Tōkyō Sky Tree – 東京スカイツリー

18. November 2010

Wenn hoch nicht mehr hoch genug ist…
When high isn’t high enough any more….
(Der englische Text folgt dem deutschen)
(The English text follows the German text)

Sky Tree - Machibiraki (スカイツリーまちばらき)

Sky Tree – Machibiraki (スカイツリーまちばらき)

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー)

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー)

Dieser Artikel ersetzt einen am 16. März 2010 veröffentlichten Artikel.
This article replaces one that had been published on March 16, 2010.

Auch Bauwerke, auf die man noch vor wenigen Dekaden unbändig stolz war, werden irgendwann ganz einfach „zu klein“, um noch den Anforderungen der Neuzeit entsprechen zu können. Dieses Schicksal bleibt nun auch dem gradiosen „Tōkyō Tower“ (東京タワー) (siehe auch: „Tōkyō bei Nacht / Tōkyō at Night“) nicht erspart. War man vor Kurzem noch stolz darauf, dass dieser „Bruder des Eiffelturms“ 20 Meter höher ist als sein Vorbild, genügen seine 333 Meter Höhe heute nicht mehr, um die terrestrischen, digitalen TV-Signale gleichmäßig im Hochhausmeer von Tōkyō zu verteilen. Deswegen wurde seit 2006 der letztes Jahr begonnene „Tōkyō Sky Tree“ (東京スカイツリー) im nordöstlichen Stadtteil Sumida geplant. Manche nennen den Turm, aufgrund seiner Nähe zum durch seinen Tempelbezirk bekannten, benachbarten Stadtteil auch „Asakusa Tower“ (浅草タワー).

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Er wird mit 634 Metern Höhe das höchste Bauwerk Japans werden (d.h. am 18.3.2011 hat er diese Bauhöhe erreicht und damit vielleicht auch ein kleines Signal dafür gesetzt, dass Japan sich auch von Katastrophen nicht unterkriegen lässt) und der höchste Fernsehturm der Welt. Basierend auf einem fast dreieckigen Grundriss, der sich nach oben verjüngt und schließlich rund wird (Verwindungen der tragenden Stahlkonstruktion sollen besonders hohe Erdbeben- und Sturmresistenz gewährleisten), wird der Turm Aussichtsplattformen in 350 Meter Höhe 450 Meter Höhe bieten.

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) - er wächst/see it grow

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) – er wächst/see it grow

Bei einem Baustellenbesuch am 15.3.2010 war eine Bauhöhe von 311 Metern erreicht – inzwischen (Mitte November 2010) verharrt die Bauhöhe seit einiger Zeit auf 497 Metern, weil die restliche Bauhöhe überwiegend aus Antennenaufbauten bestehen wird. Die vielleicht grandioseste Baustelle dieser Welt – auf jeden Fall aber die anscheinend bei der Bevölkerung beliebteste Großbaustelle.

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 15.03.2010

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 15.03.2010

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Even buildings which made us proud a couple of decades ago because of their overwhelming size may become „too small“ to fit to the demands of modern times. A destiny also the mighty „Tōkyō Tower“ (東京タワー) (see also: „Tōkyō bei Nacht / Tōkyō at Night“) cannot be spared. Not too long ago Japanese were most proud of the fact that their „big brother“ of the Eiffel Tower is 20 metres taller than it’s French role-model. Nevertheless, its 333 metres of height simply don’t suffice any longer to evenly distribute digital TV signals through the jungle of high-rise buildings of Tōkyō. That’s why a new tower was planned since 2006 and has been under construction as „Tōkyō Sky Tree“ (東京スカイツリー) since last year in Tōkyō’s Sumida District. Some people tend to call it “Asakusa Tower“ (浅草タワー), due to the close location of the neighbouring Asakusa District with its famous temple district.

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

 

With its 634 metres it will be the tallest building of Japan and the tallest of its kind in this world (in fact, that hight was reached on 18.3.2011, also as a demonstration of Japan’s will and ability to survive even catastrophies). Based on a triangle foundation it will narrow to a round shape towards its top (slightly twisting the the outer steel construction will make the tower particularly resistant toward earth quakes and storms). The tower will provide observation decks in 350 and 450 metres height.

