Ikegami Honmon-ji / 池上本門寺

Großartigkeit, die kaum einer kennt

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Eine englische Version dieses Artikels finden Sie hier.

00-honmon-ji

Wer großartige, buddhistische Architektur in Japan bewundern will, muss nicht unbedingt das Stadtgebiet Tōkyōs verlassen. Ein Ausflug, der die Ketten dessen, was Herr Baedeker zu berichten weiß, sprengt, führt uns nach Ikegami (池上 / いけがみ), im Süden von Ōta-ku (大田区 / おおたく). Und dort ist der gewaltige Honmon-ji (本門寺 / ほんもんじ) unser Ziel.

Man erreicht ihn entweder von Gotanda Bahnhof (五反田駅 / ごたんだえき ) mit der Tōkyū Ikegami Linie (東急 池上線 / とうきゅういけがみせん) bis Ikegami Bahnhof (池上駅 / いけがみえき)(von dort ca. 400 Meter in nördlicher Richtung) oder von Shinagawa (品川 / しながわ) mit der Keihin Tōhoku Linie (京浜東北線 / けいひんとうほくせん) bis Ōmori (大森 / おおもり) und von dort mit dem Bus ebenfalls in Richtung Ikegami Bahnhof (am besten an der Haltestelle „Honmon-ji mae“ (本門寺前 / ほんもんじまえ) – zwei Stationen vor Ikegami Bahnhof – aussteigen und dann ebenfalls in nördlicher Richtung gehen.

Schon in der Umgebung des weitläufigen, auf einem bewaldeten Hügel liegenden Geländes des Honmon-ji (本門寺 / ほんもんじ) kommt man an so vielen kleineren Tempelanlagen vorbei, dass man sich fast schon ein bisschen in die Tempelbezirke Kyōtos versetzt fühlt. All diejenigen, die sonst mehr das „moderne“ Tōkyō kennen oder die sich bisher auf „Meiji-Schrein und Konsorten“ beschränkt haben, kommen schon hier aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der südliche Hauptzugang zum Honmon-ji führt über eine gewaltige, 96 Stufen zählende Treppe hinauf.

Honmon-ji Treppe

Honmon-ji Treppe

Das über 300 Jahre alte Haupttor gibt schon einen Vorgeschmack über die gewaltigen Ausmaße des Tempels, der im Jahre 2008 seinen 400. Geburtstag gefeiert hat.

Honmon-ji Haupttor

Honmon-ji Haupttor

Dabei macht der Honmon-ji einen so gut renovierten Eindruck, dass sich sein Alter ohnehin nicht anhand des Zustandes seiner Gebäude bestimmen ließe.

Honmon-ji

Honmon-ji

Honmon-ji Hondo

Honmon-ji Hondo

Honmon-ji Hondo

Honmon-ji Hondo

Der Tempel geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Er wurde 1274 unter Nichiren (日蓮 / にちれん)(dem Gründer der gleichnamigen, buddhistischen Sekte) errichtet, der nur acht Jahre später hier verstarb (Grund genug, seine Asche hier „auszustellen“ und als Reliquie zu verehren). Der Hōtō, eine seit kurzem wieder in ganz besonders prächtigen Farben erstrahlende, im runden Sockelteil leuchtend rote Pagode unterhalb des Tempelgeländes, wurde an der Stelle der Verbrennung Nichirens errichtet – bei der heutigen Pagode handelt es sich um eine Rekonstruktion aus dem Jahre 1830 (andere Quellen nennen auch Daten aus den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts). Zur Erinnerung an den Todestag Nichirens (er war 61 Jahre alt geworden) wird jedes Jahr am Honmon-ji vom 11. bis 13. Oktober ein großes Festival (Oeshiki/お会式) abgehalten. Die Paraden der mandō (万燈 / まんとう; „10.000 Laternen“) und matoi (Standarten der Feuerwehrleute des alten Edo), begleitet von Flöten und Trommeln sind ein überwältigendes Ereignis, das alljährlich unzählige Besucher und Pilger anlockt.

