftsviertel mutieren zu lassen, wurde der Schwerpunkt mehr auf das Amüsement gelegt. Es entstanden nicht nur der futuristische Hauptsitz von Fuji Television, sondern auch moderne Wohnanlagen, sowie Einkaufs- und Ausstellungskomplexe. Und plötzlich war Odaiba wieder „in“, sowohl bei ausländischen Touristen, als auch bei der Jugend der Stadt. Das so genannte Tokyo Rinkai Fukutoshin (東京臨海副都心), zu der auch Odaiba gehört, ist inzwischen über die grandiose Rainbow Bridge (davon habe ich inzwischen separat berichtet) und mehrere Bahnlinien leicht zu erreichen.

Allerdings ist in Tōkyō ein Top-Platz auf der Beliebtheitsliste ein äußerst vergängliches Gut. In den letzten Jahren hatte auch Odaiba mit einem Erlahmen der Euphorie und dem Umstand zu kämpfen, dass inzwischen natürlich auch anderswo „Publikumsmagneten“ entstanden sind. Das hat man durch diverse Neubauten (z.B. “Diver-City” – eine sich aus der japanischen Schrift ergebende “Abwandlung” des eigentlichen Namens “Daiba City”) inzwischen wieder ausgebügelt – die Jugend zieht wieder in Scharen dorthin.

Dennoch hat Odaiba einige Dinge zu bieten, die es in der Form anderswo in der Stadt nicht zu sehen gibt. Ein paar der “Sehenswürdigkeiten” sollen hier vorgestellt werden:

Allen voran der futuristische (oder doch zumindest “ungewöhnliche”) Hauptsitzt des privaten Fernsehsenders “Fuji Television“. Mein Tipp: Unbedingt in dem Gebäude ganz nach oben fahren! Der Blick aus dem obersten Stockwerk ist ganz einfach atemberaubend:

Odaiba (お台場) - Tōkyō Bay - Rainbow Bridge

Odaiba (お台場) – Tōkyō Bay – Rainbow Bridge

Odaiba (お台場) - Fuji TV

Odaiba (お台場) – Fuji TV

Odaiba (お台場) - Fuji TV

Odaiba (お台場) – Fuji TV

Odaiba (お台場) - Fuji TV

Odaiba (お台場) – Fuji TV

Odaiba (お台場) - Fuji TV

Odaiba (お台場) – Fuji TV

Odaiba (お台場) - View to Tōkyō Shoreline

Odaiba (お台場) – View to Tōkyō Shoreline

Auch z.B. die “Palette Town” lockt noch immer jede Menge Besucher an:
Hier steht das Einkaufszentrum „Venus Fort“. Von außen eine ziemlich unschmucke, kastenförmige Halle, von innen aber eine (sicher nicht immer ganz stilechte) Renaissance-Stadt, die zwar auch keine anderen Geschäfte und Restaurants bietet, als man sie anderswo nicht auch finden würde, aber eben in einer Aufmachung, die man eben nicht überall geboten bekommt.

Odaiba (お台場) - Palette Town - Venus Fort

Odaiba (お台場) – Palette Town – Venus Fort

Odaiba (お台場) - Palette Town - Venus Fort

Odaiba (お台場) – Palette Town – Venus Fort

Odaiba (お台場) - Palette Town - Venus Fort

Odaiba (お台場) – Palette Town – Venus Fort

Odaiba (お台場) - Palette Town - Venus Fort

Odaiba (お台場) – Palette Town – Venus Fort

Überragt wird die Anlage aber von einem der zehn größten Riesenräder der Welt, das es immerhin auf eine Höhe von 115 Metern bringt (im Vergleich dazu: Das Riesenrad im Prater in Wien bringt es gerade mal auf 65 Meter Höhe – das „London Eye” bringt es allerdings auf 135 Meter).