When I visited the construction site on March 15, 2010 the building was already 311 metres tall – in the meantime it has reached a hight of 497 metres (mid-November 2010) and hasn’t grown further for quite a while. The reason: the majority of the remainder of the building’s height will be antenna constructions. Maybe the most spectacular construction site of this world – but in any case the most beloved by the people of Tōkyō.

 

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Der Bau des Turmes hat bereits das ganze Viertel verändert. Die Baustelle ist eine der meistbesuchten Orte in der Stadt. Überall dort, wo man die Baustelle ganz besonders gut sehen kann und der Turm sich besonders malerisch im Wasser spiegelt, sind die Besuchermassen besonders zahlreich vertreten – allerdings überwiegend Einheimische. Die Geschäfte rings um den Turm haben sich bereits voll auf die neue Attraktion eingestellt. Cafés bieten mehr oder weniger “malerische” Blicke auf die Baustelle. Die Andenkenläden verkaufen bereits entsprechende “Devotionalien”. Und selbst der ehrwürdige Kameido Tenjin (siehe „Kameido Tenjin (亀戸天神) – Heimstätte der „Kami“ und der „Kame“) scheint vor der Grandiosität des neuen Wahrzeichens der Stadt kapituliert zu haben: Dieses Jahr gab es dort anlässlich der herbstlichen Chrysanthemenausstellung einen mehrere Meter hohen “Chrysanthementurm” zu bestaunen.

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Asakusa (浅草) - Azumabashi (吾妻橋)

Asakusa (浅草) – Azumabashi (吾妻橋)

The new tower does already have a grave impact of the surrounding areas. The construction site is one of the most visited in the city. All the spots which of a particularly good view to the building site are mostly occupied by local visitors. Also the shops around the Tōkyō Sky Tree have adapted to the new needs. There are coffee shops offering more or less “picturesque” views to the construction lot. The souvenir shops offer various kinds of “devotional objects”. Even the dignified Kameido Tenjin (see also: “Kameido Tenjin (亀戸天神) – Home of „Kami“ and „Kame“) seems to have surrendered to the grandeur of the new landmark. During this year’s Chrysanthemum exhibition there also a “Chrysanthemum Tower” of some metres’ height was shown.

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) Memorablia

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) Memorablia

 

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) Memorablia

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) Memorablia

Kameido Tenjin (亀戸天神) - Chrysanthemum Exhibition

Kameido Tenjin (亀戸天神) – Chrysanthemum Exhibition

Wie man hinkommt:
Narihirabashi (業平橋 / なりひらばし) Bahnhof der Tōbu Isesaki Linie (東武伊勢崎線 / とうぶいせさきせん), Westausgang.
U-Bahnhof Honjo-Azumabashi (本所吾妻橋 / ほんじょあずまばし) der Toei Asakusa-Linie (都営浅草線 / とえいあさくさせん), Ausgang A4, ca. 100 Meter in nördlicher Richtung laufen.
Oder, wenn man sich ohnehin auf dem Weg nach Asakusa (浅草 / あさくさ) oder Mukōjima (向島 / むこうじま) befindet, mit der Ginza-Linie (銀座線 / ぎんざせん) bis zur U-Bahnstation “Asakusa” ( 浅草 / あさくさ) und dort den Ausgang 4 zur Azumabashi (吾妻橋 / あずまばし) nehmen – der “Tōkyō Sky Tree” ist schon von Weitem zu sehen.

How to get there:
Narihirabashi (業平橋 / なりひらばし) Station of the Tōbu Isesaki line (東武伊勢崎線 / とうぶいせさきせん), West Exit.
Subway station Honjo-Azumabashi (本所吾妻橋 / ほんじょあずまばし) of the Toei Asakusa line (都営浅草線 / とえいあさくさせん), exit A4, and about 100 metres walk in northern direction.
Or, if you’re on your way to Asakusa (浅草 / あさくさ) or Mukōjima (向島 / むこうじま), take the Ginza line (銀座線 / ぎんざせん) to subway station “Asakusa” ((草 / あさくさ). There take exit to the Azumabashi (吾妻橋 / あずまばし) – the “Tōkyō Sky Tree” can be seen from far away already.