Wenn Sie ein bisschen mehr über das Leben Nichirens erfahren möchten, schauen Sie sich doch auch einmal folgenden Artikel an:

Kamakura – 鎌倉 (3)
– Auf den Spuren des großen Sektengründers Nichiren und des Lotos-Sutra
Oder: Und wieder ist es jenseits der touristischen Trampelpfade am schönsten

Honmon-ji, Hōtō

Honmon-ji, Hōtō

Honmon-ji, Hōtō

Honmon-ji, Hōtō

Neben der großen Haupthalle des Tempels ist natürlich auch die fünfstöckige Pagode (die, wie das Haupttor während des 2. Weltkrieges halbwegs unversehrt blieb – bei den anderen Gebäuden auf den Gelände handelt es sich folglich um Rekonstruktionen) auf dem Friedhofsgelände sehenswert. Die 1608 erbaute Pagode gilt als älteste fünfstöckige Pagode Tōkyōs und ist mit ihren 29,4 Metern Höhe auch nicht gerade eine der ganz kleinen. Außerdem gilt sie als „wichtiges Kulturgut“. Mit einem 45 cm starken Hauptbalken, der vom Fundament bis in die Spitze der Pagode reicht, soll die Konstruktion stark und gleichzeitig flexibel genug sein, um Erdbeben der Stärke 7 überstehen können. Besonders sehenswert: die zwölf chinesischen „Tierkreiszeichen“, die das Erdgeschoss der Pagode zieren.

Honmon-ji Pagode

Honmon-ji Pagode

Honmon-ji, Pagoda

Honmon-ji, Pagode

Honmon-ji, Pagoda

Honmon-ji, Pagode

Die Originalbezeichnung des Tempelgeländes lautet übrigens „Chōeisan“ (“ewig blühender Berg“). Kein Wunder, dass auch der große Friedhof auf dem Tempelgelände durchaus als „sehenswert“ bezeichnet werden kann. Während meines erstens Besuchs am Honmon-ji wurde ich Zeuge einer Zeremonie, die auf uns vielleicht ein bisschen befremdlich wirkt: Ein junges Paar ließ sein offensichtlich neu erstandenes, schneeweißen BMW-Cabriolet in einer buddhistischen Zeremonie segnen. Man kann buddhistischen Tempeln sicher vieles vorwerfen, aber bestimmt keinen Mangel an gesundem Geschäftssinn….

Autosegnung

Autosegnung

Honmon-ji (Autosegnung)

Honmon-ji (Autosegnung)

An wenigen Tagen im Jahr ist auch der Landschaftsgarten des Honmon-ji zur Besichtigung geöffnet (ggf. vorher erfragen – für Japanischsprechende sei die Webseite des Tempels empfohlen: http://www.honmonji.jp/index.html) – dann allerdings sogar ohne Eintrittsgebühr. Der wirklich sehenswerte Park mit seinem hübschen Teich in der Mitte der Anlage, liegt nördlich des großen Veranstaltungsgebäudes (Achtung: hässlich!) und kann nur über dieses betreten werden. Der Garten lädt zum Schlendern ein und mehrere traditionelle Teehäuser zum Verweilen. Zudem befindet man sich hier auf historisch bedeutungsvollem Grund und Boden. Hier war während der Endphase der Edo-Zeit (und damit des Tokugawa-Shōgunats) einer der letzten Orte der Versammlung, des letzten Aufbäumens der Shogunatsregierung in den späten 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Mehrere Gedenktafeln erinnern an historische Ereignisse. Wohl dem, der Japanisch lesen kann.

Honmon-ji Garten

Honmon-ji Garten

Honmon-ji Garten

Honmon-ji Garten

Honmon-ji Teehaus

Honmon-ji Teehaus

Den Aufenthalt auf dem Hügel des Honmon-ji sollte man auf jeden Fall auch nutzen, um von den Aussichtspunkten einen Blick auf die umliegende Stadt zu werfen.

Unweit des Honmon-ji befindet sich der Ikegami Bai-en (池上梅園 / いけがみばいえん ), der in erster Linie während der Pflaumenblüte (Februar) geradezu ein Geheimtipp für ausländische Touristen ist. Ein separater Artikel befasst sich auch mit diesem sehenswerten Garten:

Ikegami Baien / 池上梅園 – Blütenmeer im Februar / A sea of blossoms in February

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2 Responses to Ikegami Honmon-ji / 池上本門寺

  1. […] der über dem Ikegami Baien thront. Und schauen Sie sich auch den Artikel „Ikegami Honmon-ji / 池上本門寺 – Großartigkeit, die kaum einer kennt“ […]

  2. […] German version of this posting you can find here. Eine deutsche Version dieses Artikels finden […]

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