Odaiba (お台場) - Palette Town Wheel

Odaiba (お台場) – Palette Town Wheel

Gleich nebenan hat der Autohersteller Toyota seinen Show-Room, der sich „Megaweb“ nennt. Dort können nicht nur die aktuellen Modelle von Toyota besichtigt werden, sondern auch Studien für Autos der Zukunft. Außerdem kann man dort mit Autos mit Hybridantrieb auf einem Parcours seine Runden drehen und (eher was für Kinder) mit vollautomatischen Elektroautos das Areal umrunden. Übrigens sollte man sich nicht zu sehr darüber wundern, wenn die Mehrzahl der Besuch hier Chinesen sind. Schließlich muss sich die aufstrebende Nation ja irgendwo ihre „Ideen“ holen….

Odaiba (お台場) - Palette Town - Toyota Megaweb

Odaiba (お台場) – Palette Town – Toyota Megaweb

Odaiba (お台場) - Palette Town - Toyota Megaweb

Odaiba (お台場) – Palette Town – Toyota Megaweb

Und wie kommt man auf die Insel?

Wer gut zu Fuß ist, kann natürlich von Shibaura (芝浦) (die Insel, die unweit von Tamachi Bahnhof Teil der Küstenlinie Tōkyōs bildet) über die Rainbow Bridge (Reinbō Buriji, レインボーブリッジ) nach Odaiba gelangen. Das macht übrigens so viel Spaß, dass es zu diesem „Spaziergang“ einen eigenen Artikel auf dieser Webseite gibt. Wenn Sie mal schauen möchten:

Tōkyō Rainbow Bridge (東京レインボーブリッジ) (Engl./dt.)
– Der beste Ort, um die Skyline Tōkyōs zu bewundern
– The best place to admire Tōkyō’s skyline

Tōkyō Beach - Rainbow Bridge (レインボーブリッジ)

Tōkyō Beach – Rainbow Bridge (レインボーブリッジ)

Rainbow Bridge (レインボーブリッジ)

Rainbow Bridge (レインボーブリッジ)

Odaiba (お台場)

Odaiba (お台場)

Auf dem „Schienenweg“ ist ist Odaiba mit der unbemannten Yurikamome-Linie (ゆりかもめ線) zu erreichen – und die sollte man sich schon aufgrund des besonderen Fahrerlebnisses „gönnen“. Eigentlich heißt die Bahn „Tōkyō Rinkai Shinkōtsū Rinkai-sen (東京臨海新交通臨海線) – aber natürlich sagt alle Welt einfach nur „Yurikamome“ dazu. Die Lachmöwe („yurikamome“) ist auch schließlich auch das Maskottchen der Linie.
Übrigens überquert auch sie die oben erwähnte „Rainbow Bridge“ auf ihrem Weg zwischen Shimbashi (新橋) und Toyosu (豊州).

Odaiba (お台場) - Statue of Liberty

Odaiba (お台場) – Statue of Liberty

Zwischen Ōsaki (大崎) und Shin-Kiba (新木場) verkehrt (überwiegend unterirdisch) auch noch die Rinkai-Linie (りんかい線) (teilweise mit direktem Anschluss von Shibuya, Shinjuku und Ikebukuro), die ebenfalls nach Odaiba führt (sie ist allerdings deutlich teurer, als die anderen öffentlichen Bahnen im Stadtbereich).

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6 Responses to Odaiba (お台場)

  1. Mechthild says:

    Tokyo ist ja eine Traumstadt! Und selbst die U-Bahnen wirken auf Deinen Fotos einladend. Das Foto mit den Halteringen ist toll!

  2. […] create even from the left-overs of the bubble years A German version of this posting you can find here. Eine deutsche Version dieses Artikels finden […]

  3. […] Odaiba (お台場) (German version) – Auch aus den Überbleibseln der Boom-Jahre lässt sich was Hübsches machen […]

  4. […] der Welt) und übertrifft seine Schwester auf der benachbarten (ebenfalls künstlichen) Insel, Odaiba, noch um 2 Meter. Die Fahrt mit diesem Riesenrad dauert 17 Minuten (weitere Details siehe […]

  5. […] und u.a. über die Rainbow Bridge (レインボーブリッジ) erreichbare, künstliche Insel Odaiba (お台場 / おだいば) ist mit einer Hallenkapazität von 81.000 qm der größte japanische […]

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