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) 16.11.2010

 

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) - Computer Graphics

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) – Computer Graphics

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) completed

Tōkyō Sky Tree (東京スカイツリー) completed

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Mukōjima – 向島 (3)

13. April 2009

Perle am Sumidagawa (Teil 3)

teil-3

Während der ersten beiden Teile meiner “Mukōjima-Trilogie” haben wir die ersten Stationen auf unserem Pilgerweg zurück gelegt – heute bringen wir unseren Rundgang zum Abschluss.

Je nachdem, wie viel Zeit man zur Verfügung hat, kann man sich an dieser Stelle entscheiden, ob man seine Pilgerschaft zu den restlichen drei Glücksgöttern fortsetzt oder sich einen Spaziergang durch die malerischen Gassen von Mukōjima gönnen soll. Ich hatte mich bei meinem ersten Besuch für die „Altstadt” entschieden. Ein besonders malerischer Teil lässt sich recht einfach erreichen, indem man in Richtung des Süßigkeitengeschäfts „Kototoi Dango” (言問団子), an dem man zuvor vorbei gekommen ist, zurück läuft und dann die breite Hauptstraße Nr. 461 (Bokutei-Dōri) (墨堤通り) in Richtung Norden einschlägt. Vorbei an der Asahi Bierbrauerei (アサヒビール) (auf der linken Straßenseite) bis zu nächsten Ampel (ca. 400 Meter vom Kototoi Dango entfernt) und dann nach rechts in die Hatonomachi Dōri (鳩の街通り/ はとのまちとおり ) (Taubenstadtstraße) abbiegt.

Hatonomachi Dōri

Ich bin mir ziemlich sicher: Wer vorher schon andere „shitamachi” (下町 / したまち) (Unterstädte) Tōkyōs gesehen hat und diese schon faszinierend fand, wird sich in die Hatonomachi Dōri erst recht verlieben. Hier fühlt man sich wirklich in eine längst vergangene Welt kleinbürgerlicher Beschaulichkeit zurück versetzt. Die unzähligen, kleinen Geschäfte, die malerischen Seitengassen und Wohngebäude sind ganz einfach den Besuch und das Durchschlendern wert. Dabei ist Mukōjima hier – z.B. im Vergleich mit Yanaka (einer anderen, berühmteren „shitamachi”) – in erfrischender Weise untouristisch. Hier scheinen „wirklich” noch Leute zu leben. Wohnhäuser und Geschäfte sind authentischer, weniger marktschreierisch, liebenswerter eben. Ein halbes Stündchen durch die Gassen zu schlendern, ist jedenfalls ein Erlebnis, das (zumindest für mich) die Grandiosität anderer, berühmterer Sehenswürdigkeiten Tōkyōs bei Weitem in den Schatten stellt. Vielleicht wirkt hier alles nicht so supermodern, wie in andern Teilen Tōkyōs, aber Mukōjima „lebt” und ist alles andere als im superschicken Charme des neuen Tōkyō erstarrt. Wer hätte gedacht, dass ich „Landleben” mitten in der Stadt würde finden können?

Hatonomachi Dōri

Hatonomachi Dōri

Am südöstlichen Ende der Hatonomachi Dōri hat man dann die Möglichkeit, entweder über die Mito Kaidō, eine breite, nicht mehr ganz so charmante Einkaufs- und Geschäftsstraße, zurück zum Sumida Kōen zu laufen (ca. 1.500 Meter), oder seinen Pilgerweg zu den anderen drei Glückgöttern Mukōjimas fortsetzen.

Im Norden befindet sich noch der Mukōjima Hyakkaen (向島百花園 / むこうじまひゃっかえん) (Garten der hundert Blumen) den ich bisher noch nicht besucht habe (deswegen gibt es hier auch noch keine Bilder). Dorthin gelangt man über die Mito Kaidō bis zur Kreuzung „Higashi Mukōjima” (東向島), wo man sich nach links (Westen) hält und auf die Meiji Dōri (明治通り / めいじとおり) wechselt. Nach ca. 400 Metern liegt der Garten auf der linken Seite der Meiji Dōri. Und auch wenn sich hier weder ein Schrein noch ein Tempel befinden, ist der Garten Heimstätte für Fukurokuju (福禄寿 / ふくろくじゅ), die Gottheit des Reichtums, der Weisheit und des langen Lebens. Gegen ein geringes Entgelt kann der Park betreten werden.

Folgt man vom Mukōjima Hyakken der Meiji-Dōri weiter in nordwestlicher Richtung bis zur Kreuzung Shirahigebashi Higashimusubi (白鬚橋東結 / しらひげばしひがしむすび) und biegt dort nach links auf die Bokutei-Dōri (墨堤通り) in südlicher Richtung ab, findet man nach ca. 300 Metern linker Hand den Shirahige Jinja (白鬚神社 / しらひげじんじゃ), der Schrein des „weißbärtigen Gottes”. Der Schrein war während der Krönungsfeierlichkeiten des jetzigen Kaisers (Heisei / 平成 / へいせい) von Terroristen niedergebrannt worden – davon ist heute nichts mehr zu sehen. Die hübsche kleine Anlage erinnert heute wieder an ihre Ursprünge in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Der Name des Schreins erklärt sich auch aus seiner Beziehung zu Jurōjin (寿老神 / じゅろうじん), der Gottheit des langen Lebens und der Gesundheit, der meist als langbärtiger Alter dargestellt wird.

Shirahige Jinja / 白鬚神社

Shirahige Jinja / 白鬚神社

Shirahige Jinja / 白鬚神社

Shirahige Jinja / 白鬚神社

Ziemlich weitab liegt die „Heimstätte” des siebten Glücksgottes, Bishamonten (毘沙門天 / びしゃもんてん), der Schutzgöttin des Militärs, aber auch der Selbstverteidigungskünste, des Sports (inkl. Golf): Der Tamon-ji (多聞寺 / たもんじ) – ein sehr schmucker, wohl-gepflegter, kleiner Tempel, dem Bishamonten offensichtlich wohlgesonnen ist. Wer den langen Fußweg vom Shirahige-Jinja vermeiden möchte (ca. 3 km), kann ihn entweder mit der Tōbu Isesaki-Linie von Higashi Mukōjima Bahnhof (東向島駅 / ひがしむこうじまえき) nach Kanegafuchi Bahnhof (鐘ヶ淵駅 / かねがふち) (nur eine Station entfernt) erreichen. Von dort zu Fuß zurück zur Bokutei-Dōri (墨堤通り) und dann ab der Kreuzung Kanegafuchi Rikkyō (鐘ヶ淵 陸橋 / かねがふちりっきょう) in nördlicher Richtung. Und dort schaut man dann wahrscheinlich am besten in einen mitgebrachten Stadtplan. Aber bitte nicht erschrecken: Der Tempel selbst liegt zwar in einem ganz schnuckeligen Wohngebiet, ist aber umgeben von einem großen und ziemlich hässlichen Gewerbegebiet und der Hochstraße des “Shuto Expressway Nr. 6″.
Der Tamon-ji gilt als eines der ältesten erhaltenen Bauwerke Tōkyōs und stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Außerdem befindet sich hinter dem Haupttor des Tempels rechter Hand ein kleines Mahnmal, das an die Zerstörungen, die die Stadt während des 2. Weltkriegs erlitten hat, erinnert.

Tamon-ji / 多聞寺

Tamon-ji / 多聞寺

Tamon-ji / 多聞寺 - 2. Weltkrieg-Mahnmal

Tamon-ji / 多聞寺 - 2. Weltkrieg-Mahnmal

Tamon-ji / 多聞寺

Tamon-ji / 多聞寺

Und wer sich dann schon so weit in den Norden von Sumida-ku vorgewagt hat, wird wohl mit der Bahn zum Anfangspunkt des Spaziergangs zurück kehren wollen. Am besten kehrt man deswegen zur Station Kanegafuchi (鐘ヶ淵駅 / かねがふち) zurück und nimmt die Tōbu Isesaki-Linie nach Asakusa (浅草 / あさくさ) (vier Stationen bis zur Endstation) – der Weg zu den U-Bahnen, die etwas südlich des Bahnhofs von Asakusa liegen, wo unser Rundgang begonnen hatte, ist beschildert.

Mehr zu Mukōjima in:
Mukōjima – Perle am Sumidagawa (1)
Mukōjima – Perle am Sumidagawa (2)


Mukōjima – 向島 (2)

12. April 2009

Perle am Sumidagawa (Teil 2)

teil-21

Nachdem wir im letzten Artikel den Ushijima-Jinja gesehen haben, setzen wir heute unseren Pilgergang zu den sieben Glücksgöttern Mukōjimas fort:

Entweder entlang der Uferpromenade des Sumidagawa oder auf einer der östlich parallel verlaufenden Straßen dringt man nun weiter in Richtung Norden vor. Schon nach wenigen 100 Metern erreicht man so den Mimeguri Jinja (三囲神社 / みめぐりじんじゃ), (Bild 8) wo man bereits den ersten beiden der sieben Glücksgötter huldigen kann. Im Mimeguri Jinja sind Daikokuten (大黒天 / だいこくてん), der Gott des Reichtums, der Ernte, der Nahrung und der Küche und Ebisu ( 恵比寿 / えびす) der Gott des Reichtums, Patron der Transportmittel, der Fischerei und des Handels, aber auch der Taucher zu Hause.

Mimeguri Jinja

Dem unbedarften Besucher des kleinen, aber feinen Schreins fällt zunächst der ziemlich neuwertige Zugangsbereich auf, der erst letztes Jahr in hellem Granit ausgestaltet wurde. Dass der Schrein kein ganz armer sein kann, erklärt sich aber schon aus der Tatsache, dass er sozusagen der „Hausschrein” der Familien des Mitsui-Konzerns und des Mitsukoshi-Konzerns ist. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann man u.U. die kompletten Führungsspitzen der Konzerne hier versammelt sehen, um für eine gedeihliche Entwicklung des Unternehmens zu beten. Und Ebisu ist ja in jedem Fall der richtige Glückgott, um ihn um Unterstützung im Handel zu bitten.
Was vielleicht etwas ungewöhnlich ist: Der Schrein wird sowohl von steinernen Wachhunden als auch „Wach”-Füchsen beschützt, die am Zugang zum Hauptschrein stehen (Bild 9). Die Füchse stehen dem Schreingebäude näher, weil sie als „Kommunikatoren” zur Hauptgottheit des Schreins, Inari (稲荷 / いなり), gelten. Auf der rechten Seite des Zugangs zum Hauptschrein erinnert ein in einen großen Naturstein gehauenes Haiku (俳句 / はいく) (17-silbiges, japanisches Gedicht) an eine wundersame Bewandtnis des Jahres 1693. Damals sollen die Bauern sich am Schrein eingefunden haben, um mit Gebeten für Regen für die bedrohlich trockenen Reisfelder zu bitten. Der Dichter, Takarai Kikaku, der zufällig vorbei ging, fühlte sich von der Verzweiflung der Bauern angesprochen und komponierte das besagte Haiku. Und siehe da: Schon am nächsten Tag wurden die Reisfelder von einem kräftigen Regen überflutet. Da sag’ nur einer, mit Dichtkunst allein ließe sich die Welt nicht ernähren!

Mimeguri Jinja

Die anderen, meist sehr kleinen Schreine auf dem Gelände sind eher etwas unscheinbar bis ein wenig herunter gekommen. Interessant sind aber die Statuen eine alten Frau und eines alten Mannes (Bild 10), die zwischen den Zugängen zu zwei weiteren Schreinen hinter dem Hauptgebäude des Schreins zu finden sind. Sie stellen Zauberer dar, die die Fähigkeit hatten, sich mit den Füchsen zu unterhalten, die wiederum der Göttin Inari (稲荷 / いなり) die Wünsche der Menschen überbringen konnten. Diese Statuen sollen aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen.
Für Deutsche sicher auch nicht gänzlich uninteressant: Auf dem Schreingelände befindet sich eine Gedenktafel, die an Wilhelm Höhn erinnert, einen Deutschen, der in der Meiji-Zeit (1868-1912) das preußische Polizeisystem in Japan eingeführt hat. Sein Diensteifer, seine Pünktlichkeit und seine stets blitzblank gewienerten Stiefel werden darauf lobend erwähnt. Er muss wohl ein mustergültiger Preuße gewesen sein. Der Vollständigkeit halber sei aber auch erwähnt, dass er auch nach Jahren des Lebens und Arbeitens in Japan die japanische Küche abgelehnt hat und offensichtlich von „deutschen” Gepflogenheiten kaum abgewichen ist.

Mimeguri Jinja

Vom Mimeguri Jinja bietet sich wieder ein kleiner Abstecher zur Uferpromenade an, um einen Blick auf die Sakurabashi ( 桜橋 / さくらばし) (Kirschblütenbrücke) zu werfen. Unter den mächtigen Autobahnbrückenanlagen am östlichen Ufer des Sumidagawa, die man auf dem Weg zur Sakurabashi unterqueren muss, haben die Obdachlosen Zelte und Planenhäuser aufgebaut.
Die Sakurabashi ist im Zuge der „Revitalisierung” des Ufers des Sumidagawas erbaut worden. Mit ihrer eigenartigen X-Form steht sie ausschließlich Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung.

Nach einem kurzen Blick den Fluss hinauf und hinunter kann man die nächsten beiden Glücksgötter ansteuern. An der Zufahrt zur Hochstraße biegt man hierzu nach Osten (rechts) von der Uferpromenade ab, vorbei am „Kototoi Dango” (言問団子) (Bild 11), einem Geschäft, wo man japanische Süßigkeiten kaufen kann (Reismus-Kugeln auf Holzspießchen, in süße Soße eingelegt) und biegt an der nächsten Ampel wieder in südlicher Richtung ab. Gleich in der nächsten Straße erreicht man so den Chōmei-ji (長命寺 / ちょうめいじ), wo Benzaiten (弁財天 / べんざいてん), die Gottheit der Literatur, Kunst, Wissenschaft, Freude, Tugend, des langen Lebens, des Wohlwollens; die Patronin der Handwerkskunst (inkl. PC und Elektronik) besucht werden kann. Benzaiten, wird meist mit einer Biwa (琵琶 / びわ) (japanische Laute) im Arm dargestellt. Ansonsten ist die Betonkonstruktion des Chōmei-ji wenig ansprechend – da nutzt auch das Wissen darum, dass der Tempel im 16. Jahrhundert seinen Ursprung nahm, wenig. Heute ist er Heimstätte für einen florierenden Kindergarten.

Kototoi Dango

Um so sehenswerter ist der Kōfuku-ji (弘福寺 / こうふくじ) gleich nebenan (Bild 12, Bild 13). Hier ist der Glücksgott Hoteison (布袋尊 / ほていそん), der Beschützer des harmonischen Miteinander, in Familie, Geschäft und Schule, Ziel der Pilger. Er wird meist als dicker Zen-Mönch, der einen Beutel trägt, dargestellt. Der Kōfuku-ji mit seiner gewaltigen, chinesisch anmutenden Holzarchitektur, ist ein wahres Schmuckstück. Wer sich dafür interessiert, kann hier hier handgearbeitete Tabletts aus dem Holz der Zeder von Nikko erwerben. Aber ich habe mir lieber das Tempelgelände, seine große Glocke und den Friedhof (Bild 14) angesehen. Ich war fasziniert von dem kleinen, bückenartigen Gang, der das Hauptgebäude des Tempels mit dem angrenzenden Wohn- und Verwaltungsgebäude verbindet. Auch wenn alles auf sehr beengtem Raum Platz finden musste, war ich doch besonders begeistert von der altertümlichen und besonders friedvollen Atmosphäre der Anlage. Und chinesische Architektur in dieser feinen Art bekommt man in Tōkyō auch nicht allzu oft zu sehen.

Kōfuku-ji

Kōfuku-ji

Kōfuku-ji

Fortsetzung folgt…..

Mehr zu Mukōjima in “Mukōjima – Perle am Sumidagawa (1)
Mehr zu Mukōjima in “Mukōjima – Perle am Sumidagawa (3)


Mukōjima – 向島 (1)

12. April 2009

Perle am Sumidagawa (Teil 1)

Mukojima

Und hier nun endlich ein Artikel von der Sorte, für die diese Webseite ins Leben gerufen wurde.

Ich nehme Euch mit auf einen Spaziergang durch eine meiner liebsten Ecken von Tōkyō: Mukōjima (向島 / むこうじま). Diese “shitamachi” (下町 / したまち) (Unterstadt) des alten Edo (江戸 / えど) (für all diejenigen, die es nicht wissen: Tōkyō hieß in den Tagen der Shōgune “Edo”) gehört wahrscheinlich nicht zu den Orten Tōkyōs, von denen Herr Baedeker viel zu berichten weiß, und die meisten Touristen aus Übersee wird es kaum hierher verschlagen (auch wenn der berühmte Tempelbezirk von Asakusa gleich um die Ecke liegt). Aber vielleicht gerade deswegen ist dieser Teil der Stadt wirklich einen Besuch wert. Wer sich in ein Tōkyō längst vergangener Tage zurück versetzen und ein echtes „shitamachi-Gefühl” (下町情緒 / したまちじょうちょ) erleben möchte, ist hier bestens aufgehoben.
Mit der Ginza-Linie geht es zunächst zur U-Bahnstation Asakusa (浅草 / あさくさ). Der nächste Ausgang (Nr. 4) (Bild 1) bringt an der südlichen Westseite der Azumabashi (吾妻橋 / あずまばし) (Azuma-Brücke) wieder ans Tageslicht. Diese Brücke führt ganz automatisch über den Sumidagawa (隅田川 / すみだがわ) (Sumida-Fluss). Auf der anderen Seite des Flusses sieht man schon von Weitem die eindrucksvollen Gebäude der Asahi Brauerei (アサヒビール) (Bild 2) mit dem etwas befremdlich wirkenden, goldenen „Kunstobjekt” auf dem Dach der „Asahi Beer Hall” (アサヒビールホール) – ob es nun eine „goldene Bierfahne” darstellen soll oder was ganz anderes (ich habe meine eigene Theorie, die schon aus Gründen der Appetitlichkeit hier nicht erörtert werden soll), sei dahin gestellt. Darüber sollte man aber ohnehin nicht vergessen, einen Blick auf den Fluss zu werfen, wo es so genannte „yakatabune” (屋形船 / やかたぶね) (Hausboote) (Bild 3) zu sehen gibt, die für Vergnügungsfahrten auf dem Fluss und der Bucht von Tōkyō sehr beliebt sind. Da die Boote meist nur gruppenweise gebucht werden können und auch nicht ganz billig sind, wird man als Tourist kaum in die glückliche Lage kommen, an einer solchen launige Fahrt teilnehmen zu können.

Asakusa Station

Kirin Bier-Brauerei

Yakatabune

Am Ostufer des Sumidagawa überquert man die Azumabashi unter der Hochstraße (Shuto Expressway Nr.6, Mukōjima Linie) und hält sich in nördlicher Richtung entlang der nur bedingt idyllischen Uferpromenade des Sumidagawa. Dabei hat man erst vor ein paar Jahren die Ufer des Sumidagawa wieder etwas „ansehnlicher” gestaltet, nachdem sie in den 70er Jahren zu sterilen Betonwänden degradiert worden waren. Damit will man dem alten Edo-Charme des Stadtteils wieder zu etwas Leben verhelfen – schließlich war in alten Tagen gerade das Ufer des Sumidagawa berühmt für seine Kirschblüte (es erobert sich diese Berühmtheit gerade wieder zurück). Hier hat sich früher vorzugsweise der Adel und Geldadel getummelt. Den Bemühungen um die Ufergestaltung zum Trotz, leidet die Promenade natürlich unter der gigantischen Hochstraße, die über ihr verläuft. Noch weiter nördlich haben auch die Obdachlosen der Stadt ihre Heimat gefunden – unter dem Schutz, den die Hochstraße bietet, leiden ihre Plastik- und Papierhütten nicht so sehr. Die Obdachlosen mögen den Stadtvätern ein Dorn im Auge sein, aber ich habe noch in keiner Stadt der Welt so „ordentliche” Obdachlose gesehen (schließlich zieht sich in unseren Breiten noch nicht mal der Wohlhabendste die Schuhe vor Betreten der Wohnung aus – selbst den Obdachlosen Tōkyōs in ihren Holz- und Plastikhütten wäre ein solches Verhalten unvorstellbar). Eine kritische Würdigung der Obdachlosen Tōkyōs wäre zwar vielleicht auch notwendig, gehört aber wohl nicht hierher. Jedenfalls: Keine Angst! Hier wird niemand angebettelt oder sonstwie angemacht. Aber bitte nicht vergessen, dass ein Obdachloser – aus welchen Gründen auch immer er dazu geworden sein mag – nicht mit einem exotischen Tier in freier Wildbahn zu verwechseln ist und sicher nicht dankbar dafür ist, wenn er zum Fotoobjekt degradiert wird.

Setzen wir unseren Rundgang also fort: Nachdem der Fußweg entlang des Flusses eine Biegung nach rechts vollführt hat, überquert man einen Seitenarm des Sumidagawa über die Makurabashi, unterquert die Hochstraße und sieht rechter Hand auf der anderen Straßenseite den Sumida Kōen (墨田公園 / すみだこうえん) (Sumida Park). Je nach Jahreszeit, ist dieser Park auf jeden Fall einen Besuch wert – im Sommer und Winter sicher weniger als im Herbst (Bild 4) oder Frühling (aber das gilt für die meisten Parks der Stadt). Hier hatte Fürst Tokugawa von Mito seine Vorstadt-Residenz, deren Garten sich ganz besonderer Wertschätzung (auch beim Kaiser und seiner Gattin) erfreut hatte. Nach den katastrophalen Zerstörungen durch das große Erdbeben von 1923 wurde der Park im Jahr 1931 zum öffentlichen Raum erklärt und in den Folgejahren versucht, die ursprüngliche, japanische Gartenlandschaftsanlage neu erstehen zu lassen. Eigentlich ein wirklich hübscher Park, der am Wochenende bei Familien sehr beliebt ist, aber je nach Jahreszeit ein kleines bisschen vernachlässigt wirkt.

Sumida Koen im Herbst

Allerdings ist der Sumida Kōen der richtige Ausgangspunkt für eine Pilgerschaft zu den Tempeln und Schreinen Mukōjimas, die den Shichifukujin (七福神 / しちふくじん) (sieben Glücksgötter) geweiht sind. Ihre Heimstätten sollen die Route für diesen Rundgang vorgeben.
Noch ohne „Glücksgott” auskommen muss der Ushijima Jinja (牛島神社 / うしじまじんじゃ), (Ushijima Schrein) der der Schutzgottheit dieser Gegend geweiht ist, der nördlich an den Park grenzt.( Bild 5, Bild 6)

Ushijima Jinja

Ushijima Jinja

Und auch wenn der Schrein sicher nicht zu den „berühmten” Orten Tōkyōs gehört, so begeistert seine Anlage doch von Anfang an und nimmt für sich gefangen. Das sind die Fleckchen in Tōkyō, die einen in eine andere Welt abtauchen lassen. Sie wirken altertümlich, strahlen endlose Ruhe aus und bieten die schlichte und doch aufwändige Holzarchitektur, die gerade dem Auge des Betrachters aus dem Westen so wohlgefällig ist. Neben den Gebäuden auf dem Schreingelände ist auch eine der Kuhstatuen von Interesse (deswegen auch der Name: Ushi = 牛 = うし = Kuh). Sie war dem Schrein im Jahr 1824 geschenkt worden (Bild 7). Der Statue geht der Ruf voraus, dass Berührungen des Körpers der Kuh Erkrankungen an den korrespondierenden Körperteilen des Schreinbesuchers auf wundersame Weise heilen. Der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge. Die besonders „glänzenden” Stellen der Kuhstatue geben Aufschluss über die häufigsten körperlichen Beschwerden der Schreinbesucher.

Ushijima Jinja

Fortsetzung folgt……

Mehr über Mukōjima: “Mukōjima – Perle am Sumidagawa (2)
Mehr über Mukōjima: “Mukōjima – Perle am Sumidagawa (3)